Hilfen zur Kontemplation nächstes Kapitel
 
 
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VORWORT


"Worte des Lebens" werden Reden von Jesus genannt. Jedes seiner Worte erfasst kurz und prägnant eine Situation des Lebens und zeigt die Lösung: Er zeigt uns immer, wie wir mit der KRAFT, im EWIGEN LEBEN, leben können.
Jedes der Worte, die Jesus gesprochen hat, kann uns erfassen, ob wir getrost oder niedergeschlagen, voller Pläne oder ratlos sind, im Dienst mit Menschen und an Menschen aufgehen oder allein gelassen sind. Es gibt uns den Weg vor und zeigt zum Zentrum, aus dem alle Kraft kommt, das uns im zerbrechlichen Augenblick in der Schwebe hält, damit wir nicht umfallen und aufgeben.
Da wir uns umschauen, wer wir sind, wo wir stehen, wie wir weiterkommen und wer mit uns geht, da wir für unser Leben Rat suchen, hören wir ihn, Jesus. Er gibt uns nicht neue Aufgaben und Pflichten, er zeigt nur hin auf das, WAS IST; er hat es selbst erfahren und gibt es weiter:
Wir sehen unser Ziel, zu dem wir in der Menschengemeinschaft und mit allen Geschöpfen auf der Erde hin ziehen; wir können mit Kraft und in Ruhe den Weg gehen, den wir wohl kennen, er ist ja in unserem Wesen eingeschrieben. Unser Ursprung, unser Weg, unser Ziel, sind ein und dasselbe für alle Menschen (wir sind mit ihnen eins, sogar wenn sie gleichgültig oder feindlich herumzustehen scheinen, und sie uns so wenig beachten, wie wir sie).
Jedes der Worte von Jesus weist also zum Ursprung der Welt hin, den wir suchen. Und es zeigt zugleich unseren Platz, den wir darin haben - oder: Wie ER unser Leben ist.
In der Übung der Kontemplation schauen wir IHN, wir finden den Durchblick und die Ruhe; in den Situationen des täglichen Lebens aber, sie mögen sein, wie sie wollen, leben wir in ihm.

Dies konnte ich lernen von meinen Eltern und dann von meinem Pfarrer und Freund Jupp Schneider mit seiner Liebe zum Leben, ich lernte es durch sie von meinen Vorfahren, dann von den Menschen in den Dörfern und in der Stadt (Bamberg), dem Land und dem Fluss. In den armen und dann bösen Zeiten haben die Menschen tapfer und gläubig, auch pfiffig, und oft voller Sorge und Angst gelebt und sich an Jesus Christus orientiert, auch an Mose, auf dessen Schultern Jesus steht und auch wir als Mitglieder der Kirche oder einfach als Menschen in Europa. Sie haben mir die Augen geöffnet.
Ich danke auch meinen Lehrern im Studium der Theologie. Sie haben mir das Suchen nach IHM, Gott, unterstützt, auch wenn ich vor den vielen Gedankenkonstruktionen, Lehren und Vorstellungen fast den Blick auf Gott selbst verloren hätte. Manche haben uns die Suche auch gelehrt. Ohne sie hätte ich mich vielleicht einer Ideologie hingegeben. Fast jede von ihnen lockte mich irgendwann als jungen Menschen, der auf der Suche nach einer Lebensaufgabe war. Doch ich wurde in der Gemeinschaft der Kirche aufgenommen, konnte aus ihrer Ideologie (die es ja auch in der Kirche gibt) herauskommen, und war in ihrem Dienst daheim. Ich konnte leben mit den Menschen in ihr, an ihrem Rand und draußen, scheinbar neben ihr.
Weiter danke ich den Menschen, die mich bis heute haben mitkommen und leben lassen, die mir Freunde sind, oder auch in scheinbar nebensächlich geführten Gesprächen und mit ihren (berufsmäßig und aus freiem Einsatz ausgeführten) Arbeiten und Diensten das Leben ermöglicht und meine Arbeit und Dienste angenommen haben. So haben sie ihr Leben mit mir geteilt.
Besonders danke ich meinen Arbeitskameraden, mit denen ich in Nürnberg beim Bau von Transformatoren beschäftigt war. Bei ihnen, in guten, leichten und schweren, Stunden ist mir das Wirken von IHM aufgegangen, ohne dass wir in kirchlichen Ausdrücken davon sprechen mussten; Himmel und Erde sind voll von IHM.
Am Ende danke ich dem Pater Willigis Jäger, meinem Lehrer bis heute. Als einer unter vielen Schülern wurde ich von ihm nachsichtig, fest und freundschaftlich auf dem Weg des Zen eingeführt in das mystische Beten, welches das einfache, ursprüngliche Beten ist, das in der ganzen Menschheit uns die Augen für IHN öffnet. Gebetet wird in unserer Religion und in allen Religionen, oder auch neben all dieser Religion, etwa "atheistisch", wie sie dies in östlichen Ländern unserer Republik und Europas nennen. Ich bin auf dem Weg unter der Führung dieses Mönchs, der Christ ist. Wir heißen den Weg auch "die Übung der Kontemplation".
In all diesen Menschen danke ich IHM, denn in ihnen zeigt ER sich.

Ich hoffe, dieses vorliegende Buch kann Ihnen helfen, die Augen weiter zu öffnen und die Freude des Lebens zu finden.
Hannjürg Neundorfer

 
© Hannjürg Neundorfer nächstes Kapitel
gestalt: jouaux 1998