Aloysius Winter:

DEUTSCHE PSALMODIE



[aus: Liturgisches Jahrbuch 10/1960, S. 35-43] [(Mein Zusatz, jk:) Ohne die Notenbeispiele, leider. Diese liturgische Höhe kurz vor dem Konzil verdient auch vierzig Jahre nach ihm noch (und wieder) Beachtung.]

Vorbemerkung der Schriftleitung. Wir sind uns bewußt, daß die hier berührten Fragen sehr verschieden beantwortet werden. Wir wünschen aber vor allem jede Initiative zu fördern, die einen Weg zum Psalmensingen in den Gemeinden zu bahnen verspricht. Deshalb veröffentlichen wir diesen Bericht aus dem deutschen Kolleg in Rom, der im übrigen für sich selbst sprechen soll.

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Der hier vorgelegte Versuch einer deutschen Psalmodie soll ein Beitrag sein zur Lösung des wichtigen und dringlichen Problems, der deutschen Sprache angemessene eigenständige Melodien zu finden, um die vielen inspirierten Lieder der Kirche als Gesänge auch für die Muttersprache zu erschließen. Unsere Psalmtöne sind ganz aus der Praxis heraus entstanden und haben unerwartete Zustimmung gefunden, was uns ermutigt, sie hier als praktischen Vorschlag der Öffentlichkeit zu unterbreiten.

Unsere Psalmtöne sind von einer fast kindlichen Einfachheit und Schlichtheit. Sie sollen die Herzen der Sänger und Hörer aufschließen und freimachen und gleich zeitig ein dem Psalm entsprechendes melodisches Klima schaffen, innerhalb dessen der Text ganz und ungeschmälert und dabei in einer ungewöhnlichen Plastizität zur Geltung kommt. Die Melodien wollen in diesem Sinne eine rein dienende Funktion ausüben und keine Eigenprobleme aufwerfen. Daher rührt es denn auch, daß die Melodien, für sich genommen, den Eindruck der Unscheinbarkeit und Anspruchslosigkeit erwecken, aber in Verbindung mit dem Psalmtext (wir verwenden die Übersetzung von Romano Guardini) zu leben beginnen und kein Bedürfnis nach Abwechslung aufkommen lassen trotz der dauernden versweisen Wiederholung, die wir wegen ihres meditativen Charakters von der lateinischen Psalmodie übernommen haben.

Das System

Unsere deutsche Psalmodie kennt sechzehn verschiedene Töne, die sich alle in pentatonischen Tonstufen bewegen. Im Gegensatz zum Gregorianischen Choral liegt die Besonderheit eines jeden dieser Töne im Intervall zwischen dem Tenor des ersten und dem des zweiten Halbverses. Dieser Tenorwechsel läßt den Parallel- oder Gegengedanken in der zweiten Vershälfte sich plastisch von der ersten Hälfte abheben und kommt so der Eigenart der hebräischen Poesie entgegen. Es hat sich nun ergeben, daß die verschiedenen Tenorabstände von der Sekunde bis zur Oktav in Aufwärts- oder Abwärtsbewegung (das ergibt zusammen sechzehn Möglichkeiten, wenn man die große und kleine Terz gesondert verwendet) jedem dieser Psalm-töne seinen besonderen Stimmungsgehalt verleihen. Wir werden darum versuchen, nach der Darstellung der formalen Seite unserer Psalmodie eine kurze Charakteristik der einzelnen Töne zu geben.

In der Übersicht (auf den Seiten 37 und 38) verweisen die Bezeichnungen der einzelnen Töne auf den betreffenden Tenorsprung, wobei gleichzeitig die Auf- oder Abwärtsbewegung angedeutet ist; g 3 abwärts bedeutet also, daß der Tenor des zweiten Halbverses eine große Terz unter dem des ersten Halbverses liegt. - Wenn hier von Halbversen die Rede ist, dann betrifft das den gewöhnlichen Fall eines zweiteiligen Verses. Ist er dreiteilig, dann wird der erste Teil der Notenzeile (die "Flexa", vor dem großen Trennungsstrich) hinzugenommen, der sonst nicht mitgesungen wird. - Die Töne 2 und 4 beanspruchen nur eine Notenzeile, weil die männlichen (= einsilbigen) Schlußformen einfach durch Weglassen einer der beiden gleichen Schlußnoten entstehen, was durch die Einklammerung angedeutet ist. Bei den anderen Tönen wird für den männlichen Schluß wohl auch eine Note überschlagen, aber weil sich das rhythmische Bild ändert, findet man diese männlichen Schlüsse in einer besonderen Unterzeile aus geschrieben, einige Male auch für den ersten Halbvers. Die Note mit dem langgezogenen Kopf steht für die erforderliche Zahl von Noten gleicher Höhe und kennzeichnet den Tenor.

Bei einer Reihe von Tönen beginnt der zweite Halbvers mit einem melodischen "Ansprung", der nicht unbedingt einsilbig sein soll. Er wird gegebenenfalls durch mehrere Silben (auch durch mehrere Worte) hingezogen, und erst bei einem besonders betonten Wort wird der Tenor erreicht. Ist der Vers zu kurz, dann läßt man den Ansprung weg und beginnt gleich auf dem Tenor:

Alle Töne (auch die meisten Halbverse) enden mit einer Gruppe von drei Noten und einer oder zwei darauffolgenden Dreiviertelnoten, je nach dem, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Schluß handelt. Die Pause zwischen dem ersten und zweiten Halbvers, die wir durch eine divisio minor dargestellt haben, ist ebenso wie die Pause, die zwischen den einzelnen Ganzversen entsteht, als Dreiviertelpause zu betrachten. Ihr dritter Schlag wird gegebenenfalls als Auftakt verwendet. Nach der Flexa (dem ersten Teil eines dreiteiligen Verses) wird jedoch nie eine Pause eingelegt.

In diesen Zusammenhang gehört auch die rhythmische Gestalt unserer Psalmodie. Der Rhythmus folgt dem natürlichen Rhythmus der freirhythmischen Sprache der Psalmübersetzung von Romano Guardini und mündet an den jeweiligen Halb- und Ganzversschlüssen in den eben besprochenen Dreiertakt ein. Die jeweils folgende (und genau einzuhaltende) Dreierpause (u. U. mit Auftakt) hat dann die Aufgabe, eine gute Überleitung in den freien Rhythmus des Anfangs des folgenden Versteiles zu bieten, der seinerseits wieder im Dreiertakt schließt usw. Sehr wichtig ist es dabei, daß die verschiedenen Hebungen sowohl der Zweier-, Dreier- und Vierergruppen in den freirhythmischen Teilen als auch die Schlüsse im Dreiertakt in etwa gleichmäßigem Abstand in einem ruhig schreitenden Tempo aufeinander folgen. Dadurch werden die Vierergruppen etwas beschleunigt und vor allen Dingen die Zweiergruppen etwas gedehnt und damit unterstrichen, was bei der Guardiniübersetzung dem Sinn durchaus entspricht. ... Das ist als Richtschnur gedacht. Man soll dabei trotzdem keine mathematische Gleichförmigkeit anstreben, weil der Gesang dann seine Lebendigkeit einbüßen würde.

Um nicht bei jedem Psalmvers eine neue Notenzeile verwenden zu müssen, benutzen wir vier Lesezeichen, die über der Textzeile stehen und den Melodieverlauf eindeutig festlegen:

Strich aufwärts = steigende Note

Strich abwärts = fallende Note

Häkchen aufwärts = steigende Doppelnote (Podatus)

Häkchen abwärts = fallende Doppelnote (Clivis)

Die männlichen Schlüsse, die eine eigene Schlußformel bilden, sind durch Unterstreichung gekennzeichnet.

Welcher von diesen sechzehn Psalmtönen kommt aber nun für einen gegebenen Psalm in Betracht? [ich habe in die Notenzeilen die Nummern jener Psalmen (nach heutiger Zählung) eingetragen, die wir in Rom auf diesen Ton sangen; jk]

Die Eigenart eines jeden der sechzehn Töne ist bestimmt einerseits durch das Intervall des Tenorwechsels, zum anderen durch die Richtung des Tenorsprunges (auf- oder abwärts) und endlich natürlich auch durch die melodische Ausgestaltung. Das Intervall entscheidet über die "Farbe" des Tones, über das "Klima", das er schafft; die Bewegungsrichtung ist dagegen mehr von grundsätzlicher Art und kennzeichnet ganz allgemein ein mehr oder weniger an Reflexivität und innerer Dynamik.

Im einzelnen kann für den Anfang folgende kurze Charakteristik der einzelnen Töne einen Anhaltspunkt geben:

Aufwärtstöne

Allgemein: dynamisch, unmittelbar, sich aussprechend, unreflexes Beten, vorwärtsschauend, vorwärtsstrebend, weg vom Ich, objektiv

2: : Ruhe und Nüchternheit (auch durch die Hoffnung verklärte Trauer)

k3: Verwunderung und Staunen (Farbwechsel zwischen erzählend, klagend, bittend)

g3: Ruhige Ergebung (abgeklärt und zuversichtlich)

4: : Schlichte, demütige Kindlichkeit (Vertrauen, Reue und Bekenntnis)

5: Königslied (Quint; berichtend, sicher, unbeschwert, strahlend)

6: Jubellied (freudig bewegtes Rühmen Gottes)

7: Geborgenheit und Zuversicht (getröstete Besorgnis)

8: Klagelied (Einsamkeit, Verlassenheit)

Abwärtstöne

Allgemein:: ruhig, reflexiv, meditativ, sammelnd, zurückschauend, in sich versunken, subjektiv

2: Schlichte Betrachtung (einfach und zufrieden)

k3: Inständiges Flehen (Bitte um Hilfe, Vorwurf, Gebet um Bestrafung der Feinde)

g3: Inniges Gespräch (Reue, Sehnsucht, Advent, das zarte Rufen Gottes)

4: Zuversichtliches Danklied (freudiges Rühmen der Großtaten Gottes)

5: Besinnliches Künden der Herrlichkeit Gottes

6: Frohes Erzählen der Wohltaten Gottes (gemäßigter als 8 abw.)

7: Ernste Erwägungen (Feindesgefahr, Sünde, Strafandrohung)

8: Farbenfrohes Ausmalen der Vielfalt der Schöpfung.

Diese Liste läßt sich noch sehr viel weiter ausgestalten, was der Entdeckerfreude des Lesers überlassen bleiben soll.

Es ist nun an sich technisch möglich, jeden Psalm in jedem Ton zu singen, wenn man von den wenigen Psalmen absieht, deren Verse so kurz sind, daß man die etwas längeren und komplizierteren Töne nicht mehr ohne weiteres verwenden kann. Vom Sinn des Psalms her wird allerdings die Auswahl erheblich eingeschränkt. Immerhin bietet sich hier die Möglichkeit, einen Psalm abwechselnd in mehreren Tönen zu singen und ihn dadurch jeweils verschieden gedeutet zu erleben. Das ist eine wertvolle Hilfe für das ganz persönliche, betrachtende Vertrautwerden mit den Psalmen. Vielleicht ist aber doch für das Singen in der Gemeinde die andere Möglichkeit vorzuziehen, sich bei jedem Psalm auf den Ton festzulegen, der am ehesten zu ihm paßt, damit sich so dieser Psalm durch gelegentliche Wiederholung als Lied dem Gedächtnis einprägt.

Die praktische Ausführung

Die Praxis ist einfacher, als es die Theorie zu sein scheint. Die Ausführung unserer Psalmodie ist so leicht, daß jemand, der ein vorbereitetes Textexemplar zur Hand nimmt, schon nach Anhören weniger Verse in der Lage ist, mitzusingen. Für die Vorbereitung des Psalmtextes ist allerdings einige Sorgfalt angebracht. Wenn man den Psalm von der ganzen Gemeinde singen läßt, ist es erforderlich, den Text mit den nötigen Lesezeichen (und Unterstreichungen für die männlichen [= einsilbigen] Schlüsse) zu versehen und zu vervielfältigen.

Sollen nur Vorsänger den Psalm singen, dann genügt es, wenn nur sie und der Organist sich in ihrer Psalmtextausgabe mit Bleistift diese Zeichen eintragen. Wenn zwischen den Zeilen nicht genügend Platz ist, können die Strichlein und Häkchen an den Vokalen selbst angebracht werden.

Wenn man nun so den Gang der Melodie festlegen will, dann ergeben sich oft mehrere Möglichkeiten der Ausführung; ob man z. B. einer Silbe eine Doppelnote mit Bindebogen geben oder ob man diese Notengruppe auf zwei Silben aufteilen soll. Manchmal sind auch beide Schlußformen, die männliche und die weibliche, möglich. Hier ein verwickeltes Regelwerk geben zu wollen, hieße Schwierigkeiten zu schaffen, wo keine sind. Das gesunde Empfinden, das sich auf den Sinn des Textes stützt und für ihn einen wohlklingenden Ausdruck sucht, findet ohne weiteres den richtigen Weg. Ebenso ist die Frage, wo die Hebungen im Vers zu suchen sind, nicht immer von vornherein eindeutig zu beantworten. Grundsätzlich ist es besser, eher größere als kleinere Abstände für die Hebungen zu wählen, wenn beides sich vom Sinn des Textes her als möglich erweist. Dadurch bleibt der Gesang im Fluß, und die Zweiergruppen werden für die entscheidenden Worte reserviert. Es können sich, wie die Erfahrung zeigt, mehrere Sänger in kurzer Zeit so einsingen, daß sie in der Lage sind, ohne jedes Hilfszeichen einen gegebenen Psalm in irgendeinem Ton im großen und ganzen auf die gleiche Art auszuführen. Natürlich soll man es auch bei den erfahrensten Vorsängern nicht darauf ankommen lassen, nur um sich die Vorbereitung zu ersparen.

Soll der Psalm von Vorsängern gesungen werden, dann ist ein Kehrvers für die Gemeinde zu suchen oder zusammenzustellen. Manchmal eignet sich ein Lied schluß, meistens ist es besser, irgendein wichtiges Motiv des Psalmes zu nehmen, es so kurz wie irgend möglich zu lassen und es so zu vertonen, daß die Melodie nur den Text unterstreicht. Der Kehrvers soll kurz und einprägsam sein, damit er von der Gemeinde sofort, nachdem ihn die Vorsänger einmal vorgetragen haben, wiederholt werden kann. Es muß aber hier ausdrücklich vor unkundigen Antiphonbasteleien gewarnt werden, die alles verderben können.

Die praktische Ausführung geht dann so vor sich, daß die Vorsänger (möglichst nicht mehr als zwei, der deutlicheren Aussprache wegen) bei leiser Orgelbegleitung zunächst den Kehrvers singen. Die Gemeinde wiederholt ihn sofort, auch wenn sie ihn vorher nicht kannte. Die ersten Male kann man auch ein Zettelchen mit dem Kehrvers austeilen, um sicher zu sein. Hierauf singen die Vorsänger einige (zwei oder drei) Verse, und die Orgel setzt wiederum laut ein zur gemeinsamen Wiederholung des Kehrverses, zum letzten Mal nach dem "Ehre sei dem Vater".

Wenn die Gemeinde selbst einen Psalm singen soll, dann ist es in der ersten Zeit gut, eine Übung vorausgehen zu lassen, wenn der gleiche Psalm nicht schon sehr oft vorher von Vorsängern gesungen worden ist (und auch dann ist es noch sehr ratsam). Der Psalm wird dann nur von Vorsängern angestimmt, im übrigen wird er seitenweise abwechselnd von der Gemeinde ausgeführt. Die Gemeinde wird im Laufe der Zeit ihre eigene Weise finden, die Psalmen zu singen; und die Melodien vertragen (im Gegensatz zur lateinischen Psalmodie) eine derartige eigenständige Färbung durchaus. Gewöhnlich sind nur die Vorsänger in Gefahr, in Anlehnung an das lateinische Vorbild, wenn dieses bekannt ist, die Schlußnoten nicht voll auszusingen, was aber unbedingt anzustreben ist. In jedem Fall versuche man, das etwa gleich mäßig schreitende Aufeinanderfolgen der einzelnen Hebungen bei den Übungen mit der Gemeinde durchzuhalten.

Wir wollen an dieser Stelle noch eine Mischform zwischen dem Vorsänger- und Gemeindegesang erwähnen, die zeigt, wie ein bestimmter Psalm auch seiner Eigen art gemäß gestaltet werden kann. Vor einiger Zeit haben wir den Psalm 135, dessen Verse alle mit den Worten endigen: "denn ewig währt sein Erbarmen", so gesungen, daß die Gemeinde jeweils diesen zweiten gleichbleibenden Versteil übernommen hat, während die Vorsänger abwechselnd in den Tönen 2 aufwärts und 2 abwärts die Versanfänge sangen. Also:

Die Verwendungsmöglichkeiten

Ein kurzes Wort am Schluß noch darüber, bei welchen Gelegenheiten unsere Psalmodie verwendet werden kann. Die einfachste Form, mit der man am besten beginnt, ist die Andacht.. Ein Psalm wird von den Vorsängern gesungen, die Gemeinde wiederholt zwischendurch ihren Kehrvers. Später kann man diesem Psalm etwa noch das Magnificat folgen lassen, das von der Gemeinde seitenweise abwechselnd gesungen wird. Wenn die Andacht noch etwas länger dauern darf, kann man sehr gut eine Lesung einfügen. Am Schluß singt der Priester die Oration ebenfalls in deutscher Sprache.


Es folgt noch ein neuer Psalmton k3\-2, der für den Katholikentag 1962 in Hannover zur Gedenkfeier in Bergen-Belsen konzipiert wurde:



Prof. und Rektor em. Dr. A. Winter lebt in 36041 Fulda, Haimbacher Str. 45 (Fax 0661 3802870).
Ausführlicher dargestellt hat er seine Psalmodie in Heft 13 der Reihe »Lebendiger Gottesdienst«, erschienen 1966 im Verlag regensberg (Münster), mit einem Geleitwort von Prof. Emil J. Lengeling:

"Die von Dr. Alois Winter vorgelegten kurzen Antiphonen für die Festzeiten des Kirchenjahres und zum Commune Sanctorum können von der Gemeinde ohne Schwierigkeit dem Kantor oder der Schola nachgesungen werden, zumal sie sich gewöhnlich in einem bestimmten Zeitraum wiederholen. Ich bin überzeugt, daß man die Melodien gern singen wird.

Ein besonderer Wert kommt den hier veröffentlichten Melodien für den Psalmengesang zu. Sie haben sich bereits seit etwa acht Jahren im Collegium Germanicum, wo sie der Verfasser als Choralmagister schuf, sehr bewährt, zunächst - wegen der damals geltenden Vorschriften - in Andachten.

Die Vertonung steht in der Mitte zwischen den Modellen, die sich, wie z. B. die besonders in Südwestdeutschland seit Wessenberg eingebürgerten Töne, eng an die lateinische Psalmodie halten, und den neueren Versuchen, die einen höheren Schwierigkeitsgrad aufweisen und überdies, ähnlich wie die Psalmodie J.Gelineaus, meist zwei oder drei Psalmverse zu Strophen zusammenfassen. Besonderen Reiz verleiht ihr der Wechsel des Tenors in der zweiten Vershälfte."


Mir mit am liebsten ist der Hirtenpsalm 23 im Ton 4 aufwärts. Ohne ihn je zu lernen, habe ich ihn auswendig an vielerlei Orten gesungen. Man bedenke: Mit den Psalmworten hat Jesus gebetet! Hier die Kopie meines römischen Originals mit den Zeichen von Alois Winter:



Zum Singen eignen sich die Guardini-Psalmen am besten (nicht die - von einem Komitee erstellte - Einheizübersetzung). Zum persönlichen Beten nutze ich gern die Übersetzung des Arbeiterpriesters Hannjürg Neundorfer. Er hat jahrelang im Trafowerk Nürnberg geschuftet und ist, als Schüler von Willigis Jäger, Meditations-erfahren.

Hier z. B. seine Wiedergabe von Psalm 77,4-12. Der Unterschied zur gutgemeinten offiziellen Fassung springt in die Ohren:

»4 Ich denke an Gott und weine,
ich klage, doch mein Mut zum Leben gibt nicht auf.
5 Nachts kann ich nicht schlafen,
aufgewühlt bin ich, und kann nicht reden.
6 Die alten Zeiten gehen mir durch den Kopf,
die längst vergangenen Jahre.
7 In der Nacht rede ich vor mich hin
und mein Gemüt tappt herum.
8 Wird mein Herr mich für immer hängen lassen?
Wird er mich nie mehr gnädig annehmen?
9 Ist seine Huld auf die Dauer dahin?
Ist seine Zuneigung für alle Zeiten zu Ende?
10 Hat Gott vergessen, gut zu sein,
oder hat er sich im Zorn verschlossen
und aufgehört, sich zu erbarmen?
11 Doch, um mich zu beruhigen, sage ich:
Ich denke an die Jahre, da der Höchste offen wirkte;
12 ich denke an sein wunderbares Wirken,
ja, an deine Wunder von Anfang an.«

Das Buch "LOBLIED AUF IHN" (Übersetzung aller Psalmen und einiger anderer Bibel-Stücke, leider voller Druckfehler, die sich aber leicht korrigieren lassen) ist für 15 Euro erhältlich beim Autor Hannjürg Neundorfer, Spiegelgraben 39, 96052 Bamberg, Tel./Fax 0951 6010169.


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/psallite.htm

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Siehe auch des Einstellers alten Predigtkorb von 1996 an,

seine kat-holische Theorie-Baustelle

sowie seinen Internet-Auftritt Stereo-Denken
samt Geschichte dieses Begriffs und lustigem Stereo-Portrait

Schriftenverzeichnis

Kommentare bitte an Jürgen Kuhlmann