22. April 1996

INHALT

Vatikan:

Verurteilt: Als "schändliches Veto" hat der apostolische Stuhl die Entscheidung Präsident Clintons zur späten Abtreibung bezeichnet. Der Vatikansprecher verurteilte in schärfster Form die Entscheidung des Präsidenten. Sie sei näher an der Tötung eines Kindes als an der Abtreibung. - Clinton reagierte nicht auf die Kritik des Vatikans. Er hält an seiner Entscheidung fest.

Ungerechtfertigt: Johannes Paul II. hat die israelischen Luftangriffe auf libanesische Flüchtlinge verurteilt. Keine politischen oder militärischen Gründe könnten solch eine Tat rechtfertigen.

Verschoben: Der Papst hat seine Ungarn-Reise von Juni auf September verschoben. Das gab am Freitag der Vatikanische Pressesaal bekannt. Ursprünglich sollte die Ungarnvisite mit der Deutschlandreise verbunden werden (diese wird nicht verschoben). Gründe wurden nicht genannt. Nach Deutungen von Nachrichtenagenturen, ist der neue Termin ein Signal des Papstes an den russisch-orthodoxen Patriarchen Alexei II., mit dem er sich ein Treffen wünscht.

Bedauert: In Bolivien herrsche wachsende Intoleranz und ein mangelndes Interesse am Dialog - Dies bedauerte Johannes Paul II. Zum Abschluß des Ad-Limina-Besuchs der bolivianischen Bischöfe sprach der Papst über sozialen Frieden und den Kampf gegen den Drogenhandel in dem südamerikanischen Land.

Libanon:

Trauer: An diesem Montag findet im Libanon ein nationaler Trauertag für die Opfer des israelischen Luftangriffes auf das Flüchtlingslager vor einer Woche statt.

Kampfaufruf: Der Iran hat seine Kämpfer im Südlibanon dazu aufgerufen, sich von Israel nicht einschüchtern zu lassen. Der höchste iranische Religionsführer, Ayatollah Ali Khamenei, sagte beim traditionellen Freitagsgebet wörtlich: "Die Ehre in dieser Welt ist es, unser Leben, Eigentum und die Religion für die Unabhängigkeit zu opfern. Kämpft ohne Pause weiter!"

Bitte: Finanzhilfe für den Libanon. Mit dieser Bitte haben sich die Vereinten Nationen an die internationale Staatengemeinschaft gewandt. Von den benötigten 8,5 Millionen Dollar seinen 2,6 Millionen als Nahrungsmittelhilfe für Flüchtlinge vorgesehen. Dem Appell schloß sich auch das Rote Kreuz an.

Kritik: Der maronitische Patriarch, Kardinal Nasrallah Sfeir, hat die Art der Friedensverhandlungen zwischen Israel und der Hizbollah kritisiert. Der Libanon werde in die Beratungen nicht mit einbezogen. (kna)

Brasilien:

Angriff: Nach dem Massaker an Landlosen haben die brasilianischen Bischöfe die Regierung Cardoso direkt angegriffen. Sie konzentriere sich nur auf die Wirtschaft und versuche nicht, eine vernünftige Bodenreform zu erreichen. (kna)

Requiem: Der Bischof von Marabe hielt am Freitag eine Beerdigungsmesse für die erschossenen Landlosen. Millionen von Brasilianern verfolgten das Requiem im Fernsehen. Es wurde begleitet von Protestveranstaltungen in den größten Städten des gesamten Landes.

Proteste: Zehntausende Bürger haben am Wochenende gegen das jüngste Massaker an mindestens 24 Landlosen protestiert. In Sprechchören und auf Transparenten wurde Staatspräsident Cardoso als Schuldiger für die Bluttat genannt.

Mission: Gläubige zurückgewinnen und Interesse für das Priesteramt wecken. Das wollen die brasilianischen Bischöfe mit einer Kampagne erreichen. Grund für diese sind Ergebnisse einer Untersuchung der Bischofkonferenz, die belegen, daß die Kirche gegenüber den Pfingstsekten immer mehr an Boden verliert.

Landminen:

Tagung: In Genf findet ab dem 22. April die "Tagung über die Beseitigung der konventionellen Waffen" statt.

Papstappell: Beim "Regina Coeli" kam Papst Johannes Paul II. auch auf die Tagung in Genf zu sprechen. Er rief die Verantwortlichen dazu auf, auf Minen, die Instrumente des Todes, zu verzichten und definitiv ihre Herstellung, ihren Handel und Einsatz zu verbieten.

Kundgebung: In Deutschland haben sich kirchliche und Entwicklunghilfe-Organisationen für ein vollständiges Verbot von Landminen eingesetzt. Bei einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor wurde in Anwesenheit von Berlins Erzbischof, Kardinal Georg Sterzinsky, und des Bischofs der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, ein Berg aus Schuhen angehäuft, um an die Opfer von Landminen zu erinnern. (kna)

Deutschland:

Mitentscheidung: Der Münchner Caritasdirektor Peter Neuhauser hat das kommunale Wahlrecht für alle ausländischen Mitbürger gefordert, die seit längerem in einer Gemeinde wohnen. Jeder, der in einer Stadt wohne, arbeite, Sozialabgaben und Steuern zahle, solle auch mitbestimmen können. (kna)

Reform: Das Ausländerrecht muß reformiert werden. Das erklärte am Montag der ökumenische Vorbereitungsausschuß zur Woche der ausländischen Mitbürger. Als Ziele werden unter anderem Erleichterung beim Familiennachzug, schnellere Einbürgerung sowie Recht auf Wiederkehr für junge Ausländer genannt. Die Woche der ausländischen Mitbürger findet in diesem Jahr vom 29. September bis zum 5. Oktober statt und steht unter dem Motto "Miteinander für Gerechtigkeit". (kna)

Shell: Pax Christi hat zu einem Verbraucherboykott gegen den Shell-Konzern aufgerufen. Nach Forderung der katholischen Friedensbewegung soll dieser so lange andauern, bis Shell seine Haltung zum Militärregime in Nigeria eindeutig ändert. Der Konzern solle sich außerdem für eine verbesserte soziale und ökologische Situation in dem westafrikanischen Land einsetzen. (kna)

Wallfahrt: Feierlicher Auftakt der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier: Der Papst hat in einer Grußbotschaft zu mutiger Ökumene aufgerufen. Mehr als 83.000 Pilger sind am Wochenende in die Stadt gekommen. Die Wallfahrt wurde am Freitag eröffnet. (kna)

Menschenrechte:

Lob: Der vatikanische Beobachter bei den Vereinten Nationen hat die Solidarität Argentiniens mit den Anliegen der Kirche gelobt, die bei großen UNO-Konferenzen zu erkennen sei. Erzbischof Renato Martino bezog sich besonders auf die Weltbevölkerungs- und der Frauen-Konferenz.

Zusammenarbeit: Der Sudan ist bereit, mit einem Sonder-Berichterstatter der UNO zu Menschenrechtsverletzungen zusammenzuarbeiten. Das erklärte der Justizminister. UNO-Berichterstatter Gaspar Biro hatte dem Land zuvor Sklavenhandel vorgeworfen.

Besorgnis: Den bosnischen Vertriebenen wird die zugesicherte Bewegungsfreiheit bei ihrer Rückkehr in die Heimat nicht gewährt. Weder Muslime noch Kroaten oder Serben hielten sich an die Vereinbarungen von Dayton. Dies teilte das Flüchtlings-kommissariat der UNO in Genf mit. Das Hilfswerk zeigte sich darüber besorgt und verlangte die sofortige Respektierung der Vereinbarung. (kna)

Weitere Meldungen:

Verleumdung: Der Erzbischof von Bogota, Pedro Rubiano Saenz, hat gegen einen Parlamentsabgeordneten Verleumdungsklage eingereicht. Dieser hatte den Bischof mit Drogengeschäften in Verbindung gebracht.

Verurteilung: Eine der bedeutendsten fundamentalistischen Vereinigungen Ägyptens, die "Muslimbruderschaft", hat das Massaker bei Kairo scharf verurteilt.

Auschwitz: Auch weiterhin wird über den Bau des Supermarktes gegenüber dem ehemaligen Konzentrationslager diskutiert. Am Samstag wurde eine Umfrage veröffentlicht, nach der 68 Prozent der Polen sich gegen und 17 Prozent für den Bau aussprachen. (kna)

Ehrenbürger:

Warschau: Papst Johannes Paul II wurde am Sonntag zum Ehrenbürger der Hauptstadt Polens gewählt. Anläßlich der 400-Jahrfeier der Stadt wurde der Papst vom Stadtrat während einer Feierstunde im königlichen Schloß zu dieser Ehre berufen. Anfang Mai wird eine Warschauer Delegation nach Rom kommen, um dem Papst ein entsprechendes Dokument zu überreichen.

Rom: Mutter Theresa wird Ehrenbürgerin der ewigen Stadt. Dies teilte der Bürgermeister der Stadt, Francesco Rutelli, am Wochenende mit. Die Missionarinnen der Nächstenliebe leisteten in Rom beispielhafte caritative und soziale Arbeit. Mutter Theresa wird die Ehrung Ende Mai bei ihrem nächsten Italienbesuch entgegennehmen. (kna)

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