Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb

Auf zur Niedrigkeit des Höchsten!

Gedanken zum vierzehnten Sonntag im Jahreskreis


[Die folgenden Teile I. und II. sind voneinander unabhängig.]

I.

Im heutigen Evangelium leitet Jesus uns mit zwei schlichten Sätzen tief hinein in die geheimnisvolle Mitte des Christentums. Für sich allein scheint jeder Satz leicht verständlich. Zusammen aber bilden sie eine Gegensatzspannung, daß dem nachdenklichen Leser schwindlig wird. "Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will" betont er zuerst. Ist eine stolzere Behauptung denkbar? Danach hören wir: "Sanft bin ich und von Herzen niedrig." Paßt das zusammen? Erst einen so unglaublich hohen Anspruch aufzustellen und sich dann von Herzen niedrig zu nennen?

Der Gegensatz muß damaligen Hörern nicht bewußt geworden sein; wahrscheinlich hat erst der Evangelist beide Aussprüche zusammengestellt. Uns ist es jetzt auch nicht um den Charakter des Mannes aus Nazareth zu tun, vielmehr hören wir den Stifter des Christentums und fragen nach dem Sinn seiner Sätze für uns. Jesus kennt als einziger den Vater, und Jesus ist von Herzen niedrig. Angesichts der bisherigen Geschichte des Christentums scheint der erste Satz den zweiten verschluckt zu haben. Darf das so bleiben? Wie sähe eine neue Balance aus?

Wie Sie wissen, ist eine der schwierigsten Fragen für sämtliche Religionen heute die nach ihrem Verhältnis zu den anderen Religionen. Im wissenschaftlichen Gespräch haben sich drei Begriffe eingebürgert. Exklusivistisch denkt, wer den eigenen Glauben für den einzig wahren und heilbringenden hält, während alle übrigen sich verschieden schlimm irren. Inklusivistisch fühlt, wer den übrigen Glaubensweisen zwar Wahrheitssplitter zubilligt, die einzige volle Wahrheit sei aber doch die eigene, von ihr bekämen die anderen höchstens das eine oder andere ab. Pluralistisch endlich denkt man: "Heilshafte Gotteserkenntnis gibt es in mehr als einer Religion und zwar auch in gleichermaßen hoher Form."

Was läßt sich aus unserem Evangelium für diese Frage entnehmen? Nun, wenn Jesus der einzige ist, der den Vater kennt, dann scheinen die christlichen Exklusivisten recht zu haben. Ist Christus aber von Herzen niedrig, so will er sich nicht über die Stifter anderer Religionen erheben, sondern weiß sich als einer von vielen Gottesboten, stimmt also anscheinend den Pluralisten zu. Wie entkommen seine Jünger dieser Zwickmühle?

Bezeichnenderweise ist Professor John Hick, ein Wortführer der Pluralisten, sich mit dem neuen Papst einig, daß ein traditionell katholisch glaubender Mensch nicht pluralistisch denken kann. Kardinal Ratzinger verurteilte die Theologie von Hick als bloße "Ersatzform" christlichen Glaubens, Hick anderseits nennt das traditionelle christliche Dogma "unvereinbar mit echtem religiösem Pluralismus ... Wenn Jesus Gottes Sohn war, zweite Person einer göttlichen Dreifaltigkeit, inkarniert, dann ist das Christentum die einzige Religion, die von Gott persönlich gegründet worden ist, und muß auf einzigartige Weise allen anderen überlegen sein."

Dieser Schulterschluß der beiden Vorkämpfer erinnert mich an meine Kaplanszeit 1966 in einem Städtchen nahe der oberfränkischen Zonengrenze. Evangelischer und katholischer Dekan, zwei würdige Pfarrer, waren sich einig, daß die Konfessionen uneins sind und bleiben sollen; evangelischer Vikar und katholischer Kaplan waren sich einig, daß sie einiger sein sollten; innerhalb jedes Dekanats schließlich war man sich uneinig, wie einig man zwischen ihnen sei. Ähnlich steht es derzeit um die Große Ökumene der Weltreligionen.

Wie schaffen wir es, unserem Herrn beide Zeugnisse gleichermaßen zu glauben, seinen hohen Anspruch der einzigen Gotteserkenntnis ebenso wie seine herzliche Niedrigkeit? "Von Herzen niedrig" heißt es in der Übersetzung von Fridolin Stier, sie gilt Kennern als die genaueste deutsche Wiedergabe des Neuen Testaments. Nach dem offiziellen Text nennt Jesus sich "von Herzen demütig". Sie spüren den Unterschied. "Demütig" ist ein Fachwort frommer Sprache, vielen Ohren klingt es bigott ausgelaugt, läßt an kuschende Mägde, schüchterne Bittsteller denken. "Niedrig" klingt dagegen rauh, moralin-unverdächtig. Demut ist allzuoft von Speichelleckerei kaum zu unterscheiden; ein von Herzen niedriger Mensch widersteht der Arroganz von Emporgekommenen einfach dadurch, daß er ihre Höhe als uninteressant einschätzt. Phantastisch, wie viele Sachen es gibt, die ich nicht brauche, soll Sokrates nach einem Schaufensterbummel durch Athen ausgerufen haben.

Beide Sätze Jesu weisen ihm nicht jetzt den höchsten dann einen niedrigen Platz auf einer menschlichen Größenleiter zu, stimmen vielmehr darin überein, daß sie ihn jedem solchen Vergleich entheben. Wer als einziger Gott wirklich kennt (weil er, wie die Kirche es später zu Recht formuliert hat, mit dem Vater wesensgleich ist), tritt zu keinem Menschen in Konkurrenz, kann es gar nicht, steht außerhalb der Reihe geschöpflicher Größe und Kleinheit, wird deshalb ganz von selbst das sein, wozu er in die Welt gekommen ist: mit jedem Menschen solidarisch, auch dem Geringsten, und darum "von Herzen niedrig". "Ihr seid von unten, ich bin von oben; ihr seid von dieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt" (Joh 8,23). So spricht der unerschaffene Sohn des Allmächtigen zu uns Geschöpfen; die Theologie wird die Distanz später verdeutlichen: Seine Person kommt aus der Unendlichkeit der Gottheit, wir aus dem Nichts.

Kann, soll, darf noch so große Güte des Menschgewordenen uns über diesen Abgrund je hinüberhelfen? Wäre solche Einmaligkeit nicht erst recht der unerträglichste Vorrang? Würde dadurch nicht der Status aller anderen Menschen unzumutbar gemindert? Kaum entgehen diesem Vorwurf solche "undogmatischen" Christen, die Jesu wahre Gottheit ablehnen, aber an seiner Bedeutung für alle Menschen festhalten. Denn so wäre eine andere geschaffene Person dein Maßstab, das aber ist unwürdig. Wer als Christ hingegen im altkirchlichen Sinn orthodox denkt, in Jesu menschlicher Natur die göttliche Person, den SINN selbst verehrt, wird nicht von einem irdischen Rivalen überragt, sondern in die unendliche Person aufgenommen und hofft dasselbe von jedem Mitmenschen, er kenne Jesus oder nicht.

Ein Gleichnis aus der Bio-Informatik verdeutliche den Gegensatz. In meinem Gehirn sind zahllose Signale gespeichert, die sich auf Teilfunktionen meiner selbst beziehen. Sie alle sind "von unten", weil sie nur einen umschränkten Sinn haben, zum Beispiel eine Tastzelle meiner rechten Daumenhaut bedeuten oder das Wort "Löwenzahn". Ein solches Signal aber gibt es, das steht gleichfalls für ein bestimmtes, von anderen Wörtern abgegrenztes Wort, ist also auch von unten, aus Gehirnmaterial konstruiert. Zugleich ist es aber von oben; denn es bedeutet jenes einfache, intensive Ganze, welches alle Teilfunktionen zusammenfaßt, innerhalb dessen sie überhaupt nur da sind. Ich meine das Wort "ich". Ähnlich wie es (seinem Sein nach) im Gehirn neben allen übrigen gespeichert ist und doch (seinem Sinn nach) sie alle zusammenhält, so steht Christus als ein anderer neben uns und kann doch sagen: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Fürchtet euch nicht, ich bin ich. Trotz eurer Winzigkeit seid unverzagt, kein Element des Ganzen braucht für sich allein sinnvoll zu sein, die Antwort auf eure Sinnfrage bin ICH.

Nicht nur in mir aber, sondern auch in euch! ICH bin das Licht der Welt: ihr seid das Licht der Welt. Diese geistliche Erfahrung kann bei unserem Gleichnis jeder leicht machen; ich (der vom Wort "ich" Bedeutete) bin auch im Daumen ich selbst und überhaupt in jeder meiner Zellen. So ist das ewige Wort ("ICH") in Jesus auf besondere Weise, weil dieser Mensch außer seiner Christusbedeutung nichts Eigenes war (keine geschaffene Person). Derselbe Christus lebt aber nach dem Maße unserer Lebendigkeit auch in uns: "Ich lebe, aber nicht mehr ich, Christus lebt in mir" (Gal 2,20). Zwischen dem Ich und den Gliedern eines Leibes kann jede Rivalität nur ein Mißverständnis sein. Packend sagte es (im Mai 1997 bei einer Tagung in Hofgeismar) der amerikanische Theologe William R. Burrows:

"Schon die Art des zentralen Offenbarungsereignisses der Offenbarung Jesu - sein Tod durch Kreuzigung - macht allen Triumphalismus fraglich. Derlei Ansprüche sind extrem seicht und des Stifters des Christentums unwürdig. Er stirbt als Ausgestoßener, außerhalb der Mauern, schändlich. Wenn Jesus Gott paradigmatisch in seinem Tod entdeckt und offenbart und neues Leben allein in den Händen von Gottes neuschaffender Macht findet: sollte die Struktur der christlichen Lehre solche Paradoxe nicht widerspiegeln? Tut sie es?"

Zu wenig, solange man Jesus mit anderen Stiftern vergleicht. So spricht man schon deshalb weltlich, nicht orthodox vom Licht der Welt. Eine göttliche Person ist wesenhaft unvergleichbar!

Wir dürfen Professor Hick und Kardinal Ratzinger also widersprechen. Echtes Christentum und echter Pluralismus sind vereinbar. Die Tatsache, daß die Christenheit von Gott in Person gestiftet wurde, macht ihren Glauben zwar in dieser Hinsicht anderen Religionen überlegen, aber deshalb nicht überhaupt und in jeder Hinsicht. Seit zweitausend Jahren "haben wir diesen Schatz in irdenen Gefäßen" (2 Kor 4,7) und waten durch Scherben. Nicht nur Jesu Person bekennen wir als göttlich, auch den Heiligen Geist der unendlichen Reinheit, die in der buddhistischen Tradition tiefer verehrt wird als in der christlichen. Das in Jesus historisch erschienene Licht vom Licht wirkt unter dem Kopftuch der Nürnberger Muslimin anders doch nicht weniger als in ihrem katholischen Mitschüler. Nicht auf die Farbe, auf die Helle ihres Glaubenslichtes kommt es an. Wie wird die gemessen? Gott weiß es. Uns steht kein Belichtungsmesser zu. Höchstens die Liste all dessen, was jemand dem Höchsten in seiner Niedrigkeit getan hat oder nicht (Mt 25,31-46).

Ist es dann also egal, in welchem Glauben man lebt? Ist es für eine meiner Körperzellen egal, ob sie in der Nase oder einem Ohr lebt? Ja: Denn ich brauche beide. Und nein: Eine Riechzelle wäre im Hör-Organ nutzlos. Warum ist die Frage bei den geistigen Sinn-Organen ebenso falsch? Weil sie so tut, als wäre der Glaube eines Menschen zuerst etwas unbestimmt Allgemeines, ungefähr wie ein leerer Warenkorb im Supermarkt, der dann, zweitens, mit dem oder jenem Inhalt gefüllt würde. Eine solche geistlich leere Person gibt es aber ebensowenig wie eine wirkliche Körperzelle, die doch zu keinem Organ gehört. Das bedeutet: Jener Frage fehlt es am Subjekt. Kein Mensch existiert, für den es egal wäre, ob er Jude oder Christ oder Buddhist oder Humanist oder Moslem ist. Zwar kann scheinbar ein Christ sich fragen: werde ich Buddhist? - Die Antwort stammt aber nie aus der Wahl eines leeren Subjekts sondern entweder von dem Christen der er bleibt, oder von dem Buddhisten der er schon geworden ist, oder - denken wir an Pater Lassalle und Raimon Panikkar - von einer Brückenzelle, die (was immer ihr gesellschaftlicher Status sei) geistlich beiden Sinn-Organen angehört. Glaube ist immer konkret; wer sich wie im ideologischen Supermarkt vorkommt, Pluralismus für Unverbindlichkeit zu halten geneigt ist, dessen gültiger Glaube besteht eben in der Suche, ist dem Programm eines Blutkörperchens zu vergleichen, unterwegs zwischen den Organen und dabei auch selbst ein bestimmtes, notwendiges Organ, dem das eine Ganze sich so offenbart: Du könntest mich nicht suchen, hätte ICH dich nicht längst gefunden.

Als jemand Jesus "guter Meister" nannte, hat er sich gewehrt: "Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen." (Mk 10,18). Der so von Herzen niedrig von sich dachte, wie kann er sagen: "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde" (Mt 28,18)? Bei Stier heißt es: "alle Vollmacht". Die wunderbare Wahrheit ist so einfach, daß wir Komplizierten uns schwer mit ihr tun. Dieser Mensch ist Gott, dank seiner erhält das göttliche Heilslicht, das die Menge der Glaubensweisen so bunt leuchten läßt, eine unverkennbar menschliche Gestalt. Weil dieser Mensch aber Gott ist, deshalb erleuchtet er jeden Menschen und jede Glaubensweise unmittelbar von innen her, überträgt seine göttliche Vollmacht nicht an die irdische Organisation seiner Kirche, die allerdings den Auftrag hat, seine menschliche Geschichte für alle Zeiten lebendig zu halten. Weil Christus von Herzen niedrig ist, darf ich einen Strahl seiner dienenden Wahrheit in jedem Menschen glauben, auch solchen, die aus dem oder jenem Grund dem Christusglauben widersprechen; weil nur Christus den Vater kennt, hoffe ich auch tief in ihnen allen sein menschliches Antlitz präsent.

II.

Auch Jesu "Heilandsruf" wird verschieden übersetzt. Martin Luthers Fassung ist sprichwörtlich geworden und wirkt deshalb trotz ihrer Schönheit nicht mehr ganz aktuell: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." Die Einheitsübersetzung sagt so: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen." Am packendsten finde ich auch hier Fridolin Stier: "Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten: Ich werde euch aufatmen lassen."

Aufatmen: das ist wunderbar gesagt. Wie wenn man einen überschweren Rucksack absetzen und endlich frei schnaufen darf. In den biblischen Sprachen steht für Atem und Geist dasselbe Wort (ruach, pneuma); "ich lasse euch aufatmen" heißt im Grunde dasselbe wie "empfangt Heiligen Geist" (Joh 20,22): eben den Atem, den er am Kreuz ausgehaucht und uns übergeben hat (Joh 19,30). Bewußt zu atmen ist nicht nur für östlich Meditierende das Wichtigste sondern auch ein tief christliches Gebet. Sollte ein gehetzter Mitmensch sich bei dir beklagen, daß er kaum mehr beten kann, darfst du ihn beruhigen: Du atmest doch immer. Also kannst du gar nicht anders als beten!

Nachts, in schlaflosen Stunden, ist Atmen ein friedliches Gebet. Sag beim Einatmen: danke, ausatmend: ja, und vertraue: Dies vollzieht sich jetzt nicht nur chemisch-biologisch in meiner Lunge sondern als ewiges Ineinander-Atmen von DU und ICH in Gott. Als Jesus "im Heiligen Geist jubelte" (so berichtet Lukas in der Parallelstelle - 10,21 - zu unserem Evangelium), da empfing er sich ganz vom Vater und gab sich ganz ihm zurück, beides durch den Heiligen Geist, das göttliche WIR = EINS in Person.

Heute nacht wurde meinem Atemgebet ein zusätzlicher Sinn geschenkt. Vor kurzem ist mir, viel zu jung, ein so lebensbejahender wie gütiger Freund gestorben. Beim "danke-ja"-Beten wußte ich auf einmal: Dasselbe tust du jetzt auch, denn was ist das Ewige Leben anderes als unser klares Mitschwingen im Ineinander-Atmen der göttlichen LIEBE? Da war die Trauer um den Gestorbenen beglänzt vom Vertrauen, unsere Gemeinschaft sei nicht vorbei, vielmehr inniger und wahrer geworden. Auch so läßt der selbst gestorbene und erhöhte Christus seine Freunde auf-atmen, hinauf zum Himmel atmen, der keinen Tod kennt.

Nehmen wir Jesu Joch darum willig auf uns. "Es zerreibt dir nicht den Nacken, vielmehr liegt es bloß um der Ordnung willen auf dir, damit du geregelt einherschreiten lernst, auf den königlichen Weg geführt werdest, nach beiden Seiten vor Felsabhängen bewahrt seiest und mit Leichtigkeit den schmalen Weg wandeln mögest."


Zum Weiterdenken:

Niemand kennt den Vater, nur der Sohn: Dazu schreibt Josef Schmid in seinem Matthäus-Kommentar (Regensburg 1959): Niemand kennt den Sohn als der Vater, und niemand kennt den Vater als der Sohn (vgl. Joh 17, 25). Mit diesem Wort nimmt Jesus für sich eine Gotteserkenntnis in Anspruch, die vollkommen der Erkenntnis gleich ist, die der Vater von ihm besitzt, die also göttlicher Art ist und infolgedessen auch göttliche Wesenheit voraussetzt. Alle Erkenntnis Gottes, welche Menschen besitzen können, auch die der Propheten, ist, verglichen mit der, welche Jesus für sich in Anspruch nimmt, ein Nichterkennen. Dies ist darin begründet, daß er und nur er der Sohn ist. Dieses Wort hat nur dann einen Sinn, wenn "Sohn" mehr ist als Messias. Die Einzigartigkeit des Sohnesverhältnisses Jesu Gott gegenüber ist darin mit einer Klarheit ausgesprochen, die jede Umdeutung ausschließt. Denn seine Erkenntnis des Vaters ist deshalb der Erkenntnis, die der Vater von ihm besitzt, an Vollkommenheit, Weite und Tiefe gleich, weil er der Sohn ist, und er wird nicht umgekehrt dadurch zum "Sohn Gottes", daß er Gott wie kein anderer frommer Mensch erkannt und "erlebt" hat.

Heilshafte Gotteserkenntnis: Die Definition ist von Perry Schmidt-Leukel.

Das Zitat von John Hick: Leonard Swidler and Paul Mojzes (eds.), The Uniqueness of Jesus. A Dialogue with Paul E. Knitter, New York 1997, 83 f. Siehe zum Thema den Anhang A in meinem Etappen-Buch von 2001.

Fridolin Stier: Das Neue Testament, München/Düsseldorf 1989

"Ihr seid von unten, ich bin von oben: Siehe die Weihnachtsgedanken in "Christ in der Gegenwart" vom 11. Dezember 1983.

Hofgeismar: Zu dieser Tagung mein englischer Kommentar
Hier geht's zur Vorstellung meines neuen Buches

Muslimin: Zum Verhältnis Christen-Juden-Muslime-Humanisten siehe dieses neue Buch. So wurde es am 22. November 2001 in der Nürnberger Zeitung vorgestellt.

Unterwegs zwischen den Organen: Kardinal John Henry Newman erzählt in seinem historischen Roman "Kallista" (Köln o.J. [ca 1900], S. 253) von dieser späteren Martyrin in Nordafrika, um das Jahr 250: "Sie war weder Christin, noch auch nicht. Sie war bei ihrem Forschen auf halbem Wege, und um im Geiste suchend zum Ziel zu gelangen, dazu ist, wenn nicht ein Wunder eingreift, Zeit nötig. Einsehen, daß das Heidentum Lüge, und einsehen, daß das Christentum Wahrheit sei - das sind zwei verschiedene Dinge."

Tief in ihnen allen sein menschliches Antlitz präsent: Sollte ein Buddhist, umgekehrt, in deinem Herzen Buddha gewahren - warum nicht? Wechselseitiger Inklusivismus scheint derzeit die vernünftigste interreligiöse Theorie; in ihr sind die Wahrheitsmomente aller drei Modelle enthalten. Beim Pluralismus versteht sich das von selbst, aber auch der Exklusivismus hat sein Recht: Was den je eigenen Glaubensschwerpunkt betrifft, in dessen Farbe ein Gläubiger das LICHT schaut, stimmt nur seine Religion, die ihn aus Mißverständnis leugnenden anderen sind insofern falsch.

Atmen ein tief christliches Gebet: Vgl. den Anhang II (vom März 1962), Schluß meines ersten Pneuma-Artikels.

Du atmest doch immer: Die tiefsinnige Einsicht verdanke ich Pater Wilhelm Klein. In einem Gespräch mit einem jungen Priester sagte er einmal: "Ob wir nun Zeitung lesen oder ein frommes Buch lesen oder einen Schundroman lesen oder uns mal hinsetzen und zur Ruhe kommen und ES jetzt in uns denken lassen, wie wir sagen, daß ich end1ich , Gott sei Dank, mal bete ! Darum - hast du mal darüber nachgedacht? - sagen ja diese Ostreligionen oft: Daß dies doch eigentlich in dir geschieht durch dein Atmen. Bist du eigentlich Herr darüber, kannst du sagen: Ach, ich will mal acht Tage lang meinen Atem anhalten, will ihn mal begucken von allen Seiten? Ja, das geht nicht! Du kannst sagen: 'Solange ich atme, bete ich'. Ja, schon wieder das Wort von Lassalle. Einatmen, ausatmen! Einatmen! Von Gott zu Gott! ... Dann lege ich mich ruhig schlafen. Und kann in der Nacht passieren, was passieren will, und ich atme weiter wie am Tag. Und keinen Augenblick versuche ich oder könnte ich versuchen, zu sagen: So, jetzt hören wir mal auf zu atmen! Ich will schlafen, ich will meine Ruhe haben. Nein, nein! Oder: Ich kann doch nicht immer beten, wie der Paulus sagt: 'Sine intermissione orate!'. So? Doch! Du atmest doch immer ! Ja, das ist ein anderes Wort. Da brauche ich mir eigentlich keine Sorgen zu machen. Kurz, sozusagen: 'Gottes Wasser über Gottes Mühlen laufen lassen'. Genau das! Aber: Gottes Wasser über Gottes Mühlen! Und nicht jetzt: Gottes Wasser über meine kleine Mühle. Oder: Mein Wässerchen über Gottes Mühle u.s.w. Sondern: Der eine Geist alles in allem. ... Ich brauche jetzt nicht einen Kurs zu machen bei Pater Lassalle oder, ich weiß nicht, irgendein Buch zu lesen ... Das, was der Tag bringt."

Jesu Joch wird vom Kirchenvater Johannes Chrysostomos gepriesen. Und von Josef Schmid so erklärt: Leicht genannt zu werden verdient das Joch der sittlichen Forderungen Jesu deshalb, weil es die Menschen von einer erdrückenden Menge von Gesetzesbestimmungen - 248 Gebote und 365 Verbote zählten die Rabbinen im Gesetz - befreit, die die Frömmigkeit im Grunde zu einer Sache der Gelehrten machten. Jesus dagegen führt das ganze Gesetz auf das eine Gebot der Gottes- und Nächstenliebe zurück. Sein Joch liegt sanft auf und scheuert nicht wund, und die Last, die er auferlegt, drückt nicht nieder. "Seine Gebote sind nicht schwer" (1 Joh 5,3). Mit den Worten "Ich bin sanftmütig und demütig von Herzen" stellt sich Jesus nicht den Menschen als Beispiel vor Augen, von dem sie lernen, das sie nachahmen sollen, sondern er nennt damit den Grund, warum sie sich ihm anschließen sollen und können. Dies geht schon aus dem Parallelismus zwischen V. 28 und 29 hervor. Zu Jesus kommen und von ihm lernen ist eine sachliche Einheit. Er ist kein tyrannischer und hochfahrender Gebieter wie die jüdischen Gesetzeslehrer, sondern mild und herablassend. Und darum kann er denen, die ihm nachfolgen, die Verheißung geben, daß sie Erquickung, inneren Frieden finden werden.
Um das Wort Jesu in seiner vollen Bedeutung zu erfassen, muß man daneben die Antithesen der Bergpredigt (5,21-48) und andere Worte wie Lk 14,26-32 stellen, die die Höhe und den Ernst der sittlichen Forderung Jesu mit unerbittlicher Schärfe aussprechen, und auf den Grundgedanken der Jüngerunterweisung (Mt 10,17-39) hinweisen, daß Nachfolge Jesu Leiden bedeutet. Wenn Jesus trotzdem das Joch, welches er den Menschen auferlegt, sanft nennt und ihnen dafür Erquickung, Ruhe verheißt, so heißt dies, daß die Erfüllung des Willens Gottes keine unmögliche Forderung ist, die den Menschen erdrückt, und daß der innere Friede unabhängig ist vom Zustand dieser Welt und den daraus sich für die Jünger Jesu ergebenden Leiden. Jesus fordert das Höchste vom Menschen, nämlich vollständige Hingabe an Gott. Aus dieser aber folgt die "Erquickung", das Bewußtsein des Geborgenseins in Gott.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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