18. April 1996

Vatikan:

Papstreise: Entgegen Berichten der spanischen Nachrichtenagentur efe wird Papst Johannes Paul II. Brasilien nicht in diesem Jahr besuchen, sondern im Oktober 1997.

Glaubenskongregation: Der Freiburger Diözesanpriester Georg Gänswein ist am Mittwoch in die deutschsprachige Abteilung der Glaubenskongregation berufen worden. Er arbeitete bereits seit über einem Jahr an der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.

Kritik: Johannes Paul II. hat die gegenwärtige ökonomische Lage weltweit kritisiert. Nicht nur gegen den Krieg mit Waffen, sondern auch gegen den derzeitigen wirtschaftlichen Krieg müsse sich die Gesellschaft verteidigen. Soziale, wirtschaftliche und finanzielle Probleme machten das Hauptgewicht für die Spaltungen innerhalb der Menschheit aus, so der Papst.

Aktuell:

Massaker: In Brasilien sind mindestens 19 Mitglieder der Landlosenbewegung am Mittwoch von der Militärpolizei erschossen worden, weitere 35 wurden schwer verletzt. Der Angriff ereignete sich in der Provinz Para, wo über 1.500 Landlose eine Straße besetzt hatten. Das Massaker ist von Menschenrechtskommissionen und der brasilianischen Bischofskonferenz scharf verurteilt worden.

Überfall: In Ägypten haben Unbekannte am Donnerstagmorgen vor einem Hotel in der Nähe der Pyramiden von Gizeh das Feuer auf griechische Touristen eröffnet. Nach ersten Angaben wurden mindestens 18 Menschen getötet und 13 teilweise schwer verletzt. Agenturmeldungen zufolge handelt es sich bei den Attentätern um islamische Fundamentalisten.

Krisengebiete:

Chaos: Die Lage im Libanon, ist "extrem chaotisch", so der Präsident der Caritas Libanon. Die Regierung ist nicht mehr in der Lage, die in Familien, Schulen und Behörden untergebrachten 400.000 Flüchtlinge zu betreuen. - Palästinenser-Präsident Arafat erklärte am Mittwoch seine Solidarität mit dem libanesischen Volk. - Papst Johannes Paul II. empfing am Donnerstag den lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah. Thema des Gesprächs soll besonders die gespannte Lage im Kampf zwischen Israel und dem Libanon gewesen sein. - Bei neuen Luftangriffen Israels sind am Donnerstag im Südlibanon mindestens 9 Menschen getötet worden. Der Patriarch der Maroniten im Libanon, Kardinal Nasrallah Sfeir, hat zu Solidarität aufgerufen. Er appellierte, die über 400.000 Flüchtlinge nicht zu vergessen. Das Tragischste sei, daß man den Eindruck habe, der Libanon werde mit seinen Problemen alleingelassen. Sfeir kritisierte die Vereinten Nationen, die bisher tatenlos zugesehen hätten.

Verschlechterung: Die Evakuierungen aus Liberias Hauptstadt Monrovia halten an. Nach Auskunft der Caritas Italien verschlechtert sich die Gesundheitsversorgung. Jeden Tag werden 15-20 neue Cholerafälle gemeldet.

Spannungen: Aus Zaire, das zahlreiche ruandische Flüchtlinge aufgenommen hat, meldet der deutsche Caritasverband Spannungen zwischen der Regierung und den Flüchtlingen. Die Caritas befürchtet, daß die Armee versuchen wird, die in die Minderheit geratene zairische Bevölkerung wieder in ihre Rechte einzusetzen. Ein Eingreifen des Militärs würde zu großen Unruhen unter den Flüchtlingen führen.

Obdachlos: Mehr als 1.000 Sudanesen sind durch Übergriffe des Militärs im Süden des Landes obdachlos geworden. Die Soldaten hatten bereits Ende März eine Kirche und zwei Dörfer niedergebrannt. Am Dienstag besuchte eine Delegation von Kirchenvertretern aus Nairobi das verwüstete Gelände und veröffentlichte einen Hilfsappell für die Obdachlosen.

Militäreinsatz: Der mexikanische Bischof Samuel Ruiz hat die geplante Militäraktion in der Provinz Chiapas kritisiert. Soldaten sollen dort nach Spuren für Drogenanbau und -handel suchen. Bischof Ruiz steht an der Spitze der Verhandlungs-kommission zwischen Regierung und Chiapas-Rebellen. Humanitäre Organisationen befürchten militärischen Druck auf die Indios.

Menschenrechte:

Keine Normalisierung: In Myanmar nehmen Folter und Übergriffe auf Oppositionspolitiker wieder zu. Die Hoffnung auf eine Normalisierung der Menschenrechtslage, die die Freilassung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi im vergangenen Jahr erweckte, habe sich bisher nicht erfüllt, sagte ein UNO-Berichterstatter. (kna)

Freilassung: In Nigeria hat Amnesty international (ai) die Freilassung von 19 Angehörigen des Ogoni-Volkes gefordert. Zumindest stehe ihnen ein faires Verfahren zu, in dem die Todesstrafe ausgeschlossen sei. Die europäischen Regierungen müßten jetzt beweisen, daß ihre Entrüstung über die Morde in Nigeria nicht bloße "pflichtschuldige Rhetorik" sei, so ai. (kna)

Hunger: In Lateinamerika und in der Karibik verhungern jährlich 700.000 Kinder unter 5 Jahren. Zu diesem Ergebnis kam ein Seminar über "Armut und Gesundheitswesen", zu dem die kubanische UN-Vereinigung eingeladen hatte.

Deutschland:

Organtransplantation: Die Grünen wollen die Organtransplantation nur erlauben, wenn der Spender schriftlich zugestimmt hat. Einen entsprechenden Gesetzentwurf stellte die Partei am Dienstag in Bonn vor. (kna)

Sterbehilfe: Anläßlich der "Woche für das Leben" haben die beiden großen Kirchen erneut jede Form der aktiven Sterbehilfe verurteilt. Gefordert wurde, sich intensiver um Todkranke zu kümmern. - Die Veranstalter des Heidelberger Euthanasie-Kongresses müssen sich weiterhin Kritik gefallen lassen. Sie hatten den umstrittenen Bioethiker Peter Singer zunächst ein- und dann, auf vielseitigen Protest, wieder ausgeladen. Das "Forum gegen die Euthanasiedabatte" wirft den Veranstaltern vor, sich durch ihr "skandalträchtiges" Vorgehen zum Wegbereiter der akademischen Diskussion über Euthanasie machen zu wollen. (kna)

Minen: Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky hat "ein totales Verbot von Landminen" gefordert. Einen entsprechenden Appell richtete er gestern in Berlin an die Teilnehmer der UN-Minenkonferenz, die nächste Woche in Wien beginnen wird. (kna)

Theologiestudium: Die Universität Bamberg bietet ab dem kommenden Wintersemester das Fach Theologie als Ergänzungsstudiengang an. Als erste deutsche Universität. Der Studiengang ist auf 2 Semester mit 32 Semesterwochenstunden angelegt. Es gibt keine Zulassungsbeschränkungen und keine vorherige Bewerbung. Der Ergänzungsstudiengang qualifiziert zum kirchlichen Beratungsdienst, zur Jugendarbeit oder zur Erwachsenenbildung. (kna)

Rücksicht: Besonders auf ältere Menschen und Kinder muß im Straßenverkehr Rücksicht genommen werden. Dazu riefen die beiden großen Kirchen auf. (kna)

Kirche:

Bombenattentat: Ein erneuter Anschlag auf die Moschee in Belgrad hat leichten Sachschaden verursacht. Verletzt wurde niemand. Nach einer Kette von Anschlägen, 7 seit 1990, wird die Moschee jetzt von der serbischen Polizei bewacht.

Kirchenbesetzung: In Frankreich ist eine Gruppe von Ausländern in der Kathedrale von Versailles in einen Hungerstreik getreten. Sie wollen so ihr Aufenthaltsrecht erzwingen, da sie "Eltern französischer Kinder" seien. Organisatoren der Aktion erklärten, die Eltern von in Frankreich geborenen Kindern, welche als Franzosen gelten, könnten nicht ausgewiesen werden. Der Bischof von Versailles unterstützt die Aktion. (kna)

Abtreibung: Die Bischöfe der USA protestieren gegen das Veto Präsident Clintons, das eine Abtreibung auch noch im 7. Monat möglich macht. Die Bischöfe erklärten, Clinton bringe das Land einen Schritt näher zur Billigung des Kindermordes. (kna)

Ehe zwischen Homosexuellen: Das niederländische Parlament hat am Dienstag die Regierung aufgefordert, das Verbot von Eheschließungen gleichgeschlechtlicher Paare aufzuheben. In der nächsten Woche wird die Regierung darüber entscheiden. Kardinal Adrianus Simonis kritisierte diesen Beschluß: Zwischen Menschen gleichen Geschlechts könne es zwar eine Verbindung geben, jedoch dürfe nicht von Heirat gesprochen werden, da ein homosexuelles Paar kein Leben hervorbringen könne. (kna)

Religiöse Rechte: Die Regierung in Peking will Hongkong religiöse Rechte, wie etwa kirchliche Feiertage, garantieren. Doch kann nicht von einer religiösen Freiheit gesprochen werden. (kna)

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