07. Mai 1996

Vatikan:

Nuntius: Zum neuen apostolischen Nuntius in Burundi hat Johannes Paul II. den bisherigen Mitorganisator von Papstreisen aus der Schweiz, Emil Paul Tscherrig, ernannt. Der 59jährige war 1978 in den diplomatischen Dienst des Apostolischen Stuhls eingetreten. Die Nuntiaturen Ugandas, Koreas und Bangladeshs gehörten zu seine Stationen.

Schweizer Garde: 28 neue Schweizer Gardisten wurden am Montag im Vatikan vereidigt. Der Papst empfing sie am Morgen in Audienz.

Liturgie: Papst Johannes Paul II. hat eine gewisse kreative Selbständigkeit in der Liturgie eingeräumt. Die Messfeier solle auf die Erwartungen der Menschen von heute eingehen, müsse aber gleichzeitig die substantiellen Erfordernisse der Einheit respektieren.

Reise: Der Papst ist am Samstag zu einer zweitägigen Pastoralreise in das norditalienische Como gereist. Er warnte dort in einer Rede vor der Vergötzung der Arbeit auf Kosten der Familie, forderte, daß sich die Wirtschaft nicht ausschließlich auf Profit ausrichte und wünschte eine Harmonisierung zwischen Produktion und der zu erhaltenden Umwelt.

Katastrophengebiete:

Hungersnot: Im Süden des Sudan wird eine Hungersnot befürchtet. Dies teilten Comboni-Missionare am Samstag in Rom mit. Bewaffnete arabische Truppen hatten im April die schwarze Bevölkerung der Region angegriffen, viele Menschen getötet, Dörfer und Getreidespeicher angezündet und das Grundnahrungsmittel der Bevölkerung, das sogenannte "Durra", vernichtet. Bei ihrem Abzug haben sie Frauen, Kinder und das Vieh mitgenommen. Die Überlebenden des Massakers kommen jetzt nach Abyei, einer größeren Stadt der Region. Täglich sind es 100 bis 150 Menschen. Auch dort sind die Vorräte bereits am Schwinden. Der Bischof der Region organisierte den Kauf von Vorräten und ihre Beförderung nach Abyei. Die Comboni-Missionare befürchten jedoch einen Wettlauf gegen die Zeit, da mit der erwarteten Regensaison die Verbindungen abbrechen werden.

Liberia:

Waffenstillstand?: Der Co-Präsident Liberias, General Charles Taylor, lehnt einen Waffenstillstand ab. Erst müsse sich der Chef der oppositionellen Krahn-Fraktion ergeben. Am gleichen Tag hatten Vertreter der Krahn-Fraktion einem Waffenstillstand zugestimmt.

Spenden: Der Deutsche Caritasverband fordert weiterhin zu Spenden für Liberia auf. Die Cholera-Epidemie töte täglich etwa 10 Menschen. Die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln sei immer schwieriger, weil Monrovia von der Außenwelt abgeschnitten sei.

Krise: Das Wiederaufflammen der Kämpfe in Liberia geht teilweise auch auf das Konto der internationalen Gemeinschaft - sie habe Versprechen der Unterstützung von ECOMOG, der westafrikanischen Militärorganisation, nicht gehalten, so daß die ECOMOG nicht wie geplant die Sicherung des Waffenstillstands vom vergangenen Sommers übernehmen können. Das sagte der Erzbischof von Monrovia, Michael Francis, in einem Interview mit Radio Vatikan.

Krisengebiete:

Massaker: Die Großgrundbesitzer des brasilianischen Bundesstaates Pará sollen die Tötung von Führern der Landlosenbewegung organisiert haben. Ein Landeigentümer der Region behauptet, er sei 3 Tage vor dem Massaker aufgefordert worden, eine Spende an die Polizei zu leisten.

Teilrückzug: Die israelische Armee plant ihren Teilrückzug aus Hebron auf einen Zeitpunkt nach den Wahlen zu verschieben. Ministerpräsident Peres wollte sich zu einem genauen Termin nicht äußern - die teilweise Räumung von Hebron ist schon seit 4 Wochen überfällig. Gewählt wird in Israel am 29. Mai.

Waffenstillstand: Die ugandische "Befreiungsarmee des Herrn", eine religiöse Guerillia-Organisation, hat versichert, sie werde den einseitigen Waffenstillstand weiter respektieren. Die Gruppe, die vom islamischen Sudan unterstützt wird, wolle damit zum reibungslosen Verlauf der für kommenden Donnerstag für den Norden des Landes angesagten Präsidentschaftswahlen beitragen.

Flüchtlinge: Die Regierung Zaires hat ihre Grenzen zu Burundi geschlossen, um den unaufhaltsamen Flüchtlingsstrom einzudämmen. In den letzten Tagen sollen rund 2.000 Burunder vor den ethnischen Kämpfen in ihrer Heimat in das Nachbarland geflüchtet sein. Nach internationalen Presseberichten soll das Parlament in Zaire bereit sein, eine Kriegserklärung gegenüber Ruanda zu unterschreiben.

Kirche:

Verstorben: Der frühere Primas der belgischen Kirche, Kardinal Leo Jozef Suenens, ist am Montag morgen im Alter von 91 Jahren in Brüssel gestorben. Der Papst erinnerte in einem Beileidstelegramm an den großen Einsatz Suenens, mit dem er die Debatten während des II. Vatikanischen Konzils geleitet hätte.

Minenkonferenz: Der Präsident des Päpstlichen Rates "Justitia et Pax", Kardinal Roger Etchegaray, ist enttäuscht von der UNO-Minenkonferenz in Genf. Der dort getroffene Kompromiß zu Anti-Personen-Minen sei unzureichend, erklärte Etchegaray in einer am Montag veröffentlichten Erklärung. Die Konferenz der Vereinten Nationen hatte sich lediglich auf die Verminderung der Minen einigen können.

Dementi: Kardinal Jan Korec von Nitra in der Slowakei widerspricht kathpress-Angaben, daß es einen Streit gebe zwischen den slowakischen Bischöfen und der Regierung Meciar. Ein Verbot des Ungarischen als Kirchensprache habe es von der Regierung nicht gegeben, sagte Korec in einem Interview mit Radio Vatikan.

Bischöfe: Der Salzburger Erzbischof, Georg Eder, hat jetzt ein Verfahren zur Ermittlung geeigneter Bischofskandidaten eröffnet. Dazu kann jeder Katholik des Erzbistums an 2 Sprechtagen dem Erzbischof den Namen seines "Wunschkandidaten" nennen. Ähnliche Verfahren finden bereits in anderen österreichischen Diözesen statt, wo jedoch nur kirchliche Gremien "befragt" werden. (kna)

Bedauern: Einen Monat nach der Anerkennung Mazendoniens durch die Republik Jugoslawien hat die orthodoxe Kirche Griechenlands gegenüber dem Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche ihre Überraschung und ihr Bedauern ausgedrückt. Der griechische Synod erklärte am Freitag, die Entscheidung sei unerwartet und unerklärlich.

Reise: Kardinal Franz König reist Anfang dieser Woche nach Belgrad. Eingeladen wurde er von dem serbisch-orthodoxen Patriarchen Pavle. König will als Vermittler zwischen den Kirchen auftreten. Innerhalb von 3 Tagen wird er in Belgrad mehrfach mit Patriarch Pavle und Mitgliedern des Heiligen Synods zusammentreffen.

Synode: Der apostolische Administrator für Russland, Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz, hat die Einberufung einer Moskauer Synode für den Anfang des nächsten Jahres angekündigt. Sie soll bis zum Jahr 2.000 dauern. Themen der Synode werden Anliegen der Gläubigen sein, die vorher über eine Fragebogenaktion ermittelt werden sollen.

Deutschland:

Frauendiakonat: Das Diakonat der Frau in der katholischen Kirche ist nach Auffassung der früheren Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, Hanna Renate Laurien, längst überfällig.

Woche für das Leben: Unter dem Motto "Leben bis zuletzt - Sterben als Teil des Lebens" ist am Samstag die Woche für das Leben in Augsburg eröffnet worden.

Religionsbeschimpfung: Der Regensburger Generalvikar, Wilhelm Gegenfurtner, hat 2 Jusos wegen "Religionsbeschimpfung" angezeigt. Sie hatten in der Juso-Zeitung "Brav da" den gekreuzigten Heiland als Latten-Gustl bezeichnet. (kna)

Scientology: Eine Werbung der "Scientology"-Organisation ist unter noch ungeklärten Umständen in einige Exemplare der katholischen Kirchenzeitung Berlin gelegt worden. Rückmeldungen kamen nach Angaben der Redaktion nur aus dem Bezirk Prenzlauer Berg. (kna)

Renovabis: Die Förderung von Aus- und Weiterbildung steht im Mittelpunkt der diesjährigen Pfingstaktion des katholischen Hilfswerks für Ost- und Südosteuropa Renovabis. Die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken unterstützt neben Schulen für Behinderte auch die Ausbildung von Priestern, Katecheten, Lehrern und Journalisten. (kna)

 

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