Wie
hat ein Priester zu leben? Darüber gibt es vielfältige Meinungen
und auch Meinungsverschiedenheiten – nicht nur unter den Priestern und
deren, die sich auf diesen Dienst vorbereiten.
Drei Dinge gibt es, die
wesentlich für eine priesterliche, im Grunde sogar christliche Lebensweise
sind: Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit. Drei Begriffe, die auch unter dem
Wort „Evangelische Räte“ bekannt sind.
Priester sein ist eine
spezielle Art der Nachfolge Christi. Wer in diese spezielle Nachfolge eintritt,
von dem kann man erwarten, dass er auch die grundsätzliche Art der
Nachfolge, nämlich das Leben in Armut und Gehorsam und wie ehelos,
einübt.
Mit der Ehelosigkeit,
in unseren Zusammenhang mit dem Wort Zölibat bezeichnet, möchten
wir uns nächste Woche auseinandersetzen.
Warum soll ein Priester
arm sein – zumal er es de facto doch gar nicht ist.
Gemeint ist nicht an erster
Stelle das Leben am existentiellen Minimum um seiner selbst willen.
Die Armut dient einem
Zweck: es geht um die Offenheit Gott gegenüber. Wer Reichtum um sich
häuft, verliert viel Energie dafür und noch viel mehr Zeit darauf.
Wer sich aber um materielles nicht schert, der ist offen für andere
Dinge – und damit möglicherweise auch für Gott. |
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Hinzu
kommt, dass der Arme ein Bedürftiger ist, er bedarf der Zuwendung
anderer – und Gottes.
So kann er viel mehr
"not-gedrungen" sich mit Gott beschäftigen, ihn bitten, auf ihn hoffen.
Diese Armut ist zunächst
eine innere Haltung, die sich aber im Lebensstil ausdrückt. Auch ein
Reicher kann so arm sein und eine Armer reich.
Schon bei der Diakonweihe
verspricht der Kandidat dem Bischof und seinen Nachfolgern Gehorsam. Das
wird oft so verstanden, dass man seinen Verstand ausschalten muss und wie
beim Militär ein reiner Befehlsempfänger und –ausführer
ist.
Es geht hier aber nicht
um einen bloßen „Kadavergehorsam“ – Gott hat uns nicht umsonst mit
einem Verstand ausgerüstet.
Der Gehorsam ist ein Zeichen
für Demut und Bescheidenheit und bedeutet eine grundsätzliche
Loyalität.
Der Gehorsam Gott gegenüber
spiegelt sich im Gehorsam gegenüber Bischof und anderen Autoritäten
wider. Deren Kompetenz wird erst einmal grundsätzlich angenommen.
Wenn ich eine andere Meinung
zu einer Frage habe – was ja vorkommt oder vorkommen kann – so muss ich
„die Geister unterscheiden“: ist es meine persönliche Befindlichkeit
oder mein von Gott gegebenes Gewissen, das Widerstände hervorruft. |