| Aus
einem Interview mit Dr. Kalesse, Regens des Priesterseminars Hildesheim
Sexualität darf nicht
auf Genitalität begrenzt werden, Sexualität umfasst mehr: Emotionen,
Liebesfähigkeit, Freude am Menschen...
So birgt Sexualität
schöpferische Kräfte, Kreativität.
Sexualität darf nicht
verdrängt werden, vielmehr muss sie kultiviert werden, wie es in allen
Kulturen und Völkern galt und gilt. Zu jeder Kultur gehört Verzicht.
Eine Ehe wird nur glücklich,
wenn beide Ehepartner auch Verzicht üben und Rücksicht aufeinander
nehmen. Gleiches gilt für den Zölibat.
Dies sind Voraussetzungen
für ein zölibatäres Leben, die man kennen muss.
Das normale ist die Ehe.
Ein freiwilliger Verzicht darauf bedarf einer Begründung. Schlecht,
sogar falsch ist eine rein pragmatische: „So habe ich mehr Zeit für
die Arbeit, kann mehr schaffen.“ Ebenso falsch wäre die Motivation,
den Zölibat nur in Kauf zu nehmen. Er muss als sinnvoll positiv bejaht
werden. |
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Der
Zölibat hat zwei Ziele:
vacare deo: innerlich
frei sein für Gott
und Pro-existenz: Leben
für und mit den Menschen, Da-sein für Menschen.
Beide Gründe gelten
nicht ausschließlich für den Zölibat, sie gelten auch für
die Ehe. Damit haben der Zölibat eheliche und die Ehe zölibatäre
Elemente.
Zölibat kann Nähe
schaffen: Liebe, Freude, auf andere zugehen, unbefangener Umgang mit dem
anderen Geschlecht.
Das geht aber auch nur,
wenn diese Nähe auf einer Distanz gründet.
Wer fest verwurzelt ist,
kann mehr wagen – wer einen festen Stand hat, kann sich weiter aus dem
Fenster lehnen.
Dieses schöne Spiel
von Nähe und Distanz bedarf eines Fingerspitzengefühls – was
rufe ich an Emotionen und Erwartungen im Gegenüber wach, wenn ich
ihn umarme, zur Begrüßung Küsschen gebe...
Hier ist kluge Distanz
angesagt.
Fortsetzung folgt. |