

10. Die Wege
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Der "Liber Sancti Jacobi" bzw. "Codex Calixtinus"
schreibt in seinem ersten Kapitel: Vier Wege führen nach
Santiago, die sich zu einem einzigen in Puente la Reina
in Spanien vereinen; einer geht über St.Gilles,
Montpellier, Toulouse und den Somportpaß; ein anderer
über Notre-Dame in Le Puy, Ste.Foy in Conques und
St.Pierre in Moissac; ein weiterer über Ste.Marie
Madeleine in Vézelay, St.Léonard in Limousin und die
Stadt Périgueux; ein letzter über St.Martin in Tours,
St. Hilaire in Poitiers, St.Jean in Angély, St.Eutrope
in Saintes und die Stadt Bordeaux. Diejenigen Wege, die
über Ste.Foy, St.Léonard und St.Martin führen,
vereinigen sich in Ostabat, und nach dem Überschreiten
des Cispasses treffen sie in Puente la Reina auf den
Weg, der den Som portpaß überquert; von dort gibt es nur
einen Weg bis Santiago.
Der Weg nach Santiago de Compostela ist ein Weggeflecht,
das sich über ganz Europa zieht, in vier großen Wegen
von Paris, Vézelay, Le Puy und Arles durch Frankreich
zieht, bei Roncesvalles und Somport die Pyrenäen
überquert und sich bei Puente la Reina zur großen
Pilgerstraße, dem camino frances durch Nordspanien,
vereinigt. Die romanische Kunst hat entlang dieser
Pilgerstraßen bedeutende Kunstwerke geschaffen.
Pilger aus dem Norden und dem nördlichen
Mitteldeutschland suchten hauptsächlich über Köln und
Aachen (die sog. "Niederstraße"), zuweilen auch über das
Moseltal, Anschluß an die Wege von Paris/ Tours bzw.
Vézelay/St.Gilles. Pilger aus dem südlichen
Mitteldeutschland und aus dem oberdeutschen Raum zogen
die "Oberstraße" über Einsiedeln und Genf ins Rhonetal,
von dort dann die Straße nach Le Puy. Vom Norden
Deutschlands und von England aus wurden oft
Pilgerfahrten per Schiff unternommen.