Wie und warum Priester werden?
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Daniel Konnemann
* 1975
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Der Zölibat hat eheliche Elemente
 
Aus einem Interview mit Dr. Kalesse, Regens des Priesterseminars Hildesheim

Sexualität darf nicht auf Genitalität begrenzt werden, Sexualität umfasst mehr: Emotionen, Liebesfähigkeit, Freude am Menschen...  
So birgt Sexualität schöpferische Kräfte, Kreativität.

Sexualität darf nicht verdrängt werden, vielmehr muss sie kultiviert werden, wie es in allen Kulturen und Völkern galt und gilt. Zu jeder Kultur gehört Verzicht. 

Eine Ehe wird nur glücklich, wenn beide Ehepartner auch Verzicht üben und Rücksicht aufeinander nehmen. Gleiches gilt für den Zölibat. 
Dies sind Voraussetzungen für ein zölibatäres Leben, die man kennen muss.

Das normale ist die Ehe. Ein freiwilliger Verzicht darauf bedarf einer Begründung. Schlecht, sogar falsch ist eine rein pragmatische: „So habe ich mehr Zeit für die Arbeit, kann mehr schaffen.“ Ebenso falsch wäre die Motivation, den Zölibat nur in Kauf zu nehmen. Er muss als sinnvoll positiv bejaht werden.

Der Zölibat hat zwei Ziele:
vacare deo: innerlich frei sein für Gott 
und Pro-existenz: Leben für und mit den Menschen, Da-sein für Menschen.
Beide Gründe gelten nicht ausschließlich für den Zölibat, sie gelten auch für die Ehe. Damit haben der Zölibat eheliche und die Ehe zölibatäre Elemente.

Zölibat kann Nähe schaffen: Liebe, Freude, auf andere zugehen, unbefangener Umgang mit dem anderen Geschlecht. 
Das geht aber auch nur, wenn diese Nähe auf einer Distanz gründet. 
Wer fest verwurzelt ist, kann mehr wagen – wer einen festen Stand hat, kann sich weiter aus dem Fenster lehnen. 
Dieses schöne Spiel von Nähe und Distanz bedarf eines Fingerspitzengefühls – was rufe ich an Emotionen und Erwartungen im Gegenüber wach, wenn ich ihn umarme, zur Begrüßung Küsschen gebe... 
Hier ist kluge Distanz angesagt.

Fortsetzung folgt.