

3. Abriß der Geschichte der Pilgerfahrt
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7.Jh.: Durch die lat.-gr. "Apostelkataloge" kommt die
Tradition auf, Jakobus der Ältere habe in Spanien
missioniert. Diese Nachricht hat jedoch auf der
Iberischen Halbinsel so gut wie keine Aufmerksamkeit
erregt.
8.Jh.: Einen Wendepunkt markiert der asturische Abt
Beatus von Liébana (+798). In seinem Apokalypsekommentar
greift er die Zuteilung Spaniens an Jakobus aus den
Apostelkatalo gen auf. Zeitgeschichtlicher Hintergrund:
Selbstfindungsprozeß des jungen asturischen Reiches;
Spannungen mit dem bisherigen Zentrum Toledo; Kampf
gegen die Mauren; Reliquienverehrung. Vor diesem
Hintergrund ist die Auffindung des angeblichen
Apostelgrabes im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts in
Compostela zu sehen und zu werten.
9.Jh.: Compostela ist zunächst ein regionales
Wallfahrtszentrum.
951: Der erste namentlich bekannte Pilger ist Bischof
Gode schalk von Le Puy. Die Pilgerfahrt ist wegen der
von Nor mannen und Mauren drohenden Gefahr noch sehr
unsicher.
997: Al-Mansur stößt bis Santiago de Compostela vor.
Danach jedoch beginnt die Blütezeit der Pilgerfahrt.
11.Jh.: Die Omajadenherrschaft bricht zusammen.
12.Jh.: Die Reconquista erzielt gute Erfolge.
Im 11. und 12. Jahrhundert erreicht die Pilgerfahrt
ihren ersten Höhepunkt. Santiago de Compostela wird zum
bedeutendsten Fernpilgerzentrum neben Rom und Jerusalem.
Schon in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts kommt
es wegen der großen Pilgerströme und der wachsenden
Bedeutung zu Rivalitäten mit der römischen Kurie. Vor
allem aus Frank reich, aber auch aus Deutschland,
Flandern, England und Italien kommen die Pilger. Die
Pilgerfahrt bindet Europa zusammen und fördert die Idee
eines einheitlichen kultu rellen und sakralen Raumes.
1077: In Santiago de Compostela wir eine neue Kathedrale
errichtet.
1095: Der Bischofssitz wird endgültig von Iria Flavia
nach Santiago de Compostela verlegt.
1120/24: Santiago de Compostela wird zum Erzbistum
erhoben.
1139/43: Redaktion des "Liber Sancti Jacobi" bzw. "Codex
Calixtinus". Dieser wahrscheinlich von einem französi
schen Kleriker verfaßte Pilgerführer bietet viele Infor
mationen und eine Fülle an anschaulichem Material zur
Pilgerfahrt.
Ihre Glanzzeit erlebt die Pilgerfahrt in der Zeit vom
12. bis zum 14. Jahrhundert. Erste Krisenzeichen zeigen
sich im 15. Jahrhundert; Humanismus und Reformation
haben dann weiter zum Rückgang der Pilgerfahrt
beigetragen. In Spätmittelalter und früher Neuzeit wird
die Pilgerfahrt mehr zur Abenteuerund Bildungsreise, die
religiöse Komponente tritt zurück. Anzeichen eines
Aufschwungs zeigen sich im 17. Jahrhundert im Kontext
des Wiedererstarkens des Katholizismus nach der
Tridentinischen Reform. Ganz aufgehört hatte die
Pilgerfahrt nie. Eine einschneidende Zäsur stellt die
Französische Revolution dar. Nach dieser Umwälzung
scheinen die Pilgerfahrten fast ganz aufgehört zu haben.
Eine Wiederbelebung erfuhr die Pilgerfahrt durch die
"zweite" Auffindung der Reliquien des Apostels Jakobus
im Jahr 1879 und die folgende Bestätigungsbulle Leo XIII
von 1884. Mit dieser zweiten Auffindung hat es folgende
Bewandtnis: Die Reliquien des Apostels befanden sich
unterhalb der capilla mayor in einer Krypta, zu der man
gewöhnlich nicht hinabstieg. Im Laufe der Zeit wurde
sogar ihr Eingang unkenntlich gemacht. Um 1660 erhielt
die capilla mayor eine neue Barockgestaltung. Anfang des
18. Jahrhunderts wurde sie wegen der Bedrohung durch die
Engländer geschlossen. Mit der Zeit geriet die Stelle,
wo die Reliquien des Apostels ruhten, in Vergessenheit;
man wußte nur noch um die Überlieferung, daß sich das
Grab in der Krypta befinde. Erst in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts forschte man nach und fand bei
Grabungen in der Nacht des 28. Januar 1879 die
angeblichen Gebeine des Apostels. Sowohl die
Ausgrabungen wie die folgende römische Untersuchung mit
dem Ergebnis der Bestätigungsbulle sind umstritten. Doch
verhalfen sie der Pilgerfahrt zu neuem Leben.
In unserem Jahrhundert betonte General Francisco Franco
1937 den Jakobuskult neu, der 25. Juli wurde
Nationalfeiertag und Jakobus galt wieder offiziell als
Landespatron, dem die ganze Nation durch eine jährliche
Spende für das Kathedralkapitel ihre Verehrung erweisen
sollte. Einen erneuten Aufschwung erlebt die Pilgerfahrt
nach Santiago seit einigen Jahren. Im Rahmen des
Europagedankens wird die alte Idee der völkerund
kulturenverbindenden Fahrt wieder lebendig.