Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr B

Befreiendes Richtschwert

Gedanken zum achtundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis


»Lebendig ist das WORT Gottes, wirkkräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und durchdringend bis zur Trennung von Leben und Geist, von Gelenken und Mark. Und es richtet die Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpf ist unsichtbar vor ihm: Alles ist nackt - und wie mit bloßgelegtem Hals - vor den Augen dessen, dem wir uns zu verantWORTen haben« (Hebr 4,12-13).

Vor Gottes richtendem Wort dürfen wir erschrecken – bis uns klar wird, wie es richtet: Nur deshalb richtet es unser Böses hin, um unser Gutes erlösend her- und aufzurichten. Dasselbe mit anderem Bild: Um unser dem engen Ich verhaftetes Selbst zu befreien, reißt DU mit scharfem Schwert die Wände der Ich-Haftanstalt nieder. Und schon macht sich das von Dir so väterlich bejahte Selbst auf in die Weite zu Dir.

Jeden Tag bin ich versucht, mich mit dem Kerker zu verwechseln, in den man mich so eifrig sperrt – komm, starkes WORT, hau mich heraus! Mag mir, weil ich mit der Zwangsjacke um und um wie verwachsen bin, die gewaltsame Trennung von ihr auch weh tun – wie ich zum Zahnarzt nie möchte doch immer wieder will, so sollen meine dummen nein-Proteste gegen den mitleidlos scharfen Schnitt Deines Wortes nichts ausrichten gegen mein entschlossenes JA zu ihm, Antwort auf Christus, Dein Ja in Person (2 Kor 1,20).

Zweimal steht in unserem dichten Text der Begriff WORT, am Anfang als WORT an uns, am Schluss als unsere Ant-WORT. Göttlichen Rang haben beide, sonst könnten sie einander nicht entsprechen. Denn Christus, Gott in Maria, ist beides: Dein Wort an uns Deine Schöpfung, und der Schöpfung Antwort – immer klarer hoffentlich auch in uns – an Dich.

Wie ein Christ Gottes so scharfes Wort den anderen (dabei auch sich selbst) auszurichten hat, erklärt Karl Barth [KD IV/3,718 f]: »Das herrliche göttliche Ja, das er ihnen als Evangelium bezeugen darf (und als solches unmöglich hart, finster, humorlos bezeugen kann), ist nun einmal in jenes Nein eingeschlossen, das kein Mensch gerne hören kann, weil es ihm nicht nur auf die Nerven, sondern an die Nieren geht, weil es ihn in der Wurzel seiner Existenz in Frage stellen und aufheben will. Er kann jenes zweischneidige Schwert des Wortes Gottes ... nach keiner Seite, um den Leuten gefällig zu sein, auch nur ein bisschen abschleifen – auch nicht und und gerade nicht unter dem Titel der Liebe! Er kann den Menschen die freie Gnade nicht zu einer bequemen Gnade, den lieben Gott nicht zu einem guten Mann machen.«


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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