| Ein
überfüllter Bus. Acht Stunden Fahrt zwischen Cholitas, die ihre
Kinder in bunten Tüchern auf dem Rücken tragen, zwischen Verkäufern,
die ihre gebratenen Hühnchen anpreisen, und zwischen lebenden Hühnern,
die einem auch schon mal über den Schoss klettern können. Ich
versuche von Cochabamba nach Santa Cruz zu kommen, 300 Kilometer...
Das Leben in einer anderen
Kultur kann auch Teil der Ausbildung zum Priester sein. Der Priesteramtskandidat
kann seine Freisemester auch im Ausland verbringen - meine Entscheidung
nach Bolivien zu gehen, scheint mir nicht die dümmste zu sein.
Die vielen unterschiedlichen
grossen und kleinen Probleme des alltäglichen Lebens verlangen auch
ihre Aufmerksamkeit. Von der ungewohnten Denkweise bis zum Waschen der
Wäsche mit der Hand - alles ist anders als im Seminar. Man wird aus
seinen bisherigen Lebensgewohnheiten heraus gerissen - gerade und besonders,
wenn man am Anfang seiner Zeit die Sprache noch nicht vollständig
beherrscht |
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So
kann ein Aufenthalt in einer anderen Kultur fast exerzitienhafte Züge
annehmen..
Dieser sogenannte Kulturschock
verhilft einem dabei, sein bisheriges Leben aus einem ganz anderen Blickwinkel
zu sehen. Wie habe ich bisher mein Leben gelebt? Was ist mir wichtig, was
ist wirklich wichtig?
Dabei muss man sich die
Frage nach der eigenen Berufung neu stellen und beantworten. So werde ich
hier mit den Forderungen der evangelischen Räte konfrontiert: Angesichts
der Armut, des Umgangs mit der Sexualität und der gesellschaftlichen
Strukturen in Bolivien kann ich nicht so weiterleben wie zuvor.
Es kann natürlich
sein, dass dabei das Studium ein wenig ins Hintertreffen gerät. Aber
die anderen Erfahrungen, die dabei gemacht werden können, wiegen die
eventuellen Rückstände im Studium wieder auf. |