Hier (m)eine Melodie zu diesem Lied:

DAS QUELLENDE LICHT

Deine Zunge war verdorrt,
staubig dein Gesicht,
und du suchtest immerfort
das verborgne Licht.

Jenen Quell, der ewig frischt,
ewig sich kredenzt,
und mit seinem blanken Gischt
alle Nacht beglänzt.

Standst in grauen Pilgerschuhn
vor so manchem Tor.
Wie die Unbehausten tun,
starrtest du empor.

Wandtest dich und wurdest alt,
braunes Haar erblich.
Alle, die mit dir gewallt,
sie verließen dich.

Weißt es nicht, wer dich berief
noch wer dich verbannt,
nur daß dir in Träumen tief
einst ein Licht gebrannt.

Nun das dünne Licht verglomm,
bleibst du ungestillt?
Geist und Braut, sie sprechen: Komm!
Und das Wasser quillt.

(T: W. Bergengruen)

"Der Geist und die Braut sagen: Komm!  Und wer es hört, der sage: Komm!  Wer durstig ist, der komme! Wer will, empfange Wasser des Lebens gratis!“ (Offb 22,17) Das Wort "Geist" ist auf Deutsch und Lateinisch männlich, auf Griechisch sächlich, auf Hebräisch und Aramäisch weiblich. Wenn Jesus "im Hl. Geist jubelte" oder zu ihm betete, dann geschah das also nicht in oder zu "ihm", sondern  für Jesus  in ihr und zu ihr. Seit alters wird der Hl. Geist in der Kirche als die personhafte Liebe Gottes verstanden; der "Sohn seiner Liebe" (Kol 1, 13) hat allerdings in unseren Evangelien nie von einer göttlichen Mutter gesprochen; nur im nicht anerkannten Hebräerevangelium: "Sogleich ergriff mich meine Mutter, der hl. Geist, an einem meiner Haare und trug mich auf den großen Berg Tabor.“ Das klingt eher nach Tausendundeiner Nacht als nach Christentum; doch beweist es immerhin, daß die Vorstellung einer Mutterschaft des Hl. Geistes damals nicht ganz unbekannt war. Noch Hieronymus läßt sie anklingen: "Damit du nicht zweifelst, daß Gottes Wort und Sohn vom Hl. Geist geboren wird, erwäge Gabriels Worte an Maria: ‚Der HI. Geist wird über dich kommen’“ (PL 25,1281). Daran dürfen wir anknüpfen, um in einer nicht länger patriarchalischen Zeit unsere Vorstellung der Dreifaltigkeit aus einer himmlischen Dreimännerwirtschaft in eine unendlich harmonische  Familie zu verwandeln.


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Siehe auch des Abschreibers alten Predigtkorb von 1996 an,

seine kat-holische Theorie-Baustelle

sowie seinen Internet-Auftritt Stereo-Denken
samt Geschichte dieses Begriffs und lustigem Stereo-Portrait

Schriftenverzeichnis

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