26. April 1996

INHALT

Vatikan:

Clinton: Papst Johannes Paul II. hat am Dienstag mit Vertretern der amerikanischen Bischofskonferenz die Haltung von Präsident Bill Clinton zur Abtreibung erörtert. Über nähere Inhalte der Gespräche wurde nichts bekannt.

Lob: Der Botschafter Boliviens beim Apostolischen Stuhl hat die Papstworte zum Drogenanbau gelobt. Man müsse den Koka-Anbauern helfen, eine andere Einnahmequelle zu finden. Der Papst hatte diesen Wunsch am Montag vor bolivianischen Bischöfen ausgesprochen.

Solidarität: Papst Johannes Paul II. hat am Donnerstag den neuen Botschafter der Republik Jugoslawien in Privataudienz empfangen. Der Papst drückte seine Freude darüber aus, daß die Beziehungen zwischen beiden Staaten vertieft werden könnten. Er unterstrich in seiner Ansprache, daß es die Kirche nie versäumt habe, an einem stabilen Frieden mitzuarbeiten.

Evangelium vitae: Der Papst hat eindringlich an den Wert des Lebens und der menschlichen Würde erinnert. Dazu habe besonders seine vor einem Jahr veröffentlichte Enzyklika "Evangelium vitae" gedient. Er verurteilte jede Bestrebung zur Legalisierung der Euthanasie. Dies schrieb Johannes Paul II. in einer jetzt veröffentlichten Botschaft an die Teilnehmer eines Kongresses zum ersten Jahrestag von "Evangelium vitae".

Verhütung: Der Moraltheologe Gonzalo Miranda hat auf diesem Kongreß gefordert, das die Pille für geistig Behinderte und Ordensfrauen in Krisengebieten zugelassen werden sollte. Nach Fehldeutungen seiner Aussagen betonte er in einem am Donnerstag an den Osservatore Romano gerichteten Brief, er habe niemals gewünscht, daß künstliche Verhütungsmittel generell erlaubt würden. Miranda unterstrich ausdrücklich, daß er die Pille nicht für normale Partnerschaften zulassen wolle, sondern sie ausschließlich für Ordensschwestern und geistig behinderte Frauen für moralisch vertretbar halte und dies nur in Gefahrensituationen.

Papstreise: Der Erzabt der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma hofft nach wie vor auf eine Begegnung zwischen Papst Johannes Paul II. und dem Patriarchen von Moskau, Alexi II., noch während der Ungarnreise des Papstes im September. Er habe darüber im Vatikan und auch in Moskau intensive Gespräche geführt, so der Erzabt. Über deren Inhalt wollte er jedoch nichts sagen. - Am Mittwoch informierten Vertreter der ungarischen Bischofskonferenz auf einer Pressekonferenz über den Stand der Vorbereitungen und das Programm der Papstreise. Dabei erklärte der Diözesanbischof von Györ Lajos Papai, daß es während des Papstbesuchs zu keiner Seligsprechung kommen werde. (kna)

Trauer: Im Alter von 86 Jahren ist in der Nacht zum Dienstag der Dominikanerpater und Kardinal Luigi Mari Ciappi in Rom gestorben. Er war lange Zeit päpstlicher Haustheologe und wurde 1977 von Papst Paul VI. zum Kardinal erhoben.

Entführte Trappisten:

Keine Nachrichten: Auch nach 4 Wochen gibt es noch immer keine Nachrichten von den 7 entführten Trappisten. Dies teilte ein Sprecher des Erzbistums Algier mit. Inzwischen habe man Sorge, ob 2 der französischen Ordensmänner noch lebten, da beide schwer herzkrank seien. Es müsse ernsthaft bezweifelt werden, so der Sprecher, ob sie diese Strapazen überstehen könnten. Auch bestritt er, daß eine Ermordung der Trappisten schnell bekannt geworden wäre. Deshalb könne man ein Fehlen von Nachrichten nicht etwa als ein gutes Zeichen werten. (kna)

Freilassung gefordert: Inzwischen hat ein Mitglied der verbotenen "Islamischen Heilsfront" die Freilassung der vor 4 Wochen entführten französischen Trappisten gefordert. In einem Beitrag, der am Mittwoch in der Pariser Tageszeitung "Le Monde" erschien, unterstreicht der Muslim, die Entführung widerspreche in jeder Hinsicht dem islamischen Gesetz und der Kriegsführung im Geiste des Islam.

Zum Massaker in Brasilien:

Untersuchungen: Nachdem am Dienstag der Präsident der brasilianischen Caritas von einem sorgfältig geplanten Massaker gesprochen hatte, hat die Regierung am gleichen Abend eine offizielle Untersuchung angeordnet. Der Generalstaatsanwalt des betroffenen Bundesstaates Para bestätigte gleichzeitig, daß sich Hinweise auf ein vorbereitetes Massaker verdichten.

Landreform: Brasiliens Präsident Henrique Cardoso hat auf die Ermordung der etwa 20 Landbesetzer durch Polizeikräfte reagiert. Er ermahnte das Parlament, die geplante Landreform zügig zu beschließen. Außerdem forderte er, die Militärpolizei der zivilen Gerichtsbarkeit zu unterstellen.

Menschenrechte:

Todesstrafe: Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn hat die weltweite Abschaffung der Todesstrafe gefordert. Er bezog sich dabei auf den jetzt in Österreich laufenden Kinofilm "Dead Man Walking", dessen Aussage er als eindrucksvolles Beispiel für die Möglichkeit bezeichnete, "Menschen in Haft über ihre Schuld hinauswachsen zu sehen." Dies dürfe nicht durch die Todesstrafe behindert werden. (kna)

Verschleppt: Etwa 100 Schüler sind im Norden Burundis verschwunden. Das meldete am Dienstag die italienische Zeitung Avvenire unter Berufung auf einen Informanten in Bujumbura. Bewaffnete Männer seien in die Schule eingebrochen und hätten die Jugendlichen, deren genaue Zahl nicht bekannt ist, entführt. Bislang fehle von den 12 bis 17jährigen Jungen jede Spur.

Abgewiesen: Eine Gruppe von etwa 600 serbischen Flüchtlingen ist am Mittwoch an der Rückkehr in ihre Heimatstadt gehindert worden. Dies berichtete der Photograph einer Nachrichtenagentur. Die kroatische Polizei, unter deren Kontrolle die Stadt steht, hielt die Fahrzeuge vor der Stadt an und ließen sie auch nach stundenlangen Gesprächen nicht passieren. Die Flüchtlinge wurden von Mitgliedern des UN-Kommissariats für Flüchtlinge begleitet.

Entschuldigt: Die Methodistische Kirche hat sich nach über 130 Jahren erstmals für die Massaker an Indianern im vergangenen Jahrhundert entschuldigt. 1864 hatten Methodisten alle indianischen Bewohner eines Dorfes umgebracht.

Gewalt gegen Frauen: Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen hat die weltweite Gewalt gegen Frauen scharf verurteilt. Eine spezielle Kommission der UNO-Behörde werde sich verstärkt um den Schutz der Frauen bemühen, heißt es in einer in Genf veröffentlichten Erklärung. (kna)

Koma: Das oberste Zivilgericht Schottlands hat entschieden, daß bei einer Koma-Patientin die künstliche Ernährung eingestellt werden darf. Gegen diesen Beschluß kann Berufung eingelegt werden. Während die Familie und auch die presbyterianische Kirche des Landes das Urteil begrüßte, verurteilte der Glasgower Kardinal Tom Winning die Entscheidung. (kna)

Krisengebiete:

Aufruf: 11 führende Religionsvertreter Tschetscheniens haben zu einem Waffenstillstand und Friedensgesprächen aufgerufen. Die Kämpfe müßten sofort gestoppt werden, so hieß es in der tschetschenische Zeitung "Ichkeria".

Putschversuch: In Paraguay haben Kirche und Opposition am Dienstag dem Präsidenten Juan Carlos Wasmosy ihre volle Unterstützung zugesichert. Nachdem General Lino Cesar Oviedo mit seinem Putschversuch gescheitert war, wurde er von seinem Posten entfernt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz lobte diese Entscheidung. Sie sei früher oder später nötig gewesen.

Kirche:

Jugend: Die Bischöfe Frankreichs wollen die Jugend im Land verstärkt ansprechen. Aus diesem Grund trafen sie sich am Mittwoch und am Donnerstag zu einer außerordentlichen Vollversammlung in Paris. Grund für die Beratungen sind Studien, nach denen die Kirche mit ihren Angeboten nur 5 Prozent der 15 bis 24jährigen Franzosen erreicht. (kna)

Aufschwung: Der katholische Glaube findet bei Jugendlichen in Vietnam immer mehr Anklang. Allein in der Erzdiözese Hanoi werden derzeit 60 Seminaristen zu Priestern ausgebildet. Der Erzbischof der Stadt, Kardinal Paul Joseph Tung, ist zuversichtlich, daß besonders viele Jugendliche einen Kirchenübertritt wagen. (kna)

Verhaftet: In Jugoslawien hat die Polizei 2 Männer festgenommen, die im Verdacht stehen, Bombenanschläge auf Moscheen und katholische Kirchen verübt zu haben. Eine Zeitung berichtet, daß die serbische Polizei vermutet, die beiden könnten als Drahtzieher für die Anschlagserie gelten, die bereits 1992 begonnen hatte.

Schwarzer Tag: Der Chef der tunesischen Integralisten im Ausland, Rachid Ganuchi, hat den Tag der Papstreise in seiner Heimat als schwarzen Tag bezeichnet. Der Papst sei nur gekommen, um die Unterdrückung der Islamisten zu verschärfen.

Deutschland:

Spendenrückgang: Caritas international hat einen dramatischen Spendenrückgang zu verzeichnen. Das erklärte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Hellmut Puschmann, bei der Vorstellung des Jahresberichts 1995. In diesem Jahr gingen auf die Konten des Verbandes nur 31,5 Millionen Mark ein, etwa die Hälfte der Summe des Vorjahres (60 Millionen).

Militärseelsorge: Auch nichtchristliche Soldaten müssen seelsorgerlich betreut werden. Das erklärte der katholische Militärdekan, Walter Theis. Er könne sich durchaus Angebote für die wachsende Zahl der Muslime in der Bundeswehr vorstellen. Ebenso müßte es für Atheisten Möglichkeiten geben, sich während ihres Militärdienstes mit ihrer Ethik zu befassen. (kna)

Hospizbewegung: Angesichts von Sparmaßnahmen der Bundesregierung fordert die Hospizbewegung eine finanzielle Absicherung ihrer Arbeit. Zumindest sollte eine Übergangsregelung gefunden werden, um den derzeitigen Stand der Angebote aufrecht zu erhalten. Dies erklärte der Vorsitzende der Hospizbewegung, Heinrich Pera, am Dienstag in Bonn. (kna)

Heiliger Rock: Eine bisher positive Bilanz der Heilig-Rock-Wallfahrt zieht die Polizei in Trier. Eine Sprecherin erklärte, es gebe keine besonderen Vorkommnisse, die Pilger seien, so wörtlich, "gut behütet". Bis zum Dienstag waren bereits 100.000 Gläubige zum Heiligen Rock nach Trier gepilgert. - Am Donnerstag haben mehr als 3.000 geistig Behinderte an der Wallfahrt teilgenommen. Sie kamen aus ganz Deutschland. (kna)

Letzte Meldung:

Supermarkt: Der umstrittene Supermarkt in der Nähe des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz wird nicht gebaut. Die deutsch-polnische Stiftung, die das Projekt betrieb, hat nach polnischen Agenturberichten ihr Vorhaben aufgegeben. Der Direktor der Stiftung erklärte, er werde vor Gericht eine Entschädigung für erbrachte Investitionen fordern. (kna)

 

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