Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr B

Wieso ist die Zeit schon vollendet?

Gedanken zum zweiunddreißigsten Sonntag im Jahreskreis


"Am Ende der Zeiten ist Christus erschienen" (Hebr 9,26).

Wie können wir diesen geheimnisvollen Satz verstehen? Oberflächlich aufgefasst, wäre er falsch; als Christus erschien, waren die Zeiten nicht zu Ende, zweitausend Jahre kamen seither schon dazu. Um einzusehen, in welchem Sinn Christus trotzdem das Ende der Zeiten gebracht hat, wollen wir es machen wie er selbst: "Ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen" (Mt 13,34). Anders als durch Vergleiche lassen Glaubenswahrheiten sich nicht sagen.

Mit dem Himmelreich ist es, wie wenn ein Chor sich auf einer CD verewigen will. Monate lang haben sie die zwölf Nummern geprobt, schließlich ist der Tag der Aufnahme da. Aber die zieht sich hin. Streng kritisiert die Chorleiterin; mal ist eine Stimme zu laut, mal die andere zu tief. Um nicht an einer Stelle hängen zu bleiben, singt man das ganze Programm. Nach Nummer fünf - wo er selber mitsang - jubelt der Tonmeister: Das war's! Die Chorleiterin stimmt zu: Ja, für diesen Abschnitt ist die Aufnahme zu Ende. Ihn haben wir geschafft.

"Es ist vollbracht." Des sterbenden Jesus letztes Wort im Johannes-Evangelium teilt uns dieselbe Heilswahrheit mit. Ende der Zeiten ist Christus nicht als letzter Punkt der irdischen Zeitlinie. Wohl aber als machtvoller Tonmeister, der sämtliche Zeitlinien aller Räume aus ihrer Vergänglichkeit endgültig erlöst und fürs Ewige Leben bewahrt.

Inzwischen singt der Chor weiter. Tag für Tag ist die Aufnahme im Gang. Sänger sind fortgegangen, neue kamen hinzu. Immer wieder spielt der Tonmeister ihnen jene endgültig gelungenen Takte vor, bei denen er selbst mitgewirkt hat, damit allen klar wird, worauf es ankommt. Weil er seinen Part vollendet hat (jetzt löst der Vergleich sich ins Geheimnis auf), will und kann er uns Sängern bei jedem Ton nahe sein, unsere Stimmen mit seiner vollendeten Kunst von innen her so stützen, dass die Aufnahme auch jetzt gelingt. Wenn wir ihn nur lassen! Doch leider schätzt mancher Schreihals den eigenen Frosch höher als die leisen Winke des Ganzen.


Wer nicht aufs Netz angewiesen sein will, kann meine Internet-Präsenz auf einer CD-ROM bestellen, zusammen mit Buchtexten, die nicht online verfügbar sind (z.B. dem Dreifaltigkeitsbüchlein von 1968 [les- aber nicht durchsuchbar]). Die CD, samt Nachtrag Mai 2006 und September 2008, kostet 8,50 Euro + Porto. Für Religionslehrer, Pfarrer und andere Profis eine Fundgrube, für deren Freunde eine sinnige Geschenk-Idee. Bestellungen bitte direkt an mich, um Verwechslung mit dem Müll zu vermeiden bitte mit klarem Betreff: CD-Bestellung.


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/b-s32.htm

Zurück zur Leitseite des neuen Predigtkorbes.

Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

Kommentare bitte an Jürgen Kuhlmann