| Aus
einem Interview mit Dr. Kalesse, Regens des Priesterseminars Hildesheim
Zölibat ist wie auch
Partnerschaft und Ehe nicht immer einfach. Zwei Schwierigkeiten gibt es
besonders in unserer Zeit: Die in der Gesellschaft weit verbreitete Bindungslosigkeit
und Distanzlosigkeit.
Zölibat kann ein
echtes Zeichen für Beziehungs- und Bindungsfähigkeit sein und
damit eine echte gleichwertige Alternative zur Ehe.
Wie alles im Leben ist
auch das Leben im Zölibat nicht immer perfekt und problemlos. "Ich
sehe das keineswegs so problematisch. Es darf Krisen geben wie in anderen
zwischenmenschlichen Beziehungen und in der Ehe. Das ist menschlich," so
Dr. Kalesse. Das zeigt, dass der Zölibat nicht etwas Starres sein
darf. Er ist ein Prozess, der mit dem Menschen wächst. Wachstum und
Veränderung kann auch schmerzhaft sein. Zu solchen Veränderungen
kann ein Motivwechsel gehören. Dr. Kalesse: "Bei mir war es zuerst
das vacare deo, das Ausgerichtetsein auf und das Offensein für Gott.
Später kam das Element der Proexistenz, das Dasein für den Menschen
besonders ins Blickfeld. Jetzt im Alter ist wiederum das spirituelle Motiv
bei mir sehr stark." In echten Krisen des zölibatären Lebens,
die es natürlich auch geben kann wie in der Ehe, gilt es Druck auszuhalten
und Treue zu bewahren. |
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"Ich
meine, der Zölibat darf der Kirche nicht verloren gehen," so der Regens.
Freilich ist es möglich, dass die Kirche eines Tages auch andere Zulassungsbedingungen
für den Priesterberuf einführen könnte. Das Motiv darf aber
nicht Priestermangel sein, sondern nur die Erkenntnis, dass verheiratete
Priester vielleicht eine Bereicherung für Klerus und Kirche sein könnten.
Dr. Kalesse: "Dennoch habe ich den Wunsch, dass Zölibatäre keine
Minderheit werden. Dazu könnten institutionelle Stützen wie Gemeinschaften
und Bruderschaften hilfreich sein." Dr. Kalesse selbst gehört der
Priestergemeinschaft "Jesus Caritas" (Charles de Foucauld) an. |