Jürgen Kuhlmann

Pfingstglaube in fünf Silben



Anlaß: Pfingstzeit; Firm-/Konfirmations-Vorbereitung
Botschaft: Irdische Geborgenheit verweist auf die Quelle
allen Urvertrauens, den Heiligen Geist.
Themen: Offenbarung aus Kindermund - Glück der Gebor-
genheit - die unheimliche Welt - Gebet zu "UNS"
Ziel: Der Hörer vertieft die kindliche Erfahrung.


"Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen hast Du Dir Lob bereitet" (Mt 21,16), rief Jesus einmal aus. Auch heute läßt sich zuweilen aus Kindermund eine ursprüngliche Offenbarung vernehmen - ursprünglich deshalb, weil den Kindern die Worte noch nicht abgegriffen und selbstverständlich geworden sind. Ein Kind kann da staunen, wo manchem Erwachsenen bloß ein blasiertes "Na und?" einfällt.

Wer ist der Heilige Geist? Über dieses Thema haben Theologen seit bald zweitausend Jahren viel Kluges gedacht. Heute will ich Ihnen stattdessen von der Einsicht eines christlichen Laien erzählen, der noch keine drei Jahre alt war. Er brachte es fertig, in fünf Silben eine Kurzfassung des Pfingstglaubens zu geben. Ich rate Ihnen, diese klassische Formulierung auswendig zu lernen und weiterzugeben; mir hat sie schon des öfteren geholfen.

Damit gebe ich dem Vater des Buben das Wort. Er berichtet: Draußen herrscht schmuddelige Dämmerung, gern kommen Vater und Söhnlein nach Hause. Nachdem Peter sein Mäntelchen aufgehängt hat, strahlt er mich an und sagt triumphierend: "Gell ich ghör zu uns."

Etliche Jahre ist das jetzt her. Doch statt zu verblassen, gewinnt die kleine Szene an Leuchtkraft. Die Tür fällt ins Schloß. Draußen bleiben Matsch, Nieselregen, Kälte und zunehmende Dunkelheit. Eine feindliche Welt, in der man sich verirren kann, riesig, undurchschaubar. Da gibt es böse Menschen und wer weiß was für bedrohliche Mächte, vor denen man Angst haben muß. Von überall her schreit, zischt oder schweigt es dir da entgegen: Du gehörst nicht dazu. Du bist fremd, du störst, oder wenn du geliebt bist, dann wie von der Spinne die Fliege ... Zum Glück ist die Tür jetzt zu und wir sind herinnen. Hier ist es warm und hell, bestimmt wartet in der Küche etwas zu essen. Und Mami. "Gell ich ghör zu uns!" - Soweit der Bericht des Vaters.

Was hat das Erlebnis dieses Kindes mit dem Heiligen Geist zu tun? Nun: Je reifer ein Mensch wird, um so weiter reicht sein Wir-Horizont. Familie, Freundeskreis, Stadt, Stamm, Nation, Kirche, Menschheit, Biosphäre - keiner dieser Kreise schenkt aber aus eigener Kraft das Glück, nach dem unser Herz sich sehnt. Sogar im kleinsten, der Familie, fühlt ein Mensch sich oft unverstanden und fremd. Nur von ganz innen kann Geborgenheit kommen.

Dem Theologen H. Mühlen verdanken wir die Einsicht, daß im dreifaltigen göttlichen Leben der Heilige Geist das Wir in Person ist. Zu seiner allumspannenden, lebenspendenden Gemeinschaft gehört jeder Mensch dazu, der sich nicht, durch gewollte Lieblosigkeit, selber ausschließt. Darum nehme ich Peters wunderschönen Satz als Gebet. Der Geist weht, wo Er will. Wenn ich mich bei irgendeinem herzlosen Apparat einmal wieder fremd und verloren fühle, öffne ich das Fenster, lasse mir vom frischen Hauch das Gesicht streicheln und sage zu IHR, der bergenden göttlichen Huld, voller Vertrauen: Gell ich ghör zu Uns!

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