17. bis 20. Mai 1996

Vatikan:

Audienz: Der Papst hat am Freitag den Premierminister des Libanon, Rafic Hariri, in Audienz empfangen. Das Gespräch drehte sich um die letzten Entwicklungen im Libanon nach dem Waffenstillstand vom 26. April.

Reise: Papst Johannes Paul II. hat letztes Wochenende Slowenien besucht. In seinen Reden und Predigten äußerte er sich zu mehreren Punkten: Bekräftigung des Zölibats, das Bedürfnis der heutigen Zeit nach Heiligen, Aufruf zur Einhaltung der Sonntagspflicht und Beichte, Absage an alle Formen des Aberglaubens. Mit Jugendlichen sprach er am Samstag abend über Themen wie Angst, fehlende Zukunftsperspektive, innere Leere und forderte sie dazu auf, sich für Frieden, Versöhnung und Solidarität einzusetzen.

Rückkehr: Am Sonntag kehrte der Papst nach Rom zurück. Noch am Flughafen traf er mit dem neuen italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi zusammen. Der Papst gratulierte ihm und seiner Regierung zum Wahlerfolg. Prodi erklärte, er freue sich, daß das Treffen mit Johannes Paul II. seine erste Amtshandlung gewesen sei.

Christliche Einheit: Zum Dialog und zur Wiederherstellung der christlichen Einheit hat Kurienkardinal Edward Cassidy am Wochenende in Lemberg aufgerufen. Triumphalismus oder Überheblichkeit seien kein geeigneter Weg, die Botschaft des Evangeliums zu leben. Cassidy, der Präsident des für Ökumene zuständigen vatikanischen Einheitsrates, würdigte aber auch das Zeugnis der Kirche, die in den vergangenen 50 Jahren in der Ukraine so sehr gelitten habe. (kna)

Menschenrechte:

Festgenommen: Bei einem Polizeieinsatz gegen Katholiken in Nordwest-China sollen 5 Frauen festgenommen worden sein. Dies erklärte die "South China Morning Post" am Sonntag. Der Einsatz soll bereits im März in der Provinz Xinjiang stattgefunden haben, er wurde jedoch erst jetzt bekannt. Augenzeugen berichteten, die Polizei sei mit kochendem Wasser gegen das illegale Treffen von Katholiken vorgegangen. 17 Personen wurden verhaftet, 12 von ihnen jedoch wieder freigelassen, nachdem die 5 Frauen die Verantwortung für das Treffen übernommen hätten.

Verurteilt: In der gleichen Region Chinas hat ein Gericht einen Moslem zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er subversives Material verteilt haben soll. Mitten in einer Kampagne zur Unterdrückung des sogenannten religiösen "Terrorismus". Die Behörden von Xinjiang, wo hauptsächlich Moslems leben, hatte kürzlich ein hartes Durchgreifen gegen Separatisten angeordnet. Der Verurteilte entging der Todesstrafe nur, weil er Reue gezeigt hatte.

Übergriffe: Auch aus dem chinesisch besetzten Tibet werden Übergriffe der Polizei gemeldet. 80 buddhistische Nonnen, Mönche und weitere Personen waren beschossen und zusammengeschlagen worden, weil sie Bilder des Dalai Lama besessen hätten.

Amnesty: Die Hilfsorganisation hat am Montag die Übergriffe in Tibet scharf verurteilt. In ihrer Erklärung sagt Amnesty international: "Und wieder haben die chinesischen Behörden Verachtung für die Menschenrechte des tibetanischen Volkes auf Religionsfreiheit und friedliche Meinungsäußerung gezeigt."

Niedergelegt: In dem Prozeß um das Massaker an brasilianischen Straßenkindern von 1993 haben am Freitag die Anwälte der Opfer ihr Mandat niedergelegt. Sie taten dies aus Protest gegen die Freilassung von 3 Verdächtigen. Zwei von diesen waren von einem Zeugen identifiziert worden, an dem Massaker an Kindern, die vor einer Kirche schliefen, beteiligt gewesen zu sein. Ein weiterer Verdächtiger war zu mehr als 300 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Ausreiseverbot: Der Träger des diesjährigen Aachener Friedenspreises ist von seinem Land Nigeria mit einem Ausreiseverbot belegt worden. Wahrscheinlich wird er an der Verleihung des Preises nicht teilnehmen können. Der Präsident der Ogoni-Stiftung in London, Lazarus Tamana, forderte die Bundesregierung auf, in dieser Sache ihren Einfluß geltend zu machen.

Krisengebiete:

Anarchie und Chaos: Die Hauptstadt von Liberia droht in Anarchie und Chaos zu versinken. Das hat der Erzbischof von Monrovia, Michael Francis, jetzt in Fulda erklärt. Francis appellierte an die Weltöffentlichkeit, nicht an den dramatischen Vorgängen in seiner Heimat vorbeizusehen. Die Geschichte Liberias sei zuvor über Jahrzehnte von Frieden und Freiheit geprägt gewesen. Die jetzige Situation mit Terrorismus, Brandschatzung und Plünderung, so der Erzbischof, sei das Schlimmste, was das Land je erlebt habe.

Kritisch: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat vor der kritischen Lage in Burundi gewarnt. "Burundi darf kein zweites Ruanda werden!" erklärte er in einem Schreiben an die Bischöfe des Landes. Lehmann sicherte ihnen die Solidarität der katholischen Kirche Deutschlands zu und würdigte den mutigen Beitrag der katholischen Kirche Burundis.

Jerusalemstatus: Im Wahlkampf in Israel nutzen die Kandidaten die Frage der Unteilbarkeit Jerusalems als Mittel, um Stimmen zu sammeln. Premierminister Peres erklärte z.B.: "Jerusalem ist und Jerusalem bleibt ungeteilt unter Israelischer Souveränität.

Internet: Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen bietet bosnischen Flüchtlingen im Internet Informationen zu ihrem Land an. Diese können damit Nachrichten über die politische Lage und die Rückkehrmöglichkeiten in ihre Heimatregion erfragen. Die ständig aktualisierten Informationen können derzeit in 32 Asyl-Ländern in verschiedenen Sprachen abgerufen werden. (kna)

(Anmerkung des Uploaders: Über www.un.org müßte das UNHCR zu erreichen sein. R. Jouaux)

Entführt: Im Nordwesten Somalias sind 3 Mitglieder einer deutschen Hilfsorganisation entführt worden. Sie wurden bereits am 10. Mai verschleppt - die Nachricht von ihrer Entführung wurde jedoch erst jetzt bekannt.

Kirche:

Schisma abgewandt: Im Streit um die Zugehörigkeit der estnisch-orthodoxen Kirche ist es zu einer Einigung zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und dem ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel gekommen. Der Moskauer Patriarch Alexeji II. erklärte, daß die Jurisdiktion des ökumenischen Patriachats über die estnisch-orthodoxe Kirche für die nächsten Monate ausgesetzt werden soll. In dieser Zeit können sich die Pfarreien, die noch nicht abgestimmt haben, entscheiden, ob sie sich künftig der Jurisdiktion des Moskauer oder des ökumenischen Patriarchats unterstellen wollen.

Symposium: In Vorbereitung des für Oktober angesetzten Symposiums des Rates der europäischen Bischöfe in Rom arbeiten die osteuropäischen Bischöfe derzeit eine gemeinsame Strategie aus. Der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, erklärte, daß ein Ausgleich geschaffen werden müsse zwischen äußerem Sozialverständnis, das dem Westen eigen sei, und den spirituellen Sorgen, die typisch für die Kirche des Osten seien.

Weitere Meldungen:

Neue Fakultät: Ab Oktober möchte die Universität von Sarajewo eine Fakultät für den interreligiösen Dialog gründen. Unterstützt wird dieses Projekt von dem Erzbischof der Stadt, Kardinal Vinko Puljic, und den Hauptvertretern der orthodoxen, moslemischen und jüdischen Religionen.

Notstandsmaßnahmen: Der Präsident Kolumbiens, Ernesto Samper, hat am Donnerstag Notstandsmaßnahmen angekündigt. Durch diese soll eine besser Bekämpfung von linksgerichteten Guerillagruppen ermöglicht werden. Oppositionspolitiker sprechen von einer Ablenkungs-Maßnahme. Samper, dem Korruption und Verwicklung in Drogengeschäfte vorgeworfen werden, wolle zeigen, daß immer noch er regiere. Die schwere Staatskrise in Kolumbien geht weiter.

Umfrage: In einer Untersuchung der Wickert-Institute kam zu Tage, daß 60% der katholischen Eltern der Ansicht sind, die Kirche tue nicht genug für junge Familien. Das Interesse von Kindern an religiösen Themen war mit 65% sehr hoch. Die Umfrage wurde in der Zeitschrift "Weltbild" veröffentlicht. (kna)

Lebensverkürzende Maßnahmen: Jeder 10. dänische Arzt nimmt bei todkranken Patienten lebensverkürzende Maßnahmen vor und hofft, so das Leiden der Kranken zu verkürzen. Das erklärte am Montag der Vorsitzende der Sterbehilfe-Arbeitsgruppe des dänischen Ethik-Komitees, Jörgen Verstergaard, in einem Rundfunkinterview. Die Ärzte würden von den Familien der Kranken wie auch vom Krankenhauspersonal dazu gedrängt, erklärte er. Der Präsident der dänischen Ärztevereinigung, Torben Pedersen, warnte unterdessen vor einer Zulassung der bislang verbotenen Sterbehilfe.

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Magazine in dieser Woche (20. bis 26. Mai):

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