17. Mai 1996

Vatikan:

Papstreise: Der Präsident von Slowenien hat am Montag erklärt, die Papstreise in sein Land werde eine Gelegenheit sein, dem Papst für seinen unermüdlichen Einsatz zugunsten des Landes zu danken. Johannes Paul II. habe vor allem in den schwierigen Augenblicken der Geschichte Sloweniens vor seiner Unabhängigkeit Verständnis und Hilfsbereitschaft gezeigt.

Tugendgrad: Der Papst hat am Mittwoch den heroischen Tugendgrad des früheren slowenischen Bischofs von Maribor, Anton Martin Slomsek, anerkannt. Einer Seligsprechung steht damit nichts mehr im Wege. Vor einer Woche war bekannt geworden, daß der Papst Slomsek nicht während seiner Reise am Wochenende seligsprechen werde. An diesem Programm wird aller Voraussicht nach nichts mehr geändert.

Papstattentäter: Einen Tag nach dem 15. Jahrestag des Anschlags auf Papst Johannes Paul II. ist eine heftige Kontroverse über das Freilassungsgesuch des Attentäters Ali Agca entbrannt. Dieser fordert seine vorzeitige Haftentlassung, seine Mutter und seine Anwältin bitten um seine Begnadigung. Am Mittwoch empfing der Papst die Mutter des Attentäters in Audienz. Ali Agca selbst bezeichnete sich gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anatolia als "neuer Messias". Das Attentat sei von Mächten jenseits seines Willens verübt worden. Er sei der einzigartige Mensch, den Christen, Juden und Muslime erwarteten, so Agca weiter. (kna)

Offenheit: Der Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls hat am Dienstag vor Journalisten die Offenheit der Kirche gegenüber der Wissenschaft verteidigt. Der Vatikan sei in diesem Bereich immer sehr fortschrittlich gewesen und habe die Forschung ermutigt.

Stolpe: Ministerpräsident Manfred Stolpe ist am Mittwoch im Anschluß an die Generalaudienz kurz von Johannes Paul II. in Audienz empfangen worden. Vorher war er mit Kardinal-Staatssekretär Sodano zusammengetroffen. Pressemeldungen zufolge ging es dabei um den Religionsunterricht in Brandenburg und um die Entwicklung in den neuen Bundesländern. (kna)

Krisengebiete:

Hilfe: Die 4 Orden, die noch in Liberia arbeiten, haben jetzt an die internationale Gemeinschaft appeliert, humanitäre Hilfe nach Liberia zu schicken. Dies sei wichtiger als Waffenlieferungen. Solange Europäer und US-Amerikaner in Liberia gefährdet waren, kümmerte sich die Weltöffentlichkeit um diesen Bürgerkrieg. Seitdem es nur noch um Afrikaner gehe, sei das Interesse vorbei.

Massaker: Bei neuen Massakern im Osten Zaires sind etwa ein Dutzend Tutsis von Hutus getötet worden. Dies meldet das internationale Komitee des Roten Kreuzes. Die Massaker geschahen in der Nähe eines Trappisten-Klosters, zu dem sich etwa 800 Tutsis geflüchtet hatten.

Verurteilt: In Guatemala hat der Erzbischof der Hauptstadt, Penados del Barrio, nach der Ermordung von 20 Personen im Lauf des letzten Wochenendes die Übergriffe im Lande verurteilt. Die Gewalt sei zwar nicht von heute auf morgen zu überwinden, die Regierung müsse aber wenigstens einen Plan entwickeln, wie das Land zu Ruhe und Frieden kommen könnte.

Menschenrechtsplan: Polizisten, die Menschenrechtsverletzungen begehen, sollen in Brasilien künftig leichter zur Verantwortung gezogen werden können. Das ist ein Hauptpunkt eines Menschenrechtsplans, den Präsident Fernando Cardoso am Montag in Brasilia veröffentlicht hat. Mit dieser Maßnahme soll die derzeitige soziale Unruhe im Land ein wenig gedämpft werden.

Entwicklungshilfe:

Rückgang: Einen weiteren Rückgang der Beiträge für die Entwicklungshilfe fürchtet der Leiter des UNO-Entwicklungsprogramms James Speth. Die Welt werde für die Einsparungen bei dieser Hilfe einen sehr hohen Preis zahlen, warnte er am Mittwoch vor Journalisten. Es werde statt langfristiger Entwicklungshilfe zunehmende humanitäre Hilfe geleistet, kritisierte Speth. (kna)

Absolute Armut: Sofern keine einschneidenden Maßnahmen unternommen werden, droht der Bevölkerung in der südlichen Sahara ein Leben in "absoluter Armut". Diese Prognose stellte der UN-Koordinator für wirtschaftliche und soziale Entwicklung am Mittwoch in Genf.

Kirche:

Vermittlung: Die christlichen Kirchen des Irak haben Papst Johannes Paul II. um Vermittlung gebeten. Er soll sich bei den Vereinten Nationen für eine Aufhebung des Embargos gegen das Land einsetzen. Dies erklärte am Montag der irakische Patriarch der chaldäischen Kirche, Raphael I. Bidawid.

Postkarten: Die katholischen Pfarreien der USA werden Ende Juni eine Postkartenaktion gegen Präsident Clintons Haltung zur Abtreibung starten. Die Gläubigen werden schon jetzt aufgefordert, den Nationalkongreß mit eigens dafür entworfenen Postkarten zu überschwemmen.

Minenfrei: Die US-amerikanische Bischofskonferenz hat Präsident Bill Clinton aufgefordert, die Führung der weltweiten Kampagne gegen Landminen zu übernehmen. In einem vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Anthony Pilla, unterzeichneten Schreiben drücken die Bischöfe ihre Hoffnung aus, daß die amerikanische Nation auf diese Weise dazu beiträgt, das dritte Jahrtausend minenfrei zu beginnen.

Deutschland:

Religionsunterricht: Islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen hat der Vorsitzende des Essener Zentrums für Türkeistudien gefordert. Da mehr als 90% der in Deutschland lebenden 2,6 Millionen Muslime dort auch bleiben wollten, sei ein solches Fach erforderlich, erklärte er bei einer Anhörung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. (kna)

Theologenausbildung: Die Qualität der Theologenausbildung in Bayern ist nicht gefährdet. Das hat Kultusminister des Freistaates, Hans Zehetmair, am Dienstag erklärt. Keiner der Fakultäten drohe die Auflösung. (kna)

Vorwürfe: Der Flüchtlingsrat Leipzig hat am Donnerstag schwere Vorwürfe gegen den Bundesgrenzschutz erhoben. Es würden außerhalb des grenznahen Raumes polizeiliche Kontrollen durchgeführt, Geld beschlagnahmt und selbst die Flüchtlinge abgewiesen, die einen Asylantrag gestellt hätten, beklagte die Organisation. (kna)

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Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

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