Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb
Lesejahr B

Will Gott Opfer?

Gedanken zum zweiten Fastensonntag


A

Will Gott Opfer? Hat Er von Abraham wirklich gefordert, seinen Sohn zu schlachten, und den Befehl erst im letzten Moment zurückgenommen? Um dann, zweitausend Jahre später, eben das Opfer, das er dem Isaak ersparte, an Jesus blutig zu vollziehen? "Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont", hören wir in der zweiten Lesung. Hat Jesus uns durch sein Blut erlöst, weil sein himmlischer Vater zur Sühne unserer Sünden an ihm das äußerste Opfer vollstreckt hat?

Die Frage spaltet das Gottesvolk, von Anfang an. Den einen ist wichtig, was sie im Hebräerbrief lesen: "Jesus hat durch das Blut eine ewige Erlösung vollbracht (9,12) und unser Gewissen von toten Werken gereinigt (9,14; 13,12). Durch dieses Blut haben wir Zuversicht (10,19), und es ist das Blut des neuen und ewigen Bundes (10,29; 12,24; 13,20). In fünf Kapiteln (9-13) gebraucht der Hebräerbrief das Wort Blut 17mal. Nach ihm treffen sich der alte und der neue Bund folglich darin, daß bei beiden das Blut eine entscheidende Rolle spielt." Und bei jeder heiligen Messe werden die früher geflüsterten Wandlungsworte laut verkündigt:

"NEHMT UND TRINKT ALLE DARAUS.
DAS IST DER KELCH
DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES,
MEIN BLUT, DAS FÜR EUCH
UND FÜR ALLE VERGOSSEN WIRD
ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN.
TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS."

Durch das ganze Neue Testament zieht sich die Vorstellung der Erlösung durch Christi Blut, in zahlreichen Liedern hat sie sich ausgedrückt, seit 1849 feiert die katholische Kirche das Fest des kostbaren Blutes.

Andere widersprechen: Nein, Gott will von uns nicht Opfer sondern allein unsere freie Antwort auf seine Liebe, die uns erlöst aus aller Angst vor Gewalt und Überforderung. Schon Jesus beruft sich auf die Opferkritik des Propheten Hosea (6,6): "Liebe will ich, nicht Opfer!" (Mt 9,13; 12,7). In der Neuzeit schwillt diese Stimmung an, der junge Goethe läßt seinen Prometheus spotten:

"Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren."

Viele Christen, vor allem Christinnen, schaudert es vor einem Gott, der ohne blutige Sühne nicht verzeihen will: "Ich glaube, daß es vielen heutigen Menschen wie mir ergeht: daß sie mit der gängigen 'blutrünstigen' Opfer-Theologie nichts mehr anfangen können. Menschen wären da nämlich Gott moralisch überlegen, soweit sie ohne jede Gegenleistung verzeihen können: etwa Eltern, die wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn handeln können."

Dagegen besteht auf derselben Seite einer katholischen Zeitschrift ein Theologe darauf, "daß das Entscheidende des Kreuzes-Opfers Jesu Christi ist, daß er aus Liebe zu Gott und dem Menschen sich für uns hingegeben hat. Ich halte mit der Schrift daran fest, daß dies dem Willen des Vaters entsprach. Und dies ist nicht das archaische, zu überwindende Erbe des Christentums. Damit steht und fällt unser Glauben."

Über diese Spannung nachdenkend, dürfte es vielen von Ihnen wie mir ergehen, daß Sie in Ihrem Glauben beide Seiten finden. Was sollen wir tun? Wer die eine oder andere Wahrheit ausblenden wollte, würde zum Häretiker - "Auswähler" bedeutet dieses Wort. Müssen "Rechtgläubige" somit innerlich gespalten sein, sich zu Widersprüchen bekennen, im Grunde überhaupt nicht wissen, was sie nun eigentlich glauben? Das wäre ein trauriger Zustand, unwürdig eines Erlösten. Folglich muß es möglich sein, auch bei der Frage "Opfer oder nicht?" eine klärende Unterscheidung zu finden, dank welcher die Bedeutung des Wortes "Opfer" sich in zwei Sinndimensionen zerlegt, deren eine mit ebenso vollem Recht vom Glauben als Unsinn verneint wird, wie er die andere bejaht. Erst wenn Theologie das erreicht, ist sie Glaubens-Verständnis.

B I. Opfer nein

Blutige Menschenopfer begleiten die Menschheit seit ihren Ursprüngen. Ob man sie Göttern darbrachte, um sich ihre Gunst mit dem Liebsten was man hatte zu erkaufen; ob sie für einen als absolut geltenden Wert sterben müssen, der göttlich zwar nicht heißt aber eben durch die Opfer tatsächlich vergötzt wird, darauf kommt es nicht an. Unsere "Zuvielisation" (L.Frambach) ist aus der schändlichen Tradition der Menschenopfer nicht ausgestiegen.

Im 1. Weltkrieg zogen Hunderttausende begeistert für den Gott "Nation" in die Schlacht und wurden auf dem "Altar des Vaterlandes" buchstäblich hingeschlachtet. Heute, auf unseren Straßen, werden Jahr für Jahr Hekatomben von Verkehrsopfern für den Gott "Geschwindigkeit" dargebracht. Das Auto gehört längst zur "Kult-Sphäre" des modernen Menschen. Und wie steht es mit den Abtreibungsopfern für den Gott "Selbstbestimmung"? Wir haben wenig Grund, uns über die angeblich Primitiven zu erheben.

Jesus hat mit der Gewalt eines Gottes, der sich an Blut ergötzt und von Menschen als Preis für sein Wohlwollen verlangt, andere oder sich zu opfern, ein für allemal Schluß gemacht. Leider haben die Urchristen, die ja ringsum bei Juden wie Heiden die Opferaltäre rochen, es so deutlich nicht gesagt sondern ihre furchtbare Frage "Warum mußte Jesus so entsetzlich sterben?" immer noch mit Hilfe des ihnen vertrauten Gottesbildes sich beantwortet, obwohl Jesus das gerade überwunden hatte. Vermutlich waren es "die Mitglieder der Priestergruppe, die sich (nach Apg 6,7) der jungen Christengemeinde anschlossen und mit ihrem Wissen um den jüdischen Opferkult die Antwort auf die die Christen der ersten Stunde bedrängende Frage mitzubringen schienen ... Er starb als das alle früheren Opfer unendlich überbietende Sühneopfer 'nicht nur für unsere Sünden, sondern für die Sünden der ganzen Welt' (1 Joh 2,2)."

Die Lösung war gut gemeint, hatte aber schlimme Folgen. Statt alle Blutgötzen aus ihren Tempeln zu verjagen hat die Christenheit ihren Gott schon bald als solchen dargestellt. Um der Reinheit des Glaubens willen wurden Heidenvölker mit dem Schwert missioniert, Hexen und Ketzer lebendig geröstet, Juden ermordet. Warum auch nicht? Stand der Herr am Karfreitag auf Blut, gehört diese Vorliebe anscheinend zu seinem Wesen und bleibt wahr; erlösen wir also in seinem Sinn die Welt durch Blutvergießen.

Nach zweitausend Jahren durch den Holocaust aufgeschreckt, hat die christliche Theologie den Irrweg durchschaut. Gott ist kein Gott der Gewalt. Daß Jesus als Sühn-Opfer für unsere Sünden starb: dieser Gedanke hatte für die Urchristen einen wahren Sinn, weil der für sie noch selbstverständliche Gottesbegriff durch diese Deutung an sein Ende gezwungen wurde. Jesu Opfer ist das letzte, faßt alle früheren zusammen und überbietet sie. "Er hat ein für allemal die Sünde getilgt und die Menschen mit Gott versöhnt ... Indem Jesus durch sein eigenes Blut die Sünden aller tilgte, hob er die rituellen Opfer, bei denen immer fremdes Blut vergossen wurde, aus den Angeln", so gibt R.Schwager (206) die Auffassung des Hebräerbriefes wieder. Ab jetzt braucht es keine blutigen Opfer mehr.

Auf diese Wahrheit kommt es an. Sie war damals durch die Lehre von Jesu Sühn-Opfer aussagbar. Heute ist sie das nicht. Statt (wie damals) den Blut fordernden Gott abzuschaffen, wird der von denselben neutestamentlichen Sätzen, sooft wir sie heute nach- und unreligiösen Mitmenschen vorsprechen, diesen wider den Jesus-Impuls überhaupt erst aufgedrängt! Auf solch heillosen Irrweg hat mißverstehende Treue das Christentum gebracht. Die Kirche ist verloren, wenn sie nicht endlich mit der Einsicht Ernst macht, "daß das Christentum durch die Deutung des Todes Jesu als eines Opfers in eine 'Kontinuität und Identität mit den Opfern nicht nur des Alten Bundes, sondern des ganzen Planeten' getreten ist und deshalb die moderne Kritik am Christentum hervorgerufen hat, die zu beweisen sucht, daß an der Religion des Christentums 'nichts Eigentümliches sei' und deshalb wie die alten Opferreligionen als archaische Illusion abgelehnt werden müsse" (Baudler [214], René Girard zitierend). Um den Geist des ursprünglichen Christentums zu bewahren, müssen wir diesem seinem Buchstaben heute widersprechen, so schwer das manchem fällt. "Nicht die Gewohnheit hat Christus sich genannt sondern die Wahrheit" (Tertullian); um die Wahrheit seines Todes seinen heutigen Geschwistern zu verkünden, dürfen wir ihn nicht länger als Sühn-Opfer zur Versöhnung eines durch Sünden gekränkten Gottes hinstellen.

In der Tat: "Wie konnte der Gott der bedingungslosen Liebe, in dem (nach 1 Joh 1,5) 'keine Finsternis', am wenigsten die der Rache und Strafgerechtigkeit ist, von seinem vielgeliebten Sohn den Kreuzestod fordern, und, falls er dies doch verlangt hätte, welche Genugtuung konnte er angesichts seiner Todesqualen empfinden? Das ist die Frage, die sich um so dringlicher stellt, als unter allen Analogien zwischen Schöpfer und Geschöpf keine so wenig von der Unvergleichlichkeit Gottes beeinträchtigt wird wie die der menschlichen Vaterliebe" (Biser, 62).

B II. Opfer ja

Trotzdem gelten die Wandlungsworte weiter. Wie lassen sie sich verstehen? In welchem Sinn wird Christi Blut nach dem Willen des Vaters für uns und alle vergossen zur Vergebung der Sünden? Auch ich glaube, daß mit diesem Bekenntnis unser Glaube steht und fällt. Warum?

Gott ist reines Licht und keine Finsternis in ihm. Er ist das Licht aber nicht nur in sich und zu meinen Gunsten sondern auch in der Tiefe und zu Gunsten jedes meiner Mitmenschen. Sofern ein solcher in Gottes Licht steht, kann die Situation es ergeben - denn die Welt ist endlich - daß er mir im Licht steht, so daß auf mich nicht Licht sondern Schatten fällt, und zwar nach Gottes Willen, weil meines Nächsten beleuchtete Seite für ihn wichtiger ist als für mich die meine. Es bleibt wahr, daß Gott nur Licht ist, doch kann sein Licht für andere mir als seine Finsternis erscheinen müssen. Dann fordert Gott mit Recht, daß ich mein Licht aufopfere. Nicht weil er ein Gott der Gewalt wäre, der Opfer wünscht, sondern weil er selbst LIEBE ist und mich als Liebenden will, der in dieser Situation auf sein eigenes Wohl verzichtet, weil es des Mitmenschen Unglück mit sich brächte.

In diesem Sinn bedarf der wunderbar klärende Trompetenstoß von Eugen Biser doch der Ergänzung durch die Weisheit von Carl Gustav Jung, der dringend rät, meinen Schatten anzunehmen. Das gilt, im dargelegten Sinn, sogar für Gott in uns! Zu Recht schreibt Biser (61 f.) über Jesu "Eingriff in das traditionelle Gottesbild der Menschheit, der ihn zum größten Revolutionär der Religionsgeschichte werden ließ. Im Zug dieser wahrhaft 'sanften' Revolution beseitigte er den Schatten des Grauen- und Schreckenerregenden aus dem Bild des gleicherweise 'grausamen und gütigen' Gottes, von dem noch Martin Buber am Schluß seiner 'Reden über das Judentum' gesprochen hatte, um darin statt dessen das Antlitz des bedingungslos liebenden Vaters zum Vorschein zu bringen. Deshalb tilgt er den 'Tag der Rache' ersatzlos aus der jesajanischen Verheißung (61,2), die er in sich selbst erfüllt sieht (Lk 4,19), und deshalb fordert er Feindesliebe, indem er auf den Gott verweist, dessen Güte sogar die 'Undankbaren und Bösen' umfängt (Lk 6,35)."

Ja: Sofern Gottes Schatten angeblich sein eigener ist, hat Jesus ihn für immer beseitigt. Sofern Gottes Schatten auf mir aber nichts als die Wirkung des göttlichen Lichtes auf meinem Mitmenschen ist, soll ich den Gottes-Schatten nicht verdrängen noch bekämpfen sondern habe ihn, will ich nicht aus der Liebe fallen, opferbereit anzunehmen. Ohne diese bittere Gegenwahrheit würde der Gott reiner Liebe zum Kuschelgott banalisiert, der ist weder wahrer noch heilsamer als der Vampirgott der blutrünstigen Religionsgeschichte.

Warum "mußte" (wie der Auferstandene den Emmaus-Jüngern erklären wird) Gottes Schatten so vernichtend über Jesus herfallen, warum forderte nicht ein archaischer Blutgötze sondern der liebende Vater der evangelischen Gleichnisse den blutigen Tod seines Sohnes? Die christliche Antwort enthüllt sich, sobald wir dieselbe Frage anders stellen.

Was hätte Jesus tun können, als er wegen seiner revolutionären, die religiösen Autoritäten herausfordernden Botschaft allmählich in die Fänge der Tempelbehörden geriet? Er konnte klein beigeben: War nicht so gemeint, ist schon gut. Hätte Maria sich gefreut, wenn er an die Hobelbank zurückgekehrt wäre? - Oder Jesus hätte sich so, wie Judas es vermutlich gewünscht hatte, mit an die Spitze eines Aufstandes stellen können und wäre nicht fast allein sondern zusammen mit vielen Kämpfern zuletzt den Römern erlegen. Beide Entscheidungen hätten Jesus zu einer kleinen Figur der jüdischen Geschichte gemacht, wir aus den Völkern hätten von ihm nie gehört.

Der Vater hat es anders gewollt. "Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?" Niemand weiß, ob er das ratlos gerufen oder den ganzen Psalm 22 gemeint hat einschließlich seines versöhnlichen Schlusses. An Ostern hat der Vater die Frage beantwortet: Dazu, daß deine Botschaft sich vor den Augen der ganzen Welt als gültig erweisen kann. ICH bin, wie du mich zeigst. Nicht Blutgötze, nicht Kuschelgott, sondern die alles schenkende und - deshalb und danach, damit der Gnadenstrom weiterfließt - alles fordernde Liebe. Damit alle Menschen meine total vergebende Güte glauben können, von der du in so vielen Gleichnissen gesprochen hast, durfte deine Botschaft weder durch deinen Rückzug noch durch dein Ausweichen in Gewalt verblassen, deshalb mußte - so wie die Welt ist - zum Vollzug der Sündenvergebung dein Blut vergossen werden. Denn die ist so lange nicht vollzogen, wie sie zwar vom Vergebenden gewährt, beim Sünder aber noch nicht angekommen ist; aller Welt bewußt werden kann sie aber nur, indem das herrschende grausame Gottesbild vom wahren abgelöst wird, das du in meinem Auftrag verkündet hast, im Leben und bis in den Tod, billiger war dieses Werk nicht zu tun.

"Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muß er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht." Wer das in der Johannespassion gesungen oder auch nur wirklich gehört hat, begreift erschrocken: Wie die Dinge lagen, gab es für Jesus keinen Ausweg. Nur Gottes Sohn kann Gottes abgründige Zweideutigkeit in reines Licht wandeln. Hätte er - so oder so - von diesem Anspruch gelassen, wäre Jesus nicht nur zeitlich und scheinbar gescheitert sondern ganz und gar. Einen Neuen und Ewigen Bund hätte es nicht gegeben, die Angst vor dem Zorn des Himmels hätte unbesiegbar weiter geherrscht.

Die von den Kirchen ehedem geschürte Höllenangst war schlimmes Unrecht, hoffentlich gleicht diese Krise aber dem Anstieg des Fiebers vor der Genesung. Im Prinzip kennt das christlich gläubige Herz keine letzte Angst. Am griffigsten hat das vor dreihundert Jahren ein aufgeklärter Engländer gesagt: Warum sich fürchten? Gott ist entweder gut oder es gibt ihn nicht!

C

»Symbolische Theologie argumentiert nicht,« das folgende Gleichnis ist nur für solche, denen es hilft, den Blut-Spruch der Wandlung wörtlich - und doch ganz anders zu verstehen als er anfangs gemeint war, inzwischen aber nur mehr von exegetisch Gelehrten um Ecken herum, aber nicht von schlicht gläubigen Zeitgenossen aufgefaßt werden darf.

Wir können an der biblischen Sprache festhalten, indem wir sie radikal umdeuten. "Vergossen ist dein teures Blut" - bin ich durch es so ähnlich erlöst wie der Todkranke, dessen vergiftetes Blut durch eine Transfusion geheilt wird: des Blutes, das der allergesündeste Mensch für ihn vergießt, opferwillig in den Schlauch rinnen läßt, der mich rettet, weil er mein böses Blut in sein allervitalstes wandelt, "das gnug für die Sünde tut", mit meinem verrottet-sterblichen Blut spielend fertig wird? So kann ich jene alten Lieder wieder gläubig mitsingen, ohne jeden Vampir-Krampf. Allein, ohne Jesus, kann ich nichts tun, nur das Nichts tun; an SEIN Blut angeschlossen, "in Christus", kann ich werden, was Gott - wie jeder Vater - sich wünscht: ein zugleich selbständiger, verantwortlicher und liebender Mensch.


Zum Weiterdenken:

Abrahams Erprobung: Ihr doppelter Sinn als Nein gegen Kinderopfer und als Urprogramm totalen Gehorsams war Thema dieser Predigt im letzten Jahr. Vgl. Kierkegaard.

Im Hebräerbrief: Zusammengestellt von Raymund Schwager: Brauchen wir einen Sündenbock? (München 1878), 206

Das ganze Neue Testament: "Wie der Alte Bund durch Opferblut eingeweiht wurde, so schloß Christus in seinem eigenen, am Kreuz vergossenen Blut den Neuen Bund (Mk 14,24 par.; 1 Kor 11,25; Hebr 9,20 u. ö.). Durch dieses 'Blut des Neuen Bundes' stiftete er Frieden (Kol 1,20), erwarb er sich die Kirche (Apg 20,28), sind wir gerechtfertigt (Röm 5,9) u. für Gott erkauft (Apk 5,9), haben wir die Erlösung (Eph 1,7). Die Mitteilung der Erlösungsgnade an die Glieder der Kirche wird als Besprengung (1 Petr 1 2), Reinigung (Hebr 9,14; 1 Jo 1,7) od. Reinwaschen (Apk 7 14; 22,14) durch das B. Ch. beschrieben. Christus verlangt, daß man sein Blut 'trinke' (Jo 6,54-57). Darunter ist wie 1 Kor 11,26 f dessen eucharist. Empfang zu verstehen. 1 Petr 1,19 spricht schon vom 'kostbaren B. Ch.'. Der Akzent liegt jedoch im NT nicht auf dem Blut als materiellem Substrat, sondern auf der Sühne wirkenden Selbstaufopferung Jesu, die sich freilich auch vollziehen mußte in der Realität eines blutigen Todes u. nicht bloß in 'innerer Gesinnung'." [R. Haubst: LThK II (1958),544]

In zahlreichen Liedern: Z.B. Nr. 61 im alten ev. Gesangbuch:

"Was kann mir denn nun schaden der Sünden große Zahl?
Ich bin bei Gott in Gnaden, die Schuld ist allzumal
bezahlt durch Christi teures Blut,
daß ich nicht mehr darf fürchten der Höllen Qual und Glut."

Oder in dieser wunderkühnen Schlußstrophe (von Paul Gerhard) des Liedes Nr. 62:

"Wenn endlich ich soll treten ein in deines Reiches Freuden,
so soll dein Blut mein Purpur sein, ich will mich darein kleiden;
es soll sein meines Hauptes Kron, in welcher ich will vor den Thron
des höchsten Vaters gehen und dir, dem er mich anvertraut,
als eine wohlgeschmückte Braut an deiner Seite stehen."

Hosea: Über seinen Kernsatz siehe auch diese Predigt.

Christinnen: Laute Wortführerin ist Uta Ranke-Heinemann, siehe meine Antworten auf zwei ihrer Artikel, 1988 im SPIEGEL, 2000 in Kirche Intern.

Einer katholischen Zeitschrift: Lieselotte Meyer und Prof. Helmut Hoping im CiG Nr. 25/2002, S. 206

Im 1. Weltkrieg: Gerhard Lohfink in: Die Feier des Sonntags (Lesejahr B) [Bad Tölz 2002], 76

Irrweg durchschaut: Guten Einblick bieten, im Netz verfügbar, zwei tiefschürfende Artikel:

Eugen Biser
Bindet ihn los! Zur Frage nach dem Sinn des Todes Jesu
In: Lebendiges Zeugnis 51 (1996) 54-66 [Priestergruppe S. 58].

Georg Baudler,
Jesus - der vollkommene Sündenbock?
Zu René Girards Revision seines Opferbegriffs.
In: Lebendiges Zeugnis 52 (1997) 212-223.

Mir im Licht steht: Dein Tod ist mein Leben heißt ein Gesetz der Welt, Goethe bringt es in einem Divan-Gedicht auf den Punkt.

"Keinen Reimer wird man finden
Der sich nicht den besten hielte,
Keinen Fiedler, der nicht lieber
Eigne Melodien spielte.

Und ich konnte sie nicht tadeln;
Wenn wir andern Ehre geben
Müssen wir uns selbst entadeln,
Lebt man denn, wenn andre leben?

...

Und das grobe Selbstempfinden
Haben Leute hart gescholten,
Die am wenigsten verwinden,
Wenn die andern was gegolten."

Jan Philipp Reemtsma kommentiert, man solle das nicht als moralisierende Mahnung zu Toleranz und gegen Selbstüberschätzung verstehen, "obwohl es ganz nett wäre, es so zu lesen. Es stimmt nur nicht. Es ist das Hohelied der Rivalität, man könnte auch sagen: der Konkurrenz ... Woher den Tadel nehmen, wenn wir nicht über schlechte Angewohnheiten, sondern über die Beschaffenheit der Welt reden? Wenn wir - letzte Strophe - erkennen sollten, daß die Mahner zur Bescheidenheit Trickbetrüger sind? ... Wichtig ist, daß Goethe mit der eigenen Profession beginnt und ihr zuschreibt, daß sie - und nicht nur die Fiedler und Reimer, sondern alle, nämlich von oben bis hinunter zu ihnen - hier ihr Lebenselement haben. 'Und ich konnte sie nicht tadeln'. Das darf man nicht ironisch, das muß man sachlich sprechen: Ich konnte sie nicht tadeln, Punkt. Aber dann kommt es: 'Lebt man denn, wenn andre leben?' Das ist eine ungeheuerliche Zeile. Man möchte fragen, ob es sein Ernst sei - die Antwort heißt ja, und das ist ernst genug. Da ist die mörderische Grundierung der sozial gebändigten Rivalitäten benannt. So spricht keiner, der nicht aus eigenem Empfinden weiß, was er sagt. - Doch spricht auch einer, der ein solches Gedicht gemacht hat." [F.A.Z. v.08.03.2003, S.36]
Als Herbert Rosendorfer den Finanzamtssachbearbeiter Anton L. als einzigen Menschen übrig ließ, so daß er sogar Papst war, erschrak ich über dieselbe irre Faszination.

Wozu hast du mich verlassen? Der jüdische Theologe Pinchas Lapide erklärt, daß dies die wörtliche Übersetzung des Psalmbeginns ist. Nicht kausal zur Vergangenheit zurück sondern final in die Zukunft richtet der Beter sich aus, fragt nicht warum? nach einer Ursache sondern wozu? nach dem Sinn und Ziel der ihm gewissen guten Absicht seines Gottes.

Engländer: Anthony Earl of Shaftesbury.

Symbolische Theologie argumentiert nicht, lehrt Thomas von Aquin im Anschluß an Dionysios Areopagita.


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Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/opfer.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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