03. Mai 1996

Vatikan:

Audienz: Papst Johannes Paul II. hat am Tag der Arbeit an die Bedeutung der katholischen Soziallehre mit ihren Forderungen nach Gerechtigkeit und Solidarität erinnert. Wörtlich sagte der Papst: "Beten wir für alle Verantwortlichen in der Arbeitswelt und für die menschliche Arbeit in allen Formen."

Verurteilt: Papst Johannes Paul II. hat Korruption, soziale Ungerechtigkeit und Gewalt in Kolumbien scharf verurteilt. "Euer Land ist moralisch krank" sagte der Papst am Dienstag bei einer Audienz für kolumbianische Bischöfe.

Besuch: Eine Delegation der Glaubenskongregation wird in der kommenden Woche in Mexiko mit der Glaubenskommission von Lateinamerika zusammentreffen. Unter der Leitung von Kardinal Joseph Ratzinger sollen der Austausch und die Diskussion verschiedener theologischer Themen mit Bischöfen Lateinamerikas in Glaubensfragen gefördert werden.

Brief: Der Papstattentäter Ali Agca hat, nach Angaben der Nachrichtenagentur ansa, erneut einen Brief an den früheren Kardinalstaastssekretär Agostino Casaroli geschrieben. Bereits vor einigen Monaten hatte er einen ersten Brief geschickt. Agca unterstreicht in beiden Briefen, daß das Attentat kein Komplott gewesen sei. Er habe seinen Fehler während seiner langen Haftzeit eingesehen.

Australien:

Schweigeminute: Kirchenvertreter und Politiker haben die Bevölkerung des Landes zu einer Schweigeminute für die Opfer des Amoklaufs vom vergangenen Wochenende aufgerufen.

Beileid: Der Erzbischof von Hobart, Joseph d`Arcy, hat den Familien der Opfer des Amokläufers sein Beileid ausgesprochen. Bei einer Trauerfeier wurde am Mittwoch die Botschaft d`Arcys veröffentlicht, die allen Hinterbliebenen zugeschickt werden soll. Darin schreibt der Erzbischof, daß in diesem schweren Moment jeder Einwohner des Landes und jeder Christ sich mit den Familien im Gebet verbunden fühle. Mit dem Schmerz sei niemand allein, so D`Arcy weiter.

Liberia:

Nicht vergessen: Der Erzbischof von Monrovia, Michael Francis, hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, die Situation in seinem Heimatland nicht zu vergessen, auch wenn die Waffenruhe zum größten Teil eingehalten würde. Francis sprach in der römischen Basisgemeinschaft S. Egidio anläßlich einer Gebetsnacht für Liberia.

Empfangen: Papst Johannes Paul II. hat am Donnerstag Erzbischof Michael Francis in Privataudienz empfangen. Über den Inhalt des Gesprächs wurde nichts bekannt.

Trappisten:

Gebet: Mit einem Solidaritätsgebet haben am Mittwoch rund 200 Ordensleute unterschiedlicher Gemeinschaften in Rom für die in Algerien entführten Trappistenmönche gebetet. (kna)

Abbé Pierre:

Distanziert: Die französische Bischofskonferenz hat sich von den Aussagen Abbé Pierres im Zusammenhang mit den revisionistischen Thesen des Schriftstellers Roger Garaudy zum Holocaust distanziert. "Wir bedauern und beklagen das Engagement von Abbé Pierre an der Seite Garaudys" heißt es in einer am Montag abend veröffentlichten Erklärung der Bischofskonferenz.

Ausgeschlossen: Die internationale Gesellschaft gegen Rassismus und Antisemitismus hat Abbé Pierre aus ihren Kreisen ausgeschlossen. Wie die Gesellschaft in Paris erklärte, habe sich der Ordensmann mit seiner halbherzigen Absage an die Thesen des Schriftstellers Roger Garaudy zum Holocaust selbst von der Vereinigung distanziert. Niemand könne Ehrenmitglied sein, der die Lüge unterstütze, hieß es in der Begründung

Verhaftet: Der Publizist und Ex-Kommunist Garaudy ist am vergangenen Freitag verhaftet worden.

Südamerika:

Erklärung: Die argentinischen Bischöfe haben in der vergangenen Woche ihre Rolle während der Militärdiktatur diskutiert. In einem Dokument bedauern sie ihr Verhalten während dieser Zeit und bekennen sich zu ihrer nicht immer deutlich erhobenen Stimme angesichts der Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur. 71 von 75 Mitgliedern der Bischofskonferenz nahmen das Dokument an.

Reaktionen: Die Reaktionen auf das argentinische Bischofswort sind unterschiedlich: Sie reichen von Zustimmung bis Überraschung, warum es erst jetzt kommt. 2 Bischöfe kritisierten das Dokument. Sie werfen ihren Amtsbrüdern vor, die Rolle der Kirche zu milde beurteilt zu haben. (kna)

Druck: Regierungsvertreter wollen mit einer Unterschriftenaktion auf Präsident Bill Clinton Druck ausüben. Er soll bisher unveröffentlichte Dokumente freigeben, die die amerikanischen Interessen im Bürgerkrieg von Guatemala aufdecken könnten. - Auch in El Salvador hat eine Gruppe von amerikanischen und salvadorianischen Ordensleuten weitere Informationen über die Verwicklung Washingtons in den Guerillia-Krieg in Guatemala gefordert.

Prozeß: In Brasilien hat der Prozeß gegen 3 Polizisten und einen weiteren Mann begonnen, die im Juli 1993 acht Straßenkinder in Rio de Janeiro ermordet haben sollen. Sie hatten das Feuer auf rund 30 Kinder eröffnet, von denen 8 starben. Ein Polizist, der seine Beteiligung an dem Massaker gestanden hatte, wurde zu 309 Jahren Haftstrafe verurteilt. Beobachter meinen, daß mit dieser Entscheidung ein Zeichen gesetzt werden sollte, daß die Justiz des Landes tatkräftig sei. Das Urteil wäre nach ihrer Meinung wohl nie so drastisch ausgefallen, hätte es das Massaker an Landlosen vor 2 Wochen nicht gegeben.

Deutschland:

Verantwortung: Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen ihre Verantwortung für die Gesellschaft besser wahrnehmen und nicht nur Einzelinteressen verfolgen. Das erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, zum "Tag der Arbeit" in Mainz. Die Zahl von über 4 Millionen Arbeitslosen müsse Anlaß genug sein, um , so wörtlich, "endlich vorurteilsfrei miteinander zu reden und um Lösungen zu ringen." (kna)

Mut: Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hat anläßlich des 1. Mai mehr Mut zu Bündnissen für Arbeit und neuen Wegen bei der Bewältigung der sozialen Probleme gefordert. Die technische Revolution und die dramatische Lage am Arbeitsmarkt verlangten außergewöhnliche Anstrengungen, so Jaschke auf einer Gewerkschaftsveranstaltung. (kna)

Kampf: Die katholische Kirche soll sich nach dem Willen ihrer Mitarbeitervertretungen mehr im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit engagieren. Kirche und karitative Einrichtungen müßten neue sozialversicherungspflichtige Voll- und Teilzeitarbeitsplätze schaffen. Das forderte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen der Deutschen Bischofskonferenz in einer am Dienstag verabschiedeten Resolution. (kna)

Friedensdienst: Der von den Kirchen und Teilen der Friedensbewegung geplante Einstieg in einen "zivilen Friedensdienst" ist offenbar vorerst gescheitert. Wie das "Forum Ziviler Friedensdienst" am Mittwoch in Minden mitteilte, habe das Bonner Entwicklungsministerium das Projekt als zu teuer und strukturell nicht notwendig bezeichnet. (kna)

Buß- und Bettag: Die nordelbische evangelisch-lutherische Kirche fordert, den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag wiederherzustellen. Sie hat beim schleswig-holsteinischen Landtag die Durchführung eines Volksbegehrens beantragt. (kna)

Telefonaktion: Rund 200 Anrufer aus ganz Deutschland haben sich an der Telefonaktion "Tod und Sterben" beteiligt, die von den Bistümern Limburg, Mainz, Speyer und Trier organisiert wurde. Sie fand im Vorfeld der ökumenischen "Woche für das Leben" statt. In den meisten Gesprächen sei die Hilflosigkeit angesprochen worden, mit dem Verlust eines geliebten Menschen und der eigenen Trauer umzugehen. (kna)

Osteuropa:

Rückgabe: Der katholische Erzbischof von Moskau, Tadeusz Kondrusiewicz, hat die Langsamkeit der russischen Behörden bei der Rückgabe von beschlagnahmten Kirchengut kritisiert. Er hoffe immer noch, daß die Kirche alle von den Kommunisten konfiszierten Gebäude zurückerhalte. (kna)

Verbesserung: Der russisch-orthodoxe Patriarch von Moskau, Alexijj II., hat am Mittwoch seinen Besuch in Georgien beendet und ist nach Armenien weitergeflogen. Vor Journalisten erklärte er, daß sein Besuch besonders einer Verbesserung der Verbindungen zwischen den orthodoxen Kirchen der Länder gedient habe.

Warnung: Der Vorsitzende der europäischen Bischofskonferenzen, Kardinal Myloslav Vlk, hat vor einem Rückzug der Kirche ins Ghetto gewarnt. Während einer Versammlung der mittel- und osteuropäischen Bischöfe in Warschau erklärte er am Dienstag, auch die Kirche sei an der Privatisierung der Religion Schuld.

 

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