29. April 1996

Vatikan:

Randgruppen: Papst Johannes Paul II. hat die Laien zu mehr Engagement für Randgruppen aufgerufen. Sie sollten für Leidende, Verlassene, und Menschen am Rand eintreten und damit die geistliche Erneuerung der Welt vorantreiben.

Seligsprechungen: Die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen des Vatikans hat am Freitag eine offizielle Liste mit den Namen der nächsten Kanonisierungen vorgelegt. Von Mai bis November werden 13 Frauen und Männer selig- und heiliggesprochen, unter ihnen Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner. Bereits am 12. Mai wird der frühere Erzbischof von Mailand, der deutschstämmige Kardinal Alfredo Ildefonso Schuster, seliggesprochen.

Weihungen: Am Sonntag hat der Papst 37 neue Priester geweiht. Es war der 33. Weltgebetstag für die geistlichen Berufe.

Entführte Trappisten:

Erklärung: Zum ersten Mal haben sich die Entführer der 7 französischen Mönche gemeldet. Sie veröffentlichten in der Kairoer Zeitung "El-Hayát" eine Erklärung, daß alle Verschleppten lebten und bei guter Gesundheit seien. Die Entführer gehören nach eigenen Angaben der algerischen Terroristengruppe GIA, der "groupe islamique armé" an, die für die Bombenanschläge der letzten Zeit in Paris verantwortlich sind. Sie fordern die Freilassung von in Frankreich einsitzenden GIA-Terroristen. Ein Lebenszeichen der entführten Trappisten gibt es noch nicht.

Gottesdienst: Etwa 2.500 Gläubige haben am Sonntag in Paris an einem ökumenischen Gottesdienst für die Entführten teilgenommen. Kardinal Jean-Marie Lustiger hatte Vertreter der jüdischen Gemeinde, der Protestanten und der orthodoxen Kirche geladen.

Keine Verhandlungen: Von Seiten der französischen Regierung verlautete, daß Paris alles tue, um die Freilassung der Entführten so schnell wie möglich zu erwirken. Allerdings würde nicht mit den Kidnappern verhandelt.

Liberia:

Cholera: In Monrovia hat die Cholera bereits 84 Menschen getötet. 73 Kranke befinden sich in Behandlung.

Warnung mißachtet: Seit einer Woche sind die Straßen der Hauptstadt Monrovia wieder relativ sicher - abgesehen von einzelnen Schützen. Jetzt meldet sich der amerikanische Weihbischof von Baltimore, John Ricard, zu Wort. Er ist der Meinung, daß der Friedensprozess in Liberia mit ein wenig internationaler Hilfe hätte erhalten werden können. Bereits im letzten Herbst hätten katholische und Menschenrechtsgruppen vor einer Auflösung des Friedensprozesses in dem Land gewarnt.

Brasilien:

Abschlußdokument: Zum Abschluß ihrer Generalversammlung haben die brasilianischen Bischöfe die Einführung eines Mindestlohns und eine Agrarreform gefordert. Der Titel des Abschlußdokuments lautet: "Christliche Ansprüche für den sozialen Frieden". Angeklagt wird darin Gewalt, auch auf Seiten der Polizei, welche die Ursache für Kriminalität, Korruption und die Auflösung des moralischen Bewußtseins sei.

Menschenrechtskonferenz: In Brasilia fand unter dem Eindruck des Massakers der vergangenen Woche eine Menschenrechtskonferenz statt. Justizminister Nelson Jobim stellte gegenüber Aktivisten für den nächsten Monat einen Regierungsplan über Menschenrechte in Aussicht.

Tschernobyl:

Gedenken: 10 Jahre nach der Reaktorkatastrophe kam es weltweit zu Aktionen und Gedenkfeiern. Am Freitag läuteten in Rußland, Weißrußland und der Ukraine die Glocken.

Verschlechterung: Caritas international hat von einer dramatischen Verschlechterung der Situation der Betroffenen in Charkow in der Ukraine berichtet. Weder die Länderregierung noch Moskau sind in der Lage, ihren Verpflichtungen bei Rehabilitierungsmaßnahmen nachzukommen. Die Caritas hat für das gesamte Gebiet von Charkow ein Hilfsprogramm ausgearbeitet.

Aufruf: Der Linzer Bischof Maximilian Aichern hat sich für eine verstärkte Nutzung "naturnaher Formen" zur Energieversorgung ausgesprochen. Aus Anlaß des 10. Jahrestages von Tschernobyl rief er auch zu einem sparsameren Umgang mit Energie und einem Ausbau von umweltschonenden Alternativen auf.

Menschenrechte:

Wahrheitskommission: Die Schweiz will Pretoria rund 900.000 Dollar zur Unterstützung der Wahrheitskommission zukommen lassen. Das erklärte am Freitag Präsident Nelson Mandela nach einem Treffen mit dem schweizer Präsidenten Jean-Pascal Delamuraz.

Krisengebiete:

Waffenruhe: Seit Freitag herrscht zwischen Israel und dem Libanon Waffenruhe. Bei den Angriffen der Israelis, die 16 Tage dauerten, sollen 164 Menschen getötet und 351 verletzt worden sein.

Hilfe: Das Welternährungsprogramm hat dringende Hilfsmaßnahmen für rund 100.000 Menschen verabschiedet, die während des Krieges im Südlibanon flüchten mußten. Jeder Flüchtling soll eine Lebensmittelration für einen Monat erhalten.

Schüsse: Ein Toter und zwei Schwerverletzte. Das ist die Bilanz eines Angriffs von Milizen des Generals Aidid auf eine Moschee in Mogadischu. Eine große Menge Gläubiger war versammelt, um das höchste muslimische Fest zu feiern, an das sich eine Demonstration für den Frieden in Somalia anschließen sollte. Die Milizen eröffneten das Feuer auf die Menschenmenge. General Aidid, der selbsternannte Präsident des Landes, sah in der Veranstaltung einen Angriff auf seine Person.

Flucht: Immer mehr Menschen flüchten vor dem Bürgerkrieg in Zaire. Wie Caritas international am Montag meldete, ist die Situation in den Lagern katastrophal. Hilfsprogramme der UNO blieben aus, da sich das Flüchtlingskommissariat nicht für Inlandsvertriebene zuständig fühlt. (kna)

Schweiz:

Kündigung?: Die scheidende Sprecherin der Schweizer Bischofskonferenz, Maria Brun, wiederholte ihre Vorwürfe gegen die schweizer Bischöfe. Die Auflösung der bischöflichen Informationsstelle zum ersten Juli widerspreche vatikanischen Forderungen und komme einer Kündigung an sie gleich. Unter solchen Umständen könne sie es nicht verantworten, weiter das Amt der Sprecherin zu bekleiden. Sie habe ihre Kündigung zum 30. Juni, so wörtlich, angenommen.

Sexueller Mißbrauch:

Verurteilt: Der Osservatore Romano hat am Freitag die UNO dazu aufgerufen, Pädophilie und sexuelle Ausbeutung zu verurteilen.

Maßnahmen: Die australischen Bischöfe haben Maßnahmen vorgestellt, mit denen dem sexuellen Mißbrauch von Kindern durch Kirchenvertreter entgegengetreten werden soll. Ein Vollzeitmitarbeiter soll sich den Klagen widmen und prüfen, ob Umstände in der Kirche Priester, Ordensleute und andere Kirchenangehörige zu ihrem Verhalten veranlassen. Ein Komitee soll einen Führungskodes für Priester und Ordensleute erarbeiten.

 

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