09. Mai 1996

Vatikan:

Einheit: Papst Johannes Paul II. hat am Donnerstag in die Polemik um Einheit und Teilung Italiens eingegriffen. Vor den italienischen Bischöfen wies der Papst indirekt die Versuche der Lega-Nord-Partei zurück, die Unabhängigkeit von Italiens Norden zu erreichen.

Familie: Der Papst hat am Donnerstag zu einem größeren Einsatz für die Familie aufgerufen. Auf der Tagung des päpstlichen Familienrates mahnte Johannes Paul die Anwesenden, daß die Familien nicht nur im Bereich der Gemeinden Beachtung finden dürften. Die Sorge für sie müsse sich genauso auf diözesaner und nationaler Ebene zeigen.

Ehrenbürger: Am Dienstag haben rund 400 polnische Delegierte Papst Johannes Paul II. die Ehrenbürgerschafts-Urkunde der Stadt Warschau überreicht. In seiner Dankansprache drückte der Papst die Überzeugung aus, daß man ohne die Führung Gottes weder die Geschichte Warschaus noch diejenige Polens verstehen könne.

Appell: Der Papst hat am Mittwoch zum Abschluß der Generalaudienz einen eindringliczen Appel zum Frieden in Burundi an alle Nationen gerichtet. Nach den jüngsten Massakern rief er die Verantwortlichen auf, den Weg des Dialogs und der Verhandlungen nicht zu verlassen. - Am Wochenende waren bei einem Massaker 2.000 Menschen in der Stadt Kivjuka getötet worden. Die Armee hatte das Feuer auf die Menschenmenge eröffnet. (kna)

UN-Charta: Der vatikanische Außenminister, Erzbischof Jean-Louis Tauran, hat am Donnerstag in New York die Verabschiedung einer UN-Charta über die Rechte der Nationen gefordert. Ein solches Dokument müsse vor allem das Selbstbestimmungsrecht der Nationen verankern, so Tauran.

Liberia:

Weiter Bürgerkrieg: Entgegen früheren Meldungen geht der Bürgerkrieg in Monrovia weiter. Nach Angaben der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" sind nun die Krankenhäuser zu den Zielscheiben der Konfliktparteien geworden. Plünderungen sind an der Tagesordnung. (kna)

Krankenhaus: Allein das Josephs-Hospital in Monrovia kann noch arbeiten. Doch die Bedingungen sind schwierig. Nachdem Rebellengeneral Charles Taylor am Montag erklärt hatte, er wolle von Friedensgesprächen nichts wissen, bleibt die Lage gespannt. Deshalb traut sich der Durchschnittspatient nicht in das Krankenhaus. Von den ursprünglich 220 Ärzten in Monrovia sind noch 50 vor Ort. Die Mitarbeiter kommen kaum noch. Die finanziellen Reserven sind erschöpft, da das behandelte Militär nicht zahlt.

Afrika:

Bereuen: In Südafrika hat der anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu am Dienstag seine Landsleute dazu aufgerufen, ihre Schuld während der Zeit der Apartheid zu bereuen. Vor allem bat er die Weißen Südafrikas, zu ihrer Schuld zu stehen, solange es noch die Bereitschaft gebe, zu verzeihen.

Begrüßt: Die Bischofskonferenz Südliches Afrika begrüßt die neue Verfassung des Landes. In ihr sei der mit dem Sturz der Apartheidspolitik verbundene demokratische Wandel festgeschrieben worden, erklärte ein Sprecher der Bischofskonferenz am Donnerstag. (kna)

Lateinamerika:

Befreiungstheologie: Kardinal Josef Ratzinger hat in Mexiko gegenüber der Presse erklärt, die Befreiungstheologie habe in Lateinamerika auch zu Gewalt geführt. Sie sei ein ideologischer Strom. Sie besitze jedoch auch positive Aspekte und müsse immer auf das Evangelium gegründet sein.

Aufgetaucht: Die 5 vor wenigen Tagen verschwundenen Jesuiten sind am Mittwoch wieder aufgetaucht. Sie waren zusammen mit einigen Laien nach einem Angriff der regierungsnahen Milizen auf Pfarreigebäude in Chiapas vermißt worden. Sie gelten als Verteidiger der Indios.

Kritik: Der Vorsitzende des Rates der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen hat den neuen Liberalismus auf dem Kontinent scharf kritisiert. Von außen werde fast allen Ländern ein System aufgezwungen, durch das die Bevölkerung verarme.

Südamerika:

Flucht nach vorn: Präsident Cardoso hat im Eilverfahren brachliegendes Land enteignet, um es Landlosen zu übergeben. Er tat dies, Pressemeldungen zufolge, um der Besetzung seines eigenen Großgrundbesitzes in der Nähe zu entgehen. Die Kirche hatte wiederholt die Landreform zugunsten der Landlosen gefordert.

Osteuropa:

Neuordnung: Kardinal Franz König hat in Belgrad zu einer moralischen und gesellschaftlichen Neuordnung Europas aufgerufen. Bei einem Treffen mit dem serbisch-orthodoxen Patriarchen Pavle erinnerte König an die Auffassung des früheren EU-Präsidenten Jaques Delors, wonach es für die Zusammenführung von West- und Osteuropa besonders auf die Mitwirkung der orthodoxen Kirche ankomme.

Versöhnung: Katholiken, Orthodoxe und Muslime haben am Dienstag in Sarajewo eine Versöhnungsinitiative beschlossen. Ziel ist es, die zerstörten Gotteshäuser gemeinsam wieder aufzubauen und die Zusammenarbeit zwischen den Religionen zu fördern. Der Beschluß wurde im Rahmen einer Arbeitsgruppe gefaßt, deren Leitung eine interreligiöse Delegation aus Österreich hatte.

Spaltung: Vor einer neuen konfessionellen Spaltung in Europa hat der Prager Kardinal Miloslav Vlk gewarnt. In einem Gespräch mit der kna sagte er, es dürfe nicht zur Wiedererrichtung der Grenze zwischen dem orthodoxen und dem römisch-katholischen Gebiet kommen.

Entschuldigung: Die evangelischen Christen Sloweniens erhoffen sich vom Papstbesuch eine Geste der Entschuldigung für die Untaten der Katholiken während der Reformationszeit. In einem offenen Brief erinnerte die evangelische Kirche des Landes an die Vertreibung der Protestanten und die Verbrennung ihrer Bücher. Slowenien ist in seiner großen Mehrheit katholisch.

Aufruf: Die Bischöfe Albaniens haben in einer Erklärung alle Einwohner dazu aufgefordert, an den bald anstehenden Wahlen teilzunehmen. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen dürften sich die Albanier nicht entmutigen lassen. Die Bischöfe bezeichneten es als die heilige Pflicht eines jeden, zur Wahl zu gehen.

Deutschland:

Sekten: Erwartungsgemäß hat der Bundestag am Donnerstag eine Sekten-Enquete-Kommission eingesetzt. Sie soll Ziele, Aktivitäten und Praktiken der sogenannten Sekten und Psychogruppen analysieren und konkrete Handlungsempfehlungen geben. (kna)

Sozialer Friede: Die große Zahl der Arbeitslosen ist die größte Bedrohung für den sozialen Frieden. Diese Ansicht hat am Mittwoch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, beim Sozialgipfel des Deutschen Gewerkschaftsbundes vertreten.

Woche für das Leben: Wie der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, erklärte, findet die "Woche für das Leben" unerwartet großen Anklang. (kna)

Ziviler Friedensdienst: Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hat das Bonner Entwicklungsministerium kritisiert. Das Ministerium lehnt das Konzept für eine "Startphase des zivilen Friedensdienstes" im ehemaligen Jugoslawien ab. Die Verwaltung blockiere die notwendige Umorientierung auf zivile Konfliktberatung betonte Pax Christi.

Befürwortet: Eine Grundgesetzänderung zugunsten von nichtehelichen Lebensgemeinschaften hat am Dienstag FDP-Generalsekretär Westerwelle befürwortet. Er hob die Bedeutung intakter Familienstrukturen hervor, betonte aber auch, daß in einer freiheitlichen und toleranten Gesellschaft auch andere Formen des Zusammenlebens geachtet werden müßten. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der nichtehelichen Lebensgemeinschaften in Deutschland verzehnfacht. (kna)

 

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