Hilfen zur Kontemplation nächstes Kapitel
 
 
1   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11   12   13   14   15   16   17   18   19   20   21   22
 
 
 

16. EMPFANGT HEILIGEN GEIST!

"So wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Nachdem Jesus dies gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen:
Empfangt Heiligen Geist!
Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben;
Wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert".
(Johannes 20, 21-23)


1. SO WIE MICH DER VATER GESANDT HAT, SO SENDE ICH EUCH
Der VATER sendet Jesus. Jesus ist das Wort des Vaters, er hängt vom Vater ab, ist der Ausdruck des Vaters, er kommt aus ihm. Jesus ist von IHM gesandt.
Die Jünger übernehmen seine Aufgabe und sein Leben, sie sind das Wort von Jesus Christus (also wieder von IHM, denn Jesus Christus ist die GEGENWART von IHM), sie hängen von ihm ab, sind sein Ausdruck. Sie stehen neben Jesus. Die Jünger sind von ihm gesandt, also von GOTT SELBST.

2. EMPFANGT HEILIGEN GEIST!
Die Jünger haben den Geist schon empfangen. (GEIST = "Hauch von IHM", Lebensatem von IHM). Er ist das LEBEN in uns, das uns zu lebendigen Menschen macht, die EWIGE Kraft in uns, in allen Menschen und in allem, was existiert.
Jesus haucht sie an: Das ist nur ein Zeichen für das, was immer geschieht, nämlich dass wir "einen einzigen Atem atmen", dass wir durch den einen Geist leben; wir sollen es merken. Dieses Zeichen ist eine Übertragung, ein Auftrag: Mein Geist ist euer Geist. Und ihr handelt weiter so: Euer Geist ist der Geist der weiteren Menschen. Das geschieht nicht so, als ob der Geist nicht schon überall wäre, aber er wird jetzt erkannt und schließt die Menschen auf, wird in ihnen lebendig, brennt weiter. Jesus sagt einmal: "Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen und wie sehr wollte ich, dass es schon brennt!" (Lukas 12,49)

3. WEM IHR DIE SÜNDEN VERGEBT, DEM SIND SIE VERGEBEN
Durch den GEIST, der unser Leben ist, sind wir eine Einheit. Obwohl wir eine Vielheit sind, nebeneinander, sind wir doch auch eins: Wir sind die äußere Form von IHM, auf einen Schlag kommen wir aus ihm, von einander abhängig, aufeinander einwirkend, einander bedingend. Das eine Leben bewirkt dies in uns.
Natürlich wenden wir uns voneinander ab, verfolgen eigensüchtig unsere speziellen Ziele, stehen gegen einander, nützen einander aus, kennen einander nicht, misstrauen einander. Wir sondern uns ab. Wir brauchen dabei gar nicht immer Bosheit zu vermuten, wir sind durch unser Dasein schon dazu verurteilt, uns abzusondern, wir sind getrennt, schon rein örtlich und zeitlich. Aber die Bosheit kann unser Leben auch noch dazu verderben, nicht nur das normale Unglück in uns. Diese Trennung ist die Wurzel all unseres Unglücks (der manchmal bösen Situation, aus der wir immer heraus wollen).
Doch wir versuchen dabei auch ständig, uns zu verstehen, "uns in die Haut des anderen zu versetzen", uns ihm zuzuneigen, Verbindung aufzunehmen; das alles ist ein Funken der Liebe. Das ist Wirkung des GEISTES, das ist der GEIST SELBST. Der Geist ist ja der Eine, überall, ungeteilt, und vereinigt uns auch in unserem Bewusstsein. Das geschieht freilich immer nur annähernd, da wir ja doch getrennt bleiben, viele einzelne, aber nicht mehr viele Vereinzelte.
Es geht gar nicht anders, als dass die Menschen, die die Auferstehung, die Göttlichkeit erfahren (in Jesus u n d ebenso in sich selbst), dies weitergeben. Damit heben sie die Absonderung der anderen Vereinzelten auf. Praktisch heißt das, dass sie sagen: Mensch, du schleppst deine alten Sünden in deiner Erinnerung mit herum: Du glaubst noch immer, dass du beschämt bist, dich geschädigt hast. Du glaubst, deinen Wert verloren zu haben. Du vergleichst dich mit anderen, die gerade diese Sünde und diesen Fehler wie du nicht gemacht haben und machst dich damit selbst fertig. Du glaubst immer noch weiter, dass Gott dich abschiebt und straft.
Doch deine Sünde besteht nicht mehr - lediglich die Folgen sind zu bezahlen und gut zu machen. Die Sünde geschah früher einmal. Im gleichen und im nächsten Augenblick aber hat ER dich doch "weiter erhalten", gibt er dir die Chance, Seine Gegenwart unter den anderen zu sein. Die Sünde ist "vergeben", weggegeben, fort.
Nur in deiner Erinnerung besteht sie noch (und in der Erinnerung anderer Menschen, weil ja durch dein Verhalten eine bestimmte, vielleicht schlimme Situation entstanden ist), aber die Realität ist: Du schwimmst jetzt im LEBEN mit. Nimm die Erinnerung an die schlimme Situation der Sünde nicht für die jetzige Wirklichkeit, damit du nicht weiter Gräben zwischen dir und allen anderen Menschen aufbaust, aus denen neue Trennungen und Abneigungen erwachsen! Verarbeite das jetzt endlich und lebe unverdrossen! Das Alte ist vorbei.

Aus der Erkenntnis der Auferstehung und des LEBENS von Jesus und von jedem von uns kommt die Möglichkeit, dies auch weiter zu sagen, weiter zu geben.

4. KÖNNEN MENSCHEN ÜBERHAUPT "SÜNDEN VERGEBEN"?
Nein - die Sünden vergibt das LEBEN, das EWIGE. Die Menschen können nur darauf hinweisen. Wieso können sie das? Zuerst auf Grund ihrer Einsicht, dann als Mitglieder der Gemeinschaft, Gesellschaft, Gemeinde, Familie. Sie sagen als solche: Dein Vergehen hat dich von uns abgetrennt, einen Graben aufgerissen. Man schließt dich aus, vielmehr: Du hast dich ausgeschlossen. Du hast uns ja geschädigt (Wir sind alle e i n e r, ein Leib, dein Vergehen ist deshalb nicht nur dein persönliches Vergehen, es ist unser aller Vergehen).
Aber das macht nichts mehr. Das wird bereinigt zwischen uns. Du kommst wieder mit in unserer Einheit. Wir tragen dir nichts nach, zumal du auch uns etwas nachtragen könntest (was du nicht tust, weil du ja um Vergebung nachsuchst). Durch den Geist ist der Graben zugeschüttet, die Trennung überwunden.
Es ist also gut, sein Vergehen nicht mit sich allein ausmachen zu wollen, sondern mit einem Menschen - einem vertrauenswürdigen, dafür qualifizierten - zu sprechen.

5. WEM IHR DIE VERGEBUNG VERWEIGERT, DEM IST SIE VERWEIGERT
Unser Handeln ist immer das Handeln von IHM. Wenn wir das übersehen und uns durch Verurteilen vom nächsten Menschen absetzen, schädigen wir durch neues Trennen das Zusammenleben der Menschen. Wir werden also nicht aus der Einheit aussteigen und die Trennung unter uns noch verschärfen, womöglich im Namen der Gesellschaft oder im Namen des Gesetzes Gottes. Das wäre ein Missbrauch des Namens Gottes. Wir dürfen nicht in SEINEM Namen eine neue Trennung aufreißen.

6. WAS IST JETZT ZU TUN?
Immer nur das Eine: Die Einheit mit IHM in unserem Bewusstsein zu finden. Wie finden wir sie? Indem wir auf sein Wirken achten, es erkennen in dem, was geschieht; alles, was uns trennt (alle Vorstellungen, alles Verurteilen, arges Denken und Fühlen, Gedankenkonstruktionen) bleiben lassen; wir werden vor Ihm da sein, statt über Ihn nach denken. Das ist die Kontemplation. Dabei wird die Einheit unter uns allen hergestellt werden, die "Sünde wird vergeben".

Das haben die Apostel erkannt, da sie erkannten: Jesus ist auferstanden. Und das erkennen wir: Durch die Auferstehung, das Ewige Leben, ist die Trennung, die Sünde erledigt - vorbei. Also: Lasst den Menschen die Sünden nach! Beseitigt die Trennung, die noch in ihrer Erinnerung und ihrer Vorstellung ist!


"Richtet nicht - dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden".
(Matthäus 7,1-2)


"Täuschende Gedanken und Gefühle sind grenzenlos, ich gelobe, sie alle zu lassen"
Im Bericht vom Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern vor seinem Tod lesen wir:
"ICH BIN der wahre Weinstock, mein Vater ist der Weingärtner.
Jede Rebe, die ein Teil von mir ist, aber keine Frucht bringt, schneidet er ab.
Jede Rebe, die Frucht bringtputzt er aus, damit sie mehr Frucht bringt.
Auf Grund des Wortes, das ich zu euch gesprochen habe, seid ihr schon ausgeputzt.
Bleibt verbunden mit mir, so bleibe ich verbunden mit euch.
Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
ICH BIN der Weinstock, ihr seid die Reben.
Die mit mir verbunden bleiben, und die, mit denen ich verbunden bleibe,
bringen viel Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts fertig bringen.
Wenn ein Mensch nicht mit mir verbunden bleibt,
wird er weggeworfen wie die Rebe, und er verdorrt.
Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Wenn ihr mit mir verbunden bleibt
Und wenn meine Worte mit euch verbunden bleiben,
dann bittet um alles, worum ihr bitten wollt; ihr werdet es erhalten.
So wird mein Vater verherrlicht: Indem ihr reiche Frucht bringt.
So zeigt ihr euch als meine Jünger".
(Johannes 15, 1-8)

 
© Hannjürg Neundorfer nächstes Kapitel
gestalt: jouaux 1998