Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb ab Dezember 2001

Auf den fremden Schatz lauschen!

Gedanken zum siebzehnten Sonntag im Jahreskreis


Kann jemand, der mit einem Griff zum Lichtschalter sein Zimmer hell macht, noch an so etwas wie Wunder glauben? So fragte in den 50er Jahren der angesehene evangelische Theologe Rudolf Bultmann und forderte die Entmythologisierung des Neuen Testaments. Die dort erzählten Wunderberichte seien nicht wörtlich zu nehmen; die Welt sei damals schon ebenso natürlich und in sich geschlossen gewesen wie heute, alle sagenhaft klingenden Berichte seien nicht mythisch gemeint sondern als heils-geschichtliche Offenbarungen, das heißt als Anreden an uns Menschen und also nicht als objektive Informationen über Weltliches zu verstehen sondern existential zu interpretieren: als Wort des Eigentlichen an mich, nicht über etwas sondern über mich selbst.

Mit Recht wurde Bultmann damals erwidert, daß er Unmögliches verlangt und mehr, als er selbst leistet: denn "Gottes Handeln" ist gleichfalls mythische Rede. Wollte man auch auf sie verzichten, bliebe von der christlichen Botschaft nichts übrig als lauer Humanismus: Seid nett zueinander! Die Erfahrung lehrt, daß ein Mensch das auf die Dauer und in Schwierigkeiten nur sein kann, wenn er im Mitmenschen mehr verehrt, als was die Wissenschaft ihm zeigt: ein hinfälliges Molekülsystem. Wie immer jemand dieses "Mehr" auch bezeichnet, wird jede solche Rede auf irgendeinen Mythus hinauslaufen. Deshalb heißt das notwendige Programm ehrlicherweise nicht Entmythologisierung sondern Ummythologisierung.

Statt als objektive Informationen über weltliche Richtigkeiten verstehen wir die biblischen Aussagen als geschichtliche Anrede der wirklichsten Wirklichkeit an uns selbst. Damit sie auf uns und unsere Zeitgenossen intensiver wirkt, übersetzen wir sie in heute geläufigere Vorstellungen, am besten so, daß es zu einem objektivistischen Mißverständnis gar nicht erst kommt, ihr symbolischer Sinn vielmehr unzweifelhaft klar ist. Daß die alten stories symbolisch gemeint sind, lernt heute schon jedes Kind. Niemand hat mehr Probleme mit der Frage, wie Jonas die Magensäure des Walfischs überlebt habe oder welche Geschwindigkeit bei Christi Himmelfahrt erreicht worden sei. Wer je sein Herz verloren oder verschenkt hat, weiß gut, daß symbolische Rede, wenngleich nicht buchstäblich, doch Wirkliches meint.

Wie kommt es zu einer Ummythologisierung? Sie geschieht täglich millionenfach, wo immer ein gläubiger Mensch sich oder anderen seinen Glauben verdeutlicht. Wer eine fast abgestürzte Datei wider alle Hoffnung doch noch retten konnte, hört vielleicht plötzlich eine Stimme von ganz innen: Fürchte dich nicht. ICH speichere dich. Überhaupt ist die Computerei ein Feld, wo Bultmanns Annahme einer streng in sich geschlossenen, geheimnisvollen Einflüssen unzugänglichen Naturkausalität sich zuweilen als Aberglaube erweist: wenn etwa ohne Anlaß, aus dem Nichts, ein Fehler auftaucht und, nachdem sein tiefer Sinn begriffen ward, ebenso grundlos wieder verschwindet ...

Ein Beispiel solcher Ummythologisierung wollen auch die folgenden Gedanken über die heutigen Lesungen sein. Jede für sich ist leicht verständlich, bedarf keines Kommentars, so daß fast die Aufforderung unseres Gemeindepfarrers angebracht wäre, der den Gottesdienstbesuchern neulich versicherte, eigentlich könnten sie sich die Predigt diesmal selber machen. Sobald man jedoch die drei Kernsätze der alten Texte jenseits ihres Ursprungssinns aufeinander bezieht, ergeben sie miteinander ein aufregend neues christliches Selbstverständnis, das zu einem hochaktuellen Lebensprogramm führen kann.

"Gib deinem Knecht ein hörendes Herz!"

"Die ihn lieben, denen wirkt Gott alles zum Guten zusammen."

"Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker."

In einer stillen Mondnacht gehe ich über das Stoppelfeld meines Nachbarn. Horch, was ist das? Da scheppert doch was? Ich halte an und lausche. Tatsächlich, es klingt wie Metall. Woher kommen die Töne? Ringsum ist ein leeres Ackerfeld. Ich versuche das Geräusch zu orten. Von unten kommt es! Sonderbar. Zum Glück habe ich meinen Stock dabei, lockere die Erde und grabe mit den Händen weiter. Die Töne sind verschwunden. Aber nach einiger Zeit stoße ich auf etwas Hartes. Aufgeregt lege ich es frei und finde eine alte Kiste voller Münzen und Schmuck, mittendrin ein Nest junger Wühlmäuse, anscheinend war die Mutter durch ein Loch in die Kiste gelangt und hatte den Jungen so einen idealen Spielplatz verschafft. Schnell schütte ich den Schatz wieder zu und merke mir die Stelle. Das Feld kaufe ich dem Nachbarn ab, gern löse ich dafür das Aktiendepot auf. Nicht um den Nachbarn zu betrügen; für den Erlös des Schatzes lasse ich endlich den Tiefbrunnen graben, den wir uns beide so wünschen.

Unwahrscheinlich mag die Geschichte sein, unmöglich ist sie nicht. Damit sie zum Gleichnis für das Reich Gottes tauge, kommt es auf Folgendes an: Erst gehört der Schatz dem Nachbarn, er weiß aber von ihm nichts. Dann höre und erwerbe ich ihn. Schließlich kommt er uns beiden zugute. Dies ist eine Grundstruktur der Beziehung Christ / anderer. Wie alles, kann auch sie auf mancherlei Weisen verdorben werden. Achtsam gelebt, bringt sie Segen.

"Gib deinem Knecht ein hörendes Herz!" Das Gebet des jungen Königs Salomo wird von Gott gelobt und erfüllt. "Man sieht nur mit dem Herzen gut", lernt der Kleine Prinz vom Fuchs. Uns kommt es jetzt nicht auf den Gegensatz von Hören und Sehen an. Daß die Juden auf Gottes Wort hören, die Griechen die göttlichen Ideen schauen, diese Akzentuierung hat nichts Trennendes, erst recht dürfen Christen - bei denen es "keinen Juden noch Griechen gibt" (Gal 3,28) - von beiden ihr Bestes lernen. Wichtig ist der Gegensatz von Ohr/Auge und Herz. Die Sinne erfahren Reales, in diesem Erfahrenen vernimmt ein Herz seinen SINN. Der läßt sich nicht beweisen, niemandem andemonstrieren. Doch wer ihn vernimmt, begegnet der Wahrheit. Und wer ihn nicht vernimmt? Jetzt heißt es auf Zehenspitzen denken, sonst tritt der wohlmeinende (?) Gläubige schnell in die riesigsten Fettnäpfchen. Zu dienen ist Jesus gekommen, zu dienen trägt er den Seinen auf - heißt es dienen, wenn ich mich auf einen erhöhten Gewißheitspunkt stelle und von dort aus einen geistlichen Habenichts salbungsvoll anquatsche? Solcher Hochmut sei fern! Dürfen wir die uns offenbarte Gewißheit aber verschweigen? Das widerspräche dem Missionsauftrag "Geht hin in alle Welt und lehrt alle Völker".

Aus der Zwickmühle hilft das Gleichnis vom gehörten Schatz. Wem Gott ein hörendes Herz gegeben und einen fremden Acker gezeigt hat, spanne das Ohr des Herzens an, bis der Klang des fremden Goldes ertönt. Das soll er dann aber nicht rauben. Allein um den Preis seiner Ehrfurcht vor der Wahrheit des andern hat er das Recht, sie gleichfalls zu erwerben - ohne daß der andere sie verliert. (Hier hinkt der Vergleich!) Gemeinsam erfreuen sie sich zuletzt an den Früchten, die das neugewonnene Brunnenwasser auf beiden Feldern sprießen läßt. Auf solche fein austarierte Weise "wirkt Gott denen, die ihn lieben, alles zum Guten zusammen".

Ist dieser Gedanke biblisch? Nicht die Verbindung von Hören und Schatz; die ist etwas Neues, was ein Schriftgelehrter aus seinem Vorrat holen darf, wie das Evangelium heute lehrt. Sachlich entspricht die Beziehung zwischen fremdem Schatz und christlichem Ohr jedoch der Beziehung zwischen Gottes Verheißungen und dem in Christus sich ereignenden JA (2 Kor 1,20). Jeglichen Sinn bekräftigt das in die Welt kommende WORT, keineswegs nur solche Sinnweisen, die bisher schon in der Kirche heimisch geworden sind oder das in Zukunft noch werden. "Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit - leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen." Jede Organisation, auch die Kirche, muß bei ihren Regeln auf Folgen und Weiterungen der Dinge achten, darf deshalb im Interesse des Ganzen nicht alles offiziell gestatten, was im Einzelfall dennoch gut, d.h. vom göttlichen JA umfangen sein mag. Der Christ muß keineswegs immer als Kirchenchrist auftreten; es kann sein, daß er im einen Gespräch einen fremden Schatz auffindet und gelten läßt, den er - wegen der Gefahr des Ärgernisses - ein andermal nicht bemerken darf. Heuchelei? Nicht unbedingt. Vielleicht situationsgemäßes Sprechen in einem Sinnfeld, wo es nicht um objektive sondern um existentielle Wahrheit geht, wo darum der Bezug zum Empfänger einer Botschaft Teil ihres Inhalts ist.

Ein Beispiel: Von zwei Liebenden ist er ein Christ, sie ein bekennendes Mitglied im "Humanistischen Verband Deutschlands", in dessen Regeln es heißt: "Mitglied im HVD können alle Menschen werden, die sich zu keiner Kirche oder Religion bekennen." Im vertrauten Gespräch werden beide sich eines Abends einig, daß sie einander auch geistig brauchen. Er gesteht ihr zu, daß es im Reich des Seienden Gott als die Person x+1 zusätzlich zu den x endlichen Personen ebensowenig gibt wie eine Figur namens Verdi auf der Aida-Bühne oder "dein Ich als eine Art Zelle y+1 zusätzlich zu den y Zellen die dich bilden." Auschwitz und der liebe Gott, das sei allerdings absurd, da könne er nichts mehr erklären.

Umgekehrt, räumt die Gottlose dem Christen ein, sei die Neunte Sinfonie als bloße Blase der Materie gleichfalls absurd. Angesichts der gigantischen Unmenschlichkeiten offizieller Atheismen des vergangenen Jahrhunderts begrüße sie es sogar, daß es auf Erden auch Fromme gibt: einfach weil sie öffentlich daran erinnern, daß Menschsein mehr ist als ein sinnloses Gewirr von Elementarteilchen. Mag das Bewußtsein sich auch zum Gehirn verhalten wie Urin zur Niere: irgendwie sei damit nicht alles über uns gesagt, insofern hätten die Religionen ihre bedeutsame Funktion.

Während sie einander mit den letzten Schlucken nochmals zuprosten, sind sie sich mehr eins als uneins, darin vor allem, daß gerade ihre offizielle Uneinigkeit wichtig ist, wie auf der Wippe: wenn da aus ökumenischem Übereifer sie zu ihm will, purzeln beide in den Staub.

Später, bei einer öffentlichen Diskussion, ist von solcher Einigkeit nichts mehr zu spüren, scharf verfechten beide den eigenen Standpunkt, statt der paradoxen Formeln von eben hört man jetzt (scheinbar) eindeutige Argumente: Ohne Gott wäre alles erlaubt / zu Gottes Ehre noch Schlimmeres / und Hitler und Stalin? / die waren beide nicht bloß getauft sondern gefirmt - usw.

Ist das aber nicht schäbige Doppelzüngigkeit? Nein. Die Sinn-Funktion war beide Male verschieden. Bei der ersten Begegnung traten er und sie als verbindende Brückenzellen zwischen zwei Sinn-Organen auf, bei der zweiten als trennende Grenzzelle je ihres Organs. Beide Funktionen sind notwendig und fordern je eine andere Sprache. Schlichter Biedersinn ist nicht die einzige Weise, aufrichtig zu sein.

Lernen wir es, bei jeder Begegnung auf den leisen Klang des fremden Schatzes zu lauschen und üben wir uns darin, ihn so für uns zu erwerben, daß sein Besitzer dank unserer Mühe mehr Frucht aus seinem Eigentum zieht, als ihm ohne sie gelänge. Und das ohne den geringsten Anflug von Hochmut. Denn ein hörendes Herz ist immer nur Geschenk, nie Besitz. Und ohne deinen Schatz wäre ich von meiner Nachtwanderung mit leeren Händen heimgekehrt.


Zum Weiterdenken:

Im LThK von 1959 erfährt man über Entmythologisierung:
... Das Schlagwort E. bezeichnet R. Bultmanns (B.) viel diskutiertes Programm einer methodisch begründeten krit. Interpretation des NT. Im Unterschied zu früheren Versuchen einer E., die mit der Mythologie das Kerygma selbst ganz od. teilweise eliminiert habe, zielt B. nachdrücklich darauf ab, dieses zu erhalten, näherhin durch die Anwendung des sachgemäßen hermeneutischen Prinzips die wesentlich mythologisch verfaßte Heilsbotschaft des NT in nichtmytholog. Ausdrucksweise dem heutigen Menschen als ein diesen angehendes u. in eine echte Entscheidung rufendes "Wort" verständlich zu machen.
1. Darstellung der E. Bultmanns. A. Die H a u p t v o r a u s s e t z u n g e n dieses Programms liegen auf verschiedenen Ebenen: 1) Auf Grund seines zwangsläufig durch die Naturwissenschaft bestimmten Wirklichkeits- u. Selbstverständnisses kann der heutige Mensch die ntl. Aussagen eines mythischen, d. h. eines das geschlossene Gefüge der natürl. Kräfte dem Eingriff jenseitiger Mächte öffnenden Denkens unmöglich als Behauptungen obj. Tatsachen akzeptieren. Dadurch sieht B. indes nur die längst dringliche Frage gestellt, ob die ntl. Verkündigung wirklich nichts als Mythologie ist. 2) Zu ihrer Beantwortung kam B. bereits im Rahmen seiner hist.-krit. Rekonstruktion der Entstehung der Christusbotschaft: als Träger der Willensforderung Gottes wollte Jesus mit der mytholog. Rede vom Kommen des Gottesreiches u. Menschensohnes eigentl. in zeitbedingter Ausdrucksweise das "Jetzt" des Eingreifens Gottes proklamieren: jetzt steht der Mensch in der letzten Stunde, in der Entscheidung zw. Gott u. der vergänglichen Welt. Jesus endete am Kreuz, ohne je Wunder gewirkt od. erfahren zu haben, ohne sich für den eschatolog. Heilbringer, den messianischen Menschensohn zu halten. Dieser wurde er erst nach dem Tode, als im Verständnis der ersten Jünger aus dem Verkünder der Verkündigte wurde. Indem diese den gekreuzigten Propheten als den auferweckten u. wiederkommenden Menschensohn verkündeten, bekannten sie ihren das Ärgernis des Kreuzes überwindenden Glauben, daß im Gekreuzigten Gottes Wort entscheidend u. endgültig begegne. Dieser ersten urgemeindlichen Deutung Jesu, durch den Menschensohn-Mythos folgte eine weitere auf hellenist. Boden, bes. durch die Übertragung des gnost. Erlösungsmythos auf den hist. Jesus. Sofern also die ntl. Christologie u. Soteriologie zeitgeschichtlich bedingter Ausdruck der Heilsbedeutsamkeit Jesu ist, wird das Prinzip der "Sachexegese" bereits namens der hist. Kritik präjudiziert, nämlich die Herausstellung des eigentl. Sinnes des Christusgeschehens durch den Abbau der mißverständlich objektivierenden Mythologie als bloßer Ausdrucksform. (A. Vögtle) ...
Das Zeugnis von der Offenbarung Gottes, die Schriften des AT u. NT sind im Rahmen sehr deutlicher mythischer Weltvorstellung geschrieben. Dank der prinzipiellen Unterscheidbarkeit von Mythos u. mythischem Weltbild u. mytholog. Rede ist möglich, was tatsächlich geschieht: das in mythischer Weltbildlichkeit Gesagte ist nicht nur selbst kein Mythos als Religion, sondern sein erklärter Gegensatz; es gilt von der Offenbarung: forma mythica antimythica dicuntur; vor allem aber: die Offenbarung behält durchaus Recht, Sinn u. Wahrheit, auch wenn das Weltbild wegfällt, mit dessen Hilfe u. Instrumentarium es ausgesprochen u. dargestellt wurde. Das mythische Weltbild will u. kann durch die Offenbarung nicht garantiert sein. Alle Theologie war insofern schon immer "E.", als sie es stets als ihre Aufgabe betrachtete, die überlieferten Sätze dahin zu befragen, was sie "eigentlich" besagen u. was nicht, u. als diese Fragestellung vor allem im Blick auf eine Unterscheidung zwischen Aussageinhalt u. Vorstellungsweise geschah. Die jeweils nur im einzelnen zu beantwortende Frage heißt also, wo im bestimmten Fall diese Grenze zu ziehen ist. Denn es kann auch eine "E." von Sätzen des christl. Glaubens geben, die nicht Kritik an der Vorstellung, sondern Leugnung der Aussage ist. Bei der Unvermeidlichkeit der (der Sache immer inadäquaten) Vorstellung für jede Aussage erzielt eine E., auch wo sie den wahren Inhalt nicht schädigt, nie einen Satz, der nicht selbst wieder der Kritik einer "E." ausgesetzt wäre. Da es jedoch bleibende urtümliche Vorstellungsschemen auch beim Wandel des naturwissenschaftl. Weltbildes gibt, wird man die Bedeutung u. Reichweite auch einer immer berechtigten E. nicht übertreiben dürfen. Denn das Problem der E. ist eigentlich das alte Problem der unaufhebbaren Einheit u. Differenz von Begriff u. Vorstellung. Wo aber die E. sich gegen das Denken u. Reden in Bild u. Gleichnis u. im Symbol richtet, muß bedacht werden, daß diese Aussageweise gerade in der Rede von Gott ihre adäquate Stelle u. bevorzugte Berechtigung hat. Sie entspricht dem Mysterium Gottes, das alles Begreifen übersteigt, von dem wir nur in Bild u. Gleichnis reden können; sie entspricht der auch in der Offenbarung noch anwesenden Verborgenheit Gottes u. der in der Geschichte sich ereignenden, aber das Gemeingeschichtliche transzendierenden Heilsgeschichte. - Wenn nach B. die Grundgestalt des Mythos u. des Mythologischen heißt: das Göttliche wird als Menschliches, das Jenseitige als Diesseitiges, das Unweltliche als Weltliches verstanden, u. wenn um dessentwillen die E. als existentiale Interpretation gefordert wird, so ist theologisch zu sagen, daß das Verhältnis Gottes zur Welt mit B.s Disjunktionen nicht völlig umschrieben werden kann. Gott ist unwelthaft u. welthaft zugleich, u. seine Heilstat hat sich bis in die "Welt" hinein ereignet. Die Einschließung des Religiösen in eine bestimmte Einzeldimension des Menschen, eben die des Existentialen, mythologisiert das Religiöse, entmythologisiert nicht. In der Rede von Gott u. seiner Offenbarung kann das Welthafte, Menschliche, Diesseitige nicht ausscheiden, denn Gott hat es angenommen. Man kann vom Gott der Offenbarung nicht anders als mythologisch reden, wenn man "mythologisch" so versteht, wie B. es tut. (H. Fries)

Christi Himmelfahrt kommunistisch verspottet:
"Vor mehr als neunzehnhundert Jahren
fuhr, meldet Luther, himmelwärts Herr Christ.
Jetzt, meldet TASS, ist Sputnik 3 gefahren.
Und hier ist klar, daß das kein Märchen ist."
[Junge Welt, 17./18.5.1958]

ICH speichere dich: ein Computer-Erlebnis 1987

Fehler: Wie ein Akzent auf einmal doppelt auftauchte und dann wieder verschwand.

Der Kleine Prinz: 1994 war sein Dichter 50 Jahre tot.

Gegensatz von Hören und Sehen: Siehe einen kleinen Essay von 1963.

Anquatschen: Auf dem Lukmanierpaß, der von Graubünden ins Tessin führt, wurde vor ein paar Jahren an einem flachen Hang gegenüber dem Gasthaus und der Postbusstation eine weiße Kapelle errichtet. Bevor man sie betritt, passiert man einen aufgerichteten Stein, auf dem zwei Sprüche zu lesen sind: "Groß sind die Werke des Herrn, kostbar allen, die sich an ihnen freuen" (Psalm 111,2) ... Das zweite Wort auf dem Schild am Lukmanierpaß - "Gott ist so groß und gerecht, daß er in jeder Situation auch für dich Hilfe bereit hält" - hat dagegen einen konkreten Adressaten, ohne den es sinnlos wäre. Es bietet religiöse Lebenshilfe und Zuspruch in einer schweren Situation, und es mag im Augenblick tatsächlich trösten und stärken. Der es spricht, nimmt eine Haltung der Gewißheit ein, die der Adressat womöglich verloren hat. Der Satz setzt also ein gewisses Ungleichgewicht voraus, ein Gefälle vom Sprechenden zum Hörenden. Jener steht, dieser soll aufgerichtet werden In einer solchen (seelsorglichen) Notsituation - und nur hier - hat dieses Wort seinen Platz. Aus diesem Zusammenhang herausgerissen, provoziert es aufgrund der Einsichts- und Gewißheitshierarchie, die es erst schafft, Widerspruch. Der Satz tut so, als wüßte er mehr als ich armer dummer Wanderer wissen kann. Es ist der Satz eines Eingeweihten, der suggeriert, er habe mir etwas mitzuteilen, das ich noch nicht weiß, eine Neuigkeit, eine gute Nachricht. Man könnte auch sagen: Er quatscht mich fromm von der Seite an. Es ist ein Satz der Marke: Ich habe Christus erfahren. Oder: Ich bin Gott begegnet. Oder: Jesus liebt auch dich. Glaube wird zu einer Tatsachen-Behauptung und fordert eine Antwort auf gleicher Ebene: "Du hast also Christus erfahren? Schön für dich. Ich nicht." (Christian Schuler, CiG 30/2002, 245)

JA

Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit: Schiller, Wallensteins Tod 2,2.

Hier geht's zur Vorstellung dieses Buches

Zwei Liebende: Dieses Buch erzählt die ganze Geschichte der beiden. Es läßt die kritische Anima und den gläubigen Christian ihr Gespräch so radikal führen, daß sie getrost heiraten können, wissend, daß ihre Gegen-Sätze dasselbe Geheimnis meinen. Ein passendes Hochzeitsgeschenk für ähnliche Paare. Evtl. Bestellungen während der Urlaubszeit bitte nicht direkt sondern über den Buchhandel, => Books on Demand.

Wippe: Eine solche Episode wird mit Absicht provoziert.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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