Wie und warum Priester werden?
Über Ausbildung, Leben und Meinungen von Priesteramtkandidaten

 
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Daniel Konnemann
* 1975
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Priesterliche Lebensform I
 
Wie hat ein Priester zu leben? Darüber gibt es vielfältige Meinungen und auch Meinungsverschiedenheiten – nicht nur unter den Priestern und deren, die sich auf diesen Dienst vorbereiten. 
Drei Dinge gibt es, die wesentlich für eine priesterliche, im Grunde sogar christliche Lebensweise sind: Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit. Drei Begriffe, die auch unter dem Wort „Evangelische Räte“ bekannt sind.

Priester sein ist eine spezielle Art der Nachfolge Christi. Wer in diese spezielle Nachfolge eintritt, von dem kann man erwarten, dass er auch die grundsätzliche Art der Nachfolge, nämlich das Leben in Armut und Gehorsam und wie ehelos, einübt.

Mit der Ehelosigkeit, in unseren Zusammenhang mit dem Wort Zölibat bezeichnet, möchten wir uns nächste Woche auseinandersetzen.

Warum soll ein Priester arm sein – zumal er es de facto doch gar nicht ist. 

Gemeint ist nicht an erster Stelle das Leben am existentiellen Minimum um seiner selbst willen. 
Die Armut dient einem Zweck: es geht um die Offenheit Gott gegenüber. Wer Reichtum um sich häuft, verliert viel Energie dafür und noch viel mehr Zeit darauf. Wer sich aber um materielles nicht schert, der ist offen für andere Dinge – und damit möglicherweise auch für Gott. 

Hinzu kommt, dass der Arme ein Bedürftiger ist, er bedarf der Zuwendung anderer – und Gottes. 
So kann er viel mehr "not-gedrungen" sich mit Gott beschäftigen, ihn bitten, auf ihn hoffen.

Diese Armut ist zunächst eine innere Haltung, die sich aber im Lebensstil ausdrückt. Auch ein Reicher kann so arm sein und eine Armer reich.
 

Schon bei der Diakonweihe verspricht der Kandidat dem Bischof und seinen Nachfolgern Gehorsam. Das wird oft so verstanden, dass man seinen Verstand ausschalten muss und wie beim Militär ein reiner Befehlsempfänger und –ausführer ist. 
Es geht hier aber nicht um einen bloßen „Kadavergehorsam“ – Gott hat uns nicht umsonst mit einem Verstand ausgerüstet. 

Der Gehorsam ist ein Zeichen für Demut und Bescheidenheit und bedeutet eine grundsätzliche Loyalität. 
Der Gehorsam Gott gegenüber spiegelt sich im Gehorsam gegenüber Bischof und anderen Autoritäten wider. Deren Kompetenz wird erst einmal grundsätzlich angenommen.

Wenn ich eine andere Meinung zu einer Frage habe – was ja vorkommt oder vorkommen kann – so muss ich „die Geister unterscheiden“: ist es meine persönliche Befindlichkeit oder mein von Gott gegebenes Gewissen, das Widerstände hervorruft.