Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr B

Das eine, vielfach teilgehabte Priestertum

Gedanken zum neunundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis


Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten (Hebr 4,14).

Sehr verschieden denken die Menschen über Priester. Unvergesslich bleibt, was der alte P. Robert Leiber, lange Jahre Privatsekretär von Papst Pius XII., uns Weihlingen anfangs der 60er Jahre auf den Weg mitgab: Sie werden beglückend viel Vertrauen erfahren, das Sie nicht verdient haben, aber auch Hass erleben, den Sie nicht verdient haben; beides haben Jahrhunderte hindurch Ihre Vorgänger verdient, in deren Reihe Sie jetzt treten.

Kein Wunder, dass die christlichen Bekenntnisse diese Ambivalenz höchst unterschiedlich in die – für jeden organisierenden Verstand notwendige – amtliche Eindeutigkeit kleiden.

Bei einer katholischen Primiz ehrt die Gemeinde die Gegenwart unseres Hohenpriesters in seinem neu geweihten Repräsentanten derart überschwänglich, dass der junge Mann gut aufpassen muss, bloß nicht mit dem sakramental neuen Selbst sein armes altes Ich zu verwechseln. Täte er das, würde er bald zum Pfaffen. Einem Freund, im Priestergewand durch Frankfurt unterwegs, zischte ein Unbekannter Sie elender Pfaffe! zu.

Andere Bekenntnisse erschweren solche Verwechslung, indem sie keine Priester weihen, nur Gemeindeleiter ordinieren. Doch fehlt ihnen allein das Wort, nicht die Sache. Denn weil in Christus sein Priester-, Lehr- und Hirtenamt untrennbar zusammen gehören, wird ER in jedem Hirten, der mehr als Mietling ist, auch priesterlich wirken, d.h. für die ihm Anvertrauten Mittler zwischen Gott und Menschen (1 Petr 2,5) sein. Streicht die Mutter ihrem Sohn verzeihend übers Haar, dann übt sie – wissend oder nicht – dieses Amt aus; weiß sie es, so gewinnt ihr Lebenslied an Obertönen, das tut ihren Lieben gut. Dass ihr dieses Amt deutlicher werde: dazu dient im Sinn des Glaubens (Soziologen wissen anderes) der Aufwand einer Primiz.

Versöhnte Verschiedenheit, das derzeit anscheinend einzig realistische ökumenische Modell, verlangt weit mehr, als dass die eine Konfession sich mit den Widersprüchen der übrigen schulterzuckend abfindet. Vielmehr soll jede jene fremden Farben der vielbunten Weisheit Gottes, die ob unserer Verstandesgrenzen im eigenen apparatlichen Gefüge zurücktreten müssen, doch dankbar bei den anderen erkennen, um sie geistlich, d.h. im realen täglichen Leben, auch selbst, wo sie dran sind (das heißt griechisch: kairós), vor den Menschen leuchten zu lassen (Mt 5,16).

Welches Komitee oder, besser, Konzil schreibt uns den ökumenischen Katechismus, der mit diesem Prinzip die zahlreichen Streitfragen vom Kriegsgrund zum Friedensprogramm wandelt?


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Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/b-s29.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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