Hilfen zur Kontemplation nächstes Kapitel
 
 
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8. DAS IST DER NEUE BUND IN MEINEM BLUT

"Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis;
Dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sprach:
Nehmt, das ist mein Leib!
Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus.
Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird".
(Markus 14, 22-24)

So schreibt es der Apostel Paulus (1.Korinther 11, 25):
"Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, so oft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!"


1. DAS IST MEIN LEIB, DER FÜR EUCH HINGEGEBEN WIRD
Jesus sagt: "Mein Leib": Jesus spricht als Mensch, der IHN erfahren hat als die Grundlage seiner Existenz (er nennt ihn "VATER"). So spricht er als ein Mensch, der die Gegenwart von IHM selbst ist. Er sagt dies beim Mahl, weil er danach gefragt wird.
Damals sprach Jesus: "... Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus antwortete ihm: Schon so lang bin ich bei euch und du hast mich noch nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du da sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich ja nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir ist, vollbringt seine Werke. ... Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere tun, denn ich gehe zum Vater". Das schreibt Johannes in seinem Bericht über das letzte Mahl (Johannes 14, 7-12).
ER, Gott, der Vater lebt, und ich bin sein Ausdruck. Oder: Dass ich lebe, das ist das Leben von IHM. Und wir sind auch in dieses Leben eingefügt, grundsätzlich nicht anders als Jesus (wenn er "zum Vater gegangen" ist, treten wir an seine Stelle in der Welt).

MEIN LEIB: Brot und Wein sind der Leib des EINEN Gottes, der sich in Jesus gezeigt hat. Als solcher sagt das Jesus. Gott drückt sich im Brot und im Wein aus, wie in allen Dingen, wie in Jesus, wie in uns, allen Menschen. ER zeigt sich durch die Welt, die Welt ist sein Wort, sein Ausdruck, jedes Wesen hier ist seine sichtbare Gegenwart, auch das Brot, auch Jesus, auch wir ...

HINGABE: "Der Leib wird hingegeben" sagt uns: Das Brot, durch das ER sich ausdrückt und in der Welt ist, geht in uns auf, es schenkt sich uns. Es existiert und es wird "hingegeben" und verbraucht, damit wir leben können. So ist es auch mit den anderen Geschöpfen, so ist es auch mit uns Menschen: Wir existieren nicht nur mit einander, sondern für einander, durch einander.
Der Grund unserer Hingabe ist ER, der Grund der Welt.
Das gemeinsame Essen drückt aus: Wir sind ein einziges Leben, durch IHN.

2. DIESER KELCH IST DER NEUE BUND IN MEINEM BLUT
Der alte Bund ist der Bund, den die Israeliten und Gott am Berg Horeb im Gebirge Sinai geschlossen haben, der Bund eines Volkes von Menschen mit Gott. Mose hat ihn vermittelt. Sie haben ihre Existenz mit Gott verbunden ("wir leben nach deiner Weisung und du bist unser Gott"). Die Menschen von Israel werden eins mit IHM.
Jesus nennt den Becher mit Wein auf dem Tisch des Mahls der Befreiung den "Neuen Bund in meinem Blut, das für viele vergossen wird". Jesus erweitert die alte Vorstellung von der Verbindung und Erfahrung Gottes, die das Volk der Israeliten hat, auf die Einheit von Jesus, der mit IHM eins ist, mit den Jüngern und mit "den Vielen".

"Die Vielen", das ist unbestimmt, und aus der Praxis der Kirche von Anfang an sehen wir, dass damit die Menschen aller Völker gemeint sind, die in den Bund einbezogen werden. Da jeder Mensch ja der Ausdruck Gottes ist und durch SEINE Gegenwart schon zu ihm gehört, gerettet ist, heißt das, dass er in den Neuen Bund aufgenommen ist. Sogar jedes Geschöpf ist darin einbezogen - es ist ja eins mit allen durch das gemeinsame Da Sein und die gleiche Gegenwart Gottes. Nur: Sie wissen es nicht alle, sie richten vielleicht ihr Leben nicht danach ein, sie kennen Jesus Christus nicht. Wir werden es sie schleunigst wissen lassen, wenn wir können. Paulus sagt: "Die ganze Schöpfung wartet mit Stöhnen darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden." und: "Lasst alle Menschen eure Güte (die Qualität der Beziehung zu IHM) erfahren!"

Der Alte Bund wird so angesehen, dass sein Ziel die Rettung und Erleuchtung eines Volkes sei, oder vieler einzelner, die darin miteinander verbunden sind.
Der Neue Bund drückt die Rettung aller Menschen oder aller Geschöpfe aus.
Das Mitempfinden des Menschen, der IHN erfahren hat, erfährt diese Rettung durch IHN, der auch mein Leben ist; der Mensch kann nicht anders, als sagen: "Die Lebewesen sind zahllos, ich gelobe, sie alle zu retten" (Dies sagen die Mönche Buddhas täglich). Mit dem Mund von Jesus ausgesprochen: "Ich gebe mein Leben, mein SEIN, hin zur Rettung von euch hier, und von allen Wesen, die da sind. Ich bin ja ER, das GANZE, das EINE SEIN; denn wer mich sieht, sieht IHN, den Vater.
Ich lebe und sterbe für euch, die auch Seine Gegenwart sind, wie ich. Ihr seid mein Leib, mein Leben ("mein Blut" ist "mein Leben"), ihr seid also gerettet".
Alle Wesen sind der Leib von IHM, sind eins. Das erfahren wir, das ist die Erfahrung der Rettung, der Erlösung. Mit diesem Becher, aus dem wir trinken, wird das ausgedrückt und von uns erfahren.
Die Hingabe von Jesus - und auch von denen, die von diesem Becher trinken - heißt: Ich bin nicht interessiert an Selbstverwirklichung, daran, mich zu zeigen als Führer der Menschheit, nicht am Sammeln von guten Werken oder großen Taten, sogar: Ich bin nicht interessiert am individuellen Ewigen Leben (gibt es das denn so neben dem göttlichen Leben?). "Hingabe" heißt: Ich lebe für die Rettung aller Wesen, da ich in der Lebenseinheit mit ihnen allen bin, durch IHN. Das geschieht schon jetzt, nur in unserer Wahrnehmung sehen wir den Lauf der Geschichte als Nacheinander.
Wir, die mit essen und trinken, sind eins mit Jesus Christus. Das leben wir. Unser "Ich" tritt zurück.

Ich will sitzen und schweigen und hören, was Gott in mir spricht, jetzt. Dann wird aus dem Herumdenken das Schauen. Jetzt.

 
© Hannjürg Neundorfer nächstes Kapitel
gestalt: jouaux 1998