Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr C

Im rettenden drei-einigen Kraftfeld

Gedanken zum Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit


"Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn ... Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (Röm 5,1.5).

I. Im drei-einigen Kraftfeld

Die Sätze des Apostels Paulus vermitteln uns eine wahre Vorstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit; die kirchliche Rede von den "drei göttlichen Personen" hingegen wird meistens falsch verbildlicht: als lebten drei Personen hoch droben im Himmel, ähnlich wie ein Milliardärsklüngel in der Südsee Urlaub macht, während wir uns hier im Alltagstrott abstrampeln.

Sobald wir das heutige Festgeheimnis aber von uns abtrennen, als wären wir außerhalb seiner, haben wir es total missverstanden. Mit unserem wirklichen Leben in der weltlichen Welt hätte ein so gedachter Transzendenzbereich nichts zu tun. Tatsächlich sind wir in Christus, als seine lebendigen Glieder, mitten darin. In unser Herz schwingt sich die unendliche WIR-Spannung, in der Jesus gejubelt hat (Lk 10,21), "herab" von DIR, Gott, erfüllt es mit dem JA, das Christus ist (2 Kor 1,20) und nimmt sogleich unser ICH samt Mariens Ja (Lk 1,38) in ihm mit "empor" zu DIR. In jedem Atemzug (ein-aus), auch im Wechsel von Wach- und Müdewerden oder Frühling und Herbst vollzieht sich der innergöttlich-dreieinige Rhythmus. Wer bei einem langsamen Kreuzzeichen bedenkt, was da geschieht, nimmt sich selbst in diesem Kraftfeld gläubig wahr. Was wir am Dreifaltigkeitsfest eigens bedenken, ist trotz der feierlichen Worte kein fernes Geheimnis, vielmehr nicht nur heute sondern jeden Tag unsere – und aller Menschen – unmittelbar eigene Wirklichkeit.

II. Das absolute Kraftfeld reißt uns aus des Teufels Gewalt

Außer in den letzten Jahrzehnten hat die Christenheit den Teufel immer ernst genommen. Und keineswegs nur römische Exorzisten und streng Evangelikale halten die derzeit übliche Teufelsleugnung für dummen Aufkläricht. Auch ein kritischer Historiker nimmt den heiligen Ignatius gegen seinen späten Ordensbruder Karl Rahner in Schutz. Während dieser theologische Bedenken hat, das Böse auf jemand anderen abzuschieben, stellt Ignatius jeden, der die Exerzitien macht, scharf vor die Entscheidung zwischen Teufel und Gott. "Das Wirken transzendenter Mächte (und vor allem die Anwesenheit Gottes) in sich selbst zu entdecken: genau das macht den geistesgeschichtlichen Rang des Ignatius von Loyola aus!" [Helmut Feld, Ignatius von Loyola (Köln 2006), 357]

Gibt es vernünftigen Frieden zwischen der teufelsfixierten Tradition und aufgeklärter Teufelsleugnung? Ich schlage vor: Die Modernen haben recht, dass wir vom Teufel als riesigem bösem Geschöpf nichts wissen. Die Tradition sieht das Böse mit Recht als unheimliche Macht, gegen die wir kämpfen müssen. Weder geschaffene noch göttliche Realität kommt dem Teufel zu. Vielmehr sind – nicht real aber – schrecklich wirksam drei böse Mächte, die man trinitarische Abstraktionen nennen kann: Wahrhaft göttliche Sinnpole, die aber vom Wahn des Verstandes aus ihrem Ineinander gerissen und so, also irrig, verabsolutiert und auf die Menschen losgelassen werden. Deshalb erlöst aus des Teufels Gewalt allein der dreieinig wirkliche Gott. Dreifach bedroht sie uns

- in uns als böses ICH ohne DU und WIR: Luzifer, der Rebell will nicht dem Ganzen dienen, lebt lieblos seinen Egoismus aus, bis Michael ihn niedermacht, wenn der alte Mensch in der Taufe ertränkt wird.

- "über" uns als böses DU ohne WIR und ICH: Satan, der Ankläger, Überich-Vampir, Tyrann und Sadist da droben, den Gottvergiftete so heillos fürchten, bis die Transfusion von Jesu gesundem Blut ein glaubendes Herz rettet.

- "um" uns als böses WIR (=EINS) ohne ICH und DU: Die Drachin von Depression oder Rausch, gemalt z.B. in Altdorfers Drachenkampf des heiligen Georg. Im ungeheuren Wald winzig der Ritter auf dem Schimmel. Vor ihm, fast unkenntlich im Gewirr, eine feiste Riesenkröte. Die Böse als verschlingendes Dschungelmonster, die Große Mutter als Kali die Fressende. Wie ich sie kenne! In dem Kinderbuch »Max Butziwackl der Ameisenkaiser« purzelt ein Trupp Ameisen in den Sandtrichter des Ameisenlöwen, unrettbar angezogen von dem fressenden Ungeheuer in der Tiefe. Den Schauder, der mich damals packte, rief Altdorfers Bild neu hervor. Mit neunzehn, beim Abbruch des Tanzkurses und Eintritt ins Seminar, war ich dankbar für den Zölibat – bis die grausige Fröschin sich später – dank dem dritten Sakrament – in die lieblichste Prinzessin verwandelt hat.

DANK SEI IHR DER ZU, IN UND UM UNS DREI-EINIGEN LIEBE


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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