3. Honnefer Forum zur kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit
Wie Medien Sinn stiften
Dr. Steffen Hillebrecht vom MDG München hat eine
überraschende These: Medien können am ehesten Sinn stiften,
wenn sie es erst gar nicht versuchen. Dabei tritt ein Paradox
auf: Eine Vielfalt an sich teilweise widersprechenden
Sinnangeboten ist seltsamerweise seitens des Zuschauers
erlaubt, aber trotzdem wird Sinnstiftung wahrgenommen.
Fernsehen und Hörfunk spielen die größte Rolle, da sie auch als
Nebenbei-Medien fungieren. Die Printprodukte hingegen
ergänzen nur noch den Medienkonsum, werden aber umso
bewusster genutzt. Dabei kommen keine neuen Formen von
Sinn auf, die die älteren etwa ersetzten würden - vielmehr
kommen sie als neue Optionen hinzu. Die Soziologen sprechen
von der subjektbezogenen Welt anstelle des weltbezogenen
Subjekts.
Drei Begriffe sind dabei zentral: erleben, gemeinsam,
wirklich. Dabeisein und Dazugehören lautet deshalb der
Imperativ der Stunde -auch für die Fernsehmacher. Die Medien
versorgen den Nutzer mit konsensträchtigen Realitäten. Dabei
zeichnet sich eine zunehmende Hybridisierung der
Medienlandschaft ab. Ein erfolgreiches Format wird kopiert und
etwas modefiziert. Dieser Vorgang wiederholt sich auch
innerhalb der unterschiedlichen Themengebiete. So werden laut
einer Prognose Hillebrechts Tod und Sterben als neue Themen
entdeckt werden. Eines jedoch wird laut ihm gleich bleiben: Das
kulturelle Langzeitgedächtnis. Während hier die über viele
Jahrhunderte gesammelten Informationen, Wertvorstellungen
und Handlungsweisen der eigenen Kultur gespeichert sind, ist
das mediale Kurzzeitgedächtnis starken Tendenzen zum
Vergessen unterworfen.
Für die Kirche sieht Hillebrecht die Konsequenz, sich als ein
Anbieter unter vielen zu verstehen. Dazu gehört auch die
Einsicht in die Tatsache, dass Sinnstiftung durchaus im
Subtext (sogar der Love-Parade) stattfinden kann. Jedoch warnt
er davor, dass sich die Kirche auf lange Sicht zu einer
Spaßpartei macht, die lediglich im medialen Kurzzeitgedächtnis
ihre Spuren hinterlässt. In diesem Zusammenhang machte auch
PD Dr. Joachim Westerbarkey darauf aufmerksam, dass
kirchliche Inhalte durch das jeweilige Medienumfeld in der
Rezeption der Nutzer verzerrt aufgenommen werden könnten.
Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Tagung ergab, dass
sich die jüngere Generation ihre Medienauswahl selbst
zusammenstellt. Das Rezeptionsverhalten der jüngeren
Generation hat sich grundlegend verändert. Das das
Medienumfeld nicht mehr so entscheidend ist für die
Wahrnehmung des eigentlichen Inhaltes, kann auch der
Bibelvers in der Bildzeitung durchaus das Interesse der Nutzer
wecken.
Einen interessanten Weg, um neue Zielgruppen zu erreichen
schlug daher das evangelische Magazin Chrismon ein. Die
evangelische Kirchenzeitung war im Verhältnis von Kosten und
Reichweite unattraktiv geworden. Deshalb hatte Chefredakteur
Arnd Brummer die taktische Überlegung, eine Supplement
Lösung bei Qualitätsmedien anzustreben. So erscheint
Chrismon nun als Beilage zu den Zeitungen "Die Zeit",
"Frankfurter Rundschau", "Sächsische Zeitung", "Süddeutsche
Zeitung" und "Der Tagesspiegel". Dadurch wurden die Kosten
gesenkt und die Leserschaft enorm vergrößert. Dabei ist sein
journalistisches Prinzip, ähnlich den Lifestyle Konzepten, dass
die Story für sich sprechen muss. Seiner Meinung nach muss
Kirche die "Gegenstände" liefern, an denen sich Religion
festmachen kann. Mit dieser Philosophie und der Zielgruppe, die
er als religiös musikalisch beschreibt, stößt Chrismon auf
steigende Resonanz.
copyright: Jürgen Pelzer
published: 14.11.2003
zurück zum Seitenanfang...