Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb ab Dezember 2001
Lesejahr B 2002/2003

"Die Hochmütigen", nicht "die Juden"!

Statt einer Passionspredigt: Rat für Kirchenchöre, die in der Passionszeit "Tenebrae factae sunt" singen


Viele Komponisten haben diesen Teil der alten Karfreitagsliturgie vertont; in der zweiten Nokturn der Matutin antwortet der Chor mit diesem Stück auf eine Predigt des heiligen Augustinus gegen den Wahn der "übelwollenden Juden", die gegen ihren Arzt Christus wüteten statt sich von ihm heilen zu lassen. Daraufhin erinnert der Chor an Jesu Todesqual: "Finsternis brach herein, während die Juden Jesus gekreuzigt hatten."

Bei einer Probe war dieser Text mir auf einmal unsingbar. Er ist falsch. Und hat, samt anderen seinesgleichen, sich im Lauf der Jahrhunderte mörderisch ausgewirkt. Nicht "die Juden" haben Jesus gekreuzigt, mag ihrer auch eine Gruppe bei Pilatus auf seinen Tod hingewirkt haben. Spätestens seit dem II. Vatikanischen Konzil "darf man die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen" [Nostra Aetate, Art. 4]; vor jedem Wort müssen wir uns hüten, "das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geist Christi nicht im Einklang steht."

Sollen wir also "während die Römer Jesus gekreuzigt hatten" singen? Nun, auch die Marktfrauen Roms traf damals keine Schuld. Deshalb schlage ich vor, statt "Judaei" einfach "superbi" zu singen. So wird in den überlieferten Klang kaum eingegriffen und doch der theologische Punkt genau erfaßt. Nicht nur der Hochmut der damals Zuständigen sondern jeder andere, auch unser eigener, ist an der Kreuzigung schuld, "hat doch Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen."

12. April 2003


Hier ist ein Angebot für Freunde meiner Internet-Gedanken: Auf einer CD habe ich unter dem Titel "Christliches Stereo-Denken" alles, was auf verschiedenen Servern veröffentlicht ist, zusammengestellt und intern verknüpft sowie mit Bildern und Liedern angereichert. Außerdem sind sechs Bücher im WORD-Format dort zu lesen (die elektronischen Bücher Nr. 2,5,6,7,10 der Liste). Im Ganzen meldet der Rechner fast tausend Dateien. Ein Teil der Ernte von über vierzig Jahren Theologie steht zur Verfügung und kostet nur 8,50 Euro + Porto, insgesamt unter zehn Euro. Für Religionslehrer, Pfarrer und andere Profis eine Fundgrube, für deren Freunde eine sinnige Geschenk-Idee. Bestellungen bitte direkt an mich, um Verwechslung mit dem Müll zu vermeiden bitte mit klarem Betreff: CD-Bestellung. Seit Anfang Dezember 2004 ist die neue Auflage mit allem bisher im Netz Veröffentlichten verfügbar.


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/superbi.htm

Zurück zur Leitseite des neuen Predigtkorbes.

Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

Kommentare bitte an Jürgen Kuhlmann