(vom 07. bis 10. Juni):

Vatikan

Auschwitz: Gegen einen Schlußstrich unter Auschwitz hat sich Johannes Paul II. am Montag bei einer Audienz für Mitglieder der Vereinigung "Opfer und Überlebende von Auschwitz" gewandt. Die Kirche wolle alle Generationen an das begangene Unrecht erinnern.

Jugendliche: In einer Grußbotschaft zur 1 700-Jahrfeier der kroatischen Stadt Split hat der Papst rund 50 000 versammelte Jugendliche ermuntert, "Nein" zu sagen zu unechten Idealen und falschen Idolen. Er warnte vor Hedonismus, Materialismus, Konsumrausch und Drogen. Vielmehr sollten sie das Leben und die Familie bejahen. Die Feierlichkeiten waren wegen des Krieges von 1991 auf dieses Jahr vertagt worden.

Beileid: Papst Johannes Paul II. hat am Freitag seine Anteilnahme für die Opfer des Hubschrauberabsturzes in der Nähe von Dortmund ausgedrückt.

Kommunismus: Bei einer Audienz für tschechische Pilger hat Johannes Paul II. am Samstag die Rolle der Kirche bei der Überwindung von Kommunismus und Totalitarismus hervorgehoben. Trotz Opfer habe der stille Protest oft zum Sieg beigetragen.

Familienzusammenführung: Bei einer Audienz für Flüchtlingshelfer im ehemaligen Jugoslawien hat der Papst am Samstag erklärt, daß ein Wiederaufbau nur möglich sei, wenn es eine innere Bereitschaft zu Vergebung und Versöhnung gebe. Die Zusammenführung von Familien müsse oberste Priorität genießen.

Umwelt: Bei einer Audienz für Teilnehmer eines in Rom stattfindenden Umweltkongresses hat Papst Johannes Paul II. zu internationaler Solidarität, vor allem mit den künftigen Generationen, aufgefordert.

Jubiläum: Die Feierlichkeiten zum Jahr 2000 werden die Stadt nicht in ein Verkehrschaos stürzen. Dies versprach ein Vertreter des italienischen Episkopats, Bischof Angelo Comastri. Rom brauche schon seit Jahren eine bessere Infrastruktur. Das Jubiläum zwinge die Stadtverwaltung nur endlich zum Handeln, sagte der Bischof, der im Vorbereitungskomitee des Vatikans sitzt. - Als besonderes Pilgerziel hat Johannes Paul II. die Katakomben empfohlen. Für das Jahr 2000 sollen daher mehr Katakomben als bisher der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Geldwäscherei: Ein Vatikansprecher hat jede Beteiligung der Vatikanbank an Geldwäsche zurückgewiesen. Im Zusammenhang mit Vorwürfen gegen den Erzbischof von Barcelona, der ebenfalls in solche Geschäfte verwickelt sein soll, erklärte dessen Anwalt, es lägen keine Beweise vor. Auch der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz hat sich hinter den Amtskollegen gestellt.

Bischofssynode: Ein Rat von Bischöfen und Kardinälen hat mit der Planung einer möglichen Bischofssynode für Ozeanien und Australien begonnen.

Habitat II.: Beim Angelusgebet am Sonntag hat Papst Johannes Paul II. das Recht aller Menschen auf geordnete Wohnverhältnisse unterstrichen. Er warnte davor, angesichts der wachsenden Probleme in den Slums der Großstädte zu resignieren. - Vatikanvertreter erklärten auf einer Pressekonferenz zu Habitat II., daß sich der kirchliche Beitrag zur Bewältigung des Wohnraumproblems in der Sozialarbeit, der Flüchtlingshilfe und im humanitären Einsatz von Kirchenleuten zeige. Außerdem werde immer zuerst die Familienzusammenführung gefordert.

Papstrücktritt: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hält einen Rücktritt des Papstes irgendwann einmal für nicht unmöglich. Gegenüber der Grazer "Kleinen Zeitung" warnte er aber vor Spekulationen.

Personalien: Papst Johannes Paul II. hat am Samstag zu Konsultoren des Päpstlichen Rates für das Gesundheitswesen die Weihbischöfe Andreas Laun aus Salzburg und Josef Voss aus Münster ernannt. Der St. Pöltener Weihbischof Heinrich Fasching wurde zum Mitglied des Päpstlichen Rates Justitia et Pax berufen.

Papstbesuch:

Freude: Der Erzbischof von Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt, hat erklärt, die Begegnung der Gläubigen mit dem Papst stelle eine eindrucksvolle Verbindung der Ortskirche mit der Weltkirche dar. Der ökumenische Impuls werde im Erzbistum Paderborn gerne aufgegriffen. Für die Papstmesse haben sich schon 80 000 Besucher angemeldet.

Menschenrechte:

Kinderarbeit: In ihrem jetzt in Genf veröffentlichten Bericht verurteilt die Internationale Arbeitsorganisation die anhaltende Ausbeutung von Kindern. Allein 73 Millionen Mädchen und Jungen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren wurden von der Uno-Institution statistisch als illegal Beschäftigte erfaßt. Die Dunkelziffer wird wesentlich höher geschätzt, da viele in Familienbetrieben mithelfen müßten.

Abtreibung: Die lateinamerikanische Kirche hat am Samstag zahlreiche Regierungen des Kontinents wegen ihrer Haltung zu Abtreibung und Sterilisation kritisiert. Auf dem Familienkongress in Mexiko-City erklärte Kurienkardinal Lopez Trujillo, die Kirche könne viele politische Ziele nicht mehr mittragen.

Haftdauer: Die Regierung von Australien hat das Regime in Burma wegen einer neuen Gesetzesinitiative verurteilt, wonach Oppositionelle bis zu 20 Jahren in Haft gehalten werden dürfen.

Amnestie: Die katholische Kirche hat am Sonntag erneut die Amnestie-Initiative der Regierung in Panama-City scharf kritisiert. Das neue Gesetz sieht vor, Gefangene des früheren Noriega-Regimes sofort freizulassen.

Kinderprostitution: Salesianer und Schwestern zum Guten Hirten haben in der Hauptstadt Sri Lankas ein Beratungszentrum für Opfer von Kinderprostitution eröffnet. Ihre Initiative richtet sich gegen das Problem des Kindermißbrauchs beim Sextourismus.

Krisengebiete:

Beendet: Ein Schiff mit 500 Flüchtlingen aus Liberia und anderen westafrikanichen Ländern darf in einem Hafen Ghanas vor Anker gehen. Dies teilte der Uno-Flüchtlingskomissar in Genf mit. Damit wurde eine 12-tägige Odyssee beendet.

Hilfsappell: Die UNO hat die Völkergemeinschaft um Hilfsleistungen in Höhe von 65 Millionen Mark für die Opfer der Flutkatastrophe in Nordkorea aufgerufen.

Kirche:

Zölibat: Der Bischof von Sitten in der Schweiz, Norbert Brunner, hat sich für eine Lockerung der Zölibatspflicht ausgesprochen. Über die Weihe von bewährten verheirateten Männern müsse in der Gesamtkirche gesprochen werden. Ihre Zulassung könne dann auf einzelne Länder oder Diözesen beschränkt werden, erklärte er in einem Zeitungsinterview.

Ausweisung: Die rund 100 in Weißrußland arbeitenden ausländischen Ordensfrauen sind von der Ausweisung bedroht. Der Direktor des Rates für Religionsangelegenheiten erklärte, keine der Schwestern habe um eine Genehmigung für religiöse Aktivitäten ersucht, wie dies seit Juli 1995 vorgeschrieben sei.

Säkularisierung. Als einen falschen politischen Schritt hat der russische Präsidentschaftskandidat Vladimr Bryntsalov die Trennung von Kirche und Staat bezeichnet. Er erklärte am Freitag, daß die Kirche als vierte Macht im Staat den ihr zugedachten Platz einnehmen solle.

Gottesglaube: Der Glaube an Gott ist nach einer neuen Umfrage unter den Briten stark zurückgegangen. Während sich bei früheren Befragungen noch 60 Prozent der Interviewten sich zum Glauben bekannten, waren es diesmal nur noch 43 Prozent.

Übertritt: Eine anglikanische Pfarrei ist geschlossen mit zwei Diakonen und ihrem Pfarrer zum Katholizismus übergetreten. Grund: die in der anglikanischen Kirche zugelassene Frauenordination.

Terror: Die französische Polizei hat am Freitag die Kathedrale von Bayonne umstellt und sie von Sympathisanten der baskischen Separatistengruppe Eta geräumt. Diese hatten eine Aufenthaltsgenehmigung für die mutmaßliche Terroristen gefordert.

Brandanschläge: Die Regierung der Vereinigten Staaten will jetzt alles tun, den Tätern von inzwischen 30 Brandanschlägen auf vornehmlich von Afro-Amerikanern besuchten Baptisten-Kirchen auf die Spur zu kommen. Vertreter einiger betroffener Kirchen waren am Sonntag und Montag mit US-Bundesanwältin Janet Reno zusammengetroffen. Sie fordern eine intensivere Aufklärungsarbeit der, wie sie meinen, rassistisch motivierten Feuerlegungen.

Soldatenwallfahrt: Rund 14. 000 Soldaten aus 25 Ländern haben an der am Sonntag in Lourdes zu Ende gegangenen Soldatenwallfahrt teilgenommen. Aus Deutschland waren fast 2000 Soldaten dabei.

Kirchensteuer: Die Katholiken Spaniens sollen ihre Kirche allein und ohne staatliche Hilfe finanzieren. Das fordert mehr als die Hälfte der spanischen Bevölkerung. Nach einer Studie der spanischen Bischofskonferenz wollen nur 27 % die völlige Abschaffung der vom Staat erhobenen Kirchensteuer.

Einheit: Die italienischen Bischöfe haben sich nachdrücklich für die politische Einheit des Landes ausgesprochen. Der Sekretär der Bischofskonferenz forderte alle Gläubigen zur aktiven Teilnahme am politischen und gesellschaftlichen Leben auf.

Fronleichnam: Anläßlich seiner Entstehung vor 750 Jahren hat Kurienkardinal Roger Etchegaray als Vertreter des Papstes am Sonntag im belgischen Lüttich eine Festmesse gefeiert. In seiner Predigt rief der Kardinal die Gläubigen auf, das Altarsakrament intensiver zu verehren. - Während der Fronleichnamsprozession am Sonntag hat ein Amokläufer in der nordspanischen Stadt Herreros de Rueda mindestens vier Menschen erschossen, zahlreiche wurden schwer verletzt. Eine größere Katastrophe konnte verhindert werden nachdem die örtliche Polizei den Schützen ebenfalls erschoß.

Entführung: In einem erst jetzt bekannt gewordenen Kommuniqué hat sich der Erzbischof der angolanischen Hauptstadt Luanda zur Verhaftung des deutschen Priesters Konrad Liebscher geäußert. Demnach habe er sich bewußt nicht in die öffentliche Diskussion eingeschaltet, um der Justiz nicht vorzugreifen und das Verfahren gegen den wegen Anstiftung zur Demonstration Verurteilen negativ zu beeinflussen.

Aufschwung: Die Zahl der Priester in Albanien hat sich seit der Wende fast vervierfacht. Auch die Zahl der Ordensschwestern sei nach einer Meldung der albanischen Abteilung von Radio Vatikan von 45 auf über 260 gestiegen.

Ökumene: Ob Johannes Paul II. im September den russischen Patriarchen Alexji trifft, hängt vom Ausgang der Präsidentschaftswahlen in Rußland ab. Diese Ansicht vertritt der ungarische Abt-Bischof Astrik Varszegy, der für ein Treffen eintritt. Aus dem Vatikan gibt es dazu noch keine Stellungnahme. - Unterdessen sieht der Erfurter Bischof, Joachim Wanke, keine Stagnation der Ökumene in Deutschland. Vielmehr erkennt er gute Fortschritte in der Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche.

Antichrist: Nach Massenhysterien, die die Ankunft des Antichrist erwarteten, ist in Kolumbien wieder Ruhe eingekehrt. Eltern hatten ihre Kinder scharenweise taufen lassen. Kirchenkreise hatten vor diesem Aberglauben gewarnt.

Bibelfachmann: Der Bischof von Bozen Brixen, Wilhelm Egger, ist zum neuen Präsidenten der internationalen katholischen Bibelföderation ernannt worden.

Deutschland:

Schwangerenberatung: Die SPD bereitet eine Verfassungsklage gegen das geplante bayerische Schwangerenberatungsgesetz vor. Der SPD-Fraktions-Vize, Otto Schily, erklärte am Freitag, das Gesetz aus München greife in Bundeskompetenz ein. Auch die FDP hat ihre Kritik an dem Gesetz bekräftigt. Parteichef Wolfgang Gerhard erklärte am Samstag, wenn Bayern von seinen Plänen nicht ablasse, sei man bereit, das Bundesverfassungsgericht anzurufen.

Kinder: Der Kinderschutzbund und das Uno-Kinderhilfswerk UNICEF haben am Sonntag die Einsetzung eines Bundeskinderbeauftragten gefordert, der die Politik für Kinder koordinieren soll.

Solidaritätsfonds: Für den vom Bamberger Erzbischof initiierten Solidaritätsfonds für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sind bisher 50 000 Mark gespendet worden.

Anerkennung: Eine höhere Anerkennung der ehrenamtlichen Jugendarbeit hat die Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg gefordert. Vorgeschlagen werden Freibeträge bei Steuern und Renten.

Papstattentat: Die Stasi habe vor 15 Jahren versucht, den bulgarischen Geheimdienst gegen den Vorwurf zu schützen, er stehe hinter dem Papstattentat. Das schreibt am Freitag die Berliner Zeitung.

LER: Das Unterrichtsfach LER wird vom kommenden Schuljahr an in 71 Schulen in Brandenburg eingeführt. Befreit werden können Kinder, wenn Eltern wollen, das sie einen werteorientierten Unterricht nur in Bindung an ein Bekenntnis erhielten. Das erklärte Brandenburgs Bildungsministerin Angelika Peter.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

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Magazine in dieser Woche (10. Juni bis 16. Juni):

Montag: Weltkirche - Informationen und Hintergründe von allen Kontinenten. GEPLANTE BEITRÄGE: Christ in Kuweit verurteilt - Orthodoxe Reaktion auf altkatholische Priesterinnenweihe - Neues von der Inkulturation.

Dienstag: Radioakademie: Corinna Mühlstedt befragt den Medienbischof Peter Henrici zu Kirche und Kommunikation im Wandel der Jahrhunderte.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Immer mit den Worten des Papstes an die deutschen Pilger bei der Mittwochsaudienz.) GEPLANTE BEITRÄGE unter anderem: Hintergründe zur Vatikanhaltung bei der Wohnraumkonferenz Habitat II, die am Freitag in Istanbul zu Ende geht.

Donnerstag: Kreuz des Südens: Leben in jungen Kirchen

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Kinderdorf Rio, ein Musical. - Aktuelles zu LER und kein Ende.

Samstag: Betrachtung zum Sonntag: Jürgen Benisch

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten:

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