Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr C

Plötzlich am Rande der Welt

Gedanken zum vierzehnten Sonntag im Jahreskreis


"Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt" (Gal 6,14).

Als Paulus diesen leidenschaftlichen Satz schrieb – mit eigener Hand, wie er betont – da war ihm klar, was er meinte. Auch die ersten Leser konnten ihn richtig verstehen. Und durch alle Jahrhunderte hin haben gläubige Menschen sich immer wieder als der Welt gekreuzigt erfahren: während ringsum alles scheinbar normal weiter läuft, ist es mit meiner Selbstverständlichkeit und schönen Bewegungsfreiheit von gestern plötzlich aus, weil ich hilflos festgenagelt bin.
Ich schreibe dies am Pfingstmontag 2010. Vor vier Wochen wusste ich noch nicht, dass ein mörderischer Krebs an mir fraß. Inzwischen ist das Böse herausgeschnitten, samt Teilen von Speiseröhre und Magen. Vom Balkon der Reha-Klinik blicke ich dankbar hinaus in den sonnigen Morgen und denke zurück an die ähnliche Pracht morgen vor dreimal sieben Jahren, da ich die Erlöste Erde als Person preisen durfte.
Wer wie Jesus an der Rand der Welt gezerrt wird und zu neuem Leben aufersteht, stimme in den Jubel des Apostels ein und rühme sich des Kreuzes. So tut er es richtig. Leider hat das Christentum den Sinn solchen Rühmens aus dem Blick verloren, nachdem es vom römischen Imperium – nicht angenommen sondern – übernommen worden war und das Kreuz aus dem Hoffnungssymbol für alle zum Markenzeichen gegen die anderen banalisiert hatte. Mit welchen Gefühlen haben in Mexiko und Peru die Indios auf das Kreuz geblickt, das die spanische Soldateska ihnen hinhielt?
Seit jetzt weltweit die Kirche selbst am Kreuz der Schande hängt, bekommt dessen Rühmen für uns Christen einen neuen kollektiven Sinn. Es als Triumph der eigenen Partei misszuverstehen, von diesem alten Verhängnis sind wir befreit. Während Tausende (auch mein netter Zimmergenosse in der Klinik) die Kirche entsetzt verlassen, wollen wir, die bleiben, uns an den Grund unseres Glaubens klammern. Ohne Ostern würde, nach so vielen Fortschritten der Tötungstechnik, vom Kreuz heute niemand mehr sprechen. Weil Christus sterbend aber die Todesmacht zerbrochen hat, wollen auch wir uns – gegen niemanden, für alle – seines Kreuzes rühmen, an dem in nackter Ehrlichkeit jener gottmenschliche Leib dahinstirbt, dem Opfer wie Täter angehören, d.h. – in unterschiedlicher Verteilung – jeder von uns, nicht ins Nichts, aber in die unbegreifliche Einheit strengen Rechts und verzeihender Liebe.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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