Wie und warum Priester werden?
Über Ausbildung, Leben und Meinungen von Priesteramtkandidaten

 
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Stefan Mellentin
* 1977
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Biographie I: Stefan Mellentin, Hannover
 
Ich wurde im Jahre 1977 in Hannover geboren. Meine Eltern haben mich wenig bis gar nicht religiös erzogen. Meine Mutter ist evangelisch, mein Vater katholisch. Dennoch besuchte ich eine katholische Grundschule in Lehrte, bei Hannover und im entsprechenden Alter von 9 oder 10 Jahren ging ich in meiner Gemeinde zum Erstkommunion- unterricht. 

Der Pfarrer war kein guter Seelsorger, was ich bald spürte. Er hatte in mir nicht gerade ein Interesse an Gott und der Kirche geweckt, weshalb ich nach der Erstkommunion auch keine große Lust mehr hatte, weiterhin in die Kirche zu gehen. 
Ich war dann bis zu meinem 16. oder 17. Lebensjahr nicht mehr in der Kirche, außer im Schulgottesdienst meines katholischen Gymnasiums, der St.-Ursula-Schule in Hannover. 

1987 waren wir nach Hannover umgezogen. 
An einem Osterfest 1993 oder 1994 besuchte ich mit meinen Eltern das Osterhochamt in eben der Gemeinde, in der ich zur Erstkommunion gegangen war, in Lehrte. In dieser Gemeinde ist mein Onkel Ständiger Diakon. Er bat mich, ihm zu helfen. Er sagte: „Wir brauchen dich heute als Ministrant.“ So kam ich im Alter von 16 oder 17 zu meinem ersten Ministrantendienst. Seine Aussage war aber nicht nur ein äußerlicher Anstoß für mich, sonder auch ein innerer Anstoß. Ich machte mir lange Gedanken, ob nicht ein Leben mit Gott doch etwas für mich wäre. 

Schließlich kam mir sogar der Gedanke, daß Gott mich als Priester in seiner Kirche haben möchte. Es stellte sich ein Gefühl der Unruhe ein. Wenn mich die Leute fragten, was ich später einmal werden wolle, sagte ich noch lange Zeit, daß ich Jura studieren wolle, war aber damit nicht glücklich. 

Irgendwann fragte mich wieder jemand und ich antwortete ihm frank und frei: „Ich werde Theologie studieren und Priester werden.“ 
Nicht nur ich selbst war davon überrascht, sondern auch meine Eltern. Sie konnten lange nicht verstehen, daß sie nun nie Enkel bekommen würden, schließlich bin ich Einzelkind. 
Aber inzwischen akzeptieren sie meinen Weg und gehen ihn entschieden mit! 

Ich habe dann mit dem Ausbildungsleiter (Regens) der Priesteramtskandidaten Kontakt aufgenommen. Der Regens möchte seine Leute gern zur Bundeswehr oder in den Zivildienst schicken. Da ich aber nach einer Operation wehrdienstunfähig war, habe ich ein Jahr ein Praktikum in einem Kinderheim absolviert. 

Danach habe ich im Oktober 1998 mein Theologie-Studium an der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main aufgenommen und bin dort auch in das Priesterseminar gezogen. 

Von Oktober 2000 bis Juli 2001 habe ich dann, wie es bei Theologen so Sitte ist, für zwei Semester die Uni gewechselt und in München studiert. 

Danach kehrt man an den ursprünglichen Studienort zurück. Inzwischen bin ich im vierten Studienjahr und gehe mit großen Schritten auf mein Diplom zu. 

Rückblickend kann ich sagen, daß die Zeit zwar nicht immer leicht war. Aber dennoch waren die ersten dreieinhalb (viereinhalb incl. Praktikum) Jahr ein sehr schöne Zeit. Bei allen Schwierigkeiten erfährt man sich von Gott getragen. Der Weg lohnt sich!