10.-13. Mai 1996

Vatikan:

Selig: Am Sonntag hat Papst Johannes Paul II. 6 Personen selig gesprochen. Unter ihnen ist der frühere deutschstämmige Kardinal von Mailand, Alfredo Idelfonso Schuster, der 1954 gestorben ist. Der Papst würdigte ihn als einen Mann des Gebets, der Wissenschaft und der Aktion, der in schwierigen Zeiten Gewaltiges im religiösen und zivilen Bereich geleistet habe. Die Übertragung des Gottesdiensts wurde erstmals von einem Gehörlosen-Dolmetscher begleitet. Dies geschah, weil auch der aus Neapel stammende Schutzpatron der Gehörlosen, Filippo Smaldone (gestorben 1923) seliggesprochen wurde. Der Dolmetscher sprach in der von Smaldone entwickelten Gebärdensprache. Einige 10.000 Gläubige hatten sich auf dem Petersplatz versammelt. Johannes Paul bezeichnete die neuen Seligen als Vorbild für jeden Gläubigen.

Reisepläne: Der Papst will im Mai oder Juni des kommenden Jahres zum sechsten Mal Polen besuchen. Das erklärte Kardinal Josef Glemp am Samstag gegenüber der Presse. (kna)

Entführte Trappisten:

Priorität: Für die französische Regierung hat das Schicksal der 7 entführten Trappisten absolute Priorität. Das erklärte Außenminister Hervé de Charette am Freitag bei einem Gespräch mit seinem algerischen Amtskollegen.

Fatwa: Eine Gruppe moderater Moslems hat inzwischen eine Fatwa gegen die algerischen Geiselnehmer vorbereitet. Kopien dieses islamischen Rechtsgutachten, das der Öffentlichkeit durch den Fall Salman Rushdie bekannt ist, seien bereits Zeitungen, Radio und Fernsehen geschickt worden, so ein Sprecher des Rates von Moslems in Frankreich.

Menschenrechte:

Abschieben: Aus Angst vor einer Abschiebung in ihrer Heimat sind am Freitag in Hong Kong über 200 vietnamesische Flüchtlinge aus einem Lager ausgebrochen. Weitere 18.000 Vietnamesen warten in Abschiebehaft auf ihren Rücktransport. China verlangt diese Maßnahmen als Übergabebedingung der bisherigen britischen Kronkolonie Hong Kong an Peking.

Krisengebiete:

Freigelassen: Tschetschenische Rebellen haben am Samstag den vor einem halben Jahr entführten Erziehungsminister freigelassen. Nach wie vor unklar ist hingegen das Schicksal von zwei vor mehreren Monaten entführten Priestern. Von ihnen fehlt jedes Lebenszeichen.

Kirche:

Gründung: Ein Studienzentrum für den interreligiösen Dialog wollen die katholische und die orthodoxe Kirche sowie die muslimische und die jüdische Religionsgemeinschaft gründen. Das Zentrum soll als Abteilung der Universität Sarajewo im Oktober seine Arbeit aufnehmen.

Kommunique: Die katholische Kirche von Lateinamerika hat sich auf ihrer Konferenz in Mexiko mit verschiedenen modernen ethischen Problemen auseinandergesetzt. Hinter einzelnen ethischen Fragen stehe ein sehr großer Relativismus sowie die Leugnung Gottes und des Übernatürlichen, so das Kommunique. Daraus folgten Mißachtung des Lebens und Abtreibung, Ehescheidung und Sterilisierung, Verachtung der Behinderten und Euthanasie, Embryonen- und Drogenhandel.

Ratzinger: Auf der gleichen Konferenz hat auch der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger, die Hauptprobleme der Kirche in Lateinamerika vor der Presse erläutert. Er nannte Armut, Sekten und Säkularisierung als die drei entscheidenden Bereiche, welche die Kirche herausforderten. Ratzinger ging auch auf das Problem der Sekten ein, auf den Irrtum der Befreiungstheologie, die sich vom Marxismus inspirieren lasse, und auf den wilden Kapitalismus, der die Menschen ausbeute.

Zölibat: Der Bischof von Sankt Galen, Ivo Fuerer, ist der Ansicht, daß die katholische Kirche ihre Einstellung zur Zölibatspflicht für Priester überdenken könnte. Eine Entscheidung über eine Änderung der kirchlichen Richtlinien könnte jedoch nur ein Konzil treffen, das aber nicht allein wegen dieser Frage einberufen werden dürfe. (kna)

Konzil: Der Linzer Bischof Maximilian Aichern spricht sich für mehr Entscheidungsfreiheit für Bischöfe und für ein Konzil aus. In der Kirchenzeitung seiner Diözese erklärte er, die Einberufung eines Konzils zu strittigen Fragen würde den Papst entlasten.

Farce: Das Schuldbekenntnis der argentinischen Bischöfe zu ihrer Rolle unter der Diktatur hat der Schriftsteller und Menschenrechtler Ernesto Sabato als Farce bezeichnet. Sabato war 1984 Leiter der sogenannten Verschwundenenkommission gewesen, die nach dem Schicksal der mehreren tausend Menschen forschte, die unter der Diktaturherrschaft verschwunden sind. Der Kirche wird vorgeworfen, daß sie weggesehen, geschwiegen und in einzelnen Fällen sogar mit dem Regime kollaboriert habe.

Unterstützung: Die Kirche Südkoreas unterstützt den Bau eines Krankenhauses in Nordkorea. Mit dieser gemeinsamen Initiative des nordkoreanischen Komitees für Außenwirtschaft und der Kirche sollen Kontakte zu den katholischen Gemeinden Nordkoreas verbessert werden. (kna)

Deutschland:

Sekten: Wie die SPD-Sektenexpertin Renate Rennebach erklärte, will die neue Enquete-Kommission des Bundestages zu Sekten vor allem die Gesetzeslage überprüfen. Untersucht werden sollen auch die gesellschaftlichen Gründe für den Zulauf zu Sekten. In Frankreich und Belgien beschäftigen sich ebenfalls derzeit parlamentarische Untersuchungsausschüsse mit dem Thema Sekten.

Woche für das Leben: Am Freitag ist die "Woche für das Leben" zu Ende gegangen. Wie der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, erklärte, habe man mit dem Thema Tod "den Nagel auf den Kopf getroffen." Themen waren aktive Sterbehilfe, Hospizbewegung und persönliche Fragen zum Sterben, die in Gottesdiensten und Telefonaktionen aufgegriffen wurden. Evangelische und katholische Bischöfe unterstrichen in den vergangenen Tagen deutlich ihr Nein zur aktiven Sterbehilfe und forderten dazu auf, die Kunst des Sterbens neu zu lernen. (kna)

Europa: Die Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ZdK, hat die Aufgabe Europas für den Frieden in der Welt betont. Bei einer Veranstaltung der europäischen Akademie sagte sie, Europa dürfe nicht an den jetzigen EU-Grenzen enden. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus müsse die Chance genutzt werden, auch die osteuropäischen Länder zu integrieren. (kna)

Mitglieder: Die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen haben sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert, dies erklärte am Freitag die Geschäftsführerin des Allenbach-Instituts, Renate Köcher. Viele Christen sähen sich als Angehörige einer Minderheit. Die Kirche müsse auf Veränderungen in der Gesellschaft viel offensiver reagieren.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 6190, 6250, 7250 und 9645 (kHz) empfangen.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir aktuelle Nachrichten aus der Weltkirche life. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, das um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt wird.

Magazine in dieser Woche:

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien.

Donnerstag: Kreuz des Südens - Blick in die jungen Kirchen Afrikas und Südamerikas.

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. Erster Tag des Papstbesuches in Slovenien.

Samstag: Mit dem Papst in Slovenien.

 

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