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19. IHR KÖNNT NICHT ZUGLEICH BEIDEN DIENEN: GOTT UND DEM GELD

"Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des unrechtmäßigen Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht.
Wer in den kleinsten Dingen vertrauenswürdig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.
Wenn ihr im Umgang mit dem unrechtmäßigen Geld nicht vertrauenswürdig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?
Und wenn ihr im Umgang mit dem unrechtmäßigen Geld nicht vertrauenswürdig gewesen seid, wer wird euch dann geben, was euch wirklich gehört?
Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen verschmähen und den anderen lieben, oder er wird zu dem einen halten und den anderen verachten.
Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Das alles hörten auch die Pharisäer, und weil sie am Geld hingen, lachten sie über ihn. Da sagte er zu ihnen: Ihr redet den Leuten ein, dass ihr in Ordnung seid; aber Gott weiß, was in eurem Herzen ist. Was die Leute für großartig halten, das ist vor Gott ein Gräuel".
(Lukas 16, 9-15)


"Mammon" ist der Gott des Geldes. "Unrechtmäßiges Geld" ist Geld, das man sich zu Unrecht, gegen das Leben der anderen zu besitzen erlaubt. Das muss dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden, also dem, der dafür gearbeitet hat oder der es lebensnotwendig braucht. Dann kann man das "wahre Gut" bekommen: SEIN heilbringendes Leben selbst.

1. GELD UND ZINSEN
Wenn du richtig in der Menschheit leben willst, kannst du deine Lebenshoffnung nicht auf das Geld setzen, schon gar nicht auf Geld, das sich "von selbst" vermehrt. Oder aber du verzichtest auf gerechtes Handeln und suchst einfach deinen Vorteil. Dann stimmst du unserem derzeitigen wirtschaftlichen Unrechts-System, zu und versuchst, seine Automatik für deine Interessen zu nutzen.

Was ist das Geld? Ist es ein Gegenwert, eine Berechnung für geleistete Arbeit? So war es ursprünglich konzipiert und wir schauen es gewöhnlich auch so an. Oder ist es selbst ein Wesen für sich, hat es einen Wert in sich und kann sich deshalb durch Zins und Zinseszins selbst weiter vermehren? Man sagt dann: "Das Geld arbeitet" oder "das Kapital wächst".
Tatsächlich ist das System, mit dem bei uns das Geld auf Vermehrung hin angelegt wird, das Zinseszins-System, Erpressung von Geld ohne Arbeit. Früher hieß man das "Wucher", das heißt: Es wächst schnell, es wuchert, immer schneller, wie ein Karzinom am Leib der Wirtschaft. Unsere Gesellschaft betrachtet das Geld in dieser verrückten Weise und hat ihr wirtschaftliches Leben danach eingerichtet. So konnte das Geld die Gesellschaft in den Dienst nehmen und diese muss dem Geld dienen, bis ihr das Leben ausgeht (ohne auch nur die "Besitzer des Geldes" zu kennen und für die Schäden wirklich haftbar machen zu können).

(Wir können sehen: Welchen Anteil hat die Zinszahlung am Jahreshaushalt der Bundesrepublik oder eines beliebigen Staates, und welchen Anteil hatte der "Zinsendienst" vor zehn Jahren am Haushalt desselben Staates? Welche Personengruppe bringt Jahr für Jahr dieses Geld auf, welchen Konten in welchem Ausland wird es gutgeschrieben, und von dort wieder weiter verliehen? Wie viele Prozent seines Haushalts kann ein Staat für Zinsen, den "Kapital-Dienst" hinlegen, ohne dass die Staatsbürger materiell schlechter und schlechter gestellt werden und ihre Arbeit verlieren, und ohne dass der Staat zahlungsunfähig wird und das asoziale Chaos ausbricht? Wie lange dauert es, bis die Schlinge der wachsenden Zinsen der Gesellschaft die Luft zu Leben abstellt und diese zusammenbricht? Können wir das rücksichtslose Anhäufen von Besitztiteln und Geld als eine Serie von Verbrechen an der Gesellschaft bezeichnen? Ist es legal und trotzdem Raub? Kann das physische und das psychische Leben der Gesellschaft gerettet werden, wenn sie sich nicht von diesem System abwendet, das sie jetzt völlig überwuchert?

Dieses System muss uns nicht weiter das Leben verderben. Da das Geld eine hilfreiche menschliche Erfindung ist und durch Menschen in dieser Weise oft auch verwendet wurde, können wir auch umkehren und es wieder nach seinem ursprünglichen Sinn einschätzen. Die Gesellschaft kann ihre Knechtschaft abwerfen und in Wohlstand und Freiheit (diesbezüglich) leben. Anstatt den aufgehäuften Besitzansprüchen die Zinsen anzudienen, können wir von den Benutzern und Besitzern Nutzungsgebühr verlangen. Das ist in der Gesellschaft öfters gemacht worden, auch noch im zwanzigsten Jahrhundert (in umgrenzten Bereichen). Es war hilfreich.

Ist sich die Gesellschaft ihrer Knechtschaft nicht mehr bewusst? Stimmen die Einzelnen, also auch wir, dieser Knechtschaft sogar zu, weil wir das Unrecht nicht mehr sehen und weil wir hoffen, auch etwas von diesem anderswo wachsenden Reichtum zu ergattern? Wir zahlen selbst übermäßig Zins bei jeder Verschuldung zum Erwerb eines Hauses, und bei jedem Kauf und halten das für richtig oder unveränderbar. Dabei wächst immerfort das Einkommen ohne Arbeit durch Zinsen und "Dividende"; und auf der anderen Seite steht die Arbeit, deren Lohn von Fremden eingezogen wird, nicht als Steuern (was ja gerecht ist), sondern zum Kapital-Dienst.

Einer der Jünger von Jesus, Jakobus, schreibt: "Ich rede mit euch, ihr Reichen: Geld häuft ihr auf noch in den letzten Tagen. Da! Der Lohn der Arbeiter, die auf eueren Feldern gemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen nicht ausgezahlt habt, der schreit. Die Klageschreie der Erntearbeiter kommen in das Ohr des Herrn der Scharen ...Ihr habt den anständigen Mann verurteilt, umgebracht habt ihr ihn. Er hat sich nicht gewehrt." (Jakobusbrief 5, 1.4-5)
Dieses Schreiben wurde nicht ohne Grund in die Bibel aufgenommen. Es trifft die Situation des Wirtschaftssystems, durch das die gesamte Menschheit erfasst worden ist. Es trifft auch uns, mich also.

Das ist menschengemachtes Unrecht. Es kann also auch von Menschen umgedreht werden. Stellt dann nicht ER, der unser Leben und unser Geist ist, Gerechtigkeit her, damit wir ohne die Schlinge, die sich zu zieht, leben können?


2. ANTWORTEN AUF DIESE FRAGEN KÖNNEN AUS DER ÜBUNG DER KONTEMPLATION KOMMEN
Wir schauen auf IHN; er zeigt sich im täglichen Leben, er ist ja seine Unterlage. - Fragen nach dem Geld sind zwar vordergründig wirtschaftliche Fragen - sie sind immer auch die Frage: "Wie gehen wir mit dem Geld um?" Leben wir für das Geld oder dienen wir IHM, dem EWIGEN LEBEN? Sind wir (in unserer Auffassung und in unserem Handeln) Sklaven des Geldes und leben wir in der Religion des Gottes "Mammon" oder sind wir frei? - kann ich überhaupt offen sein für das EWIGE LEBEN, solange ich dem "Mammon" zustimme und ihm diene, solange ich die Hoffnung für mein Leben an ihn hänge? Diese Frage geht an den Kern unseres Lebens als Einzelne, als Gesellschaft, als Religionsgemeinschaft (wenn wir einer solchen angehören). Sie gehört zu den Grundfragen des Zusammenlebens, also auch zum "religiösen Tun".

Mose wird von IHM oder aus dem brennenden Busch angesprochen. Er erkennt IHN, aus dem alles kommt, und sich selbst, der von Ihm beschützt und begleitet wird. Zugleich erkennt er auch das Unrecht, das seinem Volk das Leben nimmt, und auch den Ägyptern das rechte Leben unmöglich macht. (Die Ägypter müssen ja auch zum recht Leben befreit werden). Gott zeigt sich nicht isoliert, sondern in diesem Leben hier. Die Betrachtung des EWIGEN LEBENS allein hätte den Mose isoliert von seinem Volk gehalten. Mose hat auch sich selbst und damit sein Volk und dessen Lage durchschaut. Mose wäre, wenn er nur auf die Offenbarung von IHM geschaut hätte, nicht zur Vollendung seines Lebens gekommen, weil er seine Aufgabe nicht gesehen hätte. So hat er natürlich auch noch uns und unserem Leben gedient.
Wenn ein Mensch IHN schaut, dann ist es vorbei mit der Pflege seines kleinen Ich und des "privaten" Bereichs. Höchstens, der Mensch kann später wieder herunterkommen und wird egoistisch. Wie könnte sein Leben dann heil und in Ordnung sein?

Wirklich, wir können uns nicht mit der Einordnung unseres Lebens in IHN befassen und mit der Ewigen Ruhe, und dann unser täglichen Leben hier übersehen und uns nicht um die Zustände hier kümmern. Das Leben hier ist ja Seine Erscheinung.

Unser tägliches Erkennen und Handeln wird nicht nur von IHM angestoßen, es ist Sein Ewiges Handeln. Die Entwicklung vom ungerechten zum gerechten Leben, vom lieblosen zum liebenswerten Dasein (überhaupt die ganze Entwicklung der Welt) ist Sein Leben und Dasein, und unser Handeln ist Sein Handeln durch uns. Wir werden das durch unsere Mutlosigkeit oder Eigensucht gewiss nicht lähmen wollen. Wenn wir Ihn erkennen, können wir gar nicht anders, als hier täglich "nach Gerechtigkeit hungern, über das Unrecht trauern, barmherzig leben", so wie Mose nach der Erkenntnis dessen, "DER DA IST", nicht anders konnte, als in seinem Volk zu handeln.

Jesus sagt uns klar: Ihr müsst euch entscheiden, was ihr wollt: IHM dienen oder Sklaven des Nicht-Gottes "Geld" sein, entweder - oder. Wenn wir uns das "unrechtmäßige" Geld aneignen (auch nur in unseren Wünschen und Plänen), wird es nichts mit den wahren Gütern. Dann ist auch unser rechtmäßiger Besitz, der ohne Zinsen, nicht mehr unschuldig. Wir verlieren IHN, das "wahre Gut", aus dem Blick. Er fragt: "Geld oder LEBEN?" - Ich wähle das Leben.

3. EIN VERWALTER HANDELT RECHT, WENN AUCH ILLEGAL:
"Jesus wandte sich an die Jünger und sagte: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm verleumdet, er verschleudere seine Mittel. Deshalb rief er ihn zu sich und sagte: Was höre ich da über dich? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung, denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein.
Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zum Graben bin ich zu schwach, zu betteln schäme ich mich. Doch ich weiß, was ich tun muss, damit die Leute mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von der Verwaltung hier abgesetzt bin.
Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen. Er fragte den ersten: Wie hoch sind deine Schulden bei meinem Herrn? Der antwortete: Hundert Fass Olivenöl. Nimm deinen Schuldschein zurück, setz dich schnell hin und schreibe "fünfzig". Dann fragte er einen anderen: Du, wieviel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Zu dem sagte er: Nimm deinen Schuldschein und schreibe "achtzig".
Der Herr hieß es gut, dass der widerrechtliche Verwalter klug gehandelt habe. Denn die Kinder dieser Welt sind klüger als die Kinder des Lichts, jedenfalls was den Umgang mit ihresgleichen betrifft". (Lukas 16, 1-8)
Diese Geschichte braucht uns nicht zu ärgern, sie ist ein Beispiel für gerechtes Denken: Der Verwalter "verschleudert das Geld seines Herrn". Wohin schleudert er es? Anscheinend nicht in die eigene Tasche, also gibt er es an andere Leute, sonst hätte er ja selbst genug und bräuchte die Zukunft nicht zu fürchten. Er will den Schuldnern keine Wucherzinsen abverlangen.
Wir sehen das gleich: Wieso schulden die Schuldner einem Großbauern so viel? Hundert Fass Öl sind mehr, als eine noch so große Familie braucht, oder aber als ein Pächter in einem Jahr erwirtschaften kann. Er hat vielleicht vierzig Fass Öl als Pacht zu zahlen, das kann er naturgemäß nicht gleich, also werden es mit Wucherzinsen mit der Zeit hundert. Ähnliche Schulden hat bei uns einer, der mit Schulden ein Haus baut: Er leiht sich zweihunderttausend und hat vierhunderttausend zurückzuzahlen. Das ist die Schuld des Zinssystems. Die Schuldner in der Geschichte bekommen auch verschieden hohen Nachlass - wohl nach der Zeit der Verschuldung?
Jesus, das ist "der Herr", lobt diesen Mann, der illegal, aber klug gehandelt hat. Er hat nicht mitgemacht und seinen Chef dabei unterstützt, ohne eigene Arbeit Vermögen zu horten. Die Pächter oder Schuldner leben von ihrer Arbeit auf dem Pachtland. Natürlich müssen sie ihre Pacht zahlen und zurückzahlen, was sie schuldig sind, aber nicht das Wuchern bei dem Gutsbesitzer unterstützen. Diese Geschichte ins Evangelium Christi zu bringen, war dem Schreiber recht. Dort gehört sie auch hin. Sie erklärt uns unsere Würde und zeigt uns, wie wir miteinander leben können. Die Kinder dieser Welt, also die Menschen in dieser Geschichte machen es richtig. Die Kinder des Lichts (damit sind die gemeint, die sich auf Gott berufen) scheinen ahnungslos zu sein und kümmern sich nicht um die geforderte Gerechtigkeit, sondern berufen sich darauf, dass sie ja Gott dienen, dabei nützen sie ihre Mitbürger in der legalen, aber ungerechten Wucherwirtschaft für sich aus, oder kümmern sich nicht darum. Gott dienen heißt aber, bei dem Umgang mit Geld oder mit Schuldnern, richtig ("gerecht") handeln, oder es wenigstens zu versuchen. Sonst bleibt man im Unrecht.

Auch das unrecht Leben ist natürlich die Erscheinung Gottes in dieser Welt (auch wenn es von Unwissenheit, Bosheit und Feindlichkeit geprägt ist). Es ist mit allem anderen zusammen ein Durchgang zum gerechten Leben. Bei dem Übergang zum gerechten Leben ist unser Handeln gefordert. Wenn wir uns aber nicht darum bekümmern, entgeht uns die ruhige Freude der Gerechtigkeit, die Freude des rechten Zusammenlebens mit den Söhnen und Töchtern Gottes, und es entgeht uns der Kampf des Lebens. Sich zu gut dafür sein, ist bequem und zeigt, dass wir noch nicht angefangen haben, IHN in unserer Welt zu erkennen, sondern dass wir SEIN Wirken übersehen.

ER ist unser wirklicher Reichtum, er schenkt sich uns. Der übliche "Reichtum" ist nur die Verstopfung des Lebens. Das Hängen daran verstopft die Quelle des wirklichen Lebens.

4. WAS IST JETZT ZU TUN?
a. Ich will (wie Mose beim Feuer Gottes) sitzen und schweigen und hören, was Gott in mir redet.
b. Ich werde mit anderen mein Wissen über unser Handeln erweitern. Denn die Erkenntnis von IHM wird sich darin auswirken. Ich finde Bundesgenossen. So hören wir auf Jesus und die Errettung geht vorwärts.
c. Mein Handeln und Reden wird sich von selbst danach einrichten.
WER handelt dann? Und wird "Seine Herrlichkeit" dabei offenbar? IHN schaue ich, auch in unserem Leben hier.

Das ist SEINE Sache.


"Jesus sprach zu seinen Jüngern: Es ist wahr, ich sage es euch: Schwer wird ein Reicher in das Königreich der Himmel hineinkommen. Ich sage es euch noch einmal: Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in das Königtum Gottes. Als die Jünger das hörten, waren sie ganz bestürzt und sagten: Wer kann denn da noch gerettet werden? Jesus blickte sie an und sprach zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich - Gott aber kann alles machen".
(Matthäus 19, 23-26)

 
© Hannjürg Neundorfer nächstes Kapitel
gestalt: jouaux 1998