Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr C

Vertrau dem Freund des Lebens!

Gedanken zum einunddreißigsten Sonntag im Jahreskreis


"Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens. Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist“ (Weish 11,26 f).

"Freund des Lebens“ ist ein wunderbarer Name Gottes. Ihn aufmerksam zu bedenken hilft gegen religiöse Ängste, die uns einen überstrengen, lebensfeindlichen Allerhöchsten vor die Seele malen wollen. "Gott sieht's, Gott hört's, Gott straft's“, mit diesem Spruch sind in manch angeblich frommer Familie Kinder eingeschüchtert worden, da ist der Zorn solcher schon verständlich, die den Papst in England jüngst mit Plakaten "Religion ist Kindesmissbrauch“ begrüßten.

Warum ist Gott der Freund des Lebens? Unser Bibeltext bringt eine überraschende Begründung: "Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.“ Darin steckt ein anspruchsvolles Friedensprogramm. Viele der Widersprüche, die uns bedrängen und gegen einander zu handeln zwingen, sind in Wahrheit doch Kunstgriffe des Lebens für uns alle. "In allem ist dein unvergänglicher Geist“ – wenn wir uns daran mitten im Chaos der Widersprüche erinnern, kann die Einsicht in die tiefere Einheit uns fähig machen, die noch so verwirrende geschichtliche Vielfalt auszuhalten und unseren begrenzten Dienst am Ganzen geduldig zu tun, auch wenn andere uns tadeln.

Freund des Lebens ist unser Gott, und Leben ist immer eine Balance gegensätzlicher Impulse. In dem großen Klinikum, wo ich gerade auf eine Operation warte, kümmert eine eigene Abteilung sich um die rechte Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Fließt es zu dünn, kann der Patient verbluten; ist es zu dickflüssig, besteht Emboliegefahr: dass ein Pfropfen eine Ader verstopft.

Wundern wir uns nicht, wenn Mitmenschen gegen uns arbeiten. Das ist normal. Kann sein, der eine Gottesgeist in allen treibt sie an, zum Nutzen des Ganzen, das kein Einzelner durchschauen kann. Im Idealfall will die Zirkusprinzessin Anima seiltanzen und braucht zwei Clowns, die ihr – mit aller Kraft gegeneinander zerrend – das Seil aufspannen.

Oder aber ein Impuls stammt aus dem Bösen, aus liebloser Eigensucht nicht nur gegen andere sondern gegen das lebendige Ganze selbst. Ein solcher Gegensatz ist nicht nach dem Sportmodell zu verstehen sondern – auf unserer oder gar der anderen Seite! – als heiliger Krieg: wenn z.B. ein Schindler und manche anderen gegen die Nazis für die Rettung von Juden kämpften.

Bedenken wir: Wo genau auf dieser Skala zwischen Sport und Krieg mein gegenwärtiger Konflikt liege, muss ich nicht wissen. Martin Luther und Ignatius von Loyola vermeinten sich beide im Krieg gegen Gottes Feinde, heute machen Evangelische Exerzitien und Katholiken protestieren gegen Übergriffe aus Rom. Für eine vernünftige Praxis braucht es keine umfassende Klarheit. Wenn ich dem Spruch des Gewissens traue und folge, darf ich die letztgültige Struktur des gesamten Kraftfeldes unbesorgt Gott überlassen. "Richtet nicht!“ Zweierlei sei klar: In meines Gottes Auftrag soll ich dem äußeren Tun des andern widerhandeln, im Innersten sogar eines Bösen dennoch auf Gottes Gnade hoffen.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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