Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr B

Bin ich gemeint?

Gedanken zum sechsundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis


»Ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird. Euer Reichtum verfault, und eure Kleider werden von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber verrostet; ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten und euer Fleisch verzehren wie Feuer. Noch in den letzten Tagen sammelt ihr Schätze. Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere. Ihr habt auf Erden ein üppiges und ausschweifendes Leben geführt, und noch am Schlachttag habt ihr euer Herz gemästet« (Jak 5,1-6).

Diese Mahnung von ganz oben ist immer aktuell. 1953, während das Wirtschaftswunder allmählich loslegt, erklärt der Theologe Johann Michl: »Wie das dumme Vieh sich noch auf den Schlachttag mästet, so dass sich die Schlachtung lohnt, so rüsten sich die Reichen auf dieser Welt, für die allein sie leben, in ihrer Art auf den Gerichtstag, den "Schlachttag" Gottes, dass das Gericht dann an ihnen etwas findet. Jakobus erlebt es als einen schon hereinbrechenden Vorgang; mit dem Kommen Jesu hat es bereits begonnen und jederzeit kann es sich ganz entladen.«

Gegensätzliche Missverständnisse drohen dieser Botschaft, je nach der Antwort auf die Frage: Wer ist reich?

a) Reich sind die anderen, die mit Millionen auf dem Konto, erst recht die gierigen Bankster, deren Wahnsinn derzeit die ganze Welt in die Pleite, Millionen Unschuldige ins Elend stürzt. Mich und die Meinen meint die biblische Warnung nicht.

b) Reich ist die Erste Welt als ganze. Anderswo schuften ausgemergelte Kinder für Hungerlöhne, von der globalen Unrechtswirtschaft profitieren bei uns alle – sogar ein deutsches Kind, das unter seinesgleichen als arm gilt, weil es kein neues Fahrrad fährt und den alten Pulli des Bruders aufträgt.

Keine dieser eingängigen Ideologien wird dem Wort Gottes gerecht. [a)] entzieht sich seinem Anspruch, [b)] missbraucht es als Dampfwalze, die ihre Opfer unter einem gigantischen Schuldkomplex erdrückt.

Weder gegen die anderen noch gegen alle richtet sich Gottes Botschaft, wohl aber an jeden, der sie vernimmt. Was sie jeweils sagt, finde ich nicht in Kommentaren, sondern im Gewissen und beim Gespräch. Franz von Assisi hat die Armut aufs äußerste getrieben – nach wenigen Jahrzehnten besaßen die Franziskaner eins der schönsten Studienhäuser in Paris.

In einer festen Position dauernd zur Ruhe zu kommen ist nicht der Sinn einer Wippe.


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Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/b-s26.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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