Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb
Lesejahr B

Ob Legende oder Faktum -
Essen gehört zur Freundschaft.

Gedanken zum dritten Sonntag der Osterzeit


"Ich bin es selbst. Faßt mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen."

Glücklich die Christen von früher, die diese anrührende Geschichte ohne weiteres glauben konnten! denkt manche, die sich da schwer tut. Nicht nur, weil es in unser wissenschaftliches Weltbild nicht paßt, daß ein Gestorbener derart massiv am irdischen Leben teilnimmt. Sondern sie weiß auch, daß die meisten Theologen mit den Osterberichten äußerst kritisch umgehen.

"Die Gemeinde mußte das Ärgernis des Kreuzes überwinden und hat es getan im Osterglauben. Wie sich diese Entscheidungstat im einzelnen vollzog, wie der Osterglaube bei den einzelnen 'Jüngern' entstand, ist in der Überlieferung durch die Legende verdunkelt worden und ist sachlich von keiner Bedeutung."

Haben wir im Evangelium also eine hübsche Legende vernommen, die ein vernünftiger Mensch gar nicht buchstäblich glauben kann? So sagen es seit hundert Jahren viele Meinungsführer der Theologie: Nicht die Erscheinungen des Auferstandenen hätten den Osterglauben der Jünger bewirkt, sondern umgekehrt habe ihr intensiver Glaube in ihren Seelen jene Visionen produziert, die sich dann als Legenden in der Bibel verfestigt hätten.

Auch dieses kritische Nein zum überkommenen Osterglauben läßt sich kritisch in Frage stellen. Bevor ich das unternehme, braucht es einen Hinweis. Ich behaupte nicht, jene kritischen Theologen - samt den vielen Nicht-Spezialisten, die lieber ihnen als dem Wortlaut der Bibel glauben - seien "im Grunde keine Christen". Weit gefehlt! Entscheidend ist der Glaube, nicht irgendein Sehen, das sagt der Auferstandene selbst in aller Klarheit: "Selig, die nicht sehen und doch glauben." Zeitgeistopfer müssen nicht ungläubig sein. Auf den sinnlichen Massivitätsgrad einer Offenbarung kommt es nicht an, nur auf den Gegensatz von Offenbarung und Einbildung. Hätten die Jünger sich Christi Sieg über den Tod bloß eingebildet, dann allerdings wäre unser Glaube sinnlos (1 Kor 15,14). Das meinte aber nicht einmal jener Professor Lüdemann, der als angeblicher Auferstehungsleugner seinen theologischen Lehrstuhl verlor. Er deutet Christi Erscheinung vor Petrus nicht als dessen subjektive Einbildung, vielmehr als - wenngleich nicht äußere - Selbstbezeugung des lebendigen Christus.

Nehmen wir an, einer habe sein Herz an eine verloren und frage sie angstvoll: Liebst du mich? Braucht es massive Erlebnisse, ihn zu beglücken? Muß sie ihm um den Hals fallen? Keineswegs. Es genügt ein briefmarkengroßer Fetzen: "Ja. Wann heiraten wir?" Gott braucht für die Offenbarung des unendlichen JA nicht einmal soviel Materie. Er könnte es den Gemütern der Jünger damals unmittelbar ins Herz geschenkt haben, ganz ohne Zeichen. Deshalb ist die Legenden-Hypothese nicht unchristlich. Wer sie vorzieht, bleibe bei ihr.

Ich halte sie für nicht zwingend. Der Schöpfer von Narzissen und Rioja-Wein, Mozart und blühenden Kirschbäumen geizt nicht mit Zeichen, hat an jenen seligen Ostertagen die Jünger mit ihnen geradezu überschüttet. Ohne auf pedantische Einwände der Wissenschaft Rücksicht zu nehmen. Deren Regeln gelten nur im ordentlichen Bereich der Raumzeit, nicht an ihren Grenzen. Daß unsere Physik beim Anfang der Welt nicht stimmt, weiß die Urknall-Hypothese. Ebensowenig hat die Wissenschaft über das österliche Ende der Welt zu sagen, wo ihr Werden ins Sein mündet.

Einen Chesterton-Satz abwandelnd, rate ich deshalb: "Beim Umgang mit der selbstsicher zweifelnden Wissenschaft ist es nicht die rechte Methode, ihr das Zweifeln ausreden zu wollen. Vielmehr rate man ihr, weiter zu zweifeln, noch etwas mehr zu zweifeln, jeden Tag Neueres und Wilderes zu zweifeln, bis sie endlich, dank einer seltsamen Erleuchtung, vielleicht anfängt, an sich selbst zu zweifeln," und es dem Glauben gestattet, die Osterberichte nicht nur als hübsche Symbole sondern als im Entscheidenden wahre Darstellungen eigentlich undarstellbarer Geschehnisse zu verstehen. Die das fertigbringen, bilden innerhalb der Gruppe gläubiger Christen eine in meinem Verständnis aufgeklärtere Untergruppe.

Unabhängig davon, ob jemand sich zu ihr zählt oder nicht, wird sein Glaubensverständnis von einem anderen Einwand herausgefordert, der nicht aus kritischer Skepsis kommt sondern aus der Mitte des Glaubens selber. Faktum oder erdichtet, muß der erzählte Inhalt vernünftig sein. Egal mithin, ob Jesu Kauen und Schlucken des Stückes Bratfisch fromme Legende war oder sich damals "in echt" so ereignet hat, so oder so wäre er ja irgendwie als selbst Beteiligter in die weiterlaufende Zeit zurückgekehrt. Gegen diese Vorstellung wendet sich Karl Rahner jedoch mit überzeugenden Gründen: "Wir dürfen die Existenz, die aus dem Tod entsteht, nicht als ein bloßes 'Weiterdauern' verstehen in jener eigentümlichen Gestreutheit und unbestimmten, immer neu bestimmbaren und somit eigentlich leeren Offenheit des zeitlichen Daseins. In dieser Hinsicht setzt der Tod ein Ende für den ganzen Menschen. Wer die Zeit einfach über den Tod des Menschen hinaus für seine 'Seele' 'weiterdauern' läßt, so daß neue Zeit entsteht, der bringt sich in unüberwindliche Schwierigkeit des Gedankens und des existenziellen Vollzugs der wahren Endgültigkeit des Menschen, die sich im Tod ereignet."

Diese Schwierigkeit schien mir lange derart unüberwindlich, daß ich nicht sah, wie die Vorstellung eines österlich kauenden Jesus sich damit verträgt, daß er wahrhaft vollendet ist. Und sollte er diese Eiweißportion gar verdaut haben? Nein! Stoffwechsel ist von Sterben nicht trennbar, Christus aber "stirbt nicht mehr" (Röm 6,9), gehört nicht wieder diesem Sterbeleben an. In Ewigkeit bleibt er eben der ganze Mensch mit allen Etappen, wie er vom Leib seiner Mutter bis zum Tod am Kreuz geworden ist.

Nicht als erstarrte Gewesenheit jedoch, ähnlich den für immer in ihre jeweilige Umgebung eingesperrten Figuren auf einem Videoband. Jesus lebt. Wie läßt sich verstehen, daß eine gewordene Lebensgestalt mit Anfang und Ende trotzdem lebendig bleibt, sich mit anderen Gestalten anderer Zeiten wahrhaft verbindet?

Ein musikalisches Gleichnis hilft weiter. Ein Menschenleben gleicht einer Melodie, sagen wir: Hänschen klein. Sie hat einen Anfang und ein Ende. Vor dem Anfang ist sie nicht, nach dem Ende ist sie nicht. Ein solches Lied bin ich, vor meiner Zeugung gab es mich nicht, nach meinem Tod werde ich vorbei sein. Nach den mir zugemessenen x Lebenstakten gibt es für mich keinen Takt x+1. Karl Rahner weiß: "Wenn wir dieses unser Leben anschauen: es ist von sich aus nicht so, daß man da immer mitmachen möchte, es strebt von sich aus auf einen Abschluß seines jetzigen Daseinsstiles hin. Zeit wird Irrsinn, wenn sie sich nicht vollenden kann. Ein ewiges Weitermachenkönnen wäre die Hölle der leeren Sinnlosigkeit. Kein Augenblick hätte Gewicht, weil man alles ins leere Später, das nie fehlen wird, vertagen und abschieben könnte. Es könnte einem nichts entgehen, und alles ginge damit in die Leere der absoluten Gewichtslosigkeit."

Nehmen wir an, Gretel hat auf ihrer Blockflöte "Hänschen klein" eingeübt, unermüdlich, bis sie es sicher kann. Ist das alles? Ist ihr die Musik nichts als dieses kurze Stück? Ohne Ostern wäre es so. Jeder von uns wäre ein einziger Durchgang durch sein Lebenslied, die Proberei im Kämmerlein des engen Individualbewußtseins wäre auch schon die triste Aufführung. Dank Ostern sind wir aber fürs Konzert bestimmt. Gretels Konzert heißt "Variationen zu Hänschen klein". Nach dem Üben schläft sie erschöpft ein - und erwacht samt ihrer Flöte auf einem Podium. Um sie her spielen viele Musiker, ihr zulachend, die wunderschönste Musik. Auf einmal spürt sie den Blick des Dirigenten. Er winkt ihr zu, sie setzt die Flöte an. Da ist der Einsatz, und sie spielt. Was? Hänschen klein, nichts anderes, das hat sie eingeübt, das ist sie, nichts anderes. Wie anders klingt die bescheidene Melodie jetzt aber, wie wird sie kontrastiert, umschmeichelt, vom feurigsten Gesamtklang umwogt. Hingerissen lauscht sie, immer wieder anders erfährt sie das Lied, das sie in sich selber ist, dank den mannigfachen Beziehungen zu den anderen Melodien der anderen, deren jede in sich gleichfalls arm wäre, jetzt aber durch die ihr neue Beziehung auf Gretels Hänschen klein sich selbst überraschend reich klingt.

Ähnlich wird jedes Menschenleben zwischen Anfang und Ende zu der einmaligen Sinngestalt, die es DANN bleibt: was jemand in sich selber wurde, bleibt sie oder er in der nie endenden Ewigkeit. Darin besteht die ungeheure Würde dieser Werdezeit. Ich bin aber nicht nur, was ich bin. Sondern auch, in diesem Was und auf seine besondere Weise, wer ich bin: unendlich sehnsüchtiges Bewußtsein, auf ALLES offen, grenzenlos über mein festgelegtes Was hinaus. Dieses bleibt der feste Bezugspunkt. Lösten wir uns im Ganzen auf wie Tropfen im Meer, so gäbe es zuletzt nur Gott allein, nicht mein und dein Ewiges Leben. ES ist jedoch das Ziel von Gottes Werk.

So erstrebenswert ist das Ewige Leben, daß sogar Jesus sich auf es freut, und keineswegs nur "rein geistig". Die griechischen Kirchenväter sprechen von "göttlicher Sinnlichkeit". Beim feierlichen Abendessen vor seinem Tod sagte Jesus zu seinen Freunden: "Wahrlich ich sage euch, daß ich nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken werden bis zu jenem Tag, da ich es neu trinke im Reich Gottes" (Mk 14,25). Dürfen wir daraus schließen, auch jenes Stück Bratfisch habe ihm geschmeckt? Ich glaube, ja. Nicht als zwänge die Speise sein gewordenes inneres Was wieder ins Werden zurück. Auch vor dem Siegeszug der modernen Wissenschaft war nachdenklichen Christen klar, daß Christi verklärter Leib keine Leichenteile in sich aufnimmt; Augustinus vergleicht den Gegensatz zwischen irdischem und himmlischem Essen mit dem Unterschied, wie einerseits durstige Erde, anderseits ein Sonnenstrahl Wasser absorbiert: die Erde nimmt es aus Not in sich auf, der Strahl bringt es machtvoll zum Verschwinden, ohne sich dabei selbst zu ändern. Nicht als physische Nahrung also dient Fisch und Wein dem Verherrlichten, wohl aber freuen seine verklärten Sinne sich über neue, irdisch unerlebte Beziehungen zu den Realitäten je der anderen Zeit, welche seine vollendete Lebensgestalt freundschaftlich besucht, ohne die Ewigkeit zu verlassen. Wäre es nicht so, wie hätte Jesus eine wahre, jetzt wirkliche Freundschaft zu dir, während du bei der heiligen Kommunion seinen Leib in dich aufnimmst und dabei lebendig in ihn hineinwächst?

Was antworte ich aber einem Freund, der das gern glauben würde, nur hängt er in dem fest, was er für sein, nein: unser aller wissenschaftliches Weltbild hält, in welchem derlei Eskapaden jenseits von Raum und Zeit nicht vorgesehen sind? Ich erinnere ihn daran, daß zu diesem Weltbild auch die Zeit als vierte Dimension gehört. Weil wir uns aber nur drei Dimensionen vorstellen können, greife ich zu demselben Trick wie der Autor des Buches "Du und die Physik", das mich als Nachkriegskind so fasziniert hat. Da stoßen zweidimensionale Mathematiker, also intelligente Flachwesen, beim Vermessen der Erde auf Widersprüche mit ihrer Geometrie, die ihnen unerklärlich bleiben. Hat ein Kreis mit doppeltem Radius nicht auch doppelten Umfang? Trotzdem finden sie einmal, wie sie um den Nordpol zwei solche Kreise schlagen, beim doppelten Radius den anderthalbfachen Umfang! Daraufhin werden einige verrückt, andere fliehen in die Mystik. Ebenso, wie sie vom Südpol aus rechtwinklig zwei Linien ziehen, die sich am Äquator zu einem Dreieck aus drei rechten Winkeln verbinden.

In der Welt solcher Flachwesen können wir Dreidimensionalen unser Werden und ewiges Sein uns vorstellen, deshalb schlage ich vor, unser Weltbild so umzudenken, in seiner eigenen Logik weiterzudenken: Ein selbstbewußter Punkt wächst zum Kreis und nimmt wieder ab, bis zuletzt ein Punkt wieder aus der Fläche verschwindet. Wohin? Ins Nichts? Nein, vielmehr versammelt eine fertige Kugel alle diese Kreisgestalten zugleich in sich. Die Fläche bewegt sich senkrecht entlang der Zeitdimension, so daß die früheren Kreise zwar nicht mehr im jetzigen Zeitpunkt auf der Fläche real sind, wohl aber (dem werdenden, der Fläche verhafteten Kreis unbewußt) im Raum wirklich bleiben, so daß sie dem vollendeten Bewußtsein plötzlich wieder zugänglich sind, wie auch alle Gestalten anderer Zeiten - früherer wie späterer - die sich über den Besuch fertiger Kugeln freuen, weil ihr unverrückbares Was durch neue Beziehungen ins Unabsehbare bereichert wird. Als wir uns neulich über Sokrates unterhielten, stellte ich mir plötzlich vor, der alte Weise sitze in unserem Kreis und amüsiere sich herrlich über diese Fortsetzung seines Lebensprogramms.

Langweilt jemand sich bei der Idee einer solch unendlichen Glückseligkeit? Er bedenke: "Die nichts Anziehendes finden an der Aussicht auf grenzenlose Erforschung einer Wirklichkeit, die zugleich bedeutsam ist (auf die Weise einer sinnvermittelnden Erzählung), erfreulich (nach Art einer ästhetisch berührenden Komposition) und stützend (wie bei einer liebevollen Freundschaft), die leiden, meine ich, an schwerem Phantasiemangel."


Zum Weiterdenken:

Durch die Legende verdunkelt: Rudolf Bultmann, Theologie des Neuen Testamentes (Tübingen 1961), 47

Christi Erscheinung vor Petrus: Näheres siehe hier.

Kirschbäume: Jetzt ist die holde Zeit der "Kirschblüte bei Nacht":

"Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
Jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
In kühler Nacht beim Mondenschein;
Ich glaubt', es könne nichts von größrer Weiße sein.
Es schien, ob wär ein Schnee gefallen.
Ein jeder, auch der kleinste Ast
Trug gleichsam eine rechte Last
Von zierlich-weißen runden Ballen.
Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,
Indem daselbst des Mondes sanftes Licht
Selbst durch die zarten Blätter bricht,
Sogar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat.
Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
Was Weißers aufgefunden werden.

Indem ich nun bald hin, bald her
Im Schatten dieses Baumes gehe,
Sah ich von ungefähr
Durch alle Blumen in die Höhe
Und ward noch einen weißern Schein,
Der tausendmal so weiß, der tausendmal so klar,
Fast halb darob erstaunt, gewahr.
Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein
Bei diesem weißen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
Von einem hellen Stern ein weißes Licht,
Das mir recht in die Seele strahlte.
Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen ergetze,
Dacht ich, hat Er dennoch weit größre Schätze.
Die größte Schönheit dieser Erden
Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden."


(Barthold Hinrich Brockes, 1680-1747)

Chesterton schreibt in einem Essay über das Buch Hiob: "Beim Umgang mit dem selbstsicheren Zweifler ist es nicht die rechte Methode, ihm das Zweifeln ausreden zu wollen. Vielmehr rate man ihm, weiter zu zweifeln, noch etwas mehr zu zweifeln, jeden Tag Neueres und Wilderes zu zweifeln, bis er endlich, dank einer seltsamen Erleuchtung, vielleicht anfängt, an sich selbst zu zweifeln."

Karl Rahner: Grundkurs des Glaubens (Freiburg 1977), 266 f und 266. Vgl. seine packenden Ostergedanken in der SZ 1972.

Nicht als physische Nahrung: Zur Zeit des 30jährigen Krieges erklärte ein berühmter Bibelprofessor, der Jesuit Cornelius a Lapide, es so: "Christus hat da wahrhaft gegessen. Es war nämlich ein Lebensvollzug, bei dem die Speise von dem beseelten und wiederbelebten Christus kraft seiner vegetativen Seele organisch in den Magen befördert wurde, durch dessen Wärme sie verdaut werden konnte ... Trotzdem wurde Christus von dieser Speise nicht genährt, sondern er hat sie im Magen entweder vernichtet oder in Luft oder eine andere Materie umgewandelt und verstreut ... Augustinus [epist. 49] bringt dazu einen Vergleich: Anders absorbiert durstige Erde das Wasser, anders ein heißer Sonnenstrahl; jene aus Not, dieser aus Macht."

Kommunion: "Empfangt denn und esset den Leib Christi, selber in Christi Leib geworden zu Gliedern Christi; empfangt und trinket Christi Blut. Löst euch nicht wieder auf; eßt das Band eurer Einheit; erkennt eure Würde, trinkt euren Preis. Wie sich dies umwandelt in euch, wenn ihr es eßt und trinkt, so wandelt ihr euch um in Christi Leib, wenn ihr fromm und folgsam wandelt. . . Indem ihr in ihm das Leben erhaltet, seid ihr in einem Fleische mit ihm. Denn nicht so bedeutet dieses Geheimnis das Fleisch Christi, daß es euch davon trenne. Der Apostel erwähnt, daß dies in der Schrift vorausgesagt sei: 'Die beiden werden in einem Fleisch sein' (1 Kor 10,17). Und an anderer Stelle sagt er von der Eucharistie selbst: 'Ein einziges Brot, ein einziger Leib sind wir, die vielen.' So beginnt ihr nun zu empfangen, was ihr begannt zu sein" [Augustinus, in: Balthasar, Augustinus (Einsiedeln 1942), 188].

Weltbild umdenken: Im ersten Band des LThK (1050 f) veröffentlichte Joseph Ratzinger 1957, mit 29, das folgende Programm (Hervorhebung von mir):
"In der Tat muß die Bildwelt, in der das Altertum die endzeitl. Geschehnisse erfaßte, weitgehendst umgedacht werden, ohne daß darüber das v. den Bildern gemeinte Faktum selbst zu Fall kommen müßte. Wenn heute ersichtlich ist, daß das Werden geradezu z. Wesen der Materie u. der aus ihr gebauten Welt gehört, die somit als ganze zeitlich ist, so erhält damit aber zugleich die Idee eines Weltanfangs u. eines Weltendes eine neue Stütze: Welt kann weder nach vorwärts noch nach rückwärts ins Unendliche verfolgt werden ... Wie gegenwärtig die Materie den Ort des Geistes bestimmt, so wird in der neuen Welt der Geist der Ort der Materie sein. Das heißt: Die Auferstehung des Fleisches schafft eine neue 'intelligible' Räumlichkeit u. Zeitlichkeit, [... sie] kann nicht als Teil unseres physikal. Weltraums begriffen werden, da sie eine andere Wesensordnung bedeutet. Der 'neue Himmel u. die neue Erde' wird in der Einbeziehung des ganzen gegenwärtigen Weltgebildes in diese 'intelligible Räumlichkeit' bestehen."

Fertige Kugel: 1970 habe ich diese Idee in den "Katechetischen Blättern" veröffentlicht; der Redakteur bekam daraufhin besorgte bischöfliche Anfragen.

Schwerer Phantasiemangel: John Haldane, zitiert in THE TABLET vom 12. April 2003, S. 16


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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