Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr C

Heißt die Fremden willkommen!

Gedanken zum neunten Sonntag im Jahreskreis


Lesung aus dem ersten Buch der Könige (8,41-43)

"Auch Fremde, die nicht zu deinem Volk Israel gehören, werden wegen deines Namens aus fernen Ländern kommen; denn sie werden von deinem großen Namen, deiner starken Hand und deinem hoch erhobenen Arm hören. Sie werden kommen und in diesem Haus beten. Höre sie dann im Himmel, dem Ort, wo du wohnst, und tu alles, weswegen der Fremde zu dir ruft. Dann werden alle Völker der Erde deinen Namen erkennen. Sie werden dich fürchten, wie dein Volk Israel dich fürchtet, und erfahren, dass Dein Name ausgerufen ist über diesem Haus.

Ein stolzes Gebet trägt König Salomon aus Anlass der Tempelweihe seinem Gott vor. Kommen fremde Menschen von weither in den Tempel, um zum wahren Gott zu beten, dann mögen auch sie erhört werden. Das ist kein engherziger Glaube, der nur aufs Eigene schaut. Unser Gott ist Schöpfer und Erhalter der ganzen Welt, deshalb seien alle gesegnet, die ihn ehren.

Jahrhunderte hindurch war die Christenheit aus solcher jüdischer Großherzigkeit heraus gefallen. Als Kind hätte ich noch lernen sollen, dass nur gute Katholiken gewiss in den Himmel kommen, bei anderen sei das höchst unsicher. Neue Klarheit hat erst das Konzil gebracht. Seither hat unsere Hoffnung sich geweitet, erstreckt sich auf alle Menschen guten Willens. Wie könnte der offene Geist dieser Lesung sich im heutigen katholischen Sprachkleid ausdrücken? Vielleicht so:

Auch Fremde, die nicht zu Deiner Kirche gehören, werden von ihren anderen Denkweisen aus in die wunderbare Wahrheit eindringen, dass der SINN des Universums sich selbst als Mensch erkennt: wie im auferstandenen Jesus, so hoffentlich in jedem Kind, jeder Frau und jedem Mann. Denn alle sind wir dazu berufen, Glieder Deines ewig lebenden Leibes zu sein. Nur radikale, endgültig unbekehrbare Bosheit schlösse zuletzt von dieser Berufung aus – ob es solche gibt, wissen wir nicht, dürfen sogar hoffen, dass derart nichtiger Wahnsinn nie zur Tatsache wird.

Wer sich in unserer nachpfingstlichen Zeit des Kirchenjahres wie der Heilsgeschichte so zu denken traut, tritt seinen anders oder (scheinbar?) nicht gläubigen Mitmenschen anders gegenüber, als es früher üblich war, mancherorts noch ist. Nur wenn wir kirchlich Gläubigen frei nach Salomon unser geistliches Haus auch Fremden öffnen, können die "erfahren, dass Dein Name ausgerufen ist über diesem Haus. Nehmen wir solche Verantwortung ernst?

Am 31. Tag dieses ziemlich unwonnigen Wonnemonats Mai 2013


Möchten Sie über vieles in unserem Glauben auch mal fern von Computern lesen? Eben erschienen ist eine Sammlung meiner Predigt-Texte für die jetzt beginnende Zeit zwischen Pfingsten und Advent. So sieht das Buch aus, es umfasst 153 Seiten, dies ist sein Inhalt, hier liest man meinen - manches Rätselhafte erklärenden - Begleitbrief zur Werbe-Anzeige. Das Buch bietet Predigern wie Religionslehrer(inne)n eine Fülle geistlicher Anregungen, auch durch ein "Sümmlein der Theologie", nämlich 82 Verweise ins Internet. Wer also sich oder einem/r befreundeten Reli-Profi (oder bestell-berechtigten Bibliothekar) eine nützliche Freude machen will, kann das brandneue Buch bei mir bestellen (bitte mit deutlichem Betreff: Buch-Bestellung) und bekommt es samt der Rechnung über 12,80 sogleich portofrei zugeschickt.


*

Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/c-s9.htm

Zurück zur Leitseite des neuen Predigtkorbes.

Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

Kommentare bitte an Jürgen Kuhlmann