Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr B

Die Große Zumutung

Gedanken zum einunddreißigsten Sonntag im Jahreskreis


"Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig" (Dt 6,4). Diese Worte der ersten Lesung gehören zum Heiligsten, was Menschen sagen können. Wir Deutschen sollen sie besonders demütig nachsprechen; denn Hunderttausende auf deutschen Befehl ermordete Juden haben sich in ihrer letzten Not an diesem Satz festgehalten. So trägt Gott es ihnen auf (6,6): "Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen." Dazwischen hören wir Gottes Hauptgebot, wie Jesus es uns ausgerichtet hat: "Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft."

Welche Kühnheit! Das unfassbare Geheimnis vor, unter, in, hinter und nach allem, was es gibt, ES dürfen wir nicht bloß erschrocken fürchten, nein: Jesus, der selbst an ihm zerbrechen wird, sagt uns: Ihr sollt Gott lieben! Wie ein kleines Kind von unten herauf seinen Papi anstrahlt: "Papi!" Wer das erlebt hat, erst als Kind von unten, dann als Vater von oben und es wagt, sich in Jesu Mut einzuschwingen, d.h. die Linie vom Kind zum geliebten Papi ins Unendliche zu verlängern und aus innerster Seele zu sprechen: Ja, Gott, ich liebe DICH – obwohl ich das grausige Elend kenne, das Du Deinen Geschöpfen zumutest. Auch über mich, meine Kinder und die süßen neuen Enkel wird Schlimmes hereinbrechen, zuletzt der allverschlingende Tod.

Trotzdem, mein Gott, liebe ich DICH und rate Kindern wie Enkeln dasselbe. Denn auch Jesus hat Dich bis zuletzt geliebt und DU ihn, so hast DU ihn zwar nicht vor dem Tod bewahrt aber aus dem Tod gerettet in Deinen ewig lebendigen Glanz. Dasselbe hoffen wir – die bei der Taufe wahrhaft Glieder seines unsterblichen Osterleibes geworden sind – auch für uns.

Mag denn in der Kirche derzeit – wie meistens – vieles drunter und drüber gehen, mag vatikanischer Dreck zum Himmel stinken, mögen Bischöfe sich als Leiter missverstehen und statt ihre Mitchristen selbständig durchs Chaos bloß römische Erlasse nach unten weiter leiten, d.h. nicht als Glaubenszeugen sondern als Büttel agieren – trotz allem, meine Schwestern und Brüder, lasst uns Gott lieben "mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft". Und (denn dies zweite Gebot ist dem ersten gleich) unsere Nächsten wie uns selbst.


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Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/b-s31.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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