29. März 1996

Vatikan: Papst Johannes Paul II unterstreicht die Bedeutung der religiösen Orden auch in unserer Zeit.

Mit einem apostolischen Schreiben im Anschluß an die Bischofssynode über das Ordensleben hat sich der Papst an diesem Donnerstag an die ganze Kirche gewandt. Er hebt darin die Bedeutung der totalen Lebensweihe an Gott hervor. Sie komme in den drei Gelübden der Armut, Ehelosigkeit und des Gehorsams zum Ausdruck. Die Welt heute sehne sich nach glaubwürdigen Zeugen der Liebe und engagierten Vertretern der Nächstenliebe. Mönchsorden hätten heute ebenso noch Sinn wie die aktiven männlichen und weiblichen Gemeinschaften wie die neuen Bewegungen. Ordensleute sollten sich besonders engagieren gegen Rassismus und für die Inkulturation des christlichen Glaubens. Die Frauen hätten eine größere Rolle zu spielen im Leben der Kirche. Auch wenn Orden heute Probleme und Krisen hätten, so werde das Ordensleben nicht untergehen, denn es gehöre zur Kirche wie die beiden Stände der Laienchristen und der Kleriker. Sie müßten sich noch intensiver auf die Herausforderungen der heutigen Zeit ausrichten. Orden seien gefragt im Erziehungsbereich, in der Mission und in den Medien. Das Schreiben heißt "Vita consacrata" und hat etwa 220 Seiten.

Vatikan: Papst Johannes Paul II. hat die Bischöfe Südkoreas zum traditionellen Ad-Limina empfangen.

Durch diesen Besuch erhofft sich der Papst einen Impuls für die Kirche in Asien. Der Schutz des Lebens und ein natürlicher Tod müßten hohe moralische Werte in der ganzen Welt sein. Ebenfalls wurde das Problem Nord-Korea angesprochen.

Vatikan: Die katholische Kirche wünscht ein gemischt-kultrelles Bosnien-Herzogowina.

In ihm sollen die verschiedenen Völker zusammenleben können. Es sei ein Irrtum anzunehmen, daß die Trennung der Völker hilfreich ist.

Vatikan: Der Papst möchte sobald wie möglich nach Sarajewo reisen.

Dort gehe es neben dem Aufbau des Landes auch um den spirituellen Wiederaufbau. "Nur mit einem Herzen, das sich mit Gott, mit sich selbst und dem Nächsten ausgesöhnt hat, wird eine neue Gesellschaft hervorgehen.

Italien: Zeitungen schrieben über ein Vatikandokument zur Medienethik.

Es handelt sich dabei um den Entwurf eines Papiers, das bei den jüngsten Sitzungen des vatikanischen Medienrates diskutiert wurde.

Deutschland: Der Landtag in Brandenburg hat heute LER als Pflichtfach eingeführt.

Zugleich ist Religionsunterricht kein ordentliches Lehrfach mehr, sondern nur noch freiwilliges Wahlfach. LER könne "bekenntnisfrei, religiös und weltanschaulich neutral" unterrichtet werden. Die deutsche Bischofskonferenz hat ebenso wie der Erzbischof von Berlin, Georg Sterzinsky und der evangelische Bischof von Berlin, Wolfgang Huber Verfassungsklage angekündigt.

Deutschland: Im Rheinland erkennen beide Kirchen die jeweils vollzogene Taufen der anderen an.

Man wolle die Einheit der Christen in der Taufe deutlicher zum Ausdruck bringen.

Deutschland: Caritas-Fachverband hat aufgrund der Reform verheerende Folgen für junge Arbeitslose prognostiziert.

Die vom Bundestag beschlossene Reform besagt, daß Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen jetzt zu 95% für Langzeitarbeitslose bereitgestellt werde.

Deutschland: Kardinal Georg Sterzinsky erklärt: Schon 100.000 Karten für Papstmesse vorbestellt:

Bei der Messe mit dem Papst werden am 24. Juni Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner seliggesprochen.

Deutschland: Bischof Wilhelm Egger von Bozen und mehrere katholische Laienorganisationen haben sich scharf gegen die Protestdemonstrationen gewandt, mit denen die Unterbringung von Sinti und Roma aus Ex-Jugoslawien in leerstehenden Kasernen verhindert werden soll.

Algerien: 7 französische Trappisten-Mönche sind in Medea verschleppt worden.

Vermutlich geht die Tat auf islamische Fundamentalisten zurück, die in der Regel ihre Opfer töten. Daher nehmen Fachleute an, die Entführer hätten einen Arzt gebraucht. Als der Abt den Mönch, der auch Arzt ist, nicht allein ziehen lassen wollte, hätten die Entführer alle Mönche mit sich genommen. Die Polizei hat noch keine Spur. Die Mönche waren trotz Warnungen im Land geblieben, weil sie in guter Beziehung stehen zur Bevölkerung der Gegend und im Dialog mit den Muslimen Erfahrung haben. Paris hat alle Franzosen aufgerufen, das Land zu verlassen. Der Vatikan stellt den Mönchen frei zu bleiben. In Algerien sind im Lauf der letzten Monate mehr als 10 katholische Ordensleute ermordet worden.

Polen: Die katholische Kirche lehnt die Todesstrafe ab, auch wenn sie sie nicht ganz ausschließt.

So eine Stellungnahme der Bischofskonferenz anläßlich einer Parlaments-Debatte im Seijm.

Kuba: Die katholische Caritas hat mit der Verteilung von rund 15 Tonnen Medikamenten auf der Insel begonnen.

Die Mittel sollen zur Intensivbehandlung bis Juni für Kuba ausreichen.

Vereinigte Staaten: Katholischen Mitgliedern von Organisationen, die für Abtreibung und Euthanasie eintreten, wird zukünftig in der Diözese Lincoln die Kommunion verweigert.

Sollten sie aus der Gruppierung nicht austreten, drohe einen Monat später die Exkommunikation.

Slowakei: Bischöfe haben sich gegen einen Gesetz-Entwurf der Regierung ausgesprochen.

Er sieht vor, daß es strafbar ist, regierungsfeindliche Demonstrationen zu organisieren. Die Bischöfe schrieben an die Regierung, der Gesetzesentwurf enthalte dieselben Artikel, die es 1948 ermöglicht hätten, Tausende von unschuldigen Slowaken gefangen zu setzen und zu foltern. Ein neuer Paragraph erklärt die Absicht für strafbar, die Verfassung zu ändern.

Großbritannien: Der Präsident des päpstlichen Familienrates, Alfonso Lopez Trujillo, hat erklärt, daß die Politiker die absolute moralische Pflicht haben, gegen Abtreibung, Euthanasie und Mißbrauch von Embryonen vorzugehen.

Er beklagte, in den letzten Jahren habe sich eine "Abtreibungsindustrie" entwickelt.

Europäische Union: Die Kommission der Bischofskonferenz der EU hat zum Abschluß ihrer Sitzung eine Erklärung zur bevorstehenden EU-Konferenz in Turin veröffentlicht.

Die Überarbeitung der Maastrichter Verträge muß die schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt berücksichtigen. Asyl- und Einwanderungsfragen sowie Kampf gegen Rassismus dürfen nicht übersehen werden.

Libyen: Die Universität Tripolis hat eine Reihe von Vorlesungen über das Christentum begonnen.

Die päpstliche Urbaniana-Universität werde jetzt auch Muslime zu Vorlesungen über den Islam bitten.

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