11. März 1996

Vatikan.

Johannes Paul II. hat die Gläubigen beim Angelusgebet am Sonntag dazu aufgerufen, in der Fastenzeit auf Nahrung und Fernsehen zu verzichten. Fasten sei vor allem in jenem Teil der Welt angebracht, wo Überfluß herrsche. Nötig sei innere Einkehr und Gebet. Das gelte auch für den Gebrauch der Medien, die zwar nützlich seien, nicht aber das Leben beherrschen dürfen.

Vatikan.

Berufstätige Mütter sollen wirtschaftlich stärker unterstützt werden, forderte Johannes Paul II. bei einem Symposium über Familie und Wirtschaft am Freitag. Der Staat müsse dafür sorgen, daß sich junge Paare das Heiraten leisten könnten und daß das Steuersystem Familien nicht bestrafe.

Vatikan.

Papst Johannes Paul II. hat die, dem Opus-Dei-Gründer Jose-Maria Escrivar de Balaguer geweihte Kirche in Rom den rund 8000 Pfarrangehörigen übergeben. Der Bau war 1994 auf Initiative des Opus-Dei begonnen worden. An der Finanzierung hatten sich Gläubige in der ganzen Welt beteiligt.

Vatikan.

Der Friede ist die einzige realistische Lösung im Israel-Palästina-Konflikt, schreibt die vatikanische Zeitung Osservatore Romano in ihrer Ausgabe vom Sonntag, 10.3. Gerade im Heiligen Land sei die Logik des Hasses nicht unumkehrbar. Die Frage sei nur, wieviel Blut der Frieden noch kosten werde.

Bosnien.

Der Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Vinko Puljic und der Präsident des serbischen Bürgerrates haben nach einer Unterredung die Notwendigkeit unterstrichen, allen Verfolgten die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen und den multi-ethnischen Charakter von Bosnien und Herzegowina zu erhalten.

Derweil soll der katholisch-orthodoxe Dialog wieder anlaufen, bekräftigte die serbisch-orthodoxe Kirche in Belgrad. In dieser Woche wird eine gemischte Kommission zu Beratungen aufnehmen.

Großbritannien.

Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, George Carey, hat Israel und die PLO aufgefordert, den Friedensprozeß trotz der jüngsten Anschläge nicht zu unterbrechen. In einem Brief an Shimon Peres und Yassir Arafat schreibt Carey, auch wenn es schwerfalle, sei eine vorsichtige Politik das wirkungsvollere Mittel.

Philippinen.

Die Kirche hat an die Regierung in Manila appelliert, die Rückführung vietnamesischer Flüchtlinge nicht umgehend einzuleiten. Ein Vertreter der Bischofskonferenz erklärte, man sei nicht gegen die Maßnahme an sich, sondern gegen die erzwungene Rücksendung.

Österreich.

Die Kirche soll eine Option für die sogenannten kleinen Leute und ihre Alltagssorgen aussprechen. Das empfahl der Pastoraltheologe Paul Zulehner in einem Vortrag in Wien. Der Zulauf zu Glücksbringern, Wahrsagern und Wunderheilern zeige, daß die Kirche ein Defizit bei der Verkündigung habe.

Polen.

Solange das Konkordat nicht ratifiziert sei, weigere sich der Vatikan, den neuen Präsidenten Alexander Kwasniewski zu empfangen. Das behauptet eine Warschauer Tageszeitung. Der Kommunist Kwasniewski gilt als treibende Kraft bei der Verhinderung eines Inkrafttretens des Konkordats seit 1993.

Deutschland.

Im Streit um den Religionsunterricht solle ein Verfassungskonflikt möglichst vermieden werden, meinte der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Wolfgang Thierse am Samstag. Gleichzeitig verteidigte er aber das ursprüngliche Unterrichtsmodell in Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde anstelle von Religion in Brandenburgs Schulen.

Angola.

Die Bischöfe haben die Regierung in Luanda in ihrer Fastenbotschaft zu größerer Versöhnungsbereitschaft aufgerufen. Trotz der Hoffnung auf Frieden seien Verkehrswege, Schulen, Krankenhäuser zerstört, die Toten ungezählt.

China-Taiwan.

Führer verschiedener religiöser Gruppen mahnten nach den Raketentests vor Taiwan zusammen mit über 70 Vertretern des öffentlichen Lebens die beiden Mächte, ihre Streitigkeiten beizulegen. Wenn Peking Vertrauen bei den Menschen von Hongkong und Taiwan suche, dann seien die Raketen der falsche Weg.

Guatemala.

Der Ruf der Campesinos nach Land, nach legalen Gehältern und Respektierung ihrer Rechte sei nur gerecht, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Jorge Avila, am Samstag vor Journalisten. Avila zeigte sich besorgt über die zugespitzte Lage in den sechs Provinzen, wo rund 15.000 Campesinos seit Monaten etwa 20 Haciendas besetzt haben.

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