Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr C

Stäubchen im All?
Erde im Himmel!

Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt


"Wenn Gott eine Tür schließt, öffnet er ein Fenster," weiß Gilbert Chesterton. Während meiner Lebenszeit hat sich der Menschheit ein Fenster ins Helle geöffnet, nachdem ihr seit ein paar hundert Jahren die altvertraute Tür zum Himmel versperrt ist: die nämlich, den Namen des heutigen Hochfestes schlicht wörtlich zu nehmen. Jenen Himmel, in den Jesus angeblich "vor ihren Augen empor gehoben wurde", ihn hat es, wie wir wissen, nie gegeben. Er war immer nichts als der leere Weltraum, ein riesiges Nichts mit hie und da ein paar Sternen drin, kalt oder heiß. "Von Wegen zu Gott" spricht der Glaube an der Regensburger Domfassade – von wegen zu Gott! höhnt der Unglaube. Von Gott habe er im Himmel nichts bemerkt, meldete brav ein Kosmonaut. Diese Tür zum Selbstverständnis ist für immer zu.

Das Fenster aber ist offen, durch das wir verzückt unsere blau strahlende Erde im Himmel schweben sehen. Von diesem wunderbaren Anblick hatten frühere Generationen keine Ahnung. Die Erde ist im Himmel! Denn Jesus hat das Unsrige in den Himmel mitgenommen. Dort regiert nicht ein gleichgültiges Schicksal, auch nicht jener KZ-Kommandant, dessen grausiges Bild mancher angstgeschüttelte Sinn an den Himmel projiziert. Nein: Christen bekennen die real existierende Ewigkeit mit menschlichem Antlitz. Und wir sind dabei, nicht ohne seine lebendigen Glieder jeder Epoche will Christus im Himmel sein. "Christus ist Jesus plus wir", erklärt ein kluger Jesuit.

Den ersten Christen war deutlich (Eph 2,6): wir sind schon in den Himmel versetzt. Auch ein Hölderlin hat es gewusst. Glücklich, wer ihm auf dem Weg der Sprache in die reine Schönheit folgen kann. Wer den zu steil findet, muss nicht verzagen, kaue gläubig ein Stück Brot, atme vertrauend ein und aus. Und spüre: Zwar werden diesem Kind Gottes ab dem Jahr 2009 + x weitere Jahre fehlen. Dieses lebendige JETZT jedoch fehlt mir nie. Es ist für immer mit Jesus und den Meinen im Himmel.


Warum der "ungläubige" Zeitgeist von heute auf seine andere Weise wahr und falsch ähnlich mischt wie der buchstabengläubige von früher, versuche ich in dieser Rundfunksendung zu erklären:

Licht aus senkrechter Spannung
Text und Ton der Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Katholische Welt) vom 21. Februar 2010


Wer nicht aufs Netz angewiesen sein will, kann meine Internet-Präsenz auf einer CD-ROM bestellen, zusammen mit Buchtexten, die nicht online verfügbar sind (z.B. dem Dreifaltigkeitsbüchlein von 1968 [les- aber nicht durchsuchbar]). Die CD, samt Nachtrag Mai 2006 und September 2008, kostet 8,50 Euro + Porto. Für Religionslehrer, Pfarrer und andere Profis eine Fundgrube, für deren Freunde eine sinnige Geschenk-Idee. Bestellungen bitte direkt an mich, um Verwechslung mit dem Müll zu vermeiden bitte mit klarem Betreff: CD-Bestellung.


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/c-himmel.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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