Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb ab Dezember 2001

Wie läßt unsere Hoffnung sich heute rechtfertigen?

Gedanken zur zweiten Lesung des sechsten Sonntags der Osterzeit


"Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt. Aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen."

Dieser Satz der zweiten Lesung macht uns verlegen. In der "Rechenschaft", die wir von unserer Hoffnung geben sollen, steckt "Rechnen", wie im griechischen Wort "apologia" der Logos, von dem sich "Logik" herleitet - der Inhalt unserer Hoffnung ist aber gerade nicht berechenbar und gar nicht logisch: Im Gegenteil "hat es kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2,9).

I. Einwände

1) Solche Unfaßbarkeit ihrer Hoffnung ist heutigen Christen schmerzlich bewußt, kaum jemand will zum Lohn für irdische Bravheit auf Wolken palmwedelnd Halleluja singen. Vor allem ist die Angst vor der Hölle geschwunden, wird auch nicht mehr geschürt. Wer erinnert sich noch an eine Höllenpredigt? Vor den großen Kunstwerken unserer Tradition, mit Flammen und zähnefletschenden Teufelsrachen, empfinden wir kein inneres Grausen sondern eher amüsierte Eitelkeit: über die Vorstellung eines solchen Gottes, der für zeitliche "Sünden" ewige Folterqualen verhängt, weiß unser Glaubensbewußtsein sich hinaus, haben doch sogar wir Unvollkommenen die Todesstrafe abgeschafft. Man weiß, was die Umstände aus einem Menschen machen können. Nach dem Erfurter Gemetzel erkennen die Mittäter einer gewaltverherrlichenden Medienkultur ihren Anteil an Schuld. Würde es das Himmelsglück erschossener Lehrer steigern, wenn sie ihren jungen Mörder in ewigen Qualen sich winden sähen? Im Mittelalter zog man diese Konsequenz - wir wollen so nicht denken. Weil denken aber unterscheiden heißt, vor einem Hintergrund einen Vordergrund hervorheben, deshalb verblaßt mit der Hölle auch der Himmel. Himmlischer Lohn für irdische Tugend scheint uns bekümmerten Zebras (wenn nicht Eseln) ebenso unpassend wie Höllenstrafe für zeitliche Bosheit. Die Proportionen stimmen nicht. Wie sollen wir den "anderen die keine Hoffnung haben" (1 Thess 4,13) über die unsere Rechenschaft geben, wenn wir es vor uns selbst kaum können?

2) Zum moralischen Zweifel am Sinn von Lohn und Strafe tritt die vordergründige Sorge: Ohne funktionierendes Gehirn kein Bewußtsein. Was der schottische Aufklärer David Hume gegen die Unsterblichkeit der Seele anführt, klingt unwiderlegbar: "Nach der gewöhnlichen Natur-Analogie zu urteilen, kann keine Form fortdauern, wenn sie in einen Lebenszustand versetzt wird, der von dem ursprünglich innegehabten sehr verschieden ist. Bäume gehen im Wasser zugrunde, Fische in der Luft, Tiere in der Erde. Selbst eine so geringe Verschiedenheit wie die klimatische ist oft verhängnisvoll. Mit welchem Recht stellt man sich dann vor, eine solch unermeßliche Änderung, wie die Seele sie bei der Auflösung ihres Leibes und all ihrer Denk- und Fühlorgane erleidet, könne ohne Auflösung des Ganzen bewirkt werden?"

Genauer als zur Zeit Humes weiß die Wissenschaft heute, wie sehr alles, was wir fühlen und denken, von den elektrochemischen Vorgängen in unserem Gehirn abhängt. Anscheinend hat man die physische Entsprechung bewußter Entschlüsse bereits messen können, bevor diese gefaßt wurden! Nein: Wessen Gehirn heute abstirbt, der gehört übers Jahr nicht mehr als Person zu diesem Universum. Mit seinem Fleisch ist es für immer vorbei - wie und wann sollte es auferstehen? Daß der liturgische Text des älteren Credo sich die wörtliche Übersetzung "Auferstehung des Fleisches" nicht mehr traut sondern mit dem jüngeren die "Auferstehung der Toten" bekennt, ist bezeichnend. Tatsächlich ist eine Auferstehung des Fleisches uns scheinbar undenkbar geworden, einfach deshalb, weil die Realität einer bestimmten Zeit zu unserem Fleisch wesentlich gehört. Sollten selbst - was ein unsinniges Wunder wäre - genau dieselben Elektronen und Protonen, die den Körper eines Sterbenden bilden, sich irgendwann später wieder zusammenfinden, wären sie dennoch nicht dieses Fleisch, denn das ist es nur in seiner eigenen Zeit. Wie sollen wir da "Rechenschaft von unserer Hoffnung" geben?

II. Der Glaube

1) Daß Jesus aus dem Tod auferstanden ist, macht den christlichen Oster-Glauben aus, die Tatsache selbst ist also nicht im strengen Sinn beweisbar. Doch läßt sich nachweisen, daß diese Botschaft glaubwürdig ist. Wer sich dessen vergewissern will, besuche das Raubtierhaus im nächsten Zoo, schnuppere den Duft der Löwen und lege sich die Frage vor, welche von zwei Möglichkeiten wahrscheinlicher ist: Jene Christen, die sich von wilden Tieren zerfleischen ließen, obwohl das Sätzlein "ich bin kein Christ" sie sofort befreit hätte, haben die das als verblendete Sektenleute getan oder weil Jesus wirklich auferstanden ist? Prüfen Sie, am besten vor dem Löwenkäfig, ob auch Ihnen die zweite Variante glaubhafter vorkommt. Japans Kamikaze-Flieger oder die Piloten des 11. September taugen nicht als Gegenbeispiel; in beiden Fällen war das Motiv der Todesbereitschaft subjektiv gültig: Japans Ehre ist ein hoher Wert, die Arroganz des Westens verdient Strafe. Die Urchristen haben aber nicht gegen jemanden gekämpft, ihnen ging es einzig um die Wahrheit ihres Zeugnisses für Christus. Leser des Neuen Testaments begegnen keinen gestörten Typen, sondern normalen Leuten wie unsereins, die nur höchst Ungewöhnliches erlebt haben. Daß ihr Freund als "Erster der Entschlafenen" aus dem Tode wiederkam und ihnen zurief: Fürchtet euch nicht, ich lebe und ihr sollt leben - das auch vor Richter und Henker zu bezeugen war ihnen wichtiger, als löwenfern noch einige Jahre hinzubringen. Spricht das nicht überzeugend dafür, daß sie gute Gründe für den Glauben hatten, ihr Zeugnis sei wahr?

2) Bevor Jesus die Auferstehung selbst erlebte, hat er sie im Streitgespräch ausdrücklich gelehrt. Es gab zu jener Zeit zwei theologische Richtungen bei den Juden; die Pharisäer waren für die Auferstehung der Toten, die Sadduzäer dagegen. Lesen Sie (Mk 12,18 ff), welch absurden Fall sie konstruierten, um Jesus zu ärgern. Er widerlegt sie und kommt dann zur Sache: "Daß aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Gott ist doch nicht ein Gott von Toten sondern von Lebenden!"

Sie erinnern sich an die Szene im Alten Testament (Ex 3,6): "Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? Als der Herr sah, daß Mose näher kam um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete, Hier bin ich. Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen."

Jesus legt den Finger auf den entscheidenden Punkt: Gott stellte sich dem Mose als der Gott Abrahams vor zu einer Zeit, da Abraham schon ein halbes Jahrtausend lang gestorben war. Abraham ist der Mensch, zu dem Gott eine besondere Beziehung aufgenommen hat, von Person zu Person. Wäre Abraham damals tot gewesen, so wäre diese Beziehung hinfällig geworden, der Herr hätte sich als den Gott eines Toten vorgestellt. Das kann nicht sein. Wer von Gott angesprochen wird, erhält Teil am Leben Gottes, auch wenn wir uns das Wie nicht vorstellen können.

Daraus schloß Jesus auf die Auferstehung der Toten. Innerhalb des Glaubens ist dies ein unfehlbarer Beweis. Ein Freund Gottes kann nicht sterben. Von der Bühne dieses Lebens tritt er ab, um das Fest im Publikum weiter zu feiern - tot sein aber kann niemand, zu dem der Schöpfer einmal gesagt hat: ICH bin dein Gott. Wohlgemerkt: daß Gott dies zu Abraham sagt, glaubten auch die zweifelnden Sadduzäer; in unseren Tagen glauben das auch viele, die das Christentum auf die Bergpredigt festlegen und Ostern nicht für bedeutsam halten. Gälte Gottes Bund mit einem Menschen aber nur während dessen Lebenszeit, dann hätte Gott sich dem Mose tatsächlich als Gott eines Toten offenbart - das erklärt Jesus für undenkbar und unser Glaube stimmt ihm zu. Vielleicht hörst auch du vor den Fotos deiner Toten irgendwann eine Stimme: Fürchte dich nicht. ICH BIN was ICH war, der Gott deiner Mutter, deines freundlichen Lehrers, deshalb sind sie nicht tot sondern warten auf dich und fangen dich auf, wenn auch du einmal von der Bühne in unseren Festsaal springst.

III. Antworten auf die Einwände

Als Rechenschaft unserer Hoffnung, daß es ein Ewiges Leben gibt, sollen diese Überlegungen genügen. Wir werden freilich auch gefragt, wie man es sich denken kann. Gehört das Thema in eine Predigt? Einerseits nicht; denn eine Predigt soll das Wort Gottes auslegen, nicht sich in menschlichen Spekulationen und Hypothesen ergehen. Anderseits darf, ja soll ein Prediger dem Samenkorn des Glaubens den Boden dadurch bereiten, daß der Anschein logischer Unmöglichkeit ausgerissen wird. Stimmt es, daß unser Fleisch wesentlich von seiner Zeit zwischen Mutterleib und Sterbebett bestimmt wird und deshalb logischerweise nicht auferstehen kann?

Das erste stimmt, das zweite nicht. Korrekt wäre die Folgerung nur, wenn es um eine Auferstehung zu einer anderen, späteren Zeit ginge. Die läge tatsächlich außerhalb des Wesens dieses Fleisches. So meint der Glaube sich aber keineswegs. Nicht anderswo zu späterer Zeit hofft dieser hier und jetzt aufzuerstehen, sondern eben als HIER und JETZT samt aller Zeit und der ganzen neuen Erde. Das Fleisch, das ich jetzt bin, an diesem Frühlingsvormittag 2002, samt den Ziffern 8:02 meiner Uhr, wird DANN auferstehen, jenseits aller Zeit auch diese Zeit neuschöpferisch er-innernd.

Zurecht behauptet der kritische Denker, daß keine Form das Ende ihres materiellen Gefüges überleben kann. In hundert Jahren ist mein Blut Staub. Im Tod breche ich ab. Wie Rigoletto mit der letzten Note endet, nach ihr kommt keine weitere. Aber Rigoletto lebt, noch lange wird das Quartett die Lauschenden verzaubern. Wie es in einem Traum, der mit einer Bombenexplosion um Mitternacht endet, nie mehr ein Uhr früh wird. Das zerfetzte Fleisch der Träumerin setzt sich im Traum nie mehr zusammen (die altkirchliche Frage, wem in Fällen von Kannibalismus zuletzt das Fleisch gehört, war eine falsche), doch in der Erwachten steht das Fleisch auf, in einer all ihren Traumzeiten überlegenen Wachzeit voll der Erinnerung an sämtliche Traumgestalten die ICH ("ehe Abraham ward, BIN ICH - ich lebe, nicht mehr ich, Christus lebt in mir") - die ICH schon habe sein wollen. Wie mein Agieren auf den Bühnenbrettern dieser Erde zwar in der Zeit des Stücks einmal abbricht, nicht aber seine aktuelle Gegenwart in aller, auch meiner, Erinnerung bei dem Fest, dessen unser Welttheater eine Veranstaltung ist und ewig gewesen bleiben wird.

Daß die traditionellen Höllen- und Himmelsbilder nicht mehr wirken, muß uns also nicht bekümmern. Es gibt passendere. Lohn und Strafe gehören aus dem üblichen Gewalt-Kontext unserer alten Ängste in den Rahmen partnerschaftlicher Liebe versetzt: dort stimmen sie. Jedes gute Wort aber auch jede Lieblosigkeit hat unendlich weit und tief reichende Konsequenzen. Im Grunde wissen wir das längst. Nicht äußerer Lohn für schielende Tugend wird der Himmel sein sondern schlicht die öffentliche Wahrheit des Guten. Wie erst das Konzert die Wahrheit der Proben. Als totales Unheil wird die Hölle hoffentlich leer sein, d.h. sich zuletzt doch als Fegfeuer zeigen, in dem nicht ich ewig verbrennen soll sondern die Kerkermauern jenes Ego, (in) dem mein Selbst verhaftet war. Nicht äußere Strafe für Fehlverhalten wäre diese Hölle sondern die nichtige Wahrheit des Bösen, ähnlich einer abgestürzten Datei: vorhanden, doch tödlich isoliert, unkommunizierbar. Wer je die Arbeit von Stunden so verloren hat, ist vor einem Höllenbild gesessen, erschütternder als die Flammen in den Museen.

Wie weit solche Gleichnisse stimmen oder hinken, können wir nicht wissen. Versteht die Raupe den Schmetterling? Nachträglich gebe ich meinem Vater recht, der mich laut auslachte, als er von meinem Plan erfuhr, ein Buch über das Ewige Leben zu schreiben. Eines aber ist an diesen Vergleichen wahr: der Nachweis, daß der Einwand des logischen Scheinwissens gegen den Auferstehungsglauben nicht schlüssig ist. Als Gläubige sind wir nicht unlogisch. Zwar überlebt kein Lebewesen den Untergang seiner materiellen Basis in deren Zeit, wohl aber kann das Lebewesen samt seiner Basis und der ganzen Zeit niederer (virtueller) Ordnung in einer höheren (aktuellen) Ordnung überleben: die Oper im Bewußtsein ihrer Hörer, der Traum im Geist des Erwachten, das Stück im Nachhall der Erinnerung von Ensemble wie Publikum. Derlei schwebende Ahnungen reichen hin, den Einwand von Logikern gegen den Glauben zu entkräften. Daß dieser stimmt, muß und kann nicht bewiesen, darf und wird weiterhin geglaubt und (Ps 118,17) gesungen werden.
Nicht sterben werd' ich, nein: leben
und künden die Werke des Herrn
. Halleluja.


Zum Weiterdenken:

Im Mittelalter zog man diese Konsequenz: Thomas von Aquin (1225-1274) schrieb als junger Mann (S.Th. Suppl. q94 a3), daß die Seligen sich über die Strafen der Verdammten freuen, zwar nicht über deren Schmerzen als solche, wohl aber "indem sie in ihnen die Ordnung der göttlichen Gerechtigkeit und ihre Befreiung betrachten, über die sie sich freuen werden". Daran ist nichts auszusetzen, trotzdem taugt die Vorstellung lachender Seliger angesichts ewiger Martern heute nicht mehr als Glaubensausdruck. Anders ist es mit der freudigen Zustimmung zur abgrundtiefen Schande, in die alle Menschenschinder DANN öffentlich versinken - bis sie hoffentlich bereuen und ihre Opfer demütig um Verzeihung bitten ...

David HUME: "Judging by the usual analogy of nature, no form can continue when transferred to a condition of life very different from the original one, in which it was placed. Trees perish in the water, fishes in the air, animals in the earth. Even so small a difference as that of climate is often fatal. What reason then to imagine, that an immense alteration, such as is made on the soul by the dissolution of its body and all its organs of thought and sensation, can be effected without the dissolution of the whole?" (David HUME, Of the Immortality of the Soul [The Philosophical Works (London 1882)] IV, 404)

Entschlüsse bereits messen, bevor diese gefaßt wurden: Sind wir frei? Auf ein erstaunliches Ergebnis der neuesten Hirnforschung hin fällt mir ein Essay von 1959 wieder ein.

Bühne dieses Lebens: [Aus dem neuen Buch:] "Während die Bühne sich dreht, spielt man auf all ihren Sektoren dieselbe Geschichte. Aber nicht die gleiche. Je nachdem, auf welches Tortenstück die Beiden in der Loge achten, erleben sie eine andere echte Gestalt ihrer Beziehung. Vergleichen wir den jüdischen mit dem christlichen Akt. Beide vollziehen sich schon etwa viertausend Jahre mit-, neben- und gegeneinander. Schon Abraham, Stammvater des jüdischen Volkes, tritt auch in der christlichen Version auf, wenn Jesus zu seinen Mitjuden sagt: "Abraham, euer Vater, jubelte, daß er meinen Tag sehen sollte. Und er sah ihn und freute sich" (Joh 8,56). Gewiß dürfen wir Christen den Juden ihre Bibel nicht rauben; umgekehrt gilt das Erste Testament aber auch den Christen als offenbartes Gotteswort, samt seinen geheimnisvollen Verheißungen, die wir in Christus erfüllt glauben. Auch für die Juden hat das Lied vom leidenden Gottesknecht (Jes 53) sich aber erfüllt, nicht auf Golgotha sondern millionenfach in Auschwitz: durch die Hände vieler Getaufter.

Hier geht's zur Vorstellung meines neuen Buches

Wir müssen die kindliche Vorstellung verabschieden, als sei die Wahrheit des Ganzen auf eine Weise ausdrückbar. Beethovens Neunte läßt sich nicht für Blockflöte setzen, das Drama der Heilsgeschichte ist nicht in einer einzigen seiner Etappen darstellbar. Alle theologischen Begriffe, ausnahmslos alle, sind vieldeutig, nehmen in verschiedenen Szenen unterschiedliche Nuancen an."

So wurde das Buch am 22. November 2001 in der Nürnberger Zeitung vorgestellt.

Weit und tief reichende Konsequenzen: Vgl. die Sätze aus dem Artikel "The challenge of heaven" des englischen Benediktiners Dominic Milroy [The Tablet 30 March 2002,13]: St Paul's present heaven is a dimension of life as we live it here and now, and consists in "the supreme advantage of knowing Jesus Christ". What lies beyond death is God's business, only to be perceived "in a glass darkly". All we know is that what we are and do in this life is heavy with consequences.
It is this "heaviness with consequence" that needs to be breathed back into our instinctive and imaginative sense of heaven and hell. Vivid pictorial images cannot replace what is essential to the Scriptures, namely a sense of mystery, of human need and of moral and spiritual responsibility. The concept of heaven is a challenge rather than a consolation. The Easter gospels, which offer us no more than a few glimpses of what resurrection means, represent the heart of this challenge. The risen Christ is hard to recognise. He is both profoundly different and profoundly the same.

Hölle hoffentlich leer: Der Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar, zum Kardinal ernannt, starb kurz vor dem Empfang des roten Hutes. Rechtskatholisch böse Zungen verbreiteten damals, dies sei Gottes Strafe für seine Behauptung, man dürfe hoffen, daß die Hölle leer ist. Als Student habe ich jenen Aufsatz seinerzeit mit ungeheurer Erleichterung gelesen.

Abgestürzte Datei

Buch über das Ewige Leben: Es wurde nur teilweise in einer Zeitschrift gedruckt, seine Teile wurden nie zu einem Ganzen verbunden. Über Jahrzehnte hin entstanden, seien sie hier versammelt. Die Ganzheit, auf die es ankommt, muß im Kopf des Lesers entstehen.

Nicht sterben werd' ich, nein: leben
und künden die Werke des Herrn
:

Ganz unten siehe die Melodie nach dem festlichen Psalmton 8abwärts, der für Psalm 118 gut paßt, so wurde er um 1960 im Germanikum gesungen. Ich wundere mich, daß die großartigen Psalmtöne, die Alois Winter damals ersonnen hat, in der Kirche so wenig Anklang finden. Warum stehen sie nicht im Gesangbuch? Es sind insgesamt 16, unterschieden nach dem Intervall-Abstand zwischen erster und zweiter Vershälfte. Wichtig für Kantoren: Die beiden Notenzeilen sind keine Partitur; die obere enthält die Fassung für zweisilbigen, die untere für einsilbigen Textschluß (deshalb unterstrichen). Wird der Psalmtext zuvor mit Aufwärts- und Abwärts-Strichen oder -Häkchen gekennzeichnet, läßt er sich leicht singen. Versuchen Sie diesen Psalm 118, dazu nach je zwei Versen von der Gemeinde das Standard-Alleluja gesungen: ein herrliches Osterlied, das auch eine irdische Zukunft verdient - die himmlische ist ihm sicher.
Zum Singen eignen sich die Guardini-Psalmen am besten (nicht die - von einem Komitee erstellte - Einheizübersetzung). Zum persönlichen Beten nutze ich gern die Übersetzung des Arbeiterpriesters Hannjürg Neundorfer. Er hat jahrelang im Trafowerk der MAN geschuftet und ist, als Schüler von Willigis Jäger, Meditations-erfahren.

Hier z. B. seine Wiedergabe von Psalm 77,4-12. Der Unterschied zur gutgemeinten offiziellen Fassung springt in die Ohren:

»4 Ich denke an Gott und weine,
ich klage, doch mein Mut zum Leben gibt nicht auf.
5 Nachts kann ich nicht schlafen,
aufgewühlt bin ich, und kann nicht reden.
6 Die alten Zeiten gehen mir durch den Kopf,
die längst vergangenen Jahre.
7 In der Nacht rede ich vor mich hin
und mein Gemüt tappt herum.
8 Wird mein Herr mich für immer hängen lassen?
Wird er mich nie mehr gnädig annehmen?
9 Ist seine Huld auf die Dauer dahin?
Ist seine Zuneigung für alle Zeiten zu Ende?
10 Hat Gott vergessen, gut zu sein,
oder hat er sich im Zorn verschlossen
und aufgehört, sich zu erbarmen?
11 Doch, um mich zu beruhigen, sage ich:
Ich denke an die Jahre, da der Höchste offen wirkte;
12 ich denke an sein wunderbares Wirken,
ja, an deine Wunder von Anfang an.«

Das Buch (leider voller Druckfehler, die sich aber leicht korrigieren lassen) ist für 15 Euro erhältlich beim Autor Hannjürg Neundorfer, Spiegelgraben 39, 96052 Bamberg, Tel./Fax 0951 6010169.


Hier ist ein Angebot für Freunde meiner Internet-Gedanken: Auf einer CD habe ich unter dem Titel "Christliches Stereo-Denken" alles, was auf verschiedenen Servern veröffentlicht ist, zusammengestellt und intern verknüpft sowie mit Bildern und Liedern angereichert. Außerdem sind sechs Bücher im WORD-Format dort zu lesen (die elektronischen Bücher Nr. 2,5,6,7,10 der Liste). Im Ganzen meldet der Rechner fast tausend Dateien. Ein Teil der Ernte von über vierzig Jahren Theologie steht zur Verfügung und kostet nur 8,50 Euro + Porto, insgesamt unter zehn Euro. Für Religionslehrer, Pfarrer und andere Profis eine Fundgrube, für deren Freunde eine sinnige Geschenk-Idee. Bestellungen bitte direkt an mich, um Verwechslung mit dem Müll zu vermeiden bitte mit klarem Betreff: CD-Bestellung. Seit Anfang Dezember 2004 ist die neue Auflage mit allem bisher im Netz Veröffentlichten verfügbar.


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/hoffnung.htm

Zurück zur Leitseite des neuen Predigtkorbes.

Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

Kommentare bitte an Jürgen Kuhlmann