3. Honnefer Forum zur kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit

Konsequenzen für die kirchliche
Öffentlichkeitsarbeit

1. Kirchliche Öffentlichkeitsarbeit muss auf eine
Zielgruppen-genaue Ansprache setzen. Die allumfassende
katholische Botschaft - gleich welchen Inhalts - erreicht die
Menschen nicht (mehr), erzeugt höchstens Unverständnis und
führt zu Verwässerungen.

2. Um diese Ansprache zu erreichen, muss sich kirchliche
Öffentlichkeitsarbeit ein Bild von den unterschiedlichen
Zielgruppen machen, sie segmentieren und charakterisieren.
Auf dieser Folie muss sie ihre PR ansetzen, ohne jedoch vorher
Rahmen, Maßstäbe und Schranken zu setzen.

3. Die Menschen erwarten Botschaften, keine Debatten.
Kirchliche Öffentlichektisarbeit sollte deshalb nicht
Strukturdebatten zum Thema haben (darauf reagiert die
Bevölkerung, v.a. die jüngere, außerkirchlich mit Politiker-
Verdrossenheit). Gefragt sind klare Positionen und
Botschaften, die durchaus auch Reibung erzeugen.

4. Kirche ist nicht beliebig. Sie muss (ja: darf) nicht all das (nur)
machen, was andere tun. Originalität und Einzigartigkeit sind
gefragt. (Was unterscheidet eigentlich den Grillabend oder die
Radtour der kirchlichen Gruppe von einem
Kaninchenzuchtverein?)

5. Kirche muss wieder erklärt werden. Die öffentliche Meinung
ist durch die veröffentlichte Meinung verzeichnet. Kirchliche
Öffentlichkeitsarbeit muss die Stärken der katholischen Kirche
kommunizieren. (z.B. Ansprache der Sinne)

6. Kirche und ihre Öffentlichkeitsarbeit muss mit Blick auf die
soziale und universale Verantwortung eine Moderatorenrolle
übernehmen. Toleranz gegenüber unterschiedlichen Ansichten
unter jungen Menschen hat eine große Bedeutung. Die
Vermittlung von Recht/Unrecht Gut/Böse ist ureigenes
kirchliches Terrain.

7. Kirchliche Öffentlichkeitsarbeit muss die Mauer der
abgeschotteten "Overnewsten" Menschen durchbrechen. Dazu
bedarf es ausgefallener und ungewöhnlicher Wege, um in der
Vielzahl der "frohen" Botschaften aufzufallen.

8. Dadurch profiliert sich kirchliche Öffentlichkeitsarbeit als
professionell und zeitgemäß. Sie öffnet damit eine weitere
Zielgruppe: die der kooperierenden Wirtschaft.

9. Um ihre Aufgaben in Zukunft finanziell noch wahrnehmen zu
können, muss kirchliche Öffentlichkeitsarbeit auf einen
Dreiklang von klassischer Presse-(und Medien-)Arbeit,
Marketing- und Fundraising-Strategien setzen. Sponsoring als
ein Fundraising-Zweig erfordert aber professionelles Marketing
und eine hundertprozentige Zielgruppen-Affinität.

10. Last not least: Kirchliche Öffentlichkeitsarbeit muss sich
weiter professionalisieren. Das heiß nicht zwangsläufig eine
Verhauptamtlichung (und/oder Zentralisierung) der PR. Vielmehr
Beratungskompetenz, Hilfe zur Selbsthilfe, v.a. aber ist
Anleitung gefragt. Auf überpfarrlicher Ebene sind PR- und
Marketing-Konzeptionen, sowie kurz-, mittel- und langfristige
Strategien und Kommunikationskonzepte unerlässlich. Hier ist
eigene hauptamtliche Kompetenz gefragt - v.a. auch für den
Umgang mit professionellen Dienstleistern aus der Wirtschaft
(Werbe- und PR-Agenturen).


copyright: Dipl.-Journ. Urich Lota
published: 14.11.2003

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