Wie und warum Priester werden?
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Daniel Konnemann
* 1975
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Der Zölibat hat eheliche Elemente
 
Aus einem Interview mit Dr. Kalesse, Regens des Priesterseminars Hildesheim

Zölibat ist wie auch Partnerschaft und Ehe nicht immer einfach. Zwei Schwierigkeiten gibt es besonders in unserer Zeit: Die in der Gesellschaft weit verbreitete Bindungslosigkeit und Distanzlosigkeit.
Zölibat kann ein echtes Zeichen für Beziehungs- und Bindungsfähigkeit sein und damit eine echte gleichwertige Alternative zur Ehe. 
Wie alles im Leben ist auch das Leben im Zölibat nicht immer perfekt und problemlos. "Ich sehe das keineswegs so problematisch. Es darf Krisen geben wie in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen und in der Ehe. Das ist menschlich," so Dr. Kalesse. Das zeigt, dass der Zölibat nicht etwas Starres sein darf. Er ist ein Prozess, der mit dem Menschen wächst. Wachstum und Veränderung kann auch schmerzhaft sein. Zu solchen Veränderungen kann ein Motivwechsel gehören. Dr. Kalesse: "Bei mir war es zuerst das vacare deo, das Ausgerichtetsein auf und das Offensein für Gott. Später kam das Element der Proexistenz, das Dasein für den Menschen besonders ins Blickfeld. Jetzt im Alter ist wiederum das spirituelle Motiv bei mir sehr stark." In echten Krisen des zölibatären Lebens, die es natürlich auch geben kann wie in der Ehe, gilt es Druck auszuhalten und Treue zu bewahren.

"Ich meine, der Zölibat darf der Kirche nicht verloren gehen," so der Regens. Freilich ist es möglich, dass die Kirche eines Tages auch andere Zulassungsbedingungen für den Priesterberuf einführen könnte. Das Motiv darf aber nicht Priestermangel sein, sondern nur die Erkenntnis, dass verheiratete Priester vielleicht eine Bereicherung für Klerus und Kirche sein könnten. Dr. Kalesse: "Dennoch habe ich den Wunsch, dass Zölibatäre keine Minderheit werden. Dazu könnten institutionelle Stützen wie Gemeinschaften und Bruderschaften hilfreich sein." Dr. Kalesse selbst gehört der Priestergemeinschaft "Jesus Caritas" (Charles de Foucauld) an.