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Januar 1996

5. Januar 1996

Vatikan:

Papst Johannes Paul II hat den extremen Kapitalismus in Polen heftig kritisiert. Der Mensch werde nur nach Nützlichkeit bewertet. Vor allen Universitätsrektoren Polens sagte der Papst an diesem Donnerstag, die Wissenschaftler müßten jetzt ihre Verantwortung übernehmen, denn Polen stehe an einer historischen Wende. Die mühsam erkämpfe Freiheit soll in Verantwortung wahrgenommen werden. Die Wissenschaftler seien das "Gewissen Polens".


Vatikan:

Der Papst möchte weiterhin Kuba besuchen. Dies hat der päpstliche Nuntius in Havanna erklärt. Kuba ist das einzige Land Amerikas, wo der Papst noch nicht gewesen ist.


Vatikan:

Meldungen wonach Papst Pius XII zu Ende des 2. Weltkrieges einen Flughafen und Zugang zum Meer forderte, entbehren jeder Grundlage. So der Fachhistoriker Pierre Blet gegenüber KNA. Italienische Medien hatten geschrieben, Pius habe diese Territorien als Gegenleistung für seine Fürsprache bei den Alliierten verlangt. Pius XII sei nicht so unrealistisch gewesen, heißt es. (KNA)


Vatikan:

Am 6.1., Fest der Erscheinung des Herrn, wird der Papst 14 Priestern aus verschiedenen Ländern die Bischofsweihe spenden. Unter den Neugeweihten ist auch der Bischof von Basel, Kurt Koch. Er war vom Domkapitel gewählt und vom Papst bestätigt worden.


Italien:

Der Papst steht bei der italienischen Jugend außerordentlich hoch im Kurs. Nach einer Umfrage des Institut GSW erhielt er 76 Prozent Zustimmung vor dem Korruptionsjäger di Pietro und dem Diskjockey Linus. Sie erreichten nur 73 bzw. 63 Prozent Zustimmung bei den 15 bis 18-Jährigen.


Deutschland:

Der Deutsche Presserat hat der Berliner Zeitung TAZ wegen des Ausdrucks "Balkensepp" eine Rüge erteilt. Die Zeitung hatte Jesus Christus nach dem Kruzifix-Urteil so bezeichnet. Der Presserat erklärte zur Begründung, mit diesem Wort werde das religiöse Gefühl von vielen beleidigt. Die deutsche Bischofskonferenz hatte geklagt. (KNA)


Österreich:

Der Seligsprechungsprozess des Tirolers Otto Neururer ist auf der Ebene der Diözese abgeschlossen. Er wird jetzt in Rom fortgeführt. Dies hat Bischof Stecher von Innsbruck jetzt erklärt. Neururer habe im KZ nie gegen seine Peiniger gesprochen.


Kroatien/Bosnien:

Die katholischen Erzbischöfe von Zagreb und Belgrad, Kuharic und Perko, haben die kroatische Armee wegen Gewalttaten gegen Serben angeklagt. Es gebe für die kroatischen Soldaten, die bei der Rückeroberung Westslawoniens und der Kraina Serben ermordet und vertrieben hätten, keine Entschuldigung. Serben hätten auch das Recht in ihr Eigentum zurückzukehren.


Nicaragua:

Zum 18. mal haben Unbekannte in der Nacht zum 2. Januar einen Sprengstoffanschlag auf eine Kirche ausgeführt. Die katholische Kirche verwirft die Entschuldigung der Sicherheitsbehörden, es fehle das Geld für die nötigen Nachforschungen. Manche Beobachter vermuten dahinter Mitglieder der sandinistischen Partei und eine Verhinderung des Papstbesuches im Februar. Die Polizei erhielt keine Bekennerschreiben.


Deutschland:

Streit um das Verhältnis von Kirche und Staat: Während die kirchenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Christa Nickels eine Neuregelung verlangt, plädiert der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg Huber für die Beibehaltung. Nickels meinte, die Voraussetzung für das Rechtsverhältnis sei überholt. Huber fordert Anpassungen, wünscht aber weiterhin Religionsunterricht an staatlichen Schulen. (KNA)


Vatikan:

Der Gesundheitszustand des Papstes ist befriedigend. So die offizielle Auskunft des Vatikansprechers.


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9. Januar 1996

Vatikan: Papst Johannes Paul II. hat am Dreikönigs-Fest 14 Priester geweiht. Darunter war auch der neue Bischof von Basel, Kurt Koch. Der ehemalige Theologieprofessor war vom Basler Domkapitel gewählt und erst im Dezember vom Papst bestätigt worden.


Vatikan: Eine Papstreise nach Sarajewo steht weiterhin auf der Wunschliste des Papstes. Das hat Kardinal Ruini während seines Neujahrsbesuches in der bosnischen Hauptstadt erklärt. Die Reise werde sich aber kaum in allerschnellster Zeit realisieren lassen.


Vatikan: Der Papst hat der Witwe von Präsident Mitterand seine Teilnahme telegraphisch ausgesprochen. Mitterand war am 8. Januar infolge eines Krebsleidens gestorben.


Italien: Das Außenministerium hat Gerüchte dementiert, nach denen der Vatikan am Ende des zweiten Weltkrieges einen Flughafen und Zugang zum Meer gewollt habe. Papst Pius XII. habe dies zur Bedingung gemacht, um bei den Alliierten zugunsten von Italien zu intervenieren. Auch Fachhistoriker hatten die Pressemeldungen verworfen. Tatsächlich aber hätte eine kleine Minderheit im Vatikan diese Wünsche geäußert.


Deutschland: Bundeskanzler Helmut Kohl hat am 5. Januar zum dreizehnten Mal Sternsinger empfangen. Rund 125 Mädchen und Jungen aus dem In- und Ausland überbrachten Kohl die Glückwünsche zum Neuen Jahr. Die Sternsinger hatten. im Vorjahr rund 44 Millionen DM für Kinder in aller Welt gesammelt. (KNA)


Deutschland: Nicht einmal die Hälfte aller Jugendlichen glaubt an Gott. Dies das Ergebnis einer "Welt-am-Sonntag"-Untersuchung. Demnach glauben im Westen immerhin 44% der jungen Leute an Gott. Im Osten sind es nur 14 %. Als Sinn des Lebens geben die meisten an, daß sie zum Vergnügen auf Erden seien. Die meisten Jugendlichen sind auch nicht bereit, sich für Aufgaben der Gemeinschaft einzusetzen. Im Zweifelsfall zählt nur der Eigennutz für sie. So die Umfrage. (KNA)


Deutschland: Der Sekretär der deutschen Bischofskonferenz , Wilhelm Schätzler, hat der kirchenpolitischen Sprecherin der Bundesgrünen, Christa Nickels, Realitätsverlust vorgeworfen. Nickels hatte eine stärkere Trennung von Kirche und Staat gefordert und von einer Minderheitenposition der Kirche gesprochen. Schätzler hob hervor, daß immer noch zwei Drittel der Bevölkerung einer christlichen Kirche angehörten und meinte, die Grünenpolitikerin treibe kirchenfeindliche Politik, wie in SED-Zeiten. Die Trennung von Kirche und Staat sei längst vollzogen.


Guatemala: Bischof Hernandez hat zwei Tage vor den Präsidentschaftswahlen erklärt, daß die Kirche dem Papst bei seinem Besuch im Februar eine Liste mit den Namen der unter Rios Mott ermordeten Kirchenmitarbeiter überreichen werde. Damit brachte er auch die Ablehnung der Kirche gegenüber dem Präsidentschaftskandidaten von Rios Mott zum Ausdruck. Dieser ist nach Ansicht der Kirche der Hauptschuldige an zahlreichen Morden in Guatemala während der achtziger Jahre.


EI Salvador: Rund 500 Demonstranten haben mit der Besetzung der Kathedrale von San Salvador gegen einen Abbau von 2200 Stellen im öffentlichen Dienst protestiert. Der Erzbischof der Hauptstadt ist bereit zu vermitteln, hat die Demonstranten jedoch aufgerufen, die Kathedrale zu verlassen. Papst Johannes Paul Il. wird im Februar San Salvador besuchen.


Irak: Das Handelsembargo tötet täglich 30 bis 40 Kinder. Das erklärte der chaldäische Patriarch Raphael Bidawid. Auch Papst Johannes Paul II. hatte bei seiner Urbi- et Orbiansprache eine Aufhebung des Embargos verlangt.


Burundi: Ein entschiedenes Handeln der italienischen Regierung gegen die Krise in Burundi forderte die italienische Caritas anläßlich eines Treffens mit dem Verantwortlichen für Afrika im Außenministerium.


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11. Januar 1996

Vatikan: Johannes Paul II wirbt für eine gerechtere Verteilung der katholischen Seelsorger in aller Welt. Vor der zuständigen Vatikankommission betonte er am Donnerstag, daß die Kirche ihrem Missionsauftrag nachkommen müsse. Nur ein Prozent der rund 260.000 Diözesanpriester arbeite im Ausland. Der Papst betonte, die Kirche solle sich Säkularisierung und den Sekten stellen.


Vatikan: Kardinal Josef Ratzinger hat betont, daß Synoden der Ortskirchen nötig seien. Sie zeigten die bischöfliche Kollegialität, die vom II .Vatikanum gewünscht worden sei. Ratzinger sprach am Mittwoch vor der Synode der Syro-Malabarischen Kirche aus Indien, die im Vatikan stattfindet. Historisch gesehen seien Synoden in der westlichen Kirche immer seltener geworden. Das habe auch Vorteile gehabt. Die Synodentradition sei aber gut und müsse wiederentdeckt werden.


Frankreich: Beim Trauergottesdienst für den verstorbenen französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand hat der Pariser Kardinal Jean-Marie Lustiger an diesem Donnerstag an die Hoffnung Mitterands auf ein Leben nach dem Tode erinnert. Er möge im Volk der Heiligen Hilfe, Vergebung und Mut finden. (KNA)


Deutschland: Rudolf Augstein ist vom Kirchenkritiker zum Kirchengegner geworden. Das stellt eine Studie von Johannes Eissing über die Kirchenberichterstattung des "Spiegel" fest. Sie sei sehr von Augstein persönlich geprägt und konzentriere sich auf die Kirchenspitze. Der "Spiegel" stärke die von ihm kritisierte Hierarchie. Oft genannte Bischöfe würden zu einem Drittel tendenziell negativ bewertet. Kirchenkritiker kamen viel zu Wort. (KNA)


Deutschland: Die evangelische Kirche in Deutschland begrüßt die Ankündigung der CDU/CSU-Fraktion, gegen das Schulfach Lebenskunde-Ethik-Religion in Brandenburg eine Normenkontrollklage zu erheben. Eine Klärung durch das Verfassungsgericht sei nötig.


Italien: Der Sieg der Neo-Kommunisten im früheren Ostblock ist für den ehemaligen Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli nicht unbedingt besorgniserregend. In einem Zeitschrifteninterview sagte er, die Kirche stelle in etlichen Ländern ein Gegengewicht dar. Walesa habe verloren, weil eben heute andere Zeiten sind. Die Polen seien der Kirche für ihre frühere Hilfe dankbar, orientierten sich aber heute an anderen Maßstäben.


Bosnien: Mehrere Kirchenleute aus verschiedenen Ländern lehnen eine schnelle Rückkehr der Bosnienflüchtlinge ab. So auch der Caritasdirektor von Sarajewo und der deutsche Misereor-Bischof. Noch sei die Lage zu unsicher. Heimkehrer brauchten ein Heim.
Indessen hat der serbisch-orthodoxe Metropolit Nikolaj seine Gläubigen aufgefordert, Bosnien nicht zu verlassen und mit den Katholiken und Muslimen so wie früher in Frieden zusammen zu leben. Im Namen des Erlösers sollten sie zur Versöhnung zwischen den Volksgruppen beitragen.


Brasilien: Die sogenannte "Universalkirche vom Reich Gottes" will in die Politik. Das hat ihr Vertreter in Rio am eigenen Fernsehen erklärt. Die Sekte rechne mit rund 1.000 Vertretern in den Kommunen. Auch kämpfe sie um den Stuhl des Staatspräsidenten.


El Salvador: Die Polizei befürchtet Waffenschmuggel bei den Besetzern der Kathedrale in San Salvador. Sie hat daher die Bewachung der Kirche verstärkt. In dem Gotteshaus halten sich seit etwa einer Woche mehrere hundert Personen auf, die gegen den Stellen-Abbau im öffentlichen Dienst protestieren. Der Bischof hat die Demonstranten schon zum Verlassen der Kirche aufgefordert. In einem Monat kommt der Papst in das Land.
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17. Januar 1996


Vatikan:

Beim traditionellen Neujahrsempfang für das beim Vatikan akkreditierte Diplomatische Korps forderte Papst Johannes Paul II. am Samstag einen Stop der Atomversuche und der Weiterentwicklung von Atomwaffen; Abrüstung und Nicht-verbreiten atomarer Waffen gehörten zusammen.

Erstmals begrüßte der Papst dabei einen palästinensischen Vertreter und betonte, daß der Status der Palästinensergebiete und Jerusalems noch in diesem Jahr auf den Verhandlungstisch kommt. Bei den Gesprächen dürfe man die internationale Gemeinschaft nicht ausschließen, damit Jerusalem als eine Stadt garantiert werde, die aber allen drei monotheistischen Weltreligionen heilig sei.

Erleichtert zeigte sich Johannes Paul II. über den Friedensprozeß in Bosnien. Er warnte aber vor neuen Konfliktherden, wie Algerien, Tschetschenien, Ruanda oder Burundi. Für den Sudan mahnte der Papst einen echten interreligiösen Dialog an.


Vatikan:

Ein Treffen des Papstes mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen, Alexei, kann nicht in diesem Sommer in Ungarn stattfinden. Das hat an diesem Montag ein Vatikansprecher erklärt. Ort und Zeit eines Treffens würden später bekanntgegeben. Dies ist das Ergebnis einer Begegnung von Vertretern des Vatikans und des Moskauer Patriarchats.

Papst Johannes Paul II. hatte am vergangenen Freitag Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad und eine hochrangige orthodoxe Delegation aus Moskau empfangen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand der Vorwurf des Proselytismus durch Katholiken auf dem traditionellen Gebiet des russischen Patriarchats.


Vatikan:

Drei herausragende Katholiken deutscher Sprache sind der Seligsprechung einen Schritt näher gekommen. Es handelt sich um Otto Neururer und Karl Leisner, die beide wegen ihres Glaubenszeugnisses unter dem Nationalsozialismus ins Konzentrationslager kamen. Neururer wurde in Buchenwald ermordet, Leisner starb infolge der Mißhandlungen in Dachau. Die Ordensfrau Klara Fietz war schon zu Lebzeiten bei den Schulschwestern in Graz wegen ihres Engagement und ihres Gebetslebens ein Vorbild und wurde nach ihrem Tod bald von vielen verehrt.


Ex-Jugoslawien:

Der serbisch-orthodoxe Patriarch Pavle hat vorigen Freitag den Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für Bosnien in Audienz empfangen. Dabei wurde die Rolle der Kirche bei der Durchsetzung der Friedensgespräche diskutiert.


Schweiz:

Der Kanton Genf fordert eine Liste aller Sekten von der Regierung in Bern. Nach dem Drama um den Sonnentemplerorden im vergangenen Jahr soll nun größeres Augenmerk auf die Tätigkeit von Endzeitsekten gelegt werden. (KNA)


Deutschland:

Religionsunterricht an Berufsschulen ist nach Ansicht des niedersächsischen Kultusministers Rolf Wernstedt weiterhin sinnvoll. Der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder hatte zuvor eine mögliche Abschaffung des Faches angedeutet. (KNA)


Deutschland:

Die kirchlichen Jugenddachverbände haben den Entwurf für das gemeinsame Sozialwort kritisiert. In dem Sozialwort der Kirchen werde die Frage nach der Zukunft des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenlebens in Deutschland und in der Welt nicht ausreichend beantwortet. (KNA)


Österreich:

Die Initiatoren des Kirchenvolksbegehrens möchten den Papst um ein Gespräch bitten. Ein entsprechendes Schreiben soll in den nächsten Tagen abgeschickt werden. (KNA)


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19. Januar 1996


Vatikan:

Hinter dem Papstattentäter stand eine Gruppe oder Organisation. Diese Überzeugung hat am Mittwoch der ehemalige Kardinalstaatssekretär Agostino Casaroli im italienischen Fernsehen vertreten. Auch der Zeitpunkt des Attentats ist kein Zufall. Indessen hat der frühere Leiter des vatikanischen Außenamtes, Kardinal Silvestrini die Ansicht vertreten, das Attentat habe einen "Grabstein für die Gewerkschaft Solidarnosc" setzen sollen. Zum Zeitpunkt des Anschlags sei der polnische Primas Kardinal Stefan Wyszynski bereits sehr krank gewesen. Ein gelungener Anschlag hätte daher die Gewerkschaftsbewegung und alle Oppositionen in Polen geschwächt.


Vatikan:

Papst Johannes Paul II. hat erneut zu einem Überdenken des Papst-Amtes aufgerufen. Diese Frage sei das größte Hindernis für die Einheit vor allem zwischen Orthodoxen und Katholiken, so der Papst bei der Generalaudienz. Alle gemeinsam sollten nach Formen suchen, wie das Papstamt als allgemein anerkannter Liebesdienst ausgeübt werden könnte.


Vatikan:

Die Tageszeitung L'Osservatore Romano hat sich erneut in einem konkreten Fall gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Die Vatikanzeitung kritisierte die geplante Hinrichtung von John Albert Taylor in dem amerikanischen Bundesstaat Utah.


Deutschland:

Im Juni findet in Erfurt eine ökumenische Großveranstaltung statt. Sie wird von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen durchgeführt und behandelt die Themen: Kirchenspaltung und gesellschaftliche Ausgrenzung, Europa und Globale Krisen. Präsident der Arbeitsgemeinschaft ist Bischof Joachim Wanke von Erfurt. (KNA)


Deutschland:

Kardinal Joachim Meisner hat sich beim WDR wegen der häufigen Religionsbeleidigungen beschwert. In einem Gespräch mit dem Intendanten erläuterte er die Klagen vieler Katholiken. Es müsse nicht immer die Meinungsfreiheit vor dem Respekt vor religiöser Überzeugung stehen. (KNA)


Deutschland:

Die Kirchenaustritte haben im letzten Jahr ungefähr das gleiche Niveau erreicht wie 1994. Das geht aus einer bundesweiten Umfrage der KNA hervor. Der Solidarzuschlag wirke sich dabei nicht aus. 1995 haben 155.000 Personen die Katholische Kirche verlassen. Bei der Evangelischen waren es doppelt so viele. (KNA)


Schweiz:

Sechs Ingenbohler Schwestern haben wegen akuter Bürgerkriegsgefahr Burundi verlassen. Das von ihnen ausgebildete Personal sei bereits nach Zaire und Tansania geflohen.


Deutschland:

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat eine positive Schlußbilanz des Kölner Pastoralgesprächs gezogen. Dabei ging es in entspannter Atmosphäre auch um umstrittene Themen wie Frauenpriestertum, neue Zugänge zum Priesterberuf, die Beschäftigung von laisierten Priestern und die Laienpredigt. (KNA)


Österreich:

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen hat in der Alpenrepublik zwei Höhepunkte: die ökumenische Fachtagung unter dem Motto "Die Reichtümer der Spiritualität teilen" und der "Ökumenische Empfang" beim Erzbischof am Sonntag.


Sudan:

Auch der dritte in Khartoum festgehaltene Geistliche ist frei. Er hatte mit seinen zwei befreiten Gefährten möglicherweise versucht, eine Frontlinie des Bürgerkriegs zu überqueren.


Nicaragua:

Trotz der Bombenanschläge ist nach Angaben der Vorbereitungskommission in Managua für den Papstbesuch alles bereit. Den Sandinisten war vorgeworfen worden, das Land vor der Visite des Papstes und den Wahlen destabilisieren zu wollen.


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23. Januar 1996


Vatikan:

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat am 20. Januar im Vatikan einen Staatsbesuch abgestattet. Bei dem 40-minütigen Gespräch zwischen dem Papst und Chirac ging es um den Schutz des Lebens und die Menschenrechte, die Situation auf dem Balkan und in Afrika, die Abrüstung und die Entwicklung. Der Papst wies auf die Tradition Frankreichs als christliches Land hin. Es war der erste Besuch eines französischen Präsidenten seit dem De Gaulle-Besuch vor 36 Jahren. Die Atom-Versuche im Pazifik, die der Papst am letzten Sonntag verurteilt hatte, kamen nicht zur Sprache.


Vatikan/China:

Erzbischof Claudio Maria Celli hat vorige Woche auf der Durchreise nach Korea Gespräche mit Vertretern der Chinesischen Regierung geführt. Dabei ging es um das politische Klima zwischen den beiden Staaten und möglicherweise auch um diplomatische Beziehungen.


Vatikan:

Nach Ansicht eines internationalen Fachkongresses über Sexualpädagogik im Vatikan ist Sexualerziehung nach westlichem Modell eine Verarmung. Hier stünden nur Verhütung und Aids-Vermeidung im Mittelpunkt. Grundsätzlich lehne die Kirche Sexualerziehung in der Schule nicht ab, sondern nur das derzeitige westliche Modell. Prinzipiell seien die Eltern dafür verantwortlich.


Vatikan:

Beim Angelus-Gebet am Sonntag hat der Papst zur Einheit der Christen aufgerufen. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend müsse die Spaltung der Christen - das zweite vatikanische Konzil bezeichnete sie als Skandal - ein Ende haben. Auch einen verstärkten Einsatz für die Ökumene forderte der Heilige Vater. Zu der Einheit mit der orientalischen Kirche meinte der Papst, er hoffe, daß sie nicht zu einer "platten Uniformität" führen, sondern die legitimen Unterschiede berücksichtige. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen bilde einen Anstoß, über die noch bestehende Spaltung nachzudenken.


Vatikan:

Eine schnellere Aufarbeitung von Ehenichtigkeitsfragen verlangte der Papst vor Mitgliedern der Rota Romana. Die Unauflösbarkeit der Ehe sei ein Fixpunkt, doch müssen individuelle Umstände der Eheschließung beachtet werden. Grundlose Hinauszögerungen seien jedenfalls unzulässig.


Polen:

Das seit fast drei Jahren zwischen dem Vatikan und Polen ausstehende Konkordat soll noch vor der Annahme der neuen Verfassung ratifiziert werden. So der Chef der polnischen Diplomatie Dariusz Rosati am 22. Januar einem privaten Radiosender gegenüber. Dies sei ein Wunsch des neuen Präsidenten Aleksander Kwasniewski, der bereits vergangene Woche eine verfassungsgemäße Lösung der Konkordatsfrage angesprochen hatte.


Deutschland:

Der in Düsseldorf geplante Karnevalswagen "Drei Jekken am Kreuz" - er sollte an das Kruzifix-Urteil erinnern - ist vom Karnevalskomitee ersatzlos gestrichen worden. Der Karnevalspräsident versicherte, man wollte die religiösen Gefühle der Mitbürger nie verletzen. (KNA)


Österreich:

Die Monatszeitschrift "Magnificat", mit Anregungen für Gebete und mit Hinweisen auf die tägliche Liturgie ist nun auch in Österreich erhältlich. (KNA)


Tschechien:

Der Prager Erzbischof, Kardinal Miloslaw Vlk hat bekanntgegeben, daß der Papst anläßlich des Adalbert-Jubiläums im nächsten Jahr voraussichtlich auch nach Prag kommen wird. Voraussichtlich besucht der Papst bei einer Rundreise auch Polen, Ungarn und Deutschland.


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26. Januar 1996


Vatikan:

Der Tschechische Premierminister Vaclav Klaus ist am Dienstag von Papst Johannes Paul II. in Privataudienz empfangen worden. Der Beitritt seines Landes zur EU ist der Hauptgrund seines Besuches in Italien. Der Prager Erzbischof Miloslav Vlk hat anläßlich des Rombesuches von Klaus das Fehlen einer Regelung zwischen Staat und Kirche in Tschechien kritisiert.


Vatikan:

In seiner am Donnerstag veröffentlichten Fastenbotschaft ruft der Papst zu Opfern für hungernde Menschen auf, die von Regierungsorganisationen nicht erreicht werden. Armut wachse auch in den reichen Industrieländern, heißt es in dem Schreiben.


Vatikan:

Der ständige Vertreter des Vatikans bei den UNO-Organisationen in Rom, Erzbischof Alois Wagner, hat am Dienstag vor dem internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung um weitere Unterstützung dieser Organisation gebeten. Gerade im "Jahr des Kampfes gegen Armut" sei deren Arbeit notwendig.


Deutschland:

Papst Johannes Paul II. wird bei seinem Berlin-Besuch im Juni auch eine Rede vor dem Brandenburger-Tor halten. (KNA)


Deutschland:

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat Frageverbote in der theologischen Diskussion abgelehnt. Theologie müsse sich provozieren lassen, um zeitgemäß zu sein. (KNA)


Deutschland:

54 Prozent der Deutschen können sich einen Juden als Bundeskanzler vorstellen. Dreiviertel der Befragten würden einen Juden als Abgeordneten wählen. Das geht aus einer jetzt in Hamburg veröffentlichten Studie hervor. (KNA)


Österreich:

Das Bistum Feldkirch hat eine Produktionsfirma die Filmerlaubnis in einer Kirche entzogen. Der Streifen verfälsche Glaubensinhalte. (KNA)


Israel:

Der jüdische Weltkongreß will seine Beziehungen zum Islam verbessern. Am Donnerstag wurde als Präsidentin für den interreligiösen Dialog die Italienerin Tullia Zevi gewählt.


Nordirland:

Rund 250 Personen haben am Donnertag vor der anglikanischen St. Anna Kathedrale in Belfast gegen einen ökumenischen Gottesdienst protestiert. Der Protest ging von den "freien Presbytern" aus. Auch Ian Paisley unterstützte ihn.


Bosnien:

Der Weihbischof von Sarajewo, Pero Sudar, kritisierte am Mittwoch die Aufteilung seines Landes durch das Dayton-Abkommen. Er fürchte eine Ablehnung Bosniens durch Europa.


Slowakei:

Die katholische Kirche des Landes wird am Jahresende ein Nationalkonzil abhalten. Es wird das erste derartige Treffen seit der Gründung dieser Kirche vor 1200 Jahren sein.


Polen:

Das seit fast drei Jahren ausstehende Konkordat zwischen Polen und dem Heiligen Stuhl soll noch vor der Annahme der neuen Verfassung ratifiziert werden. Das gab am 22. Januar der Chef der polnischen Diplomatie, Dariusz Rosati, bekannt.


Rußland:

Die orthodoxe Kirche will keine Staatskirche werden. Das sagte ihr Oberhaupt, Patriarch Alexij, am Mittwoch bei einem Kongreß in Moskau. Der Schriftsteller Alexander Solschenizyn verlangte dabei mehr soziales Engagement seiner Kirche.


Brasilien:

Erzbischof Erwin Kräutler hat am Wochenende internationale Hilfe für die Indios gefordert. Trotz der Gesetze sei der Lebensraum der Eingeborenen immer stärker bedroht.


Philippinen:

In Manila ist es am Montag zu einer Großdemonstration gegen ein neues "Anti-Kriminalitäts-Gesetz" gekommen. Die Kritiker, darunter der Erzbischof von Manila, Jaime Sin, fürchten eine Rückkehr zum Kriegsrecht.


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30. Januar 1996


Vatikan:

Der Apostolische Stuhl unterstützt die Resolution des Europarates gegen den Menschenhandel. Das hat ein Vatikansprecher am 27. Januar erklärt. Dabei nutzten Verbrecher Armut und jugendliche Unerfahrenheit für Prostitution und Drogenhandel aus.


Vatikan:

Die Vatikanische Tageszeitung L'Osservatore Romano hat aus konkretem Anlaß erneut die Gewaltdartstellung im Fernsehen verurteilt. Ein 12-jähriger Italiener hatte sich erhängt, nachdem er die Vollstreckung eines Todesurteils im Fernsehen miterlebt hatte. Die Gesellschaft müsse sich endlich gegen Gewalt im Fernsehen wehren, forderte die Vatikan-Zeitung.


Vatikan:

Zwei Heiligsprechungen hat Papst Johannes Paul II. an diesem Montag während eines Konsistoriums angekündigt. Es handelt sich um den aus Lothringen stammenden China-Missionar und Märtyrer Jean-Gabriel Perboyre und um den Spanier Johannes Grande vom Krankenpflegeorden der Barmherzigen Brüder.


Portugal:

Eine große Desinformationskampagne hat an diesem Wochenende die sog. "Universalkirche vom Reich Gottes" im ganzen Land unternommen. Tausende Portugiesen wurden bewirtet. Die Vorwürfe gegen die geschäftstüchtige Sekte wurde auch mit religiösen Argumenten zurückgewiesen. Mit großem Aufwand versuchte die Organisation die Korruptionsvorwürfe zu entkräften. Vor allem in Brasilien sollen Drogengelder das landesweite Fernsehnetz ermöglicht haben.


Argentinien:

Auf staatliche finanzielle Zuschüsse wird die katholische Kirche des Landes demnächst verzichten. Das erklärte der Präsident der bischöflichen Kommission für wirtschaftliche Angelegenheiten, Bischof Desiderio Collino in Buenos Aires am Montag.


Nicaragua:

Wenige Tage vor dem Papstbesuch hat die Ermordung des Präsidentschaftskandidaten Arnoldo Aleman den zentralamerikanischen Staat geschockt. Der rechte Politiker wurde letzte Woche ermordet. Kirchliche Beobachter befürchten ein Wiederaufleben der Gewalt, die das Land rund 10 Jahre lang beherrscht hat. Das Attentat müsse sehr schnell aufgeklärt werden, damit kein allgemeines Mißtrauen im Lande entstehen könne.


Uruguay:

Die Moon-Sekte will Montevideo zu einem Zentrum der Hoch-Technik und des Tourismus ausbauen. Dies hat ein Sprecher der Sekte jetzt im Fernsehen erklärt. Die Moon-Wirtschaft wolle 150 Millionen Dollar investieren, unter anderem in eine Bank, ein Hotel und eine Zeitung.


Österreich:

Mehr Kinderfreundlichkeit in Politik und Gesellschaft hat Bundespräsident Klestil anläßlich des katholischen Weltfriedenstages gefordert. Die Vertretung des Heiligen Stuhles bei den Internationalen Organisationen hatte dazu eingeladen. Klestil meinte, zu oft empfinde man heute Kinder als "Last im Alltagsleben der Eltern". Sie behinderten die "Selbstverwirklichung". (KNA)


Deutschland:

Zur Überwindung des Hasses hat am Montag der Präsident der Europäischen Bischofskonferenzen, Kardinal Miloslav Vlk von Prag während einer Fachtagung zum Sozialwort der Kirchen in Köln aufgerufen. Zerstörerische Tendenzen und Egoismen müßten durch eine Erziehung zur Freiheit und Liebe bewältigt werden. Der Haß zwischen den Menschen sei die eigentliche Wurzel der "ungeheuren Zerstörungen" dieses Jahrhunderts. (KNA)


Deutschland:

Die Einführung eines "Nachweises über ehrenamtlich geleistete Arbeit" hat die katholische Frauengemeinschaft Deutschlands gefordert. Der Ausweis soll zu einer Anerkennung durch das Steuer- und Rentenrecht führen. (KNA)


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