Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr C

Andere Farbe – selbes Licht

Gedanken zum Weltmissionssonntag


"Er ist ja der Gott des Rechts, bei ihm gibt es keine Begünstigung" (Sir 35,15).

Hätte die Christenheit diesen Satz aus einem späten Buch des Alten Testaments immer ernst genommen, so klänge das Wort "Weltmissionssonntag" heute nicht so zweideutig. Mission: Das war nicht nur begeisterte Weitergabe der erfreulichen Neuigkeit, die Jesus von ganz innen her in unsere harte Welt gebracht hat. Solche Mission versteht sich von selbst. Helles kann nicht anders als leuchten; wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. So hat die Kirche sich zu Beginn ausgebreitet.

Später geriet Mission ins Zwielicht, verband sich mit staatlich-kolonialer Gewalt. Im Roman SILENCE berichtet der Katholik Shusaku Endo[suche: Endo] von einem Gespräch: Passt nur auf, warnte ein spanischer Seemann um 1600 den japanischen Beamten, dass es euch nicht so geht wie den Indios. Sind eure Leute erst einmal Christen, dann kommt die Armee des spanischen Königs und unterwirft euch ihm. Sofort wurde die erfolgreich begonnene Mission verboten. Viele Martyrer, bei Ebbe an Pfähle am Ufer gebunden, haben ihren Glauben schweigend bis zuletzt bezeugt, während die Flut stieg.

Seit dem II. Vatikanischen Konzil gilt Katholiken die Mission nicht länger als Einbahnstraße. Geistlich stimmt sie nur, wenn sie gekoppelt ist mit Ehrfurcht vor fremden Wahrheiten und Lernbereitschaft. Gemeinsam mit vielen anderen unter Gottes bunter Glaskuppel im Sonnenlicht stehend, sollen wir von unserer besonderen Heilsfarbe allen erzählen, denn mit ihr zusammen ist jede fremde reicher als allein. Hüten müssen wir uns aber vor dem üblichen Trugschluss des Fundamentalismus, der sich selbst als z.B. leuchtend grün erfährt und sein Gegenteil Rot deshalb für finster erklärt. So macht er freilich nicht nur die andere Farbe schlecht sondern auch das gemeinsame Licht und betreibt, statt Mission, unheiligen Krieg.

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Eine andere Predigt für heute sowie der Text einer Radio-Sendung und deren Ton.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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