Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb ab Dezember 2001

Wie ER - vom Himmel durch Erde zur Erde im Himmel!

Gedanken zum sechsundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis


Das wuchtige Christuslied der zweiten Lesung beweist: Nicht spätere griechische Überfremdung des Christentums hat den Menschen Jesus zu einem Gottwesen hinaufspekuliert. Zu Philippi in Ostmazedonien hatte Paulus bereits um das Jahr 50 die erste europäische Gemeinde gegründet, etwa fünf Jahre später schrieb er dorthin seinen Brief. Den Hymnus gab es damals vermutlich schon, Paulus übernahm ihn. Von Christus heißt es da: "Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: "Jesus Christus ist der Herr" - zur Ehre Gottes, des Vaters."

Das bedeutet: Die metaphysischen Definitionen, mit denen spätere Konzilien Jesu Person zu bestimmen suchten und die wir im großen Credo bekennen - "Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater, durch ihn ist alles geschaffen" - sie sind zwar sprachlich griechisch. Wie sie Jesu Geheimnis ausdrücken, so haben die Apostel noch nicht gedacht. Der Sache nach aber ist dies der ursprüngliche Glaube: Was die Konzilien sagen, steckt wurzelhaft schon im Christuslied des Philipperbriefes, und der ist von Paulus selbst verfaßt, daran zweifelt kein Fachmann.

So berechtigt es also auch sein mag, zum Glauben der ersten Christen zurück zu wollen und jede spätere Zutat abzutun, so wenig stoßen wir dabei auf einen Jesus, der nur die Frucht irdischer Evolution gewesen wäre. Sondern von Anfang an glaubten die Christen, daß Jesus schon vor seinem Menschenleben JEMAND war. Bei ihm war nicht (wie wir es von uns denken) zuerst nichts da und wurde dann durch Zeugung, Geburt und Reifung allmählich etwas und jemand. Sondern der er ist, war zuerst Gott gleich und wurde dann leer ("er hat sich selbst ausgeleert", V.7), etwas, jemand.

Unser Bekenntnis zu Jesu Gottheit stammt mithin nicht aus der griechischen Wurzel des europäischen Denkens sondern tatsächlich aus dem christlichen Ursprung selbst. Das macht unsere heutige Aufgabe nicht leichter. Anscheinend ist ja nicht bloß die alte Metaphysik undenkbar geworden sondern auch jenes religiöse Grundgefühl, das der Rede von der himmlischen "Präexistenz" Christi ihren Rahmen gab. Weder zeitlich noch räumlich scheint ein solches "Prae" = Zuvor in unser Weltbild zu passen. Die Zeitlinie erstreckt sich von jedem ihrer Punkte aus unabsehbar nach rückwärts und nach vorn; weder heute noch vor zweitausend Jahren finden wir auf ihr einen Punkt für jenes mythische "Vorher", da Jesus schon Gott gleich war, ehe er Mensch wurde. Auch den Ort der Hoheit, von dem aus er sich hätte "erniedrigen" können (V.8), bringen wir nirgends unter: um den Planeten Erde herum erstreckt sich der unermeßliche Weltraum aus lauter Leere mit hie und da einem heißen oder kalten Stern und etwas Staub. Sonst nichts. Andächtig lesen, feierlich singen können wir das alte Christuslied. Was aber dabei denken? Das müssen wir jedoch, wollen wir so Christen sein wie die ersten Jünger. Für sie war dieses Lied nicht bloß stimmungsvoll und tiefsinnig sondern wahr. Damit es auch uns wahr sei, müssen seine Worte sich denken lassen. Auf ihre Weise sind freilich auch Gefühle wahr, das ist aber nicht die Weise eines Glaubensbekenntnisses. Es besteht aus wahren Sätzen. Was sie aussagen, das ist so. Wie müssen wir unser Weltbild - nicht preisgeben aber ergänzen, damit der Christushymnus des Philipperbriefes sich in ihm denken läßt?

Wir müssen endlich die Einsicht des großen Philosophen Immanuel Kant ernst nehmen, daß Raum und Zeit keine An-sich-Wirklichkeiten sind sondern Anschauungsformen unserer Wahrnehmung. Daß wir ALLES Wirkliche als räumlich und zeitlich wahrnehmen, liegt an uns, nicht weil es so wäre. Ähnlich sieht jemand mit roter Brille alles rötlich; und wer ein faules Ei in die Nase geschmiert bekam, röche die herrlichste Rose als unfein. In sich ist die Wirklichkeit selbst nicht raumzeitlich. Sondern wie?

Die Antworten der großen und kleinen Weltdeuter gehen auseinander. Unser Verstand kann sie nicht zusammendenken, was uns angesichts seiner bekannten Schwäche weder wundern noch ärgern muß. Ohne Zweifel sind manche Antworten falsch, z.B. die der Nazis: das eigentlich Wirkliche sei die germanische Rasse, ihr habe alles sich unterzuordnen. Diese Ideologie und ihre mörderische Praxis wird sich DANN, wenn alle Sinnentwürfe ihr endgültiges Urteil empfangen, als falsch herausstellen: So ist das Wirkliche nicht. Soviel kann man jetzt schon wissen, denn diese Sinn-Option läßt sich vor keinem der ermordeten Juden verantworten; die Verantwortbarkeit vor den betroffenen Personen aber trennt im Nebel dieser Zeit als klarstes Licht zwischen Wahr und Falsch bei Aussagen über das Ganze.

Alle verantworteten und insofern wahren Überzeugungen, so widersprüchlich sie uns begrenzt Verständigen auch scheinen, passen DANN zusammen - in dieser Hoffnung dürfen alle miteinander kommunizierenden Menschen jetzt schon einig sein. Was bedeutet aber dieses geheimnisvolle Wörtlein DANN? Es ist einer der Namen des wahrhaft Wirklichen, zwar unserer Verstandesnatur entsprechend zeitlich getönt, aber nicht zeitlich gemeint. Ähnlich wie Fotos von Rom zwar flächig sind, aber nicht flach gemeint, weil Rom nicht flach ist. Trotzdem weisen die Bilder auf Rom hin und vermitteln dem, der Rom selbst nicht kennt, eine erste Ahnung. "Rom!" erklärt die Mutter dem Kind, deutet im Fotoalbum auf ein Bild von St. Peter und verspricht: Das ist bloß ein Bild. Wenn du groß bist, fahren wir hin. Ebenso vermittelnd aber nicht falsch sind alle verantwortbaren Glaubensaussagen über das Wirkliche. Weil unser Denkapparat es verlangt, muß auch die geglaubte Wirklichkeit, obwohl an sich unzeitlich und unräumlich, von Raum- und Zeitvorstellungen bedeutet werden. So kommt es zu den paradoxen aber notwendigen Aussagen über die Ewigkeit vor und nach aller Zeit - was wörtlich genommen ein Widerspruch wäre - sowie den Himmel über der ganzen Welt - das ist physikalisch gleichfalls unmöglich. Als Bildwort stimmt beides.

Welches Gesamtbild wird im Neuen Testament gezeichnet? Ich erkenne das folgende. Die Raumzeitwelt schrumpft zu einer einzigen Dimension zusammen: der Zeitstrecke von der Schöpfung bis zum Ende der Welt. Jeder Punkt auf ihr bedeutet das ganze Universum zu einer bestimmten irdischen Zeit. Zwei Abschnitte sind herausgehoben: zum einen das Leben Jesu, zum andern die jeweilige Gegenwart des Glaubenden. Daß diese Strecke nach früherer Ansicht ein paar tausend Jahre umfaßte, nach heutiger Milliarden, macht für das Bild keinen Unterschied. Das astronomische Weltbild hat sich geändert, daas christliche nicht.

Solche Reduktion des vierdimensional unbegrenzten Weltalls auf die eine Dimension einer begrenzten horizontalen Strecke ermöglicht ein eindrucksvolles Gesamtbild des von der Vernunft bejahten und vom Glauben näher erklärten WIRKLICHEN. Aus vier Teilbildern setzt es sich zusammen: Links, vor dem Beginn der Zeitlinie, stellen wir uns den UR-ANFANG vor; DAMALS, ZUERST. Rechts, nach der Zeit, erblicken wir das endgültige Ziel: DANN. An beiden Sinn-Polen hat jedes zeitliche Jetzt Anteil, insofern ist es: JETZT. Diese Würde kann im Bild aber nicht horizontal-zeitlich ausgedrückt werden, dazu brauchen wir die zur Zeitlinie senkrechte Dimension. Die Vertikale bedeute die Beziehung zwischen Welt und Transzendenz. Unter der Weltlinie befinde sich der schöpferische GRUND, aus dem alles quillt, oben der (vom Himmel = sky bedeutete) wahre HIMMEL (= heaven), wo alles münden soll. Aufsteigender Sinnstrahl und niederfahrender Sinnblitz treffen sich im Hier und Jetzt, wandeln es dem glaubenden Herzen zum gotterfüllten HIER - JETZT - GRUND DAMALS - HIMMEL DANN.

Was ist das Wirkliche? Eine christliche Antwort (die anderslautende, wie gesagt, weder ausschließt noch von ihnen widerlegt wird) heißt, entsprechend unserem Hymnus: ZUERST ist Jesus Christus der für uns Geborene, Gekreuzigte und Auferstandene als URGRUND DAMALS - HIER - JETZT - HIMMEL DANN. Nicht das raumzeitliche Universum ist die Wirklichkeit, es ist nur die Weise, wie sie unserem Verstand als etwas erscheint. Wahrhaft wirklich ist nicht etwas sondern JEMAND: ER, der SINN des Ganzen (»Logos«, Joh 1,1), der im ANFANG IST (»ehe Abraham ward, BIN ICH« - Joh 8,58) und DANN für ewig herrscht. Als Jesus ist er in unserer Raumzeit aufgetreten, die seit jeher in ihm geschaffen wird (Kol 1,16), damit er eine Stätte seines endlichen Wirkens habe - und Gefährten, uns, nämlich alle lebendigen Wesen vor, zu und nach seiner Zeit. Ihnen allen wird DANN offenbar, auf welche Weise sie während ihres Lebens schon zu ihm gehören.

Denn das ist die überraschende Pointe unseres Liedes: Sofern wir in Christus zu seinen Gliedern bestimmt sind, stammen auch wir nicht nur von unten und früher, aus der Evolution unserer Gene, den Prägungen durch Eltern, Mitwelt, eigene Taten und Versäumnisse, sondern - in jedem Augenblick neu! - gleichfalls aus dem GRUND, der an sich dasselbe ist wie der HIMMEL und für unsere Vorstellung mit ihm zusammen die vertikal-göttliche Dimension ausmacht, welche die Zeitlinie senkrecht schneidet und so jegliches frohe, schmerzliche oder banale Hier und Jetzt in heiliges HIER JETZT wandelt. Was »quasi-räumlich« GRUND und HIMMEL heißt, ist zugleich (»quasi-zeitlich«) EINST und nicht nur Jesu eigentlicher Ursprung sondern auch unserer. Von diesem Bewußtsein waren die ersten Christen erfüllt: "In ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen ... Durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt" (Eph 1,4-11). Der Unterschied zwischen Jesus und uns ist, daß wir geschaffene Personen sind, er nicht: Jesus IST ursprünglich jene göttliche Person, die wir durch Teilhabe an ihm werden dürfen: »EINER in Christus Jesus« (Gal 3,28). Sein göttliches ICH lebt als tiefste subjektive Person-Wirklichkeit auch in uns, ähnlich wie dein Ich in deinen Augen: nicht nur die sehen jetzt diese Zeile sondern in ihnen du.

Wie Jesu Gegenwart, kommt also auch unsere nicht nur aus der sich horizontal nach rückwärts erstreckenden Vergangenheit der Erde, der Menschheit, des Individuums her. Das tut sie auch, von den Prägungen dieser Vergangenheiten werden wir bestimmt: weitgehend aber nicht ganz. Senkrecht zur Weltzeitlinie vorstellbar, quillt unser wahres Freiheitsleben Nu für Nu unmittelbar aus dem ewigen DAMALS = JETZT der schöpferischen göttlichen Idee, die jede(r) von uns ist, und mündet sofort ins JETZT = DANN des Ewigen Lebens. Schau auf eine Digitaluhr und bedenk: Nicht nur ihre Sekunden entstehen stets neu aus Allem und verschwinden für immer in Alles sondern auch, von ihnen bedeutet, du selbst.

Stimmen kann dieses christliche Denken nur, solange wir uns bewußt bleiben: das Dimensionen-Gefüge aus horizontaler Weltzeit-Achse und vertikaler Beziehung Welt / Transzendenz verdankt sich, als geometrisches Muster, nur unserem Denkapparat. Wahr ist dabei - wie ja auch in der Wissenschaft - nicht die Vorstellung als solche vielmehr allein das durch sie gestützte aber anderswoher begründete Ja zu einer bestimmten Verknüpfung von Begriffen. Lassen wir, wie eben erklärt, die horizontale Linie nicht bloß die Zeit bedeuten sondern dazu auch die Raumdimensionen samt dem, was sie weltlich erfüllt, kurz: alles, was es gibt. Dann steht der dazu senkrechte SINN-Strahl für unser jeweils unmittelbares Quellen aus dem göttlichen Grund und Auffahren in den Himmel ("Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben", Eph 2,6). Nein, wir sind nicht von gestern und nicht für die Grube. Bloß unser Weltsein ist das, symbolisiert von der waagrechten Linie unseres Daseins zwischen gestern im Zeugungsbett und morgen im Grab. Diese Linie gehört zwar zu uns, wir sind sie aber so wenig wie ein mittags startendes Flugzeug seine Schattenspur auf der Rollbahn ist. Ähnlich wie dessen Seins-Schwung intensiver von der Vertikalen bestimmt wird als von der Horizontalen, so sind wir unser empirisches Weltsein nur zusammen mit dessen lebendiger Beziehung zu seinem unergründlichen Ursprung und seinem unvergänglichen Ziel. Steh fest auf dem Grund, schau empor zum Himmel und vertrau: Wie der GRUND wahrer ist als die Erde und der HIMMEL wirklicher als die Leere da droben, so bist DU, Kind, Konzentrationsvollzug und Sinnorgan des Unendlichen, mehr als irgendein Wissen von dir weiß. Das deprimierende Wissen von deiner Winzigkeit stimmt schon - nur innerhalb seiner niedrigen Dimension aber. Bilde aus sechs Streichhölzern vier gleichseitige Dreiecke mit der Seitenlänge eines Hölzchens. Geht das? Nein? Doch.

Haben wir deshalb keine Angst. Lassen wir uns auf den Vorschlag ein, den Paulus uns macht. Er hat gewußt, wovon er sprach. "Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht." Er hielt an seiner Gottgleichheit nicht fest sondern hat sich bis in den schmählichsten Dreck hinein erniedrigen lassen, aus Freundschaft zu uns. In der Freundschaft zu ihm dadurch zu wachsen, daß wir uns vor der Teilhabe an seinem Geschick, wenn sie dran ist, nicht drücken: um uns für diese Phase des Christenlebens gegen drohende Verzagtheit zu wappnen, empfiehlt es sich, das Christuslied der Lesung mit jener Frechheit zusammenzudenken, die - im heutigen Evangelium - Jesus den besseren Kreisen in die Ohren gepfeffert hat, jenen religiös maßgeblichen Herren wie auch, nicht zu vergessen, ihren Damen, die vielleicht nicht auf der Straße standen, sich aber vermutlich zu Hause nicht wenig empörten: "Amen, das sage ich euch: Zöllner und Huren gelangen eher in das Reich Gottes als ihr." Auf der horizontalen Weltlinie waren und sind Huren nicht die angesehensten Gestalten; sobald sie sich aber ihrer unverlierbaren - weil je und je neugeschaffenen - vertikalen Würde bewußt sind, entkommen sie dem Schlamm der Niederung, im Gegensatz zu jenem Hochanständigen, der vor lauter Starren auf die Statusdifferenzen innerhalb der Welt die total andere Dimension, auf die alles ankommt, überhaupt nicht wahrnimmt und in seiner vermeintlich chromblitzenden Edelkarosse tief im Morast steckt, während die GOTTES BLICK begegnete Ex-Hure im Hubschrauber auf und davon fliegt - woraufhin hoffentlich auch der Herr im Auto sich seiner vergessenen Flügel erinnert.


Zum Weiterdenken:

Vermittelnd aber nicht falsch: Aus einem Artikel von 1970 über das Ewige Leben: "Mythologisch ist ein Denkbild dann, wenn es innerhalb des Bereiches der uns wissenschaftlich zugänglichen Wirklichkeitsdimensionen Ereignisse behauptet, die andererseits der Wissenschaft entzogen sein sollen und auch tatsächlich nicht festzustellen sind.
Mit unserem Weltbild vereinbar sind dagegen Vorstellungen, die nicht im Bereich der uns zugänglichen Dimensionen liegen. Um trotzdem Wirklichkeit auszusagen, müssen ihre Dimensionen aber doch irgendwie einsichtig mit den uns bekannten verknüpft sein."

EINST: Das schöne, selten gewordene Wort bedeutet beide Extreme: Einst lebte in einer prächtigen Stadt ein König, einst wird kommen ein Schiff.

Vorherbestimmt: Schon im Alten Bund sprach Gott zu Jeremias: "Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt" (Jer 1,5). Das zu wissen tut gut, sooft die Welt dich klein machen will.

Göttliche Idee, die jede(r) von uns ist: Wem dies ketzerisch klingt, lasse einmal die folgende These des jungen Thomas von Aquin auf der Zunge seines Geistes zergehen (de Veritate q4 a8): "Die Idee des Geschöpfes ist auch irgendwie das Geschöpf selbst, auf dieselbe Weise wie man sagt, daß die Seele irgendwie alles [gemeint: von ihr Erkannte] ist. Weil also die Idee (des Geschöpfes im WORT) das Geschöpf (wie es in der eigenen Natur existiert) hervorbringt und bewegt, darum ergibt sich irgendwie, daß das Geschöpf sich selbst bewegt und zum Sein führt, insofern es nämlich ins Sein geführt und auch bewegt wird von seiner im WORT existierenden Idee. Und so ist die Idee des Geschöpfes im WORT irgendwie das Leben des Geschöpfes."

Digitaluhr: Ihr Vergleich mit der Zeigeruhr ist lehrreich.

Kind, Konzentrationsvollzug und Sinnorgan: Als Mitinhaber der drei innergöttlichen Beziehungen Jesu ich/DU, ich/SELBST und ich/EINS können wir unser "transrelationales" [L. Frambach] Verhältnis zum unbegreiflichen Gott auf diese drei - für den Verstand unvereinbaren aber - dem Glauben koinzidierenden Weisen auffassen und leben.

Streichholzrätsel: Die Aufgabe kann einen verrückt machen. Es scheint unmöglich. Bis man merkt: Es gibt nicht nur Fläche, auch Höhe. Die Pyramide löst das Rätsel.

Huren: Die Einheitsübersetzung schreibt zimperlich "Dirnen", vielleicht wegen des Kindergottesdienstes und der Schulbibel? Ich schätze, Jesus hat ebenso deutlich gesprochen, wie das Wort "pórnai" im Urtext modernen Ohren klingt.

Entkommen: Nicht zurück aber HINAUF! Frühmorgens oder spätabends im Meer schwimmend, sehe ich das Gold der Sonne als Bahn der Verheißung vor mir leuchten. Sollte eine Welle oder Nixe oder andere Gewalt mich unter Wasser in die Finsternis zerren aber später weit weg woanders wieder auftauchen lassen, muß ich nicht zurück zur Stelle, wo ich die Sonne verließ, sondern wende mich ihr dort wieder zu, wo ich jetzt bin:
"Es ist ein besonderes und nur ihr eigenes Vermögen der christlichen Religion, daß sie einen jeden recht weisen und trösten kann, der sich - in welcher Lage, an was für einem Punkt seines Lebens auch immer - an sie wendet. Gibt es für das Geschehene ein Heilmittel, sie schreibt es vor, reicht es dar, gibt Licht und Kraft, es ins Werk zu setzen, was es auch koste; gibt es keines, dann schenkt sie die Fähigkeit, wirklich und wirksam (wie das Sprichwort es nennt) aus der Not eine Tugend zu machen. Sie lehrt, in Weisheit weiterzuführen was aus Leichtsinn unternommen worden ist; sie biegt den Sinn dahin, mit Neigung zu umfangen was von der Gewalttätigkeit auferlegt worden ist, und schenkt einer Wahl, die leichtfertig war aber unwiderruflich ist, all die Heiligkeit, all die Weisheit, sagen wir es ruhig offen, all die Freuden der Berufung. Diese Straße ist so beschaffen, daß der Mensch, aus welchem Labyrinth, aus welchem Abgrund er auch auf sie gerate, wenn er nur einen Schritt auf ihr tut, von da ab in Sicherheit und guten Mutes drauflosgehen und froh an ein frohes Ziel gelangen kann."
[Manzoni, Promessi Sposi (Die Verlobten), X]


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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