9. April 1996

Vatikan:

Ostern hatte der Papst, wie in jedem Jahr, ein volles Programm.

Am Karfreitag feierte er unter anderem den Kreuzweg im Kolosseum. Dabei trug er in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen das Holzkreuz nicht selbst, sondern legte diese Aufgabe in die Hände von 4 Frauen und 4 Männern. Am Montag zog er sich zur Erholung in seine Sommerresidenz Castelgandolfo zurück.

Papst Johannes Paul II würdigt die Bewegung "S. Egidio". In einer Audienz empfing er Vertreter der Bewegung, die häufig in Friedensverhandlungen tätig werden. Die Mitglieder von S. Egidio, so der Papst, seien wahre Künstler des Friedens.

Krisengebiete:

In Irland sieht der Primas der Kirche Hoffnung auf Frieden. Der Osteraufruf der irisch-republikanischen Armee sei, wie Kardinal Cahal Daly erklärte, in diesem Jahr versöhnlicher geschrieben als sonst. Am Montag waren die traditionellen Festumzüge der Protestanten von lautstarken aber nicht gewalttätigen Auseinandersetzungen begleitet worden.

Südamerika:

In Argentinien meutern 6.000 Inhaftierte in 18 Gefängnissen. Nach Verhandlungen erwarteten die Behörden am Samstag die Freigabe von Geiseln und die Unterzeichnung eines Abkommens. Die Gefangenen fordern bessere Haftbedingungen und einen schnelleren Gang der Justiz.

Menschenrechte:

In Ruanda jährte sich am Ostersonntag zum zweiten Mal der Beginn des Bürgerkrieges. Weltweit gedachte man an diesem Tag der Toten beider Seiten, der Hutus und der Tutsis.

Hillary Clinton will sich für die Aufklärung der Gewalttaten in Guatemala einsetzen. Dies ist die Reaktion auf Proteste der Ursulinenschwester Diana Ortiz, die 1989 entführt und gefoltert worden war. Sie hatte vor dem Weißen Haus ein Sit-in veranstaltet.

In Pakistan wurden 140 Sklaven, unter ihnen auch Frauen und Kinder, von Mitgliedern einer Menschenrechtsbewegung befreit. Sie waren seit 10 Jahren gezwungen worden, in Ketten auf Zuckerrohrfeldern zu arbeiten, dessen Besitzer sie durch Schuldbriefe in der Hand hatte.

Die Vereinten Nationen beklagen den zunehmenden Mißbrauch und Folter von Minderjährigen. "Straßenkinder" werden von der Polizei eingesperrt, mißbraucht gefoltert und getötet. In Ländern, in denen die Folter offiziell zugelassen ist, werden Kinder mißhandelt, um ihre Eltern zu Geständnissen zu zwingen.

Die Mißachtung der Menschenrechte in China trifft auf Widerstand. Amnesty international protestierte gegen deutsche und französische Schönfärberei, die ein klares Vorgehen der Vereinten Nationen verhindere. Bonn und Paris täten dies aus Handelsgründen. Auch die Europäische Union wandte sich an die Menschenrechts-Kommission der Vereinten Nationen und sprach ihre Sorge über die Lage in China aus. Die Kommission solle China die Respektierung der unterschiedlichen Kulturen und Religionen, "einschließlich Tibets", empfehlen.

Ostertraditionen:

Auf den Philippinen ließen sich 11 Männer am Karfreitag kreuzigen: Sie ahmten die Leidensgeschichte Jesu nach. In vielen Dörfern geißelten sich hunderte von Menschen.

In einen Vorort von Mexiko-City hat ein junger Mann am Karfreitag ein 70 kg schweres Kreuz getragen. Über 3 Kilometer legte er beim traditionellen Kreuzweg dabei zurück. Mehr als 5.000 Schauspieler nahmen an dem historischen Passionsspektakel teil, das seit 1843 dort aufgeführt wird.

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