Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb

I. Die Bergpredigt: der christliche Kompaß

Gedanken zum vierten Sonntag im Jahreskreis


Wie verträgt Jesu Herzensbotschaft sich mit der Realität? Das ist die Frage, die wir heute bedenken wollen. "Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden" - taugt der Grundsatz für den Richter in einem Mordprozeß? Darf er den überführten Mörder aus Barmherzigkeit freisprechen? Er darf es nicht; und tut er es doch, handelt er erbarmungslos gegen seine eigene Familie, denn man setzt ihn ab. "Selig, die keine Gewalt anwenden", lehrt Jesus. Hatte der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt da nicht recht, als er feststellte, daß man mit der Bergpredigt keine Politik machen kann? Gegen den heftigen Widerstand der Friedensbewegung hat er jene "Nachrüstung" durchgesetzt, die vermutlich mitgeholfen hat, die kommunistische Tyrannei zu stürzen. So widerlich der zynische Spott über die "Gutmenschen" einem auch vorkommen mag - wie schaffen wir es als Christen, seinen unbestreitbaren Wahrheitskern mit unserem Glauben an die Bergpredigt zu vereinbaren? Oder ist doch, auf die Dauer, gewalttätige Realpolitik die größte Dummheit?

Eines muß uns klar sein: Die Bergpredigt ist das Herz des Christentums. Nicht nur gesagt hat Jesus sie, gewissermaßen als Neuer Moses, der vom Berg herab die Normen des Neuen Gottesbundes verkündet, sondern auch aufs radikalste vorgelebt. Statt seine Macht über die Gemüter zu einem gewaltsamen Aufstand zu benutzen, ließ er sich wehrlos ergreifen; bis zuletzt barmherzig, hat er mitten in grausigen Qualen seinen Mördern verziehen. Sein Frieden-Stiften zwischen Frommen und Sündern zu Lebzeiten weitet sich nach seiner Auferstehung zum Niederreißen der Feindschaftsmauer zwischen Juden und Völkern: "Er ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riß durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder" (Eph 2,14). Tatsächlich leben Judenchristen und Heidenchristen in einer Kirche friedlich beisammen, geschichtlich allerdings nur als "drittes Volk" neben, ja gegen Juden wie Heiden; doch ist ihr Friede innerhalb der Kirche ein äußeres Zeichen des vollen Friedens, der sich in den Herzen der Gläubigen sowie bei Wir-Feiern prophetischer Gruppen (z.B. in der "Weltkonferenz der Religionen für den Frieden") auch irdisch schon vollzieht und im Ewigen Leben des offenbaren Gottesreiches allen Streit überstrahlen wird.

Herz des Christentums ist die Bergpredigt, das Herz lebt aber nicht ohne die anderen Organe! Gewaltlose Opferbereitschaft kann nicht das einzige Lebensprinzip sein, solange sich an es nicht alle halten. Denn mein eigenes Wohl darf ich zwar opfern, nicht aber gegen ihren Willen das von anderen, für die ich verantwortlich bin. Im kleinen zeigt sich das deutlich. Geht das stärkere Kind gewaltsam auf das schwächere los, dürfen Vater oder Lehrer es nicht voll Sanftmut gewähren lassen, das würde vom anderen mit Recht als grausam empfunden.

Daraus scheint mir zu folgen: die Bergpredigt können als unverbrüchliche Regel fast nur Menschen anwenden, die wie die Mönche auf Jesu Spur eben dieses christliche Zeugnis sich zur Lebensaufgabe erwählt haben und deshalb auf jede konkrete Verantwortung für andere Menschen verzichten. Sie soll - und wird - es in der Kirche immer geben, nicht notwendig im Kloster, auch mitten in der Welt. Der heilige Franziskus ist das strahlendste Beispiel in der Geschichte, Dostojewskis Fürst Myschkin ("der Idiot") ein anrührendes in der Literatur.

Für uns andere ist die Bergpredigt ein lebensrettender Kompaß, aber nicht das einzige Orientierungsmittel. Ein Kompaß ist nicht deshalb untauglich, weil er keinen Stadtplan ersetzt; erst recht ist ein Kompaß nicht darum schlecht, weil man ihn einem Mitmenschen auch um die Ohren hauen kann. Dies tut mit der Bergpredigt [im Stück "Androcles und der Löwe" von Shaw] ein römischer Christ. "Laß mich los! Deine Religion verbietet dir, mich zu schlagen," rief Lentulus, ein schmächtiger Römer im Schwitzkasten des bärenstarken Ferrovius. Der erwiderte: "Im Gegenteil, sie befiehlt mir, dich zu schlagen. Wie kannst du denn die andere Wange hinhalten, wenn du nicht zuerst auf die eine geschlagen wirst?"

Die Episode ist lustig und tiefgründig. In ihr blitzt, wie in einer Glasscherbe die Sonne, die Kirchengeschichte auf. Als die Kirche im Abendland Macht gewonnen hatte, fühlten die Christen sich in der Pflicht, das Evangelium - gewaltsam durchzusetzen. Das scheint närrisch, ist es auch, doch wie sagt Chesterton so schön: "Verrückt ist nicht, wer den Verstand verloren hat, sondern wer alles verloren hat außer dem Verstand." Um der fatalen Logik hinter der Entwicklung zur inquisitorisch-imperialistischen Machtkirche zu widerstehen, müssen wir sie zuerst begreifen. Dazu hilft die Verkleinerung des Maßstabs. Begleiten wir deshalb, statt die Weltkirche durch ihre Jahrhunderte, eine Christengruppe durch ein paar Wochen.

In einer Wohngemeinschaft leben zwei Familien. Erst teilen sie alles, dann kommt es zur Krise, der Kühlschrank wird in zwei Bereiche zertrennt, bis allen das Unwürdige dieses Zustands bewußt wird und man, nunmehr reif und kritisch, zu gelebter Bergpredigt zurückkehrt und als christliche "Kontrastgemeinde" die von Jesus verheißene Seligkeit Tag für Tag spürt. Geben ist seliger als nehmen; der Klügere gibt nach; die Gruppe hat es erfahren, daß diese ehrwürdigen Sprüche nichts mit Schwäche zu tun haben, aber viel mit Stärke - und mit Glück. Dessen zugleich unerbittliche und völlig zwanglose Autorität allein ist es, die hinter der Bergpredigt steht. Nicht weil Jesus Duckmäuser möchte, sondern weil er der Menschen Glück will, deshalb darf er sich trauen, ihnen die bekannten wunderlichen Ratschläge zu geben. Wer so frei ist, sie zu tun, schafft Glück. Wer so frei ist, darauf kommt es an. Das zeigt der Fortgang der Geschichte. Eines Tages zieht noch ein Student in die Wohnung. Auch ihm kommt bald der Verdacht, er werde benachteiligt. Doch wie er das besprechen will, fährt man ihm über den Mund, beruft sich auf die geltende Ordnung und verbietet ihm sein eigenes Kühlschrankfach. Verbittert zieht er sich zurück.

Was ist hier geschehen? Die Autorität des Glücks ist von Menschen in eigene Regie genommen und zur Gewalttätigkeit verdorben worden. Die anderen hätten dem Neuen ihre eigene Glückserfahrung vorleben, erzählen und anraten sollen; in dem Augenblick aber, wo die ebenso richtige wie wichtige Botschaft ihm aufgezwungen werden sollte, war sie zuinnerst vergiftet, war der Leben schaffende Geist zum tötenden Buchstaben verkehrt.

Es genügt, daß ich den Kompaß nicht länger mißbrauche, mich nicht aus Scheintreue zu ihm in städtischen Sackgassen verirre oder Mitmenschen mit ihm vergewaltige, und sofort weist seine Klarheit meinem Leben unfehlbar die rettende Richtung. Wie ein fremder Autofahrer, dessen Unterkunft westlich von London liegt, sich in der abendlichen Metropole nach der Sonne richtet (ich habe es mit Erfolg praktiziert), so soll ein Christ wissen und darf vertrauen: Jesu Neues Gesetz, die Bergpredigt, ist meine Wahrheit. Der Kanzler hatte freilich recht, Politik kann man mit ihr so wenig machen, wie ein Autofahrer, der nach Norden will, seinem Kompaß dann folgen sollte, wenn der ihn vor ein Flußufer führt (vor Jahren stand in der Zeitung, daß jemand seinem elektronischen Leitsystem glaubte, obwohl die Brücke abgerissen worden war).

Ist der Kompaß also unnütz? Keineswegs: Es heißt halt rechts oder links nach der nächsten Brücke suchen. Ohne die Bergpredigt kann man zwar, sollte man aber nicht Politik machen, weder als Staatsmann noch in geringeren Feldern. Wohin unchristliche Politik getaufte Völker bringt, haben Hitler und Stalin gezeigt; wie segensreich im Geist der Bergpredigt auch nichtchristliche Politiker wirken können, hat ein Mann wie Gandhi bewiesen. Es heißt, er habe stets neben der Bhagavadgita auch das Evangelium bei sich gehabt.

Lassen wir uns das Vertrauen, ja den Stolz auf die wunderbaren Seligpreisungen von niemandem madig machen. Naive Gutmenschen wollen wir nicht sein, aber hoffentlich kritische, gute Menschen. Was sich derzeit unter dem Etikett "Markt über alles!" an ruppiger Selbstsucht breitmacht, dieser kaltschnäuzige Ungeist hat mit dem christlichen Abendland nichts gemein sondern wäre, setzte er sich durch, dessen Ende. Das wird er aber nicht. Ideologische Moden halten etwas aber nicht sehr viel länger als textile. Auch der aktuelle Zeitgeist ist schon verurteilt. Wie Petrus [Apg 5,9] einst zu einer habgierigen Frau, dürfen wir zur antisozialen Markt-Ideologie sagen: "Siehe, die Füße derer, die deinen [kommunistischen] Mann begraben haben, stehen vor der Tür, auch dich wird man hinaustragen." Daß Eisenbahnen nicht nur pünktlich fahren sondern auch Aktionären Gewinn bringen müssen, ist ebensowenig einsehbar wie der Auftrag an ein Wasserwerk, neben der Qualität des Wassers auch noch, in Konkurrenz zu ihr, den Kontostand eines privaten Eigentümers zu verbessern. Warum eigentlich? Wer von Zügen oder Wasser mehr verlangt als ihren Nutzen für alle, mindert ihn. Und die Löhne der Mitarbeiter einer Firma sind zwar für den Gewinn der Eigentümer negativ, dieser Schnitt durch den Apfel der Realität ist aber nicht der wichtigste. Die Gesetze so zu gestalten, daß die entscheidende andere Perspektive Menschenwürde sich fordernd sogar in den Bilanzen niederschlägt, ist folglich der Auftrag an eine Wirtschaftspolitik im Geist der Bergpredigt.

Selig, die vor gleißenden Mattscheiben trauern, denn sie werden getröstet werden. Selig, die trotz aufreizender Schaufenster ein reines Herz bewahren. "Herrlich! Was es alles gibt, das ich nicht brauche", hat Sokrates vor den Athener Auslagen frohlockt. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit: Weil das immer gelten wird, gibt es keinen Grund, wegen der schreienden Nord/Süd-Ungerechtigkeit zu verzweifeln, angesichts ihrer vor Hilflosigkeit zu erstarren. Nein: Zwei alte Jesuiten, die radikalsten Christen, die ich kenne, kämpfen an der vordersten Front des Elends. Der eine hilft chinesischen Aussätzigen, der andere armen Indios im Hochland von Peru. Und beide sind, wenn sie hin und wieder in Europa aufkreuzen, von ansteckender Fröhlichkeit und ermuntern meine gutbürgerliche Familie, es sich in Freuden wohl sein zu lassen. "Hat euch etwas gefehlt?" fragte Jesus (Lk 22,35) seine Freunde. "Sie aber sagten: Nichts."


II. Seltsame Glückwünsche

von Christa Bing

Sind es nicht seltsame Glückwünsche, die wir da in unserem Sonntagsevangelium zu hören bekommen? Wie ginge es uns, wenn wir diese Sätze zum ersten Mal vernähmen? Kommen wir uns nicht erbärmlich vor, wenn wir einem viel Größeren gegenüber uns als arm, ihm nicht entsprechend, erkennen? - Oder wie ergeht es uns mit der Sanftmut? Kommt da nicht der Verdacht auf, man will wieder einmal erreichen, dass die Schwächeren klein beigeben und verspricht ihnen dafür einen guten Platz im Jenseits. - Und wer ist davon begeistert, Unrecht auszuhalten, Spott und Hohn? Auch wenn es um Wichtiges geht und große Menschen dafür ihr Leben riskiert haben, wünschen wir uns kaum, ihr Los deswegen zu teilen.

Ob die Zuhörer von damals verstanden haben, was ihr neuer Lehrer ihnen mitteilte? Möglicherweise waren sie so fasziniert von ihrem Meister, dass sie gar nicht über die Konsequenzen nachdachten, waren einfach froh, mit dabei zu sein, Ihm zuhören zu können. Solche Berge der Begeisterung haben wir alle schon gelegentlich bestiegen mit jemandem, der uns fasziniert hat. Warum auch nicht! Sie und wir sind dann bald wieder ins Tal des normalen Lebens abgestiegen, haben im Herzen über die Worte jener Stunden oder nur Augenblicke nachgedacht und vielleicht gemerkt, dass ER, der oben dabei war, das Unten schon in die Freude jenes Augenblicks hineingepackt hat. Denn auf den zweiten Blick schließen seine Glückwünsche gerade die Täler unseres Lebens mit ein: innere Armut; Hunger und Durst nach Gerechtigkeit; anscheinend nicht erreichen können, was man für nötig hält; dem andern nicht gerecht werden; Niedergeschlagenheit; Missverständnisse; Ausgrenzen von fremden Vorstellungen ...

Und nun wagt ER zu sagen: Wenn wir das alles bei uns entdecken und darunter leiden, dann ist nicht Resignation angesagt. Wenn wir feststellen, wir haben leider nicht alles im Griff, liegt vor uns die große Chance, über unser vordergründiges Leben hinauszudenken und mit IHM uns in dem heiligen Zusammenhang zu entdecken, dessen Teil wir selber sind. Bedarf haben ist hier wahrlich keine Schande. Sich nicht für den Nabel der Welt halten zu müssen, kann erleichtern und gelassen machen. Wie gern möchte Er uns zur Quelle bringen, aus der er selber lebt und uns dazu verhelfen, zutiefst aus dem geschenkten Dasein zu leben, Augenblick für Augenblick! Er weiß, dass wir immer wieder schwach werden in diesem Vertrauen, und sagt deshalb in seinem Abschiedsgebet: "Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind". Darin sah er seinen Auftrag, für und mit allen durchzuhalten die schier unvorstellbaren Spannungen der Liebe, aus der er lebte. Er wusste sich wirklich als ein neuer Mose, der sein Volk durch das Rote Meer führt auf Gottes Geheiß. Oder ist die Taufe nicht ein Sinnbild dafür?

Wohin geht nun die Reise? Durch die Wüste in das Land der verheißenen Freiheit. Wenn wir aber verreisen, werden wir allen Ballast zurücklassen und das Notwendige mitnehmen. Dadurch werden wir beweglicher, werden unseren Mut und Phantasie einsetzen, uns gegenseitig mit dem dienen, was jeder hat und kann, im Bewusstsein des allen geschenkten Daseins. - Wir jedoch sind normalerweise sehr weit davon entfernt, so zu denken und zu handeln.

Aber die Einladung ist ergangen: Heute, wenn ihr seine Stimme hört ... Seine Einladung ergeht manchmal in rauen Tönen, ist in Ereignissen versteckt, von denen wir nicht erwarten, sie enthielten die Botschaft der Liebe. Doch es geht wie bei Mose, der aus dem Felsen Wasser fließen ließ: so entlockte Christus aus dem Untergang das Wasser des Lebens und ruft uns zu: Tue desgleichen! Deute DEIN Leben im Sinne Gottes.

Zum Weiterdenken:

In einer WG leben zwei Familien. Ausführlich erzählte ich diese Story, nach einschlägigen Erfahrungen, im März 1973.

"Zum richtigen Verständnis der Seligpreisungen ist zu beachten, daß sie nicht gewissen Menschenklassen, sondern bestimmten religiös-sittlichen Haltungen das Heil verheißen. Denn die Armen, Trauernden, Sanftmütigen, Hungernden und Verfolgten können nicht streng voneinander geschieden werden. Gemeinsam ist diesen Seligpreisungen, daß die als Bedingung für das Heil geforderte Haltung jeweils eine äußere Lage zur Voraussetzung hat, welche die von ihr getroffenen Menschen als unglücklich, beklagenswert erscheinen läßt. Aber gerade deshalb werden sie von Jesus selig gepriesen. Darin liegt eine radikale Umkehrung der menschlichen Wertmaßstäbe, deren Wirkung bei Lukas noch durch die Weherufe über die Reichen, Satten, Lachenden und von den Menschen Gepriesenen unterstrichen wird. Die Unglücklichen werden selig gepriesen, die Glücklichen als unselig, beklagenswert erklärt. In dieser Paradoxie kommt ein Grundgedanke des Evangeliums zum Ausdruck, daß es nämlich neben dem Gottesreich, das für die Menschen das Heil bedeutet, keinen wirklichen Wert in der Welt gibt. Denn die einzelnen Verheißungen sind nur verschiedene Ausdrucksformen für das eine Heil oder Gottesreich. Damit ist zugleich gesagt, daß alle Seligpreisungen eschatologisch zu verstehen sind. Nicht jetzt schon sind die Armen, Trauernden, Verfolgten usw. selig, d. h. glücklich, sondern ihr Los in der zukünftigen Welt ist zu preisen. Dies aus dem Munde Jesu zu vernehmen, der mit Vollmacht redet (7,29), d. h. das Urteil Gottes ausspricht, bedeutet für sie einen Trost, der sie fähig und innerlich bereit machen soll, ihr menschlich betrachtet elendes Los mit Freude und Ergebung in Gottes Willen zu tragen. Denn erst dadurch machen sie aus der äußeren Not eine Tugend. Weil alle diese Seligpreisungen religiöse und sittliche Haltungen und nicht lediglich soziale oder wirtschaftliche Lagen nennen, liegt ihnen auch jedes "Ressentiment" gegen die Reichen und Mächtigen, die Glücklichen im Sinne dieser Welt, fern. Sie sind aber ein mächtiger Protest gegen das, was die Welt unter Glück versteht."

[Josef Schmid, Das Evangelium nach Matthäus (Regensburg 1959), S. 83]

Auch dich [den Superkapitalismus] wird man hinaustragen. Zum Enron-Skandal schreibt Jordan Mejias am 31. Januar 2002 [nicht im Wirtschaftsteil aber] im Feuilleton der F.A.Z.: "Noch ist die Ungesetzlichkeit der Vorgänge nicht bewiesen. Für die Leitung von Enron mag das ein rarer Lichtblick sein. Wäre jedoch alles mit rechten Dingen zugegangen, müßte sich Amerika nur um so tiefer grämen. Dann nämlich läge der Beweis vor, daß das System selbst nicht funktioniert. Im kapitalistisch reinsten Land der Welt müßte der Skandal sich zum antikapitalistischen Lehrstück zuspitzen, wie es sich ein Bertolt Brecht nicht polemischer hätte ausdenken können. Nur die Wirklichkeit aber wagte sich an ein Szenario, in dem die Führungsspitze einer Firma vor dem Totalkollaps Aktien im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar abstößt, den Angestellten hingegen, deren Pensionskonto zusehends schrumpft, ein Verkaufsverbot auferlegt. In einer schlechten alten Zeit verloren sie bisweilen ihren Arbeitsplatz, nicht aber zugleich auch noch ihre Rente. Der Ökonom Paul Krugman sagt darum voraus, das Wirtschaftsdebakel werde Amerika entscheidender prägen als der 11. September. Mit Enron wird das amerikanische Wirtschaftssystem einer Generalinspektion unterzogen. Der Staat muß seine Bürger neu davon überzeugen, daß Mackie Messer unrecht hat und die Gesetze nicht die Bankgründer bevorzugen."

Vor gleißenden Mattscheiben: Vgl. den zynisch-ehrlichen Spruch eines früheren RTL-Chefs.

Zwei alte Jesuiten: Wer einen unterstützen möchte, wende sich an die Missionsprokur der deutschen Jesuiten.

Eine wahre Geschichte zum heutigen Lesungstext: Etwa 1957 lernte ich als Germaniker im ersten Studienjahr den Halbinder Philippe Fanchette aus Mauritius kennen. Er gab mir hin und wieder getippte Blätter voll aufregender Gedanken zu lesen, darunter war einmal diese Frage: "Warum ist das Christentum ausgerechnet in Europa groß geworden, und nicht in Indien?" Antwort: "Das Törichte der Welt hat Gott erwählt um die Weisen zu beschämen, und das Schwache der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zu beschämen ... damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott." Für den stolzen Europäer war das, ich erinnere mich gut, damals kein geringer Schock.


Hier ist ein Angebot für Freunde meiner Internet-Gedanken: Auf einer CD habe ich unter dem Titel "Christliches Stereo-Denken" alles, was auf verschiedenen Servern veröffentlicht ist, zusammengestellt und intern verknüpft sowie mit Bildern und Liedern angereichert. Außerdem sind sechs Bücher im WORD-Format dort zu lesen (die elektronischen Bücher Nr. 2,5,6,7,10 der Liste). Im Ganzen meldet der Rechner fast tausend Dateien. Ein Teil der Ernte von über vierzig Jahren Theologie steht zur Verfügung und kostet nur 8,50 Euro + Porto, insgesamt unter zehn Euro. Für Religionslehrer, Pfarrer und andere Profis eine Fundgrube, für deren Freunde eine sinnige Geschenk-Idee. Bestellungen bitte direkt an mich, um Verwechslung mit dem Müll zu vermeiden bitte mit klarem Betreff: CD-Bestellung. Seit Anfang Dezember 2004 ist die neue Auflage mit allem bisher im Netz Veröffentlichten verfügbar.


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/bergpred.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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